{"id":20814,"date":"2022-10-01T18:17:38","date_gmt":"2022-10-01T16:17:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=20814"},"modified":"2022-10-02T00:08:49","modified_gmt":"2022-10-01T22:08:49","slug":"die-schrumpfung-der-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/10\/01\/die-schrumpfung-der-wirtschaft\/","title":{"rendered":"DIE SCHRUMPFUNG DER WIRTSCHAFT"},"content":{"rendered":"\n<p>Unternehmer sch\u00fcttelten fassungslos den Kopf, als der Bundesminister f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz in der am 6. September 2022 ausgestrahlten Sendung von Sandra Maischberger seine Gedanken zu einer m\u00f6glicherweise bevorstehenden Insolvenzwelle \u00e4u\u00dferte. Hofft er etwa darauf, dass etliche B\u00e4cker ihr Gesch\u00e4ft freiwillig aufgeben? Dann kalkuliert er f\u00fcr die Zukunft wom\u00f6glich mit deutlich weniger Anbietern. Eine fr\u00fchere Randbemerkung k\u00f6nnte bei der Einordnung in ein gr\u00f6\u00dferes Ganzes helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Januar 2020 offerierte Robert Habeck beim \u201eWorld Economic Forum\u201c einer Journalistin seine Vorstellungen, was die \u201eUmkehr\u201c im System anbetrifft. Mit leichten \u00c4nderungen in der Wirtschaft sei sie nicht zu schaffen, meinte er. Man m\u00fcsse aus dem System heraus neue Wege beschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der CO\u2082-Aussto\u00df pro Bundesb\u00fcrger und Jahr soll bekannterma\u00dfen von elf auf eine Tonne gesenkt werden. Dann, so hei\u00dft es, sei Deutschland klimaneutral. Vielleicht will der Bundesminister einfach noch nicht aussprechen, was das konkret f\u00fcr die Wirtschaft bedeutet \u2014 aus Angst vor unangenehmen Reaktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike Herrmann, Journalistin bei der TAZ und Mitglied der Partei \u201eB\u00fcndnis &#8217;90\/Die Gr\u00fcnen\u201c, sagt es hingegen frei heraus: Klimaschutz sei nur m\u00f6glich, wenn die Wirtschaft schrumpfe \u2014 um 50 %. Das ist zwar nur ihre pers\u00f6nliche Schlussfolgerung, doch mit dieser d\u00fcrfte sie in Kreisen der Klimasch\u00fctzer nicht allein sein. In der Sendung \u201eMarkus Lanz\u201c, Ausgabe vom 8. September 2022, sprach sie \u00fcber ihr neues Buch \u201eDas Ende des Kapitalismus\u201c und verriet, was die Schrumpfung der Wirtschaft aus ihrer Sicht konkret bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeitung, f\u00fcr die sie arbeitet, ver\u00f6ffentlichte zum Globalen Klimastreik am 23. September 2022 eine Sonderausgabe, in der unter anderem der Frage nachgegangen wird, was jeder einzelne f\u00fcr den Klimaschutz tun kann: \u00d6kostrom buchen, das Haus d\u00e4mmen, fossile Heizungen abschaffen, keine oder weniger tierische Produkte konsumieren, keine Flugreisen, weniger Autokilometer. Aber auch dann w\u00e4re das Ziel noch nicht erreicht. Der CO\u2082-Aussto\u00df pro Bundesb\u00fcrger und Jahr l\u00e4ge bei f\u00fcnf Tonnen, m\u00fcsste also nochmals um ein mehrfaches reduziert werden! Das allerdings d\u00fcrfte umso schwieriger werden, je n\u00e4her das Ziel scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es soll nicht unm\u00f6glich sein. Ulrike Herrmann nennt in ihrem Buch L\u00e4nder, die bereits heute klimaneutral sind. Dazu geh\u00f6ren Pakistan, Angola, Nordkorea, Uganda und Somalia. Sie schreibt auch, wozu die \u00d6koenergie nicht reichen w\u00fcrde: f\u00fcr private Autos, Flugzeuge und den bisherigen Fleischkonsum. Denn damit die \u00d6koenergie reiche, m\u00fcsse der Endenergieverbrauch um 30 % bis 50 % reduziert werden. Daf\u00fcr sei es auch notwendig, Wohnfl\u00e4chen und Lebensmittel zu rationieren. Nur dann w\u00fcrden sie in der geschrumpften Wirtschaft f\u00fcr alle reichen. Also m\u00fcsse der Staat festlegen, was noch hergestellt werden darf, bevor er die knappen G\u00fcter verteilt. Banken k\u00f6nnten mit Krediten kein Geld mehr verdienen, weil Wachstum hierf\u00fcr die Voraussetzung w\u00e4re. Auch Lebensversicherungen h\u00e4tten keine Zukunft, da die gezahlten Pr\u00e4mien letztendlich auch auf Wachstum basierten. Die beschriebenen Rationierungen w\u00e4ren m\u00f6glich mit der Festlegung eines CO\u2082-Budgets, welches auf jeden einzelnen B\u00fcrger umzulegen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Um einen gewissen Lebensstandard zu erm\u00f6glichen, der h\u00f6her ist als in Pakistan, Angola oder Nordkorea, w\u00e4ren neue Technologien notwendig. Doch wer soll diese finanzieren, wenn die Energiepreise steigen, die Wirtschaftskraft sinkt, und k\u00fcnftig immer mehr Arbeitspl\u00e4tze entfallen? Im ersten Kapitel ihres Buches beschreibt Herrmann selbst, wie Menschen allm\u00e4hlich durch Maschinen ersetzt werden. Je gr\u00f6\u00dfer der Fortschritt, desto mehr Maschinen arbeiten anstelle von Menschen. Was geschieht dann mit jenen, die im KI-Zeitalter nicht mehr ben\u00f6tigt werden? In der \u201estatischen Zukunft\u201c ohne Wachstum arbeiten diese in W\u00e4ldern und auf Feldern, ist Herrmann \u00fcberzeugt \u2014 um die Folgen des Klimawandels zu lindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas entscheidendes hat die Autorin allerdings \u00fcbersehen: Im ersten Kapitel beschreibt sie ausf\u00fchrlich, wie die industrielle Revolution im 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm: Es waren oftmals zun\u00e4chst unbedeutende T\u00fcftler, Handwerker und Maschinenbauer, die mit ihren Erfindungen die Welt ver\u00e4nderten. Nun aber sollen die Strukturen von oben her neu gerichtet werden \u2014 \u00fcber Denkfabriken, die ein neues Wirtschafts- und Gesellschaftssystem entworfen haben, und Multimillion\u00e4re, die die hierf\u00fcr n\u00f6tigen Erfindungen ersinnen und dann \u00fcber Stiftungen Einfluss auf die Politik nehmen. Damit hat die sogenannte vierte industrielle Revolution, die den Wechsel in ein neues Zeitalter erm\u00f6glichen soll, einen v\u00f6llig untypischen Ausgangspunkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Unternehmer sch\u00fcttelten fassungslos den Kopf, als der Bundesminister f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz in der am 6. September 2022 ausgestrahlten Sendung von Sandra Maischberger seine Gedanken zu einer m\u00f6glicherweise bevorstehenden Insolvenzwelle \u00e4u\u00dferte. 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