{"id":12177,"date":"2020-08-14T10:43:18","date_gmt":"2020-08-14T08:43:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=12177"},"modified":"2020-08-14T10:43:19","modified_gmt":"2020-08-14T08:43:19","slug":"die-situation-im-geraer-stadtwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2020\/08\/14\/die-situation-im-geraer-stadtwald\/","title":{"rendered":"DIE SITUATION IM GERAER STADTWALD"},"content":{"rendered":"\n<p>Das gro\u00dfe Niederschlagsdefizit und die anhaltende Trockenheit seit dem Jahre 2017 sind auch am Geraer Stadtwald nicht spurlos vorbeigegangen, meldet das Amt f\u00fcr Stadtgr\u00fcn. Die f\u00fcr die Geh\u00f6lze erreichbaren Wasserreserven im Boden h\u00e4tten sich durch mehrere regenarme Jahre demnach ersch\u00f6pft. Die Folgen sind offensichtlich: Ein deutlicher R\u00fcckgang des Baumbestandes, insbesondere der Fichte, aber auch Kiefern und L\u00e4rchen sind betroffen. \u201eB\u00e4ume reagieren auf den Trockenstress mit dem Abwurf von nicht \u00fcberlebensnotwendigen \u00c4sten, ihre Kronen trocknen zur\u00fcck und es entsteht ein hoher Schadholzanteil\u201c, erkl\u00e4rt Matthias Mittenzwey, Leiter des Amtes f\u00fcr Stadtgr\u00fcn. Eine so geschw\u00e4chte Vegetation sei besonders anf\u00e4llig f\u00fcr den Befall von Forstsch\u00e4dlingen wie etwa dem Borkenk\u00e4fer, Schwammspinner oder auch Pilze. Zur Sch\u00e4digung des Waldes und zum R\u00fcckgang des Baumbestandes h\u00e4tten dar\u00fcber hinaus auch vier gro\u00dfe St\u00fcrme im Fr\u00fchjahr 2019 beigetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar sei im Geraer Stadtwald aufgrund seines hohen Laubholzanteils nicht mit dem Absterben gr\u00f6\u00dferer Bereiche zu rechnen, wie derzeit in deutschen Nationalparks und auch in einigen Regionen des Th\u00fcringer Waldes beobachtbar, dessen Baumbestand mehrheitlich aus den besonders anf\u00e4lligen Fichten besteht. Doch weisen mittlerweile auch Laubb\u00e4ume Sch\u00e4den auf. Besonders besorgniserregend sei Mittenzwey zufolge das Leiden und Absterben einer Vielzahl der als robust geltenden Buchen innerhalb von nur wenigen Wochen in Gera.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei kann jeder Einzelne zur Gesunderhaltung des Geraer Stadtwaldes beitragen. Langanhaltende Hitze und Trockenheit f\u00fchren insbesondere in den Sommermonaten jedes Jahr zu einer erh\u00f6hten Waldbrandgefahr. Gegenw\u00e4rtig ist das Risiko in Gera zwar eher m\u00e4\u00dfig, Stufe zwei, doch das kann sich schnell \u00e4ndern: \u201eWichtig ist in jedem Falle im Wald nicht zu rauchen. Das Th\u00fcringer Waldgesetz verbietet zudem offenes Feuer und offenes Licht. Vermieden werden sollte auch, glimmende oder brennende Gegenst\u00e4nde wegzuwerfen\u201c, mahnt der Revierf\u00f6rster Ronald Felgner eindringlich und nicht ohne Grund: Seit 2019 mussten im Geraer Stadtwald zehn Br\u00e4nde gel\u00f6scht werden, die in Teilen auf mutwillige Brandstiftung, aber auch auf Unachtsamkeit zur\u00fcckgingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die klimabedingten Waldsch\u00e4den haben dar\u00fcber hinaus auch wirtschaftliche Folgen. Der hohe Schadholzanteil in deutschen Forsten und das entsprechend erh\u00f6hte Holzaufkommen f\u00fchrten in den letzten Jahren zu rapide sinkenden Holzpreisen. So seien laut Mittenzwey nur aufgrund staatlicher Subventionen \u00fcberhaupt noch Einnahmen in diesem Bereich zu erzielen; zum Teil finde man aufgrund des ges\u00e4ttigten Marktes auch keinen Abnehmer mehr. Das wirke sich auch auf den st\u00e4dtischen Haushalt aus. Hinzu k\u00e4men zus\u00e4tzliche Kosten f\u00fcr Instandsetzungen von Waldwegen aufgrund des vermehrten Abtransports von Schadholz. Umso wichtiger sind rasche und konsequente Gegenma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung dieser problematischen Entwicklungen. Bereits 2009 erhielten die Kommunen vom Land Th\u00fcringen dazu finanzielle Soforthilfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Empfehlungen von Th\u00fcringenforst sind eindeutig. Demnach erfordere der Klimawandel langfristig gesehen ein Umdenken. \u201eDeutschland muss weg von naturfernen Fichten- und Kiefernw\u00e4ldern. Es braucht klimastabile und also standortgeeignete, vielgestaltige und gut gepflegte Mischw\u00e4lder\u201c, so der Sprecher Th\u00fcringenforst, Dr. Horst Spro\u00dfmann. Auch aus Sicht Mittenzweys spielt der langfristige Waldumbau eine zentrale Rolle, um das Multitalent vor einem weiteren Absterben zu bewahren. \u201eSeit Jahren entfernen wir uns im Geraer Stadtwald von Reinbest\u00e4nden aus Fichte und Kiefer hin zu einem gemischten Baumartenbestand mit hohem Laubholzanteil aus Eiche, Ahorn, Kirsche und Buche\u201c, betont der Leiter des Amtes f\u00fcr Stadtgr\u00fcn und erg\u00e4nzt: \u201eLaubmischw\u00e4lder sind die W\u00e4lder der Zukunft, denn sie sind widerstandsf\u00e4higer. Mit ihren tiefen Wurzeln k\u00f6nnen sie St\u00fcrmen und Trockenheit besser standhalten als Fichten.