{"id":15321,"date":"2021-06-03T10:03:53","date_gmt":"2021-06-03T08:03:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=15321"},"modified":"2021-06-03T10:03:55","modified_gmt":"2021-06-03T08:03:55","slug":"dr-thomas-prill-leitet-das-neugegruendete-stadtplanungsamt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2021\/06\/03\/dr-thomas-prill-leitet-das-neugegruendete-stadtplanungsamt\/","title":{"rendered":"DR. THOMAS PRILL LEITET DAS NEUGEGR\u00dcNDETE STADTPLANUNGSAMT"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am 1. Juni 2021 trat Dr. Thomas Prill die Stelle als Leiter des neu gegr\u00fcndeten Stadtplanungsamtes in Gera an. Damit verbunden ist f\u00fcr ihn und seine Familie auch die R\u00fcckkehr in das heimatliche Ostth\u00fcringen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele St\u00e4dte und Gemeinden in Ostdeutschland verlor auch Gera nach der Wende tausende Einwohner. Mit einer Bev\u00f6lkerungszahl von rund 93&#8217;000 geh\u00f6rt die ehemals zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt Th\u00fcringens seit 2009 zu den deutschen Mittelst\u00e4dten. Insbesondere in den Jahren zwischen 1991 und 1997 verlie\u00dfen viele junge Menschen, aber auch Akademiker und Fachkr\u00e4fte aufgrund der akuten Arbeitsmarktprobleme und der schlechten Berufs- und Verdienstm\u00f6glichkeiten die Stadt an der Wei\u00dfen Elster. Einer dieser rund 35&#8217;000 Menschen war Thomas Prill, der nach seinem Abitur am Zabel-Gymnasium nach Hamburg ging, um Stadtplanung zu studieren. Nun kommt er zur\u00fcck. Wir wollten von dem 41-j\u00e4hrigen Stadtplaner wissen, was ihn zu diesem Schritt motiviert, was er sich f\u00fcr das neue Amt vornimmt und wie f\u00fcr ihn die Stadt der Zukunft aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hat Sie bewogen, sich f\u00fcr diese Stelle zu bewerben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Stadtplanung und Stadtentwicklung haben mich interessiert, seitdem ich denken kann. Ich erinnere mich daran, dass ich als kleines Kind mit meinem Gro\u00dfvater an einer riesigen Baugrube in Gera stand und \u00fcber l\u00e4ngere Zeit fasziniert beobachtet habe, wie ein neues Quartier entsteht. Nach vielen Jahren in der Forschung und Lehre in diesem Bereich ist es mir jetzt ein gro\u00dfes Anliegen, nicht nur theoretisch zu arbeiten, sondern Pl\u00e4ne und Konzepte auch umzusetzen, so dass sie im Raum unmittelbar sichtbar werden. Die Stadt Gera mit ihrer besonderen st\u00e4dtebaulichen Vergangenheit und den zuk\u00fcnftigen Herausforderungen ist im Hinblick darauf ein sehr spannendes Bet\u00e4tigungsfeld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was zieht Sie zur\u00fcck nach Gera? Was macht Gera aus Ihrer Sicht lebens- und liebenswert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mich verbindet sehr viel mit Gera. Hier habe ich in den 1980er und 90er Jahren meine Freizeit verbracht. Mit der damals noch recht laut ruckelnden Stra\u00dfenbahn bin ich als Kind von der Wendeschleife in Bieblach zur anderen Wendeschleife in Lusan gefahren und habe die Stadt auf eigene Faust erkundet. Das war immer ein tolles Erlebnis. Besonders gepr\u00e4gt haben mich die vielen positiven Begegnungen mit den Menschen dieser Stadt. