{"id":20149,"date":"2022-08-12T21:15:50","date_gmt":"2022-08-12T19:15:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=20149"},"modified":"2022-08-12T21:15:52","modified_gmt":"2022-08-12T19:15:52","slug":"sonderausstellung-zur-kunstentwicklung-in-der-orangerie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/08\/12\/sonderausstellung-zur-kunstentwicklung-in-der-orangerie\/","title":{"rendered":"SONDERAUSSTELLUNG ZUR KUNSTENTWICKLUNG IN DER ORANGERIE"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Kunstsammlung Gera bewahrt in ihren Best\u00e4nden eine spezifische Sammlung mit Werken Ostth\u00fcringer K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler. Mit der neuen Sonderausstellung im Mittelpavillon der Orangerie will die Kunstsammlung Gera bis zum 18. September 2022 einen Blick auf die regionale Kunstentwicklung der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts richten. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von 22 k\u00fcnstlerischen Positionen der Malerei, Grafik und Plastik und konzentriert sich dabei auf K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, die entweder in Gera geboren wurden und zum Teil ihre k\u00fcnstlerische Enwicklung an anderen Orten vollzogen oder auf solche, die hier f\u00fcr viele Jahre ihren Lebens- und Schaffensmittelpunkt gefunden hatten. Die erstaunliche Vielzahl mag durchaus ungew\u00f6hnlich erscheinen, denn mit Gera verbindet sich im historischen R\u00fcckblick nicht zwangsl\u00e4ufig die Vorstellung nach einer klangvollen Kunstmetropole. Gera liegt jenseits der traditionellen Kunstzentren und verf\u00fcgte auch \u00fcber keine k\u00fcnstlerische Hochschule, von der wichtige Impulse zur Kunstentwicklung ausgehen konnten. Aufmerksame Beobachter und Besucher in Gera registrieren heute noch erstaunt die einstige Pracht und Bl\u00fcte der prosperierenden Industriestadt am Beginn des 20. Jahrhunderts. Die erhaltene reizvolle Architektur historistischer B\u00fcrgerstra\u00dfen und eine Vielzahl von Villen zwischen Gr\u00fcnderzeit und Jugendstil, haben dem Stadtbild zum Teil das historische Ambiente der Jahrhundertwende bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Stadt, mit ihrem spr\u00f6den Klima aus skeptischer Distanz und gelassener Offenheit, sprossen schon seit dem fr\u00fchen 19. Jahrhunderts immer wieder k\u00fcnstlerische Keime und bildeten ihre ersten Bl\u00fcten. Das Schaffen der in Gera geborenen Maler Heinrich und Friedrich Philipp Reinhold, die zu den bedeutenden deutschen Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts geh\u00f6ren, steht exemplarisch daf\u00fcr. Die in Gera zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler geh\u00f6rten verschiedenen Generationen an, die in Stil und Haltung ein breites Spektrum k\u00fcnstlerischer Positionen aus Traditionalisten, Kopisten und Vertretern von Jugendstil und Symbolismus sowie der impressiven Landschafts- und Freilichtmalerei verk\u00f6rperten. Die Stadt lieferte im wirtschaftlichen Aufschwung der ersten Jahrhunderth\u00e4lfte gen\u00fcgend N\u00e4hrboden, dass auch recht unterschiedliche K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten reiften, die sp\u00e4ter mitunter f\u00fcr die Entwicklung der deutschen Kunst von gro\u00dfer Bedeutung waren. Dazu geh\u00f6rte der ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Brutalrealist der deutschen Kunst Otto Dix, der 1891 im kleinen Vorort Untermhaus bei Gera geboren wurde, aber seine weiteren Schaffensjahre au\u00dferhalb seiner Vaterstadt verbrachte und in den gro\u00dfst\u00e4dtischen Metropolen Dresden, D\u00fcsseldorf und Berlin zur herausragenden K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit avancierte. Auch der nur zwei Jahre j\u00fcngere Kurt G\u00fcnther lieferte mit seinem erotischen Verismus einen eigenst\u00e4ndigen Beitrag zur Kunst der Neuen Sachlichkeit in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Kunstsammlung Gera heute \u00fcber zahlreiche Werke der regionalen Kunstentwicklung verf\u00fcgt, ist dem damals sehr ambitionierten Stadtbaurat Wilhelm Luthardt zu verdanken, dem eigentlich nach dem Ersten