{"id":18453,"date":"2022-03-20T07:01:00","date_gmt":"2022-03-20T06:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=18453"},"modified":"2022-03-19T22:34:56","modified_gmt":"2022-03-19T21:34:56","slug":"ein-eiszeitliches-rentiergeweih-aus-fuerstlicher-grabung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/03\/20\/ein-eiszeitliches-rentiergeweih-aus-fuerstlicher-grabung\/","title":{"rendered":"EIN EISZEITLICHES RENTIERGEWEIH AUS \u201eF\u00dcRSTLICHER GRABUNG\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieses eiszeitliche Rentiergeweih aus \u201ef\u00fcrstlicher Grabung\u201c in Bad K\u00f6stritz, ist im Geraer Museum f\u00fcr Naturkunde zu sehen. Es handelt sich um ein Teilst\u00fcck einer verzweigten Geweihstange eines Rentiers (Rangifer tarandus). Das Geweihfragment ist 17 Zentimeter lang und kann nur von einer Seite betrachtet werden. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite ist die Knochensubstanz fest mit dem umgebenden Gestein verbunden. Ehemals war das Gestein Lockermaterial, das sich um die Geweihstange ablagerte und sich erst mit der Zeit darum verfestigte. Gefunden wurde das Fossil in einem der Gips-Steinbr\u00fcche beim Bad K\u00f6stritzer Ortsteil Gleina auf der Westseite des Elstertals.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits seit dem 18. Jahrhundert wurden dort Kalk und Gips abgebaut. Besonders bekannt war der \u201eWintersche Gipsbruch\u201c. In Spalten wurden mehrfach Knochen eiszeitlicher Wirbeltierarten entdeckt. Die erste Beschreibung dieser Funde stammt 1820 vom Arzt und Hofrat Dr. Karl Georg Ludwig Schottin (1774 bis 1838). Im selben Jahr widmete auch der gothaische Kammerpr\u00e4sident und Naturforscher Ernst Friedrich von Schlotheim (1764 bis 1832) der Fundstelle mehrere Seiten in einer Publikation. Besonderes Augenmerk f\u00e4llt in diesen Ver\u00f6ffentlichungen auf Menschenknochen, die zwischen den Tierknochen gefunden wurden. Sie erregten eine heftige Diskussion in der Fachwelt \u00fcber die damals noch undenkbare Vorstellung der Existenz des Menschen im Eiszeitalter, worauf z. B. 1821 der Naturforscher Baron Georges de Cuvier (1769 bis 1832) in Paris pochte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Schottin bis 1830 weitere Knochen fand und auch andere Forscher wie Graf Caspar von Sternberg (1761 bis 1838) aus Prag in den Gleinaer Gipsbr\u00fcchen nachgraben lie\u00dfen, wurde erst wieder 1862 eine Ausgrabung durch F\u00fcrst Heinrich XIV. Reu\u00df j. L. (1832 bis 1913) angeordnet. Geleitet wurde die Unternehmung vom Gymnasialprofessor Karl Theodor Liebe (1828 bis 1894) und vom Pastor Julius Sturm (1816 bis 1896). Der Fund von Menschenknochen wiederholte sich nicht, jedoch gelang die Bergung weiterer Tierknochen, darunter \u00fcber 60 Geweihfragmente vom Rentier \u2013 eines davon ist das hier vorgestellte Exemplar. Damals wurde es Teil der sogenannten \u201eGeologischen Landessammlung\u201c, die ab 1858 von F\u00fcrst Heinrich XIV. Reu\u00df j. L. als f\u00fcrstliche Privatsammlung angelegt wurde. Es erhielt im Katalog der \u201eGeologischen Landessammlung\u201c die Inventarnummer 120. Die Sammlung existierte als solche bis 1884, denn dann wurde sie dem F\u00fcrstlichen Gymnasium Rutheneum in Gera geschenkt. Erst im Jahr 1920 \u00fcbernahm das damalige St\u00e4dtische Museum Gera die \u201eLandessammlung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem \u201eWinterschen Gipsbruch\u201c und weiteren nahe gelegenen Fundstellen sind neben Funden vom Rentier auch Knochenreste von H\u00f6hlenl\u00f6wen, H\u00f6hlenhy\u00e4nen, Pferden und Wollhaarnash\u00f6rnern bekannt. Sie alle stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Zeit der Weichsel-Kaltzeit bzw. \u201eWeichsel-Eiszeit\u201c, der letzten Kaltzeit des Erdzeitalters. Die unvergletscherte Landschaft war baumarm bis baumlos, und die Vegetation bestand aus Kr\u00e4utern, Gr\u00e4sern, Zwerg-Birken und niedrigen Weidengew\u00e4chsen. Die Bedeutung der K\u00f6stritzer Fundstellen liegt darin, dass in ihrem Zusammenhang zum ersten Mal die Frage diskutiert wurde, ob der Mensch bereits w\u00e4hrend der Eiszeit gelebt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Geweihfragment \u201eNr. 120\u201c ist im Gegensatz zu manch anderem Fundst\u00fcck, das bei der Ausgrabung 1862 geborgen wurde, bis heute neben rund 50 Fundobjekten erhalten und erinnert an eine ehemals aufsehenerregende Fundstelle, die heute leider stark in Vergessenheit geraten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Dieses eiszeitliche Rentiergeweih aus \u201ef\u00fcrstlicher Grabung\u201c in Bad K\u00f6stritz, ist im Geraer Museum f\u00fcr Naturkunde zu sehen. 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