\u201c Demnach sei der Geraer Wald aufgrund seiner durchmischten Vegetation geradezu vorbildlich: \u201eDass Gera von einem gro\u00dffl\u00e4chigen Baumsterben in den letzten Jahren verschont geblieben ist, liegt vor allem an seinem hohen Anteil verschiedener Laubbaumarten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Geraer Stadtwald ist die gr\u00fcne Lunge vor der Haust\u00fcr der Stadt, ist Naherholungsgebiet mit gut ausgebautem kilometerlangem Wegenetz zum Wandern, Spazierengehen und Joggen. Selbst eine ausgewiesene Mountainbikestrecke gibt es. Mit seinen wilden Schluchten und romantischen T\u00e4lern ist er ein echtes Juwel und sucht seinesgleichen. Er ist Lebensraum f\u00fcr eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten und ein wahrer Kraftquell f\u00fcr die Menschen vor Ort. Er spendet K\u00fchle an hei\u00dfen Sommertagen, sch\u00fctzt vor Erosion gerade an Steilh\u00e4ngen und versorgt die Stadt nicht nur mit sauberem Grundwasser, sondern auch mit Frischluft. Wie ein nat\u00fcrlicher Filter befreien seine Baumkronen die Luft von St\u00e4uben, Gasen und radioaktiven Stoffen. Nicht zuletzt ist der Geraer Stadtwald ein wichtiger Lieferant des nachhaltig verf\u00fcgbaren Roh-, Bau-, und Werkstoffs Holz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Gr\u00f6\u00dfe von 887 Hektar ist der Wald Eigentum der Stadt Gera. Dabei unterliegen etwa 60 % der gesamten st\u00e4dtischen Waldfl\u00e4che dem Schutzstatus. Kommunale Aufgaben umfassen im Wesentlichen die Bewirtschaftung des Waldes, die Pflege der Best\u00e4nde unter Vorgabe des zehnj\u00e4hrigen Forstwirtschaftsplanes, Holzvermarktung und Holzverkauf sowie die Pflege und Unterhaltung von Erholungseinrichtungen. Charakteristisch f\u00fcr den Geraer Stadtwald ist sein vergleichsweise hoher Anteil an Laubholz, der ihn resistenter gegen\u00fcber Trockensch\u00e4den und Sch\u00e4dlingsbefall macht als beispielsweise den Th\u00fcringer Wald mit seinem hohen Fichtenbestand.<\/p>\n\n\n\n<p>Urs\u00e4chlich f\u00fcr den Nadelholzreinbestand in vielen deutschen W\u00e4ldern ist die vermehrte Verh\u00fcttung von Eisenerzen zur Herstellung von Eisen in Zeiten der Industrialisierung. Dazu wurde Holzkohle in gro\u00dfer Menge ben\u00f6tigt; die Nachfrage nach Holz stieg und f\u00fchrte zur deutschlandweiten Anpflanzung von Nadelholzreinbest\u00e4nden \u2013 ein Garant f\u00fcr die schnelle Holzproduktion in gro\u00dfen Mengen. Etwaige Auswirkungen auf die Umwelt und die dauerhafte Stabilit\u00e4t der Best\u00e4nde waren in jener Zeit irrelevant. Mittelfristig wird im Th\u00fcringer Wald wie in anderen Forsten Deutschlands der Anteil der Fichte waldbaulich zugunsten von Laubbaumarten wie Buche und Wei\u00dftanne zur\u00fcckgef\u00fchrt und mithin eine Baumartenausstattung angestrebt, die dem nat\u00fcrlichen Artenvorkommen nahekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Sicherstellung einer nachhaltigen, umweltfreundlichen, \u00f6konomisch tragf\u00e4higen und sozialf\u00f6rderlichen Forstwirtschaft haben sich verschiedene Zertifizierungssysteme mit strengen Auflagen etabliert. Siegel wie FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programm f\u00fcr die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen) bescheinigen Holz- und M\u00f6belk\u00e4ufern unter anderem, dass das Holz aus nachhaltiger Produktion stammt und ausschlie\u00dflich bodenschonende Holzerntetechniken angewandt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sch\u00e4den, Ma\u00dfnahmen und Hilfen in Th\u00fcringen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Angaben von Th\u00fcringenforst fielen 2018 rund 0,8 Millionen Festmeter Borkenk\u00e4ferschadholz sowie rund eine Million Festmeter Schadholz durch Trockenheit an. 2019 fielen 2,3 Millionen Festmeter Borkenk\u00e4ferschadholz an, hinzu kamen rund eine Million Festmeter Trockensch\u00e4den insbesondere an Buche. 