Weltkrieg die gro\u00dfe Herausforderung zukam, die herrschende Wohnungsnot der Nahkriegszeit in der Industriestadt Gera zu beseitigen. Er unterhielt in jener Zeit enge Kontakte zu Architekten und K\u00fcnstlern und hatte ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr soziale Situationen entwickelt. Um der wirtschaftlich schwierigen Lage der bildenden K\u00fcnstler in Gera nach dem Krieg entgegenzuwirken, unterbreitete er im M\u00e4rz 1920 dem Stadtrat von Gera den Vorschlag, spezielle F\u00f6rderma\u00dfnahmen zu ergreifen, was in anderen St\u00e4dten beispielsweise durch Erlass von Wettbewerben oder Ankauf von Bildwerken bereits eingef\u00fchrt war. In deren Folge wurde in Gera ein \u201eFonds zur Unterst\u00fctzung heimischer Kunst\u201c angelegt, aus dem in den Folgejahren der Ankauf von Bildwerken get\u00e4tigt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>So entstand ein Fundus an Kunstwerken, von dem durch die nationalsozialistische S\u00e4uberungsaktion zur \u201eEntarteten Kunst\u201c leider nicht alles erhalten geblieben ist, der aber durch gezielte Sammlungszuw\u00e4chse in den letzten zwei Jahrzehnten durch die Kunstsammlung Gera noch qualitativ erweitert werden konnte. Dieser Sammlungsteil stellt die Basis f\u00fcr ein Konvolut mit regionaler Spezifik dar, das ein charakteristisches Bild des damaligen zeitgen\u00f6ssischen Kunstschaffens in Gera wiederspiegelt. Am Beginn dominiert noch die plenairistische Landschaftsmalerei unter Verwendung lokaler Motiven der regionalen Umgebung. Dabei erfolgte eine Abkehr von den altmeisterlichen Kunststilen und die Hinwendung zu einer lockeren teils impressiven Malweise, in der sich das Bestreben nach farbintensiven Ausdruck zu erkennen gab.&nbsp; Die Ver\u00e4nderungen erfolgten nicht voraussetzungslos, sondern liegen in dem Umstand begr\u00fcndet, dass beispielsweise K\u00fcnstler wie Paul Neidhardt, der zu den Lokalmatadoren der Ostth\u00fcringer Landschaftsmalerei geh\u00f6rt, in M\u00fcnchen studiert hatte oder Hermann Paschold, der seit 1910 Mitglied der Leipziger Sezession wurde, Anregungen und neue Sichtweisen aufnahmen und nach Gera brachten. Landschaftliche Motive aus fremden L\u00e4ndern finden sich hingegen bei Paul Weiser, der wie ein Globetrotter unerm\u00fcdlich die Welt bereiste und nahezu f\u00fcnf Jahrzehnte au\u00dferhalb Deutschlands zubrachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab Mitte der 1920er Jahre widmete man sich zudem auch wieder st\u00e4rker der Portr\u00e4t- und Stilllebenmalerei, in der die gegenst\u00e4ndlich-figurativen Tendenzen der Kunst der Neuen Sachlichkeit unverkennbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 1945 trat eine neue Generation von Kunstschaffenden in Erscheinung, die sich zun\u00e4chst an den Leistungen der Klassichen Moderne orientierte, aber letztlich um Entfaltung einer eigenst\u00e4ndigen k\u00fcnstlerischen Handschrift bem\u00fcht waren. Die Kunstentwicklung in Gera erfolgte zwar jenseits der gro\u00dfen zeitgen\u00f6ssischen Avantgarden, hat aber im lokalen Rahmen eine erstaunliche Breite von K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen hervorgebracht, deren k\u00fcnstlerische Lebensleistungen Mosaiksteine der Geraer Kunstgeschichte bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler sind an der Ausstellung beteiligt:<\/p>\n\n\n\n<p>Frank-Dietrich Brinkmann, Richard Paul Burkhard-Untermhaus, Erich Drechsler, Herbert Enke, Kurt G\u00fcnther, Ernst Holzh\u00e4user, Willy M\u00fcller-Gera, Paul Neidhardt, Otto Oettel, Hermann Paschold, Enrico Richter, Hans Rudolph, Rudolf Sch\u00e4fer, Johanna Maria Schwenker, Lisa Simcik, Alfred Uebel, Herbert Voigt, Helene Wedekind, Paul Weiser, Rudolph G. Werner,Alexander Wolfgang, Fritz Zalisz<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die Kunstsammlung Gera bewahrt in ihren Best\u00e4nden eine spezifische Sammlung mit Werken Ostth\u00fcringer K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler. Mit der neuen Sonderausstellung im Mittelpavillon der Orangerie will die Kunstsammlung Gera bis zum 18. 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