POGROM IM NOVEMBER 1938

Vor 79 Jahren wurden in einer damals sogenannten Reichskristallnacht jüdische Geschäfte geplündert und deren Einrichtungen zerstört. Auch in Gera gab es vom 9. auf den 10. November Gewaltakte dieser Art. SA, SS und Hitlerjugend räumten die jüdische Synagoge im Hotel Kronprinz (Gedenkstätte Anna-Schneider-Weg, siehe Titelbild), die Synagoge in der Hospitalstraße (Karl-Liebknecht-Straße) sowie die jüdische Schule im damaligen Meistergässchen 10 aus und verbrannten Einrichtungs- und Kultgegenstände. Männliche Juden wurden in Schutzhaft genommen und in das KZ Buchenwald verschleppt. Fortan war es Juden untersagt, kaufmännisch tätig zu sein. In der Folgezeit mussten viele ihre Wohnungen verlassen und in sogenannte Judenhäuser ziehen.

Zuvor, am 7. November 1938, war in Paris in der Deutschen Botschaft der Diplomat Ernst Eduard vom Rath, NSDAP-Mitglied und Legationssekretär, niedergeschossen worden. Zwei Tage später starb dieser. Der Täter, Herschel Grynszpan, ein in Paris lebender 17-jähriger Jude, dessen Familie ebenfalls vertrieben worden war, soll im Verhör Rache für das Leiden seiner Eltern angegeben haben. Er habe eigentlich den Botschafter treffen wollen. Die NS-Regierung nahm das Attentat zum Anlass, mit hoher Gewalt gegen Juden vorzugehen.

Der systematischen Ausgrenzung, Enteignung, Verfolgung und Ermordung dieser Menschen ging Hitlers Ansinnen voraus, sich vom bestehenden System zu lösen, Deutschland unabhängig zu machen und eine neue Gesellschaft aufzubauen. Hitler sah sich im Kampf gegen „Regenten des internationalen Kapitals“, zu denen er insbesondere Juden zählte, und betrachtete Gewalt als ein legitimes Mittel.

Hitler glaubte, Juden seien geschickt darin, mit Hilfe des Geldes Werte an sich zu binden und sie dadurch anderen zu entziehen. Sie scheuten die körperliche Arbeit und seien eher bestrebt, sich andere dienstbar zu machen. Mit diesen zugeschriebenen Merkmalen deklarierte er sie als eine eigene Art von Mensch und band sie in die damalige Rassenlehre ein. Wolle man sich von der Diktatur des Kapitals lösen, müsse man die Juden bekämpfen, war er überzeugt.

Hitler verachtete die parlamentarische Demokratie und schrieb in seinem Buch „Mein Kampf“ (erster Band, III. Kapitel):

„Es ist nicht das Ziel unseres heutigen Parlamentarismus, etwa eine Versammlung von Weisen zu bilden, als vielmehr eine Schar geistig abhängiger Nullen zusammenzustellen, deren Leistung nach bestimmten Richtlinien um so leichter wird, je größer die persönliche Beschränktheit des einzelnen ist. Nur so kann Parteipolitik im heutigen Sinne gemacht werden. Nur so aber ist es auch möglich, daß der eigentliche Drahtzieher immer vorsichtig im Hintergrund zu bleiben vermag, ohne jemals persönlich zur Verantwortung gezogen werden zu können.“

Am 10. Dezember 1940 legte Hitler vor den Beschäftigten der Berliner Borsig-Lokomotivwerke seine Ansicht von der Herrschaft des Kapitals unter dem Mantel der Demokratie abermals dar (Tonaufnahme, Auszug):

Über das Kapital und die bestehende Gesellschaftsform hatte bereits Karl Marx kritisch geschrieben. Es war ein bedeutendes Thema seiner Zeit, in der auch Alternativen ersonnen wurden. Hitler verfasste eine eigene Schrift und propagierte den Nationalsozialismus, der jedoch in hohem Maße von Gewalt geprägt war und viele Millionen Tote zur Folge hatte.

Dieser Artikel und die darin enthaltene Tonaufnahme dienen nach § 86 StGB einzig der Berichterstattung, dem geschichtlichen Verständnis und der geschichtlichen Aufarbeitung. Es bestehen keinerlei politische Bestrebungen.

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