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise meine ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer des Zabel-Gymnasiums. Seit meiner Kindheit hat sich vieles in Gera ver\u00e4ndert, ist sch\u00f6ner, heller, freundlicher geworden. Anderes wartet noch darauf, angepackt zu werden. Die in Teilen recht graue Stadt mit ihrer abgasbelasteten Luft, wie ich sie noch in Erinnerung habe, gibt es heute nicht mehr. Sie ist einer, ich m\u00f6chte fast sagen, gr\u00fcnen Oase gewichen, man denke nur an den Hofwiesenpark oder den gro\u00dfen Stadtwald mit seinen unz\u00e4hligen Wanderwegen. Hier ist man wirklich im Handumdrehen in der Natur und kann zu Fu\u00df oder mit dem Fahrrad entlang der Wei\u00dfen Elster flanieren. Als Familienvater sind mir besonders die vielen Freizeit- und Erholungsangebote wichtig, die uns mit dem Hofwiesenbad, dem Theater Altenburg Gera, den vielen Museen und den Kunstsammlungen geboten werden. Gera hat sich trotz vorhandener Defizite, wie sie beispielweise im Bereich der oberen Sorge sichtbar sind, zu einem Ort entwickelt, an dem man gerne leben m\u00f6chte. Ich sehe die Entwicklung Geras insgesamt positiv und habe gro\u00dfe Lust an diesem Prozess weiter mitzuwirken. Diese Stadt hat mir viel gegeben. Davon m\u00f6chte ich gern etwas zur\u00fcckgeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welchen Traum haben Sie von Gera, sagen wir im Jahr 2050?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einen Traum in der Form eines zu erreichenden Idealzustandes von Gera habe ich nicht. Stadtplanung und -entwicklung ist ein fortw\u00e4hrender Prozess. Dieser muss sich an den Anforderungen, W\u00fcnschen und Zielvorstellungen des jeweils vorherrschenden Zeitgeistes, der Politik und der Gesellschaft insgesamt orientieren. Dabei sind \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse zu beachten, rechtliche Vorgaben einzuhalten und Gefahren weitestgehend zu verhindern oder abzuwehren. Mein Ziel ist es, ein leistungsf\u00e4higes Stadtplanungsamt f\u00fcr Gera zu entwickeln, das sinnvolle, nachhaltige und vor allem tragf\u00e4hige Konzepte f\u00fcr die Zukunft dieser Stadt entwirft und umsetzt. Das hei\u00dft f\u00fcr mich in erster Linie, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den anderen Verwaltungs\u00e4mtern kooperativ zusammenarbeiten und weniger reagieren denn agieren, also aktiv gestaltend t\u00e4tig sind. Es geht darum, in vertrauensvoller Zusammenarbeit nicht nur innerhalb des Amtes und Dezernates, sondern \u00fcber die Verwaltungsgrenzen hinaus mit den relevanten Akteuren der Stadt und der Bev\u00f6lkerung zukunftsweisende Pl\u00e4ne zu entwickeln und dann zum m\u00f6glichst gro\u00dfen Nutzen f\u00fcr die Menschen, die hier leben, arbeiten, sich versorgen und erholen sukzessive zu realisieren.<br>Wenn ich 2050 ein funktionierendes und effektiv arbeitendes Amt an meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger \u00fcbergebe, dann kann ich sagen, mein Ziel auch erreicht zu haben. Darauf freue ich mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ganz grunds\u00e4tzlich: Welche Aufgaben betreut das erst im Januar 2021 neu gegr\u00fcndete Stadtplanungsamt denn im Wesentlichen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Organigramm der Stadtverwaltung Gera gibt hier ja einen guten ersten \u00dcberblick. Das Amt geh\u00f6rt zum Dezernat f\u00fcr Stadtentwicklung, Bau und Umwelt und besteht aus den vier Abteilungen Gesamtst\u00e4dtische Planung, Stadtplanung und Stadtgestaltung, Stadterneuerung und Verkehrsplanung. Damit verbunden ist eine ganze Reihe von wichtigen, zukunftsweisenden Aufgaben, an denen bereits mit Hochdruck gearbeitet wird oder die sich in der konkreten Vorbereitung befinden. Dazu z\u00e4hlen die Fortschreibungen des Nahverkehrsplans und des Verkehrsentwicklungsplans, inklusive zahlreicher weiterer Themen wie Parkraumkonzepte, Konzepte nachhaltiger Verkehrsplanung, Konzepte f\u00fcr