{"id":12501,"date":"2020-09-11T11:33:37","date_gmt":"2020-09-11T09:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=12501"},"modified":"2020-09-11T11:34:39","modified_gmt":"2020-09-11T09:34:39","slug":"forschung-fuehrt-wissenschaftler-nach-gera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2020\/09\/11\/forschung-fuehrt-wissenschaftler-nach-gera\/","title":{"rendered":"FORSCHUNG F\u00dcHRT WISSENSCHAFTLER NACH GERA"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 9. September 2020 reiste Svenja Arlt von der Universit\u00e4t K\u00f6ln im Naturkundemuseum Gera an, um geeignete Knochen und Z\u00e4hne von Wollhaarnashorn, Wisent, Rentier und Pferd aus der Lindentaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle f\u00fcr Untersuchungen auszuw\u00e4hlen. \u201eAus der Lindentaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle existieren erstaunlich viele Rentierz\u00e4hne, die bei vielen anderen Fundpl\u00e4tzen selten sind oder gar ganz fehlen\u201c, so Arlt. Zun\u00e4chst werden die Objekte fotografiert und mit dem Laserscanner aufgenommen. Anhand von Proben, die unter der Leitung von Dr. Stephanie Kusch an Knochen und Z\u00e4hnen entnommen werden, wird eine Sauerstoff- und Strontium-Isotopenuntersuchung durchgef\u00fchrt. Dies geschieht unter der Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Staubwasser von der AG Umweltisotopenchemie der Universit\u00e4t K\u00f6ln. Die Altersbestimmung der Proben mittels einer Radiocarbondatierung (C14) erfolgt dann in Oxford (UK). \u201eDie Untersuchungsergebnisse, die in einem Jahr zu erwarten sind, werden unser Verst\u00e4ndnis der Lindentaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle erheblich sch\u00e4rfen\u201c, davon ist Museumsp\u00e4dagoge des Naturkundemuseums Frank Hrouda \u00fcberzeugt. Die K\u00f6lner Wissenschaftler, die auf diese Art und Weise Knochenmaterial von \u00fcber 30 weiteren mitteleurop\u00e4ischen Fundstellen nehmen, werden so anhand der gewonnenen Daten die Umweltbedingungen der letzten mitteleurop\u00e4ischen Neandertaler besser rekonstruieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Geraer Museum f\u00fcr Naturkunde gewinnt auf einen Schlag eine F\u00fclle ungeahnter Erkenntnisse \u00fcber wichtiges Material seiner Sammlung, insbesondere durch die zahlreichen kostspieligen Altersdatierungen des Knochenmaterials. Erst 2017 erfolgten, auch durch die M\u00f6glichkeiten eines externen Forschungsprojektes, die ersten beiden Altersdatierungen von Knochenmaterial der Lindentaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle. Die gewonnenen Daten waren \u00fcberraschend, wurde doch in einem Falle ein Alter von nur etwa 20&#8217;000 Jahren datiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst vor wenigen Wochen besuchte die Pal\u00e4ontologiestudentin Alicja Wolska von der Universit\u00e4t Breslau\/Polen im Zuge ihrer Masterarbeit das Museum f\u00fcr Naturkunde Gera. F\u00fcr ihre Studien ben\u00f6tigte sie gut erhaltene Oberkieferz\u00e4hne des eiszeitlichen Wollhaar- bzw. Fellnashorns. Die im Museum aufbewahrten Z\u00e4hne des bekannten Pohlitzer Wollhaarnashorns waren daf\u00fcr gut geeignet und wurden detailliert vermessen, um im Rahmen ihrer Masterarbeit neue Erkenntnisse zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><br>Die K\u00f6lner Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. J\u00fcrgen Richter erforschen seit 2009 im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 806 \u201eUnser Weg nach Europa\u201c die Menschheits- und Umweltgeschichte w\u00e4hrend der Entstehung der anatomisch modernen Menschen vor 190&#8217;000 Jahren in Afrika und ihre Einwanderung nach Europa, vor allem die dort stattgefundenen Ausbreitungs- und R\u00fcckzugsbewegungen pr\u00e4historischer Populationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lindentaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle wurde im Sp\u00e4therbst 1874 im heutigen Stadtteil Pforten im Kreuzungsbereich der Pfortener Stra\u00dfe und der Robert-Blum-Stra\u00dfe entdeckt. Sie bestand aus zwei Felsspalten und war gef\u00fcllt mit zahllosen Knochen, Knochensplittern und Z\u00e4hnen, denn die H\u00f6hle war ein sogenannter Hy\u00e4nenhorst, wie er von H\u00f6hlenhy\u00e4nen mindestens zum Auffressen der Beute und wahrscheinlich auch zum Aufziehen der Jungen genutzt wurde. Im Fall der Lindentaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle enthielt das Lockermaterial in den Felsspalten Knochenreste von mehr als 30 eiszeitlichen Tierarten. Auch viele Reste der H\u00f6hlenhy\u00e4ne selbst wurden gefunden, darunter sehr junge aber auch alte Tiere mit verkn\u00f6chertem Kiefer und bis auf die Wurzel abgenutzten Z\u00e4hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Am 9. 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