{"id":11651,"date":"2020-06-25T20:49:52","date_gmt":"2020-06-25T18:49:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=11651"},"modified":"2020-06-25T20:49:55","modified_gmt":"2020-06-25T18:49:55","slug":"auseinandersetzungen-in-einer-neuen-groessenordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2020\/06\/25\/auseinandersetzungen-in-einer-neuen-groessenordnung\/","title":{"rendered":"AUSEINANDERSETZUNGEN IN EINER NEUEN GR\u00d6SSENORDNUNG"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die stetig zunehmende Enthemmung und die j\u00fcngsten Ausschreitungen in Stuttgart kommen nicht \u00fcberraschend, sondern sind Vorzeichen eines gr\u00f6\u00dferen Wandels. Lesen Sie hierzu einen Kommentar.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als es vor 90 Jahren im Schatten einer Wirtschaftskrise zu Unruhen auf Deutschlands Stra\u00dfen kam, ahnten die meisten Menschen noch nicht, dass sie bereits Teil einer folgenschweren Kausalkette waren. K\u00f6nnte sich soetwas in \u00e4hnlicher Weise wiederholen, und sind sie Randale von Stuttgart der Auftakt f\u00fcr eine Serie gesellschaftlicher Entladungen in einer neuen Gr\u00f6\u00dfenordnung? Welchen Weg wird die Entwicklung diesmal nehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell war man bem\u00fcht, das Geschehen mit Begriffen wie \u201eEvent-Szene\u201c und \u201em\u00e4nnliche Gewalt\u201c so zu erkl\u00e4ren, dass die Nebenwirkungen vergangener politischer Entscheidungen allenfalls auf eine f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen Kurs n\u00fctzliche Weise wieder ins Gespr\u00e4ch kommen. Es w\u00fcrden sich sonst unangenehme Fragen aufdr\u00e4ngen: Welche Auswirkungen hat die Migration aus bildungsferneren Schichten in eine Leistungsgesellschaft, dessen materieller Wohlstand begehrt, aber mit den eigenen Ressourcen nicht erreichen kann? Kann die anwachsende Drogenszene, welche nahezu ungest\u00f6rt immer mehr \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze einnimmt, ein Indikator f\u00fcr entt\u00e4uschte Hoffnungen, Versagens\u00e4ngste, Zukunftssorgen, den gesellschaftlichen Verfall und eine zunehmende Verwilderung sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen werden weniger wichtige Themen in den Vordergrund ger\u00fcckt und mit zahllosen anderen inhaltlich gleichlautenden Beitr\u00e4gen publiziert. Relevante Dinge erscheinen dagegen nur in einem Dreizeiler oder werden mit Etiketten versehen, die andere zur\u00fcckschrecken lassen. Es wird viel geredet und wenig gesagt. Medien, die in einem \u00fcberhitzten Umfeld die st\u00e4rksten Emotionen in Szene setzen, dramatisieren und polarisieren, wundern sich \u00fcber Hassbotschaften unter ihren Artikeln. Sie selbst sind es, die zur Aufwiegelung beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man davon ausgehen, dass die Unruhen Kalk\u00fcl sind, die Destabilisierung der Gesellschaft nicht ungewollt ist? Denn Ausnahmezust\u00e4nde sind meistens die Rechtfertigung f\u00fcr strengere Gesetze und Restriktionen, und fast jeder w\u00fcrde ein h\u00e4rteres Durchgreifen in solchen Zeiten bef\u00fcrworten. So ergibt sich auch eine logische Reihenfolge, bevor die Wirtschaft tats\u00e4chlich darniederliegt und viele Haushaltskassen leer sind. Was also w\u00fcrde passieren, wenn in acht Monaten eine Pleitewelle heranrollt, mit zunehmender Arbeits- und Perspektivlosigkeit? Wird man dann versuchen, \u00fcber eine zweite Infektionswelle die Lage ruhig zu halten, um gleichzeitig, ohne gro\u00dfes Hinterfragen, die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft umbauen zu k\u00f6nnen? Denn mit der Digitalisierung und dem Verschwinden der Mittelschicht werden sowieso viele Menschen als unb\u00e4ndige Randgruppen zur\u00fcckbleiben. Die Vorarbeit f\u00fcr die langfristige Investition und das Gesch\u00e4ft der Zukunft w\u00e4re dann schon geleistet.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen wird die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit nach rechts gelenkt, als k\u00e4me die gr\u00f6\u00dfere Bedrohung abermals von dort. Zweifelsohne kann Extremismus aus dieser Richtung einen Staat unter bestimmten Voraussetzung gef\u00e4hrlich mutieren lassen, wie die Vergangenheit zeigt. Doch diese notwendigen Voraussetzungen werden nicht mehr erf\u00fcllt. Die heutige Rechte hat keine Vision, keine Ideologie, und nichts, was sie zu einer geballten Bewegung machen k\u00f6nnte. Die Indikatoren f\u00fcr einen neuen Totalitarismus sind dennoch un\u00fcbersehbar, was bedeutet, dass er w\u00e4hrend des gemeinschaftlichen Blickes nach rechts aus einer ganz anderen Richtung kommen wird, und zwar bekannterma\u00dfen von dort, wo mit der Vison eines neuen, besseres Systemes gelockt wird, wo man mit \u00c4ngsten, Bedrohungen und Feindbildern arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>KOMMENTAR<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die stetig zunehmende Enthemmung und die j\u00fcngsten Ausschreitungen in Stuttgart kommen nicht \u00fcberraschend, sondern sind Vorzeichen eines gr\u00f6\u00dferen Wandels. Lesen Sie hierzu einen Kommentar. 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