Sharing-Modelle und Elektro-Kleinstfahrzeuge, betriebliches Mobilit\u00e4tsmanagement und vieles mehr. Die aktuellen f\u00fcnf Sanierungsgebiete der Stadt Gera m\u00fcssen evaluiert werden, um nach M\u00f6glichkeit neue F\u00f6rdermittel beantragen zu k\u00f6nnen. Eine priorit\u00e4re Aufgabe ist die \u00dcberarbeitung und Aktualisierung des Fl\u00e4chennutzungsplans, der die Basis f\u00fcr die st\u00e4dtebauliche Entwicklung Geras in den n\u00e4chsten Jahren ist. Dazu geh\u00f6ren wichtige vorgelagerte Aufgaben, etwa die Evaluierung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts f\u00fcr die Stadt Gera aus dem Jahr 2017 sowie die Fertigstellung der Entwicklungskonzeption Wohnen. Auf der Grundlage dieser Planungen werden dann die zuk\u00fcnftigen Bebauungspl\u00e4ne f\u00fcr die Stadt entwickelt.<br>Es wird im Stadtplanungsamt also im Wesentlichen darum gehen, die k\u00fcnftige Entwicklung der Stadt Gera unter Beachtung der bereits formulierten Zielsetzungen baulich-strategisch vorwegzunehmen und zu begleiten. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass diese Planungen im besten Sinne integriert und an die Erfordernisse einer nachhaltigen, umweltfreundlichen Entwicklung angepasst erfolgen, nicht zuletzt weil hier zuk\u00fcnftig mit mehr und strengeren Vorschriften gerechnet werden muss. Der Klimawandel ist Fakt und erfordert L\u00f6sungen auf allen Ebenen. Je aktiver und selbstbestimmter die Kommunen hier vorangehen, umso gr\u00f6\u00dfer ist auch ihr Handlungsspielraum. Nachhaltige Mobilit\u00e4t, nachhaltige aber dennoch attraktive Wohnformen, die St\u00e4rkung l\u00e4ndlicher Bereiche und die Sicherung von Teilhabe \u00fcber alle Generationen sind dabei wichtige Aspekte. Das schlie\u00dft eine gute wirtschaftliche Entwicklung selbstverst\u00e4ndlich mit ein. Die \u00dcberg\u00e4nge dazwischen sind flie\u00dfend und bed\u00fcrfen intersektoraler Betrachtung und Bearbeitung, was wir im Stadtplanungsamt sicherstellen werden. Die Pl\u00e4ne, Vorgaben und Vorschl\u00e4ge, die von uns erarbeitet und vom Stadtrat gepr\u00fcft und im besten Fall genehmigt werden, gestalten die Zukunft Geras ma\u00dfgeblich mit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Jahr 2014 hat der Geraer Stadtrat das Integrierte Stadtentwicklungskonzept ISEK Gera 2030 als Handlungs- und Entscheidungsvorlage f\u00fcr die Stadtentwicklung beschlossen, das als strategisches Hauptziel Gera als lebenswerte Stadt mit urbaner Mitte definiert. Wo sehen Sie die Aufgabenschwerpunkte Ihrer zuk\u00fcnftigen Arbeit in diesem Zusammenhang?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das von Ihnen benannte Ziel besteht seinerseits ja aus mehreren Teilzielen. So soll unter anderem die Innenstadt das attraktive Gesicht der Stadt sein, das historische Stadtbild gepflegt werden, die Wohngebiete unverwechselbaren Flair bieten, die Infrastruktur an den demographischen Wandel angepasst, die ganze Stadt als Gr\u00fcnstadt entwickelt und der l\u00e4ndliche Raum Geras stabilisiert und integriert werden. Weitere Ziele sind die St\u00e4rkung einer lebendigen Geraer Kultur, die Etablierung Geras als Sportstadt und die Betonung Geras als Stadt am Fluss.<br>Schon im ISEK wird formuliert, dass die Hauptziele f\u00fcr eine abgestimmte und umfassende Stadtpolitik stehen, die fach\u00fcbergreifend und gemeinschaftlich neue Wege beschreitet. In diesem Zusammenhang ist es meine Aufgabe, zusammen mit meinem Team Projekte und Ma\u00dfnahmen zu entwickeln, sie mit anderen Abteilungen abzustimmen und letztlich in rechtsverbindliche Pl\u00e4ne m\u00fcnden zu lassen, die dann auch umgesetzt werden. