{"id":16433,"date":"2021-09-15T08:01:00","date_gmt":"2021-09-15T06:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=16433"},"modified":"2021-09-13T12:11:04","modified_gmt":"2021-09-13T10:11:04","slug":"was-werden-die-ueberzeugten-mit-den-nicht-zu-ueberzeugenden-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2021\/09\/15\/was-werden-die-ueberzeugten-mit-den-nicht-zu-ueberzeugenden-tun\/","title":{"rendered":"WAS WERDEN DIE \u00dcBERZEUGTEN MIT DEN NICHT ZU \u00dcBERZEUGENDEN TUN?"},"content":{"rendered":"\n<p>Hat es jemals eine Zeit gegeben, in der alle Menschen ein und derselben \u00dcberzeugung waren? Gewiss nicht \u2014 wohl aber gab es in bestimmten Phasen der gesellschaftlichen Entwicklung, welche in Zyklen mit einander \u00e4hnelnden Begebenheiten abzulaufen scheint, das immer st\u00e4rker werdende Bed\u00fcrfnis, eine bestimmte Ansicht so vielen Leuten wie m\u00f6glich als die einzig statthafte zu vermitteln. Dem Verlauf einer exponentiellen Kurve folgend, steigerten sich die Bem\u00fchungen hin zu einem Bedr\u00e4ngen, das umso unerbittlicher wurde, je n\u00e4her der &#8222;Tag der Entscheidung&#8220; zu r\u00fccken schien, und je mehr die nicht zu \u00fcberzeugenden Menschen als Gefahr angesehen wurden. Stehen wir auch heute wieder am Beginn einer solchen Phase?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Suche nach Indizien k\u00f6nnen die Gazetten herangezogen werden: Anfang September 2021 sprach der Bundesgesundheitsminister gegen\u00fcber der &#8222;Hannoverschen Allgemeinen Zeitung&#8220; von einem &#8222;harten Kern&#8220; der &#8222;Impfgegener-Szene&#8220;, den man nicht mehr \u00fcberzeugen k\u00f6nne. Die Ablehnung dort habe fast schon einen religi\u00f6s-fanatischen Charakter. Das Blatt &#8222;Die Zeit&#8220; titelte im Juli 2021: &#8222;Eine Diskriminierung von Ungeimpften ist ethisch gerechtfertigt&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zur gleichen Zeit \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Aufkommen von W\u00f6rtern wie &#8222;Leugner&#8220; und &#8222;Verweigerer&#8220; deutet auf eine wachsende Anzahl dogmatischer Menschen hin, die einer neuen Anschauung folgen, welche sie f\u00fcr ihre eigene und die absolute Wahrheit halten. Alles, was ihre Meinung \u00e4ndern k\u00f6nnte, lehnen sie ab. Der Anspruch auf Absolutheit, Allgemeing\u00fcltigkeit, Verbindlichkeit erstreckt sich \u00fcber immer weitere Themenfelder und ver\u00e4ndert schlie\u00dflich den Alltag. Mit der verinnerlichten Auffassung, nur noch wenig Zeit zu haben, werden Menschen beschuldigt, weil sie das tun, was sie schon immer taten, und das sind, was sie schon immer waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen \u00dcberzeugungen verfestigen sich schlie\u00dflich zu einem Dogma mit dem Gebot, es niemals zu hinterfragen. Dabei f\u00e4llt es in den eskalierenden verbalen Gefechten immer schwerer, herauszufinden, wer sich in welche Richtung bewegt, und woran man sich selbst orientieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einem Dogma verfallen ist, ob jene, die sich zur Mehrheit der Gesellschaft z\u00e4hlen und dies als Beleg f\u00fcr die Richtigkeit ihrer \u00dcberzeugung ansehen, oder Gruppen, die als Minderheit ausgemacht werden, dar\u00fcber geben unter anderem die verwendete Rhetorik und die zunehmende Distanz zu Zweiflern Aufschluss. Denn Dogmen k\u00f6nnen eben nur bestehen, wenn s\u00e4mtliche Zweifel unterbunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil diese Art der Lehre aber starr ist und im Laufe der Zeit immer mehr Menschen wachsende Diskrepanzen zu ihren eigenen Beobachtungen wahrnehmen, wird ein immer h\u00f6herer Aufwand n\u00f6tig, um das Dogma aufrecht zu erhalten. Dabei scheinen in der letzten Phase, wenn die Zeit in der Wahrnehmung der Menschen besonders dr\u00e4ngt, sogar alle Mittel moralisch gerechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Empf\u00e4nglich f\u00fcr tief eindringende \u00dcberzeugungen ist die Gesellschaft immer auf dem H\u00f6hepunkt einer Phase der gef\u00fchlten Unordnung, des gesellschaftlichen Verfalls, mit der Ansicht, die Welt sei nun aus den Fugen geraten. Den Wendepunkt bringt ein Ereignis von besonderer Aufmerksamkeit. Danach nehmen die Menschen nat\u00fcrlicherweise alles an, was in irgendeiner Weise mit Strenge und Disziplin verbunden ist, weil ein Mangel an Autorit\u00e4t sp\u00e4ter immer zu einem starken Verlangen nach selbiger f\u00fchrt. Bisweilen scheint es, als habe man seit Jahren auf diesen Moment gewartet oder gar darauf hingearbeitet. Was hat einflussreiche und strategisch weit vorausdenkende Menschen, zumindest, was ihr Kapital anbelangt, davon abghalten, den gut gemeinten Wandel Jahre fr\u00fcher und in einer vertr\u00e4glicheren Geschwindigkeit einzuleiten \u2014 beginnend mit ihren eigenen Unternehmen und Investitionen?<\/p>\n\n\n\n<p>Vorgetragen von selbsts\u00fcchtigen Charakteren findet nun jene \u00dcberzeugung Zulauf, die eine grundlegende \u00c4nderung hin zu einer neuen Gesellschaft verpricht, in der es allen nur noch besser gehen kann. Aus einer gemeinschaftlichen \u00dcberzeugung wird ein Dogma, und dieses wiederum zur Grundlage f\u00fcr eine Ideologie, die wegen ihrer Starrheit bald nicht mehr f\u00e4hig ist, den Erfordernissen der Zeit gerecht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann folgt der eigentliche Umbruch, aus der schmerzlichen Erfahrung heraus, get\u00e4uscht worden zu sein, wenn Leid und Elend un\u00fcbersehbar geworden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Hat es jemals eine Zeit gegeben, in der alle Menschen ein und derselben \u00dcberzeugung waren? 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