{"id":19892,"date":"2022-07-20T21:48:42","date_gmt":"2022-07-20T19:48:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=19892"},"modified":"2022-07-20T21:48:44","modified_gmt":"2022-07-20T19:48:44","slug":"vom-kleinen-dorf-zur-groessten-plattenbausiedlung-thueringens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/07\/20\/vom-kleinen-dorf-zur-groessten-plattenbausiedlung-thueringens\/","title":{"rendered":"VOM KLEINEN DORF ZUR GR\u00d6SSTEN PLATTENBAUSIEDLUNG TH\u00dcRINGENS"},"content":{"rendered":"\n<p>Lusan blickt auf eine beeindruckende und abwechslungsreiche Geschichte zur\u00fcck. Erstmals urkundlich erw\u00e4hnt wurde das Dorf \u201eLosa\u201c, slawisch f\u00fcr Sumpf- oder Geb\u00fcschbewohner, im Jahre 1248. Dort, wo sich heute die Kirche St. Ursula, das SOS-Kinderdorf und die Otegau befinden, ist Alt-Lusan, der Ursprung des Stadtteils.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es in Lusan bereits zehn Bauerng\u00fcter, einige kleine H\u00e4user, ein Schulgeb\u00e4ude und Schankwirtschaften. Im Januar 1919 erfolgt die Eingemeindung nach Gera. Bis weit nach Ende des zweiten Weltkrieges bleibt Lusan weitestgehend von der Landwirtschaft gepr\u00e4gt. Das \u00e4ndert sich in den 1960er Jahren mit der Sozialpolitik der DDR.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines der Schwerpunktprojekte des Wohnungsbaukombinates Gera zur Erf\u00fcllung des Wohnungsbauprogramms der SED ist ein rund 260 Hektar gro\u00dfes Neubaugebiet, das auf den Feldern Alt-Lusans entstehen soll. Bereits 1965 werden erste Planungen zum neuen Stadtteil ver\u00f6ffentlicht. Am 28. April 1972 erfolgt der symbolische Spatenstich f\u00fcr das Gro\u00dfbauprojekt. Vier Jahre sp\u00e4ter leben bereits 10&#8217;000 Menschen in Lusan. Parallel dazu entsteht die notwendige Infrastruktur mit einer vierspurigen Schnellstra\u00dfe und neuer Stra\u00dfenbahnlinie, mit Kinderg\u00e4rten, Schulen sowie Arztpraxen. Da Lusan zun\u00e4chst als \u201eSchlafstadt\u201c konzipiert ist, sehen die Planer kulturelle Einrichtungen und Gastst\u00e4tten anfangs nicht vor. Erst mit der Er\u00f6ffnung des Plzen-Restaurants im Jahre 1980 entwickelte sich nach und nach ein urbanes Flair mit verschiedenen Dienstleistungseinrichtungen und Lusans erstem Eiscaf\u00e9 \u201eEiskristall\u201c. Insgesamt entstehen drei Zentren, vier Kaufhallen und 28 Erdgeschosszonen mit L\u00e4den in Wohnh\u00e4usern.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis 1985 w\u00e4chst Lusan zu dem gr\u00f6\u00dften Neubaugebiet im Bezirk Gera und in Th\u00fcringen heran: Knapp 45&#8217;000 Menschen leben zu diesem Zeitpunkt in rund 15&#8217;000 Wohnungen. Dr. Thomas Prill, Leiter des Geraer Stadtplanungsamtes, erkl\u00e4rt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDas Wohnen in der Platte, in F\u00fcnf-, Sechs-, und Elfgeschossern hat heute eher einen negativen Ruf. Doch der Neubau in Systembauweise war in den 70er und 80er Jahren das Nonplusultra. Hier gab es Warmwasserheizung, Wassersp\u00fclung, eine Badewanne mit WC in der Wohnung und die Bausubstanz war trocken. All dies waren Vorteile gegen\u00fcber den Altbauten, deren Bewohnerinnen und Bewohner h\u00e4ufig noch mit Kohle heizten und sich das WC mit anderen teilen mussten.