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, dass unterschiedliche Interessen, die in der Stadtplanung ja immer aufeinandertreffen, \u00fcber Entscheidungsprozesse und die zur Verf\u00fcgung stehenden Verfahren, wie etwa informelle Ideenwettbewerbe oder formelle B\u00fcrgerbeteiligungsverfahren, angemessen ber\u00fccksichtigt und ggf. ausgeglichen werden k\u00f6nnen, ohne dabei die Ziele aus den Augen zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn Sie unabh\u00e4ngig von der kommunalen Finanzlage ein f\u00fcr die Stadt Gera zukunftsweisendes Projekt angehen k\u00f6nnten, was w\u00fcrden Sie als Amtsleiter anregen und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass Innenst\u00e4dte als Einzelhandelsstandorte auch zuk\u00fcnftig unter hohem Druck stehen werden. Der Onlinehandel wird weiter wachsen und die Pandemie wird nachhaltige Spuren hinterlassen. Attraktive Innenst\u00e4dte brauchen aber Menschen, die dort auch Geld ausgeben wollen. Im Kern geht es also darum, die Attraktivit\u00e4t und Anziehungskraft der Cities zu erh\u00f6hen. Hier kann und muss die Stadtplanung wichtige Impulse setzen.<br>Einen gro\u00dfen Nachteil f\u00fcr die Geraer Innenstadt sehe ich darin, dass der Fu\u00dfg\u00e4ngerbereich \u00f6stlich der Breitscheidstra\u00dfe, in Richtung Sorge\/Markt nicht \u00fcberdacht ist und die Menschen beim Flanieren der Witterung ausgesetzt sind. Dem k\u00f6nnte mit der Installation eines filigranen, transparenten und im Zweifel denkmalgerechten \u00dcberdachungssystems von der Breitscheidstra\u00dfe bis zur Leipziger Stra\u00dfe, im Steinweg und auf dem Markt begegnet werden, erg\u00e4nzt um Echtzeit-Informationssysteme an den Eing\u00e4ngen, die einen \u00dcberblick \u00fcber Standorte und \u00d6ffnungszeiten der L\u00e4den geben. Die \u00dcberdachung w\u00fcrde die Fu\u00dfg\u00e4nger vor Regen, \u00fcberm\u00e4\u00dfiger UV-Strahlung und Hitze sch\u00fctzen. Gerade unter den Vorzeichen des Klimawandels hat diese L\u00f6sung durchaus zukunftsweisenden Charakter, nicht zuletzt, weil damit auch der \u00dcberhitzung der Innenstadt entgegenwirkt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geben Sie uns einen Einblick in Ihren beruflichen Werdegang? Wo sind Sie derzeit besch\u00e4ftigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Abitur bin ich nach Hamburg gegangen, um dort Stadtplanung zu studieren. Im Anschluss folgten die Promotion und eine T\u00e4tigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Mobilit\u00e4tsforschung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main sowie ein privatwirtschaftliches Engagement im Bereich der Mobilit\u00e4tskonzeptentwicklung. 2015 bin ich an die Hafencity-Universit\u00e4t Hamburg zur\u00fcckgekehrt und arbeite dort seither als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Forschungsprojekten, die sich insbesondere mit Fragestellungen der Integration von Elektromobilit\u00e4t bzw. nachhaltiger Mobilit\u00e4tsangebote und den dazugeh\u00f6rigen Infrastrukturen in den st\u00e4dtischen Raum befassen.<br>Das aktuelle Projekt, das ich noch abschlie\u00dfe, bevor ich meine neue Stelle in Gera antrete, hei\u00dft E-Metropolis. Es geht darum, \u00f6ffentliche Ladeinfrastruktur zu evaluieren und Empfehlungen f\u00fcr Instrumente und Ma\u00dfnahmen abzuleiten, mit denen Bund, L\u00e4nder und Kommunen den Markthochlauf der Elektromobilit\u00e4t weiter f\u00f6rdern k\u00f6nnen. Insbesondere die Standortfindung f\u00fcr Ladeinfrastruktur stellt hier einen Schwerpunkt dar.