{"id":21094,"date":"2022-10-20T20:36:58","date_gmt":"2022-10-20T18:36:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=21094"},"modified":"2022-10-20T20:37:44","modified_gmt":"2022-10-20T18:37:44","slug":"das-lingula-fossil-aus-milbitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2022\/10\/20\/das-lingula-fossil-aus-milbitz\/","title":{"rendered":"DAS LINGULA-FOSSIL AUS MILBITZ"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Objekt des Monats Oktober im Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein Fossil aus Milbitz, das nur etwa so gro\u00df wie eine Erbse ist. Gefunden wurde es im 19. Jahrhundert an der Schiefergasse. Aufgrund reicher Fossilfunde pilgerten damals zahlreiche Sammler an die Schiefergasse, um ihre Kollektionen zu bereichern. Ein namentlich nicht bekannter Sammler hat dieses Fundst\u00fcck der \u201eGeologischen Landessammlung\u201c zugef\u00fchrt. Diese Sammlung wurde ab 1858 von Heinrich XIV. Reu\u00df j. L. als f\u00fcrstliche Privatsammlung angelegt. In ihr wurden Gesteine, Mineralien und Fossilien aus den zahlreichen Fundstellen im F\u00fcrstentum Reu\u00df j\u00fcngere Linie zusammentragen. Zuerst befand sie sich auf Schloss Osterstein, dann im F\u00fcrstlichen Palais am Johannisplatz. Im Jahre 1884 wurde sie dem F\u00fcrstlichen Gymnasium \u00fcbertragen und 1920 an das damalige St\u00e4dtische Museum \u00fcbergeben. Dort \u00fcberstanden gro\u00dfe Teile die Zerst\u00f6rungen des II. Weltkrieges und gelangten anschlie\u00dfend in das Schreibersche Haus, in dem heute das Museum f\u00fcr Naturkunde untergebracht ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine \u201eZungenmuschel\u201c, die keine Muschel ist<\/strong><br>Auf dem abgebildeten f\u00fcnf mal drei Zentimeter gro\u00dfen Kalksteinst\u00fcck ist ein Exemplar des kleinen und unauff\u00e4lligen Fossils gut in der Mitte zu erkennen. Es hat eine ovale Form mit konzentrischen Streifen und wirkt wie eine Muschelschale. Vielleicht nennt man es deshalb umgangssprachlich \u201eZungenmuschel\u201c, obwohl das absolut falsch ist. Es handelt sich zwar um eine Schale, aber um die eines Armf\u00fc\u00dfers, auch Brachiopode genannt. Armf\u00fc\u00dfer sind keine Muscheln, sie geh\u00f6ren auch nicht zu den Weichtieren. Sie sind uns fremd, weil heute weltweit nur noch wenige Arten in den Meeren vorkommen. Anders war das im Erdaltertum bis zum Perm, als auch dieser jetzt in Stein gebettete Armf\u00fc\u00dfer im Meeresboden in Ufern\u00e4he lebte. Er geh\u00f6rt zur Gattung Lingula. Die beiden Schalen dieser Gattung werden nicht durch ein Schloss am Schalenrand zusammengehalten, sondern nur durch Muskeln. Nach dem Absterben des Tieres fielen die Schalen dann in der Regel auseinander und k\u00f6nnen deshalb nur einzeln gefunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein wahrhaft lebendes Fossil<\/strong><br>Erstaunlich ist, dass auch heute in k\u00fcstennahen Gew\u00e4ssern S\u00fcdostasiens ein Armf\u00fc\u00dfer lebt, dessen Schalen denen dieses Fossils gleichen und der auch zur Gattung Lingula geh\u00f6rt. Die Tiere leben im sandigen Schlamm in selbstgebauten Wohnr\u00f6hren, in dem sie sich mit ihren Muskelstiel bewegen k\u00f6nnen. Die Muskelstiele werden auch gern in L\u00e4ndern wie Vietnam oder Thailand z. B. als \u201eLingula-Salat\u201c gegessen. Lingula ist ein wahrhaft lebendes Fossil und bildet als solches sogar eine der erdgeschichtlich \u00e4ltesten lebenden Gattungen \u00fcberhaupt. Die Gattung Lingula kennt man seit dem Silur etwa vor 420 Millionen Jahren. Damit hat das Tier sozusagen keine Evolution erlebt, sondern zirka 420 Millionen Jahre ohne nennenswerte Ver\u00e4nderungen \u00fcberdauert. Im Gegensatz zu Millionen Arten hat die Gattung Lingula gigantische Massenaussterben in der Erdgeschichte \u00fcberstanden, auch das Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Funde bis heute m\u00f6glich<\/strong><br>Bis heute kann man im Nordosten von Gera mit etwas Gl\u00fcck in Baugruben versteinerte Schalen von Lingula finden. Was man dann in den H\u00e4nden h\u00e4lt, ist ein grandioses Beispiel einer Tiergattung, die eine unvorstellbar lange Zeit unver\u00e4ndert jeder Katastrophe bis heute trotzte. Wenn das Museum f\u00fcr Naturkunde Gera in absehbarer Zeit wieder f\u00fcr den Besucherverkehr \u00f6ffnet, kann das spannende Fossil in der Sonderausstellung \u201eHerrscher auf dem Meeresgrund \u2013 Brachiopoden der Geraer Zechsteinlagune vor 255&#8217;000&#8217;000 Jahren\u201c betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Objekt des Monats Oktober im Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein Fossil aus Milbitz, das nur etwa so gro\u00df wie eine Erbse ist. Gefunden wurde es im 19. Jahrhundert an der Schiefergasse. 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