{"id":2189,"date":"2017-11-08T23:00:27","date_gmt":"2017-11-08T22:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=2189"},"modified":"2019-01-29T01:08:23","modified_gmt":"2019-01-29T00:08:23","slug":"pogrom-im-november-1938","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2017\/11\/08\/pogrom-im-november-1938\/","title":{"rendered":"POGROM IM NOVEMBER 1938"},"content":{"rendered":"<p>Vor 79 Jahren wurden in einer damals sogenannten Reichskristallnacht j\u00fcdische Gesch\u00e4fte gepl\u00fcndert und deren Einrichtungen zerst\u00f6rt. Auch in Gera gab es vom 9. auf den 10. November Gewaltakte dieser Art. SA, SS und Hitlerjugend r\u00e4umten die j\u00fcdische Synagoge im Hotel Kronprinz (Gedenkst\u00e4tte Anna-Schneider-Weg, siehe Titelbild), die Synagoge in der Hospitalstra\u00dfe (Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe) sowie die j\u00fcdische Schule im damaligen Meisterg\u00e4sschen 10 aus und verbrannten Einrichtungs- und Kultgegenst\u00e4nde. M\u00e4nnliche Juden wurden in Schutzhaft genommen und in das KZ Buchenwald verschleppt. Fortan war es Juden untersagt, kaufm\u00e4nnisch t\u00e4tig zu sein. In der Folgezeit mussten viele ihre Wohnungen verlassen und in sogenannte Judenh\u00e4user ziehen.<\/p>\n<p>Zuvor, am 7. November 1938, war in Paris in der Deutschen Botschaft der Diplomat Ernst Eduard vom Rath, NSDAP-Mitglied und Legationssekret\u00e4r, niedergeschossen worden. Zwei Tage sp\u00e4ter starb dieser. Der T\u00e4ter, Herschel Grynszpan, ein in Paris lebender 17-j\u00e4hriger Jude, dessen Familie ebenfalls vertrieben worden war, soll im Verh\u00f6r Rache f\u00fcr das Leiden seiner Eltern angegeben haben. Er habe eigentlich den Botschafter treffen wollen. Die NS-Regierung nahm das Attentat zum Anlass, mit hoher Gewalt gegen Juden vorzugehen.<\/p>\n<p>Der systematischen Ausgrenzung, Enteignung, Verfolgung und Ermordung dieser Menschen ging Hitlers Ansinnen voraus, sich vom bestehenden System zu l\u00f6sen, Deutschland unabh\u00e4ngig zu machen und eine neue Gesellschaft aufzubauen. Hitler sah sich im Kampf gegen \u201eRegenten des internationalen Kapitals\u201c, zu denen er insbesondere Juden z\u00e4hlte, und betrachtete Gewalt als ein legitimes Mittel.<\/p>\n<p>Hitler glaubte, Juden seien geschickt darin, mit Hilfe des Geldes Werte an sich zu binden und sie dadurch anderen zu entziehen. Sie scheuten die k\u00f6rperliche Arbeit und seien eher bestrebt, sich andere dienstbar zu machen. Mit diesen zugeschriebenen Merkmalen deklarierte er sie als eine eigene Art von Mensch und band sie in die damalige Rassenlehre ein. Wolle man sich von der Diktatur des Kapitals l\u00f6sen, m\u00fcsse man die Juden bek\u00e4mpfen, war er \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Hitler verachtete die parlamentarische Demokratie und schrieb in seinem Buch \u201eMein Kampf\u201c (erster Band, III. Kapitel):<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs ist nicht das Ziel unseres heutigen Parlamentarismus, etwa eine Versammlung von Weisen zu bilden, als vielmehr eine Schar geistig abh\u00e4ngiger Nullen zusammenzustellen, deren Leistung nach bestimmten Richtlinien um so leichter wird, je gr\u00f6\u00dfer die pers\u00f6nliche Beschr\u00e4nktheit des einzelnen ist. Nur so kann Parteipolitik im heutigen Sinne gemacht werden. Nur so aber ist es auch m\u00f6glich, da\u00df der eigentliche Drahtzieher immer vorsichtig im Hintergrund zu bleiben vermag, ohne jemals pers\u00f6nlich zur Verantwortung gezogen werden zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Am 10. Dezember 1940 legte Hitler vor den Besch\u00e4ftigten der Berliner Borsig-Lokomotivwerke seine Ansicht von der Herrschaft des Kapitals unter dem Mantel der Demokratie abermals dar (Tonaufnahme, Auszug):<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-2189-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_AUDIO\/HITLER_001.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_AUDIO\/HITLER_001.mp3\">http:\/\/www.studiogera.de\/001_AUDIO\/HITLER_001.mp3<\/a><\/audio>\n<p>\u00dcber das Kapital und die bestehende Gesellschaftsform hatte bereits Karl Marx kritisch geschrieben. Es war ein bedeutendes Thema seiner Zeit, in der auch Alternativen ersonnen wurden. Hitler verfasste eine eigene Schrift und propagierte den Nationalsozialismus, der jedoch in hohem Ma\u00dfe von Gewalt gepr\u00e4gt war und viele Millionen Tote zur Folge hatte.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel, die darin enthaltene Tonaufnahme sowie die Zitate dienen nach \u00a7 86 StGB einzig der Berichterstattung, dem geschichtlichen Verst\u00e4ndnis und der geschichtlichen Aufarbeitung. Eine Verbreitung zum Zwecke der politischen Einflussnahme oder zum Generieren antisemitischer Haltungen ist verboten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Vor 79 Jahren wurden in einer damals sogenannten Reichskristallnacht j\u00fcdische Gesch\u00e4fte gepl\u00fcndert und deren Einrichtungen zerst\u00f6rt. Auch in Gera gab es vom 9. auf den 10. November Gewaltakte dieser Art. 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