DER TAG DES OFFENEN DENKMALS AM 12. SEPTEMBER 2021

Zu sehen ist der Osterstein am 23. April 2019. (Bild: Stadtverwaltung)

Ein großer Teil der Geraer Kulturdenkmale ist normalerweise nicht oder nur teilweise öffentlich zugänglich. Anders ist das am deutschlandweiten Tag des offenen Denkmals, an dem sich die Stadt Gera auch in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Programm beteiligt.

„Es ist zur Tradition bei uns geworden, dass einmal im Jahr die Erhaltung von Kulturdenkmalen im Vordergrund steht“, freut sich Sabine Schellenberg, Leiterin des Amtes für Denkmalschutz, und fährt fort: „Wir wollen mit unserer Teilnahme die herausragenden Leistungen von Eigentümern zur Rettung von Kulturdenkmalen in der Stadt würdigen.“

Dazu kann am 12. September zwischen 11 Uhr und 17 Uhr Architekturgeschichte in Gera im Rahmen von über zehn Programmpunkten erlebt werden.

Eröffnet wird der Tag des Offenen Denkmals in Gera 10.30 Uhr im Rutheneum durch Oberbürgermeister Julian Vonarb. Hier steht das ehemalige Reußische Regierungsgebäude von 1722, das ab dem Schuljahr 2021/2022 einen Teil des Gymnasiums Rutheneum beherbergt. Kreuzgratgewölbe im Erdgeschoss, schwere Metalltüren, in den Obergeschossen zweiflügelige Holztüren, Stuckbänder an den Decken, Kamintüren auf den Fluren, ein zweiläufiges Treppenhaus mit gefrästen Geländerstäben und eine lebhafte Farbigkeit prägen das barocke Bauwerk, eines der bedeutendsten Gebäude der Zeitgeschichte Geras. „Das ambitionierte Vorhaben der Umnutzung dieses baukulturellen Kleinods als Schulgebäude wurde über viele Jahre vorbereitet. Das Ergebnis der Umbaumaßnahmen hat unsere Vorstellung übertroffen“, würdigt Schellenberg die Leistungen der Handwerker, Restauratoren, Maler, Zimmerleute, Stuckateure und weiterer Spezialisten. Führungen durch das ehemalige Reußische Regierungsgebäude werden in kleinen Gruppen in kurzen Abständen angeboten.

Ein weiterer Höhepunkt des Tages erwartet die Besucher auf dem Osterstein. Ursprünglich stand hier eine bronzezeitliche Wallanlage, später eine Burg mit dem noch erhaltenen Bergfried, errichtet von den Vögten von Weida. Durch Umbauten im 15. und 16. Jahrhundert wandelte sich der Osterstein allmählich von einer Burg hin zu einem repräsentativen Schloss als Wohn- und Regierungssitz des Fürstenhauses Reuß jüngerer Linie. Damit nimmt es auch in der Thüringer Landesgeschichte eine herausgehobene Position ein. Trotz seiner teilweisen Zerstörung 1945 und dem Abriss der Ruinen bis 1962, gehört die Anlage zum kulturellen Erbe der Stadt und blieb eng mit den Geraern verbunden — als Ort kultureller und künstlerischer Bedeutung, als beliebter Treff- und Aussichtspunkt. Nun haben die ersten Vorbereitungen für die Revitalisierung im unteren Hof begonnen. Auf Informationstafeln erfahren Interessierte Wissenswertes zum abgestimmten Gesamtkonzept für das Schloss. Auch Gästeführer sind vor Ort und geben Auskunft. Die Räume in den bereits sanierten Gebäuden des Unterschlosses, die in der Vergangenheit bereits durch Kunstaustellungen genutzt wurden, sind ebenso zugänglich wie der Gartensaal.

In der Altstadt Geras gibt es ein weiteres barockes Kleinod zu besichtigen. Das Portal Große Kirchstraße 7 gehört zu den opulentesten spätbarocken Sandsteinportalen in Mitteldeutschland mit reich gegliedertem Zierrahmen und figürlichem Schmuck. Es wird derzeit saniert. Das Vorhaben wird mit Fördermitteln des Landes Thüringen unterstützt. Interessierte haben die Möglichkeit, im Beisein des Restaurators das Portal und seine Figuren über ein Gerüst aus der Nähe zu betrachten.