<br>Lehre und Forschung sind f\u00fcr mich sehr motivierend. Gerade in der anwendungsorientierten Wissenschaft ist die Arbeit nicht auf die reine Theorie beschr\u00e4nkt. Vielmehr geht man raus in den Raum, spricht und verhandelt mit Akteuren und der Bev\u00f6lkerung, stellt sich Fragen in Gremien, Foren und anderen Formaten und verantwortet die Projekte in ihrer Gesamtheit, also sowohl inhaltlich als auch personell und finanziell. Von diesem Erfahrungsschatz werde ich auch als Leiter des Geraer Stadtplanungsamtes profitieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sehen f\u00fcr Sie die Stadt und das Stadtleben der Zukunft aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal: F\u00fcr eine erfolgreiche Stadtplanung braucht es Visionen, die den Menschen und politischen Entscheidungstr\u00e4gern vorgestellt und im Rahmen des Aushandlungsprozesses zu konkreten Umsetzungsvorhaben entwickelt werden. Im Ergebnis m\u00fcssen sie sowohl von der Mehrheit der Stadtgesellschaft als auch des Stadtrates mitgetragen werden.<br>Die Stadt der Zukunft ist f\u00fcr mich ein Ort, der f\u00fcr alle Einkommensschichten attraktiven und gesunden Wohnraum bereith\u00e4lt und soziale Teilhabe erm\u00f6glicht. Die Gr\u00fcnr\u00e4ume sind mannigfaltig, zusammenh\u00e4ngend, identit\u00e4tsstiftend und so funktional, dass der Wunsch nach dem eigenen H\u00e4uschen mit Garten im Gr\u00fcnen mit Leichtigkeit auch im Geschosswohnungsbau realisiert werden kann. Innovative Bauformen unterst\u00fctzen und verst\u00e4rken diese Entwicklungen.<br>Durch die Stadt der Zukunft k\u00f6nnen sich ihre Bewohner sicher und z\u00fcgig zu Fu\u00df und mit dem Rad bewegen. Sie ist damit auch wieder ein Ort, den Kinder eigenst\u00e4ndig f\u00fcr sich entdecken k\u00f6nnen.<br>Der \u00f6ffentliche Raum der Stadt der Zukunft ist frei von parkendenden privaten Autos. Diese werden in Quartiersgaragagen abgestellt, in denen jeder Stellplatz mit einer Ladevorrichtung f\u00fcr Elektrofahrzeuge ausger\u00fcstet ist. Geladen werden die Fahrzeuge \u00fcberwiegend mit Strom aus Photovoltaik-Anlagen auf den D\u00e4chern des Parkhauses und der umgebenden Bebauung. Durch bidirektionales Laden dienen die privaten Fahrzeuge gleichzeitig als Stromspeicher, die genutzt werden k\u00f6nnen, wenn der Strom in den H\u00e4usern und nicht in den Fahrzeugen ben\u00f6tigt wird. Parken und Laden im \u00f6ffentlichen Raum findet an ausgew\u00e4hlten Standorten nur noch f\u00fcr gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge, Carsharing, Bikesharing und andere Formen nachhaltigerer Mobilit\u00e4t statt. Das beinhaltet auch den \u00d6PNV und Taxis, die emissionsfrei und leise durch die Stadt fahren.<br>Die l\u00e4ndlichen Ortsteile der Stadt werden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden und enger Taktung durch vollautomatisierte Elektro-Kleinbusse angefahren. Die Nutzung solcher Fahrzeuge im \u00f6ffentlichen Nahverkehr bietet sehr viele Chancen: Die Mobilit\u00e4t der Ortsteile wird auf das Stadtzentrum ausgerichtet und verst\u00e4rkt die Beziehungen. Die zus\u00e4tzliche Erschlie\u00dfung von Stra\u00dfen und Quartieren erm\u00f6glicht die Teilhabe am sozialen Leben insbesondere f\u00fcr mobilit\u00e4tseingeschr\u00e4nkte Menschen. Durch die optimierte Fahrweise wird der Kraftstoffverbrauch merklich reduziert. Auch kann Personal optimaler eingesetzt werden. Das alles tr\u00e4gt zur Einsparung von Betriebskosten bei.