{"id":19257,"date":"2022-05-28T10:30:02","date_gmt":"2022-05-28T08:30:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=19257"},"modified":"2022-05-28T10:30:05","modified_gmt":"2022-05-28T08:30:05","slug":"unterschiedliche-sichtweisen-auf-den-russland-ukraine-konflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/05\/28\/unterschiedliche-sichtweisen-auf-den-russland-ukraine-konflikt\/","title":{"rendered":"UNTERSCHIEDLICHE SICHTWEISEN AUF DEN RUSSLAND-UKRAINE-KONFLIKT"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Krieg in der Ukraine beherrscht weiterhin die Nachrichten \u2014 h\u00e4ufig mit der Anmerkung, diese oder jene Meldung lasse sich nicht \u00fcberpr\u00fcfen. Der russischen Regierung wird vorgeworfen, Phantasien von einem Gro\u00dfreich verwirklichen zu wollen, m\u00f6glicherweise von einem schwer erkrankten Pr\u00e4sidenten ausgehend, und in vielen weiteren Berichten ist zu lesen, die Menschen st\u00fcnden unter dem Einfluss staatlicher Propaganda und h\u00e4tten kein klaren Bild von der Situation.<\/p>\n\n\n\n<p>Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew attestierte seinen Landleuten sogar Unreife. Im Deutschlandfunk verglich er sie mit Kindern, die um sich herum Feinde s\u00e4hen und nicht reif f\u00fcr die Demokratie seien. Man glaube eher an einen Kult der Macht denn an Humanismus. In der russischen Fernsehrealit\u00e4t werde den Leuten erz\u00e4hlt, sie seien das Licht der Welt, w\u00e4hrend die Ukraine und der Westen die Dunkelheit verk\u00f6rperten. Russen hielten die Demokratie f\u00fcr eine schwache Staatsform voller Kompromisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeitung \u201eWelt am Sonntag\u201c fragte am 10. April 2022: \u201eWer sind diese Soldaten?\u201c Bei der russischen Armee herrsche ein sozialdarwinistisches Weltbild, wird in dem Artikel erkl\u00e4rt. Zu Wort kommt Gustav Gressel, Senior Policity Fellow der Denkfabrik \u201eEuropean Council on Foreign Relations\u201c. Er besch\u00e4ftigt sich mit den russischen Kriegsverbrechen und Exzessen einzelner Soldaten und Truppenverb\u00e4nde. Mit Blick auf das Ausma\u00df an Brutalit\u00e4t k\u00f6nne hier die Sozialstruktur der Soldaten eine Rolle spielen, meint Gressel. Viele der jungen russischen Soldaten stammten aus der Provinz, aus armen und zerr\u00fctteten Familien, h\u00e4tten einen niedrigen Bildungsstand und seien oftmals emotional unterentwickelt und leicht manipulierbar. Bei der Umsetzung eines Befehles griffen viele zur rohen Gewalt, so wie sie es aus ihrer Familie und ihren Alltag kennen w\u00fcrden. Das Milit\u00e4r sei f\u00fcr sie die einzige Berufsoption gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Russland dagegen ist die Betrachtung eine v\u00f6llig andere: Der Westen wird vielfach als Aggressor betrachtet. Die Politik dort sei gepr\u00e4gt von Heuchelei, Wortbruch und einer Doppelmoral. Unterschiedliche Ma\u00dfst\u00e4be w\u00fcrden angewandt. Manche meinen sogar, Vorf\u00e4lle wie jener in Butscha seien inszeniert. Weiter hei\u00dft es, im Dezember 2021 sei Russland an einem Dialog interessiert gewesen, doch US-Pr\u00e4sident Biden habe mit Putin nicht \u00fcber den Status der Ukraine sprechen wollen. Und nun leite die Europ\u00e4ische Union mit der Auskopplung Russlands als wichtigsten Rohstofflieferanten die wirtschaftliche Selbstzerst\u00f6rung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere zitieren aus einem Papier zum \u201eProjekt f\u00fcr das neue amerikanische Jahrhundert\u201c, erschienen im Jahre 1997, wo es im \u00fcbertragenen Sinne hei\u00dfe, was f\u00fcr Amerika gut ist, sei gut f\u00fcr die Welt. Die Ziele der USA sollten, wenn n\u00f6tig, auch mit milit\u00e4rischen Mitteln erreicht werden, und die UNO und multilaterale Verpflichtungen seien nicht bindend. Zudem gibt es Vergleiche mit der Kuba-Krise. Im Jahre 1962 gew\u00e4hrte Staatspr\u00e4sident Fidel Castro der Sowjetunion die Stationierung einer Fischfangflotte. Die USA sahen darin eine T\u00e4uschung und entdeckten mit Hilfe von Aufkl\u00e4rungsflugzeugen im Oktober 1962 Abschussrampen f\u00fcr sowjetische Mittelstreckenraketen auf der Insel.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die einen Waffenlieferungen an die Ukraine als richtig und notwendig erachten, weil dort auch die westliche Wertegemeinschaft verteidigt w\u00fcrde, glauben andere, man wolle Europa vors\u00e4tzlich in einen Krieg man\u00f6vrieren und so schw\u00e4chen. Nicht selten werden dabei der ukrainische und der US-Pr\u00e4sident als Kriegstreiber bezeichnet. Nach Einsch\u00e4tzung von Frank Umbach, Politikwissenschaftler der Cassis-Universit\u00e4t in Bonn, l\u00e4sst die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den ukrainischen Pr\u00e4sidenten allerdings nach. Das habe sich vor allem nach seiner Rede in Davos zum Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Gebiete in Europa k\u00f6nnten zumindest auf indirekte Weise ebenfalls in den Konflikt hineingezogen werden, wenn zum Beispiel unterschiedliche Auffassungen in verh\u00e4rtete Positionen \u00fcbergehen, unbeteiligten Personen eine Stellungnahme abgerungen wird und man anschlie\u00dfend mit dem Einordnen nach dem F\u00fcr- und Wider-Prinzip beginnt. Schlimmstenfalls entstehen gesellschaftliche Spannungen, die sich in der \u00d6ffentlichkeit entladen. Die Gefahr wird dann gr\u00f6\u00dfer, wenn dem Krieg eine Versorgungskrise folgt und die Schuldfrage gestellt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Der Krieg in der Ukraine beherrscht weiterhin die Nachrichten \u2014 h\u00e4ufig mit der Anmerkung, diese oder jene Meldung lasse sich nicht \u00fcberpr\u00fcfen. 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