2019 sind th\u00fcringenweit rund 20.000 Hektar Schadfl\u00e4che erfasst worden, 2020 wird diese Schadfl\u00e4chengr\u00f6\u00dfe vermutlich deutlich \u00fcbertroffen. Damit k\u00e4mpfen Wald, Waldbesitzer und F\u00f6rster mit den gr\u00f6\u00dften Herausforderungen seit rund einhundert Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fichte, mit 38 % Anteil wichtigste Baumart im Freistaat, ist die vom Borkenk\u00e4fer, Sturm und D\u00fcrre am heftigsten gesch\u00e4digte Baumart. Dies betrifft insbesondere jene Fichtenfl\u00e4chen in ganz Th\u00fcringen, die bis zu einer H\u00f6henlage von etwa 400 Meter auftreten. Hier muss klimawandelbedingt mit einem vollst\u00e4ndigen Verlust der Baumart Fichte und damit dem Verlust ganzer Nadelwaldgebiete gerechnet werden. Anders verh\u00e4lt es sich in den Mittelgebirgslagen des Th\u00fcringer Waldes, des Ostth\u00fcringer Schiefergebirges und des S\u00fcdharzes. Dort kommt die Baumart Fichte, zusammen mit Wei\u00dftanne, Buche und Bergahorn, im Bergmischwald nat\u00fcrlich vor, vor allem in den Hoch- und Kammlagen. Auch wenn hier der Borkenk\u00e4fer inzwischen auch w\u00fctet, die Fichte wird dort als Mischbaumart auch in Zukunft landschaftspr\u00e4gend bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenma\u00dfnahmen gibt es derzeit vor allem zur Eind\u00e4mmung der Borkenk\u00e4fermassenvermehrung und ihrer Folgen, indem frisch befallene Fichten unverz\u00fcglich erkannt, eingeschlagen und aus dem Wald gebracht werden. Diese Ma\u00dfnahmen unterbrechen wirkungsvoll die Infektionskette und verhindern eine weitere Ausbreitung der K\u00e4fersch\u00e4den. Dar\u00fcber hinaus gilt es f\u00fcr F\u00f6rster und Waldbesitzer, Trockensch\u00e4den, vorzugsweise an der Baumart Buche, festzustellen, einzuschlagen und einer technisch sinnvollen Verwendung zuzuf\u00fchren, wenn eine Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Dritte, etwa an Hauptwanderwegen, besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Waldumbau hin zu klimastabilen Mischbest\u00e4nden wird angestrebt, die Zukunftsf\u00e4higkeit des \u201eGr\u00fcnen Herzens Deutschland\u201c zu sichern. Dabei kommen Baumarten zur Anwendung, die Trockenheit besser ertragen k\u00f6nnen, etwa die heimische Eiche, Linde, Wei\u00dftanne, Kiefer, Wildobst und Elsbeer. Diese werden erg\u00e4nzt um nichtheimische Baumarten, die seit Jahrhunderten in Deutschland angebaut werden, beispielsweise die Douglasie, L\u00e4rche, Schwarzkiefer, Roteiche, und Robinie. Der Anbau extrem trockenresistenter exotischer Baumarten, wie T\u00fcrkische Tanne, Libanonzeder, Orient-Buche, Hemlocktanne usw. bedarf noch weiterer Erforschung, bevor eine Empfehlung f\u00fcr die heimische Region gegeben werden kann. Damit sind f\u00fcr alle m\u00f6glichen Klimaszenarien Entscheidungsoptionen vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung hat ein Hilfspaket in H\u00f6he von 700 Millionen Euro zur Rettung des deutschen Waldes initiiert. Die Landesregierung hat F\u00f6rdermittel f\u00fcr private und kommunale Waldbesitzer 2020 auf 21 Millionen Euro aufgestockt. Mit dem \u201eMa\u00dfnahmenplan D\u00fcrre, Sturm und Borkenk\u00e4fer 2019 bis 2022\u201c ist weitere Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Waldbesitzer im Freistaat initiiert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das gro\u00dfe Niederschlagsdefizit und die anhaltende Trockenheit seit dem Jahre 2017 sind auch am Geraer Stadtwald nicht spurlos vorbeigegangen, meldet das Amt f\u00fcr Stadtgr\u00fcn. Die f\u00fcr die Geh\u00f6lze erreichbaren Wasserreserven im Boden h\u00e4tten sich durch <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2020\/08\/14\/die-situation-im-geraer-stadtwald\/\" title=\"DIE SITUATION IM GERAER STADTWALD\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":2,"featured_media":12179,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":{"0":"post-12177","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-lokal"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12177"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12177\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12178,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12177\/revisions\/12178"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}