{"id":19477,"date":"2022-06-20T10:55:51","date_gmt":"2022-06-20T08:55:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=19477"},"modified":"2022-06-20T10:55:53","modified_gmt":"2022-06-20T08:55:53","slug":"ein-fossil-von-der-schiefergasse-in-milbitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/06\/20\/ein-fossil-von-der-schiefergasse-in-milbitz\/","title":{"rendered":"EIN FOSSIL VON DER SCHIEFERGASSE IN MILBITZ"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Objekt des Monats Juni im Geraer Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein Fossil aus Milbitz. Es zeigt die gl\u00e4nzende Schale eines Meerestieres. Von solchen Schalen liegen im geologischen Untergrund des Nordwestens und Nordostens von Gera abermillionen Exemplare. Diese Schale ist jedoch mit 9,5 Zentimetern Breite im Gegensatz zu den meisten anderen herausragend gro\u00df. Verborgen innerhalb des Schalenpaares lebte vor rund 255 Millionen Jahren am Meeresboden ein Tier, das zum Tierstamm Brachiopoden bzw. Armf\u00fc\u00dfer geh\u00f6rte. Oft werden solche Brachiopoden mit versteinerten Muscheln verwechselt. Es gibt sie seit etwa 540 Millionen Jahren bis heute auf der Erde. Dieses gro\u00dfe Exemplar wurde bereits im 19. Jahrhundert im Bereich der Schiefergasse gefunden und der \u201eGeologischen Landessammlung\u201c zugef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sammlung wurde ab 1858 von Heinrich XIV. Reu\u00df j. L. als f\u00fcrstliche Privatsammlung angelegt. In ihr wurden Gesteine, Mineralien und Fossilien aus den zahlreichen Fundstellen im F\u00fcrstentum Reu\u00df j\u00fcngere Linie zusammentragen. Zuerst befand sie sich auf Schloss Osterstein, dann im F\u00fcrstlichen Palais am Johannisplatz. 1884 wurde sie dem F\u00fcrstlichen Gymnasium \u00fcbertragen und 1920 an das damalige St\u00e4dtische Museum \u00fcbergeben. Dort \u00fcberstanden gro\u00dfe Teile die Zerst\u00f6rungen des II. Weltkrieges und gelangten anschlie\u00dfend in das Schreibersche Haus, in dem heute das Museum f\u00fcr Naturkunde untergebracht ist. Es ist also einigen Gl\u00fccksumst\u00e4nden zu verdanken, dass man heute dieses sch\u00f6ne Fossil noch in den H\u00e4nden halten kann. Durch die T\u00e4tigkeit des chinesischen Pal\u00e4ontologen Ya-Tseng Chao lautet der wissenschaftliche Name seit 1927 Horridonia horrida. Das lateinische Wort \u201ehorridus\u201c, das dem Namen zugrunde liegt, tr\u00e4gt eine ganze Reihe an Bedeutungen, darunter schrecklich, schauderhaft und entsetzlich, aber auch struppig, zottig und borstig. Die Bezeichnung greift also ein typisches Merkmal der ausgestorbenen Tierart auf, das an den Schalen mehr oder weniger beachtlich lange Stacheln hatte und damit wirklich \u201eschrecklich\u201c ausgesehen haben muss. Kein Wunder, dass der Geraer Heimatforscher Rudolf Hundt (1889-1961) im Jahr 1955 \u201eEin schrecklicher Armf\u00fc\u00dfler\u201c schreibt. Im Katalog der \u201eGeologischen Landessammlung\u201c wird das Fossil noch als Productus horridus bezeichnet, was damals korrekt war und auf eine Beschreibung des britischen Naturforschers James Sowerby (1757-1822) aus dem Jahr 1822 zur\u00fcckgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahrhundert davor fand der Geraer Apotheker, Botaniker und Geologe Tobias Conrad Hoppe (1697-1778) auch schon die Schalen dieses in Gera h\u00e4ufigen Fossils und nannte sie 1745 in einer Beschreibung Gryphiten. Er betrachtete sie als Beweis der biblischen Sintflut.\u00a0Die gl\u00e4nzende Horridonia horrida aus Milbitz ist jedoch ein Zeuge eines fast letztens Moments einer gro\u00dfen Epoche der Erdgeschichte, die kurz vor ihrem katastrophalen Ende stand. Denn das Ende der Zechsteinzeit bedeutete auch das Ende des Erdaltertums und den \u00dcbergang zum Erdmittelalter, kurz die Perm-Trias-Grenze. Vor 251,94 Millionen Jahren ereignete sich an dieser Grenze das gr\u00f6\u00dfte Massensterben der Erdgeschichte. Etwa 75 % der Landlebewesen starben aus. Im Meer starben sogar etwa 95 % aller wirbellosen Arten aus. Auch Horridonia horrida \u00fcberlebte samt aller anderen Vertreter ihrer Ordnung Productida diese Grenze nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zum 26. Februar 2023 ist das pr\u00e4chtige Fossil aus einer l\u00e4ngst vergangenen Welt in der Ausstellung \u201eHerrscher auf dem Meeresgrund\u201c zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Objekt des Monats Juni im Geraer Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein Fossil aus Milbitz. Es zeigt die gl\u00e4nzende Schale eines Meerestieres. 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