{"id":23708,"date":"2023-03-15T17:56:38","date_gmt":"2023-03-15T