<br>Durch den engagierten Ausbau des \u00d6PNV, der wohnortnahen Versorgung, der Digitalisierung im Verkehr und der Ausweitung von Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen und Fahrradstra\u00dfen ist es gelungen, den Verkehr in der Stadt stark zu reduzieren. Die freigewordenen Verkehrs- und Parkfl\u00e4chen k\u00f6nnen so effektiver genutzt werden, etwa als wasserhaushaltswirksame Baumstandorte, die Regenwasser von den Wegen und den umgebenden H\u00e4usern aufnehmen und erst nach und nach wieder abgeben. Das entlastet die Kanalisation bei Starkregenereignissen und speichert das Wasser gleichzeitig l\u00e4nger in der Stadt, was mit Blick auf den Klimawandel und damit verbundenen l\u00e4ngeren Trockenperioden zielf\u00fchrend ist.<br>Zudem tragen die B\u00e4ume in hei\u00dfen Sommern dazu bei, dass sich die Stadt nicht zu stark aufheizt. Verst\u00e4rkt werden diese Effekte durch zahlreiche Gr\u00fcnd\u00e4cher und gr\u00fcne Fassaden sowie eine Umgestaltung vieler Freifl\u00e4chen zu wirksamen, multifunktionalen Retentionsfl\u00e4chen, also Fl\u00e4chen, die Regenwasser aufnehmen und erst nach und nach wieder abgeben.<br>Ich k\u00f6nnte noch weiter machen, will es an dieser Stelle aber zun\u00e4chst dabei belassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Herausforderungen sind damit f\u00fcr die Stadtplanung und -entwicklung verbunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die rechtlichen Erfordernisse hatte ich ja bereits angesprochen. Bei allem Gestaltungswillen: Stadtplanung und -entwicklung ist an Vorgaben gebunden, die es einzuhalten gilt. Dar\u00fcber hinaus sind st\u00e4dtebauliche Konzepte auch mit Kosten verbunden. Hier wird es darauf ankommen, jeweils ihren konkreten Nutzen herauszustellen. Im besten Fall sollte also darstellbar sein, welche Kosten sich langfristig durch bestimmte Ma\u00dfnahmen vermeiden lassen. So ist motorisierter Individualverkehr f\u00fcr Stra\u00dfen eine starke Belastung. Je weniger Verkehr desto weniger Instandsetzungskosten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gew\u00e4hren Sie uns noch einen Einblick in Ihre pers\u00f6nliche Lebenssituation?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Meine zehnj\u00e4hrige Tochter und mein achtj\u00e4hriger Sohn besuchen bald Schulen in Gera. Darauf freue ich mich.<br>Derzeit befinden wir uns nat\u00fcrlich in einer Umbruchsituation. Meine Frau und mein Sohn sind bereits in Th\u00fcringen angekommen, w\u00e4hrend ich mit meiner Tochter noch in Hamburg bin und den Zeltabbruch vorbereite.<br>Wir werden dann zun\u00e4chst erstmal in meinem Elternhaus in W\u00fcnschendorf wohnen. Aber wer wei\u00df, vielleicht ziehen wir sp\u00e4ter noch nach Gera. F\u00fcr meine Frau, die in Jena eine Anstellung gefunden hat, w\u00e4re es dann einfacher, zum t\u00e4glichen Pendeln die Bahn zu nehmen.<br>Herzlichen Dank, Herr Dr. Prill f\u00fcr Ihre Antworten. Wir freuen uns, Sie wieder hier in ihrer neuen, alten Heimat willkommen zu hei\u00dfen und w\u00fcnschen Ihnen und Ihrer Familie einen guten Start. F\u00fcr Ihre zuk\u00fcnftigen Aufgaben als Leiter des Geraer Amtes f\u00fcr Stadtplanung w\u00fcnschen wir Ihnen viel Kraft und Erfolg!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Dr. Franziska Hug von der Geraer Stadtverwaltung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Am 1. Juni 2021 trat Dr. Thomas Prill die Stelle als Leiter des neu gegr\u00fcndeten Stadtplanungsamtes in Gera an. Damit verbunden ist f\u00fcr ihn und seine Familie auch die R\u00fcckkehr in das heimatliche Ostth\u00fcringen. Wie <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2021\/06\/03\/dr-thomas-prill-leitet-das-neugegruendete-stadtplanungsamt\/\" title=\"DR. 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