{"id":20855,"date":"2022-10-06T00:11:35","date_gmt":"2022-10-05T22:11:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=20855"},"modified":"2022-10-06T00:12:04","modified_gmt":"2022-10-05T22:12:04","slug":"gerda-lepke-malerei-und-arbeiten-auf-papier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/10\/06\/gerda-lepke-malerei-und-arbeiten-auf-papier\/","title":{"rendered":"GERDA LEPKE \u2014 MALEREI UND ARBEITEN AUF PAPIER"},"content":{"rendered":"\n<p>Gerda Lepke, Jahrgang 1939, die Grande Dame der Dresdner und Geraer Kunstszene, geh\u00f6rt zu den bekannten und bedeutenden deutschen K\u00fcnstlerinnen. In ihren Gem\u00e4lden, Zeichnungen und Grafiken hat sie eine ganz eigene unverwechselbare Bildsprache entwickelt und mit ihrer Kunst ein eigenst\u00e4ndiges Kapitel in der Geschichte der deutschen Kunst geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihre Kunst braucht Gerda Lepke \u00e4u\u00dfere Anl\u00e4sse: Die findet sie, wenn sie mit ihren suchenden Augen in der Landschaft steht. Die vielf\u00e4ltigen Gestaltformationen, ihre momentanen sensuellen Empfindungen der Luft- und Lichtbewegung und Ger\u00e4usche verdichten sich dann zu einem komplexen und abstrahierten Wahrnehmungsbild, das zugleich Ausdruck des sich Vertrautmachens mit dem Gegen\u00fcber des Gegenstandes ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerda Lepke wurde 1939 in Jena geboren und wuchs ab 1941 in Gera auf. In der ostth\u00fcringischen Industriestadt hat sie wesentliche Pr\u00e4gungen erfahren. Pr\u00e4gungen, die ihren schwierigen Weg zur Malerei mitbestimmt haben. Da w\u00e4re zuerst das Kriegserlebnis als Kind zu nennen, das intensive Erfahren von Entsetzen und die emotionalen und optischen Ersch\u00fctterungen, die ihre k\u00fcnstlerische Grundhaltung bis heute bestimmt: mit und in ihren Bildern Gegenwelten aufzurichten und Sch\u00f6nheit gegen Zerst\u00f6rung zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>1960 ging Gerda Lepke nach Dresden und folgte ihrer Intention, sich f\u00fcr den Weg zur Malerei zu entscheiden. In der s\u00e4chsischen Metropole begann sie mit gr\u00f6\u00dfter Intensit\u00e4t k\u00fcnstlerisch zu arbeiten: zun\u00e4chst im Selbst- und Abendstudium. Nach 1966 erhielt sie als Studentin der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste Dresden eine akademische Kunstausbildung.<br>Die Stadt an der Elbe wurde ihr zun\u00e4chst zur k\u00fcnstlerischen Heimat. Hier reifte und entfaltete sich ihre Begabung, da wuchs ihr Werk und sie entwickelte ihre unverwechselbare, lyrisch-pointilistische Bildsprache, hier fand sie Freunde und jene spezifische Atmosph\u00e4re, die ihr das k\u00fcnstlerische Arbeiten erm\u00f6glichte. Diese Ausdauer und Konsequenz des Weges der jungen Malerin, die sich ihr allt\u00e4gliches Leben bis Mitte der 1970er Jahre phasenweise als OP- und Krankenschwester verdienen musste, n\u00f6tigt heute noch hohen Respekt ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Dresdner Sensualismus herkommend, sch\u00e4tzt Gerda Lepke beim Zeichnen oder Malen die Stille, um den lebhaften Ger\u00e4uschen der Natur, dem Streifen des Windes \u00fcber die Wiesen, dem Rascheln der Bl\u00e4tter im Astwerk oder dem Zwitschern der V\u00f6gel folgen zu k\u00f6nnen.<br>Die Erscheinung der Dinge im ver\u00e4nderlichen Licht ob Blattwerk, Ge\u00e4st, Blatt- und Bl\u00fctenformen vereinzeln sich nicht, sondern geh\u00f6ren f\u00fcr sie zusammen. In ihrer Malerei richte sie den Blick oft auf einen winzigen Ausschnitt, auf ein St\u00fcck Natur, f\u00fcr viele eher unauff\u00e4llig und unspektakul\u00e4r im sonst turbulenten Alltagsgetriebe und fertigt davon ganze Motivreihen an.<br>Die Lebendigkeit ihres Bildraumes erw\u00e4chst aus einem Prozess des \u00dcbereinanderlegens und -schichtens verschiedenen Farbt\u00f6ne und -nuancen und den unterschiedlichen Bewegungsrichtungen ihrer Pinselz\u00fcge und Farbtupfer. Durch offene und verdichtet Partien mit unterschiedlicher Farbintensit\u00e4t schafft sie sich bildnerische Zentren, die zum Bildganzen stets harmonisch ausbalanciert sind.<br>Ihr bildnerischer Drang ist Wahrheitssuche. Die aufgefundenen Naturformen geben nicht einfach nur einen Ast, eine Bl\u00fcte oder ein Blatt wieder, sondern allenfalls ein Bild von selbigen \u2013 oder wie Gerda Lepke selbst formuliert: \u201eMein Realismus ist das, was ich auf der Fl\u00e4che daraus mache.\u201c Erst wenn das bildnerische Resultat dem Wollen entspricht, dem Gesuchten und Erschauten nahe genug ist, dass das Auge \u00fcber Assoziationen entscheiden kann, ist ihre Arbeit am jeweiligen Bild beendet. Ihre farbflirrenden Bilder von Blatt- und Bl\u00fctenkronen, Baum- und Astwerk im Garten, von Ufer-, Fluss- und Himmelszonen, Feld, Acker- und Wiesenlandschaften, von Buschformationen, aber auch K\u00f6pfen und Figurengruppen vergegenst\u00e4ndlicht sie auf den Leinw\u00e4nden und Zeichenbl\u00e4ttern<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geraer Ausstellung pr\u00e4sentiert eine charakteristische Auswahl von Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen, insbesondere die fr\u00fche Abkehr in ihrer Kunst von der engen Gegenstandsauffassung des sozialistischen Realismus und die Hinwendung zu den Abstraktionsprinzipien der Moderne stehen hier im Fokus. Die Schau zeigt formelle Br\u00fcche und die konsequente stilistische Entwicklung ihrer sensitiven Linienabstraktion auf und stellt einen retrospektiven Blick in das Oeuvre dar, auf fr\u00fche expressive Aquarellbl\u00e4tter und wunderbar lockere und offene Landschaftstuschzeichnungen aus den 1970er Jahren, auf eine Reihe von Selbstbildnissen der Jahre 1968 bis 1971, die bislang \u00fcberhaupt noch nicht gezeigt wurden. In den Bildern der 1980er Jahre bis zur Gegenwart mit Natur- und figurativen Motiven entfaltet sich ihr eigener Realismus, der stilistisch zwischen impressiver Gegenstandserfassung und malerischer Abstraktion anzusiedeln ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung im S\u00fcdfl\u00fcgel der Orangerie kann vom 11. Oktober bis 27. November 2022 besucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: VER\u00d6FFENTLICHUNG DER STADT GERA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Gerda Lepke, Jahrgang 1939, die Grande Dame der Dresdner und Geraer Kunstszene, geh\u00f6rt zu den bekannten und bedeutenden deutschen K\u00fcnstlerinnen. 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