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die typisierte und rationelle Bauweise der Zeit hatte Folgen f\u00fcr die Kunst am Bau. Zur Versch\u00f6nerung der gleichbleibenden Geb\u00e4udearchitektur wurden Plastiken und Wandgestaltungen genutzt, die Individualit\u00e4t sowie Kinder- und Jugendfreundlichkeit zum Ausdruck bringen sollten. Ein Beispiel daf\u00fcr sind die rund achtzig Bildmosaiken \u00fcber den Hauseing\u00e4ngen in der Zeulsdorfer Stra\u00dfe. Heute bildet Lusan den s\u00fcdwestlichen Teil Geras mit Verbindungen in das Stadtzentrum und in den offenen Landschaftsraum. Neben Lusan-Laune, Lusan-Zentrum und Lusan-Br\u00fcte geh\u00f6ren die Gemeinden Wei\u00dfig, R\u00f6ppisch und Zeulsdorf sowie die Einfamilienhausgebiete Sommerleithe und D\u00fcrrenebersdorf dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>In Folge der gesellschaftspolitischen Wende unterliegt Lusan wie die Stadt selbst einem gravierenden strukturellen Wandel. Leben 1995 noch rund 40&#8217;000 Menschen in Lusan sind es sechs Jahre sp\u00e4ter nur noch 29&#8217;500. Mittlerweile hat sich die Zahl der Einwohner, die hier ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet haben, im Vergleich zu den 1990er Jahren halbiert. Neben dem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang hat sich in Lusan auch die Altersstruktur deutlich ver\u00e4ndert. Das Durchschnittsalter des ehemals jungen und kinderreichen Familienwohnorts liegt derzeit bei 51 Jahren. Jeder dritte Lusaner ist inzwischen \u00e4lter als 65 Jahre. Damit geh\u00f6rt Lusan zu den \u00e4ltesten Stadtteilen Geras. Thomas Prill betont:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eLusan ist ein wichtiger gesamtst\u00e4dtischer Wohnstandort, denn nach wie vor lebt fast jeder vierte Geraer hier. Allerdings stellt die soziodemografische Entwicklung des Stadtteils die Kommune und alle Akteure wie etwa Bildungstr\u00e4ger, Wohnungsunternehmen und die medizinische Versorgung weiterhin vor Herausforderungen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang, der unter anderem einen Nachfrager\u00fcckgang nach Wohnungen und Leerst\u00e4nde in Gr\u00f6\u00dfenordnungen nach sich zog, begegneten die Stadtverwaltung und viele lokale Akteure, allen voran die Wohnungsunternehmen, konkret die WBG &#8222;Gl\u00fcck Auf&#8220; Gera e. G., WG &#8222;Neuer Weg&#8220; e. G., WBG Union e. G., WBG &#8222;Aufbau&#8220; Gera e.G. und TAG Wohnen AG, seit Anfang der 2000er Jahre mit umfassenden Umbauma\u00dfnahmen. Dazu geh\u00f6ren der Abriss, Teilr\u00fcckbau sowie die Sanierung und Modernisierung der Wohngeb\u00e4ude, der Neubau von Einkaufszentren, die Sanierung von Schulen sowie die Spielplatzneugestaltung kommunaler rund privater Anlagen. Au\u00dferdem bietet die Aufnahme des Stadtteils in das Bund-L\u00e4nder-F\u00f6rderprogramm \u201eSoziale Stadt 2015\u201c Chancen f\u00fcr eine nachhaltige Aufw\u00e4rtsentwicklung Lusans. Dieses erm\u00f6glicht es, wichtige Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualit\u00e4t und barrierefreien Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raums sowie der Belebung der Stadtteilkultur umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Wohnbebauung in Lusan mittlerweile zum Gro\u00dfteil einen guten Standard aufweist, sind in einigen Bereichen nach wie vor st\u00e4dtebauliche Defizite aufgrund von leerstehenden Handels- und Gewerbestandorten sowie unsanierten oder ungenutzten Infrastruktureinrichtungen vorhanden. Baudezernent Michael Sonntag beschreibt das weitere