{"id":22715,"date":"2023-01-20T12:02:53","date_gmt":"2023-01-20T11:02:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=22715"},"modified":"2023-01-20T12:02:54","modified_gmt":"2023-01-20T11:02:54","slug":"die-verschwundene-perlmuschel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/01\/20\/die-verschwundene-perlmuschel\/","title":{"rendered":"DIE VERSCHWUNDENE PERLMUSCHEL"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Objekt des Monats Januar 2023 im Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein Exemplar der Flussperlmuschel, stellvertretend f\u00fcr eine Tierart, welche die Wei\u00dfe Elster einst popul\u00e4r und ber\u00fchmt machte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dicke Schale und hohes Alter<\/strong><br>Flussperlmuscheln haben eine aus zwei kalkigen Klappen bestehende Schale, die den Weichk\u00f6rper sch\u00fctzt. Ihre Schale ist im Vergleich zu anderen einheimischen Muschelarten sehr dick. Die Gr\u00f6\u00dfe und das maximale Alter variieren erheblich je nach Vorkommen. Flussperlmuscheln in Deutschland erreichen nicht selten eine Gr\u00f6\u00dfe von 14 Zentimeter L\u00e4nge und sieben Zentimeter Breite. Das maximale Alter bei Exemplaren in Nordeuropa betr\u00e4gt zirka 280 Jahre! Sie bevorzugen immer kalkarme, intakte Flie\u00dfgew\u00e4sser-\u00d6kosysteme und besiedeln dabei die Oberl\u00e4ufe und oberen Mittell\u00e4ufe. Aus dem flie\u00dfenden Wasser filtern die Tiere kleine Nahrungspartikel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jahrhunderte Perlfischerei<\/strong><br>Schon im Mittelalter zogen Venezianer durch Mitteldeutschland, um ihre Waren z. B. gegen Erze zu tauschen. Ihnen blieben die Perlen nicht verborgen. Im Jahre 1621 erhob Kurf\u00fcrst Johann Georg I. das Fischen der \u201eSchatzmuschel\u201c zum sogenannten \u201eRegal\u201c \u2014 einem landesherrlichen Hoheitsrecht, also einem Privileg der s\u00e4chsischen Krone, zu dessen Durchf\u00fchrung man Perlfischer besch\u00e4ftigte. 1681 wurde entschieden, die Perlfischerei auf alle B\u00e4che des s\u00e4chsischen Elstergebietes bis an die reu\u00dfische Landesgrenze auszudehnen. Erhebliche Konflikte zwischen den Perlfischern, die Holzfl\u00f6\u00dferei, Hochwasser und Eisg\u00e4nge brachten die s\u00e4chsische Perlfischerei mehrfach bis an den Rand ihrer Existenz. Die k\u00f6niglich-s\u00e4chsische Krone hat das Perlregal nie aufgegeben, obwohl 1909 die Ausbeute an hochwertigen Perlen aus dem s\u00e4chsischen Vogtland nur noch acht St\u00fcck betrug. Erst 1927 endete die Perlfischerei letztendlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201ePerlfluss\u201c Wei\u00dfe Elster<\/strong><br>Auch in der Wei\u00dfen Elster wurden die Perlen der Flussperlmuschel gefischt, denn die Wei\u00dfe Elster war zumindest im Bereich ihres Oberlaufs ein wahrer \u201ePerlfluss\u201c.<br>Das Vorkommen der Flussperlmuschel in der Wei\u00dfen Elster reichte bis in den W\u00fcnschendorfer Raum hinein. Immer wieder ist zu h\u00f6ren und zu lesen, dass die Reu\u00dfen auf reu\u00dfischem Boden in der Wei\u00dfen Elster Perlfischerei betrieben h\u00e4tten. Das ist falsch, die Perlfischerei wurde nur auf s\u00e4chsischem Terrain weiter s\u00fcdlich betrieben. 1910 dokumentierte Vorkommen der Flussperlmuschel auf reu\u00dfischem Gebiet waren auch schon damals nur noch Restbest\u00e4nde. In den nachfolgenden Jahrzehnten sind auch die letzten Flussperlmuscheln in der Wei\u00dfen Elster verschwunden. 1937 wird nur noch vom Auffinden einiger leerer Schalen berichtet. In ganz Th\u00fcringen gilt die die Flussperlmuschel aktuell als vollkommen verschollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung verlief auch an anderen Orten \u00e4hnlich, denn derzeit existieren nur noch 2 % bis 3% der ehemals in Mitteleuropa vorkommenden Flussperlmuscheln. Gr\u00fcnde f\u00fcr das Verschwinden in der Wei\u00dfen Elster und den meisten anderen Fl\u00fcssen und B\u00e4chen sind die Verschmutzung der Gew\u00e4sser durch die Industrialisierung, \u00dcberd\u00fcngung, Versandung, Abwassereinleitung und Streusalz. Auch das Fehlen des Lachses und die Verdr\u00e4ngung der Bachforelle, welche die Flussperlmuschel aufgrund ihrer komplexen Entwicklung zwingend zur Vermehrung ben\u00f6tigt, haben ihren Anteil am massiven R\u00fcckgang dieser Art.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige echte Flussperlmuschel-Schalen, Perlen und daraus gefertigte Schmuckgegenst\u00e4nde kann man derzeit im Museum f\u00fcr Naturkunde Gera in der Sonderausstellung \u201eGez\u00e4hmte Eilende \u2014 Die Wei\u00dfe Elster und ihr Tal zwischen Greiz und Bad K\u00f6stritz\u201c betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Objekt des Monats Januar 2023 im Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein Exemplar der Flussperlmuschel, stellvertretend f\u00fcr eine Tierart, welche die Wei\u00dfe Elster einst popul\u00e4r und ber\u00fchmt machte. 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