Für das gründerzeitliche Wohngebäude Clara-Zetkin-Straße 20 von 1879 kam die Rettung in letzter Minute. Durch eindringendes Wasser waren die Decken bereits durchgebrochen. Mittlerweile sind die Sanierungsarbeiten zu großen Teilen abgeschlossen, so dass das Gebäude bereits wieder genutzt wird. Auch seine Straßenfassade erstrahlt in historischen Farben in neuem, altem Glanz. Besucherinnen und Besucher werden von den Eigentümern persönlich durch das Haus geführt und erfahren viel Wissenswertes rund um Sanierung und Geschichte des Gebäudes. In unmittelbarer Nähe, in der Laasener Straße 1, erwarben die Eigentümer ein weiteres historisches Eckhaus, dessen Erdgeschoss bis 1990 die bei alteingesessenen Geraern bekannte Drogerie Feyler beherbergte. Eine Besonderheit des Gebäudes sind die runden Glasecken in den Schaufenstern. Die Gestaltungsdetails haben ihren Ursprung um 1905 und sind dem Jugendstil angelehnt. Interessierte können die Wohnungen des Hauses besichtigen.

Neben dem Osterstein sind im Stadtteil Untermhaus auch in diesem Jahr mehrere Objekte zu besichtigen. Die Hochwassermauer am Grieß ist eine Baumaßnahme des Landes Thüringen und wurde mit Natursteinvorsatz fertiggestellt. Die Rampe an der Untermhäuser Brücke zum Mohrenplatz wurde im Auftrag des Tiefbauamtes der Stadt Gera instand gesetzt und ein Metallgeländer nach historischem Vorbild gefertigt.

Das Fachwerkhaus Gries 5 gilt aufgrund seines historischen Treppenturmes als kulturelles Kleinod. Viele Jahre war die Zukunft des 1606 errichteten Fachwerkgebäudes über einem Sandsteingeschoss ungewiss, weil der Verkauf wegen Eigentumsfragen blockiert war. Seit zwei Jahren wird das Gebäude nun aufwändig saniert. „Die Schäden und der Substanzverlust an den Holzkonstruktionen waren sehr weit fortgeschritten, so dass mit großem Aufwand viel erneuert werden musste“, kommentiert Sabine Schellenberg die Bauarbeiten. Das Projekt wird mit Mitteln der Städtebauförderung und der Denkmalpflege unterstützt.

Die geöffneten Kirchen befinden sich dieses Jahr im ländlichen Raum im Süden der Stadt. In Niebra freut sich die Gemeinde über zwei neue Kirchturmglocken, die stündlich geläutet werden. Eine überregionale Besonderheit ist der Altarretabel, eine besondere Form des Altaraufsatzes. Zwar ist die Baustelle mit den Sanierungsarbeiten am Putz der Kirche in Großfalka noch nicht abgeschlossen – dennoch ist das Gebäude mit besonderer Deckenmalerei für Interessierte geöffnet.

Im Stadtmuseum eröffnet 11 Uhr die Ausstellung des Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie zur Grabung auf dem Campus Rutheneum. Zu sehen sind die Ergebnisse der Grabung mit zeitlicher Einordnung der Funde. Über zwei Monate lang hatte eine Grabungsgruppe am Johannisplatz und am Stadtgraben Zeugnisse aus vergangenen Jahrhunderten aufgedeckt, geborgen und dokumentiert. Einige Funde werden später dauerhaft in einer Vitrine in der Schule ausgestellt.

Auch das Haus Schulenburg öffnet wieder seinen Garten. Die Besichtigung des Gebäudes selbst und der aktuellen Ausstellung ist gebührenpflichtig. Zu sehen ist „Ingo Kirchner — Abstraktion und Pop aus Ostberlin“ und „So viel van de Velde gab es noch nie: Möbel, Keramik, Porzellan, Metall“. Zum Verweilen lädt das Café im Gebäude ein.

Der Tag des offenen Denkmals findet seit dem Jahre 1993 jährlich im September statt und wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Er ist der deutsche Beitrag zu den „European Heritage Days“, einer Initiative des Europarats. An diesem Aktionstag können auch Kulturdenkmale, die üblicherweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, besucht werden. Damit soll auf die reiche Denkmallandschaft Deutschlands und die wertvolle Arbeit des Denkmalschutzes aufmerksam gemacht werden. In diesem Sinne öffnen auch in Gera jedes Jahr im September zahlreiche Kulturschätze ihre Pforten. Im Jahre 2019 konnten Interessierte unter anderem die Gebäude der ehemaligen Woll- und Seidenweberei Schulenburg und Bessler und der Schäferschen Klinik sowie zahlreiche Wohnhäuser im Bauhausstil besichtigen. 2020 fand der Aktionstag wegen der Corona-Maßnahmen nur virtuell und in deutlich reduzierter Form statt.

Weitere Informationen und das Programmblatt zum Tag des offenen Denkmals sind unter „https://www.gera.de/Denkmaltag“ und „https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/“ zu finden.

QUELLE: STADTVERWALTUNG

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