Vorgehen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eUnser Ziel ist es, die Quartiersentwicklung voranzubringen, um das Wohnumfeld weiter zu verbessern und den Stadtteil zukunftsf\u00e4hig aufzustellen. Dazu geh\u00f6ren konkrete Ma\u00dfnahmen wie etwa aktuell der Abriss des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Die Fl\u00e4chen werden begr\u00fcnt und es werden erhebliche Ersatzpflanzungen vorgenommen. Au\u00dferdem liegen bereits konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr den Ersatzneubau der Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke in der N\u00fcrnberger Stra\u00dfe vor.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zu den wichtigsten Projekten der n\u00e4chsten Jahre geh\u00f6ren demnach aber vor allem die Revitalisierung des Plzen-Centers und die Entwicklung des unmittelbar daran angrenzenden \u201eBildungscampus Lusan\u201c mit der Regelschule Die Vierte und der Grundschule Wilhelm Busch.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem \u201eBildungscampus Lusan\u201c verbindet sich der Anspruch, im Zentrum des Stadtteils einen besonderen Ort der Bildung zu schaffen, der zugleich den Sozialraum aufwertet und einen st\u00e4dtebaulichen Impuls setzt. Dazu werden die Regelschule gemeinsam mit der Grundschule, den zugeh\u00f6rigen Sporthallen, den weitl\u00e4ufigen Au\u00dfenanlagen und dem leer stehenden Geb\u00e4ude Elsterberger Stra\u00dfe 6 betrachtet. Im Mittelpunkt des Bildungscampus steht die Sanierung der Regelschule, die f\u00fcr den Campus sowohl Chance als auch Voraussetzung ist und einen Mehrwert f\u00fcr den Standort insgesamt generieren soll. Die zur Verf\u00fcgung stehenden Geb\u00e4ude und die weitr\u00e4umigen Au\u00dfenanlagen bieten zudem vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten zur Gestaltung moderner Bildungs- und Begegnungsr\u00e4ume f\u00fcr die schulische und au\u00dferschulische Nutzung. Insgesamt besteht das Gro\u00dfbauvorhaben aus f\u00fcnf Teilprojekten: Sanierung und Umbau der Regelschule, Sanierung und Umbau Elsterbergerstra\u00dfe 6, Neubau einer Zweifelder-Sporthalle mit Mehrzwecknutzung, Sanierung der Sporthalle in der Saalfelder Stra\u00dfe 24 sowie der Freianlagen. Von dem neuen Bildungscampus verspricht sich die Stadt Gera einen Imagewandel f\u00fcr den Bildungsstandort, von dem nicht nur alle Campus-Partner, sondern das gesamte Quartier profitieren wird. Momentan wird f\u00fcr alle Teilprojekte die Entwurfsplanung erarbeitet. Parallel dazu sucht die Stadt Gera F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten, um das Vorhaben finanzieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/tag-wohnen.de\/gera\/geschichtswerkstatt-in-lusan\">https:\/\/tag-wohnen.de\/gera\/geschichtswerkstatt-in-lusan<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Informationen zur Geschichte Lusans bietet unter anderem die Geschichtswerkstatt der TAG Wohnen mit einer Dauerausstellung zur Entwicklung des Stadtteils. Sie ist zu finden in der Kastanienstra\u00dfe 7 und hat donnerstags von 15 Uhr bis 17 Uhr sowie gem\u00e4\u00df Vereinbarung ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Lusan blickt auf eine beeindruckende und abwechslungsreiche Geschichte zur\u00fcck. Erstmals urkundlich erw\u00e4hnt wurde das Dorf \u201eLosa\u201c, slawisch f\u00fcr Sumpf- oder Geb\u00fcschbewohner, im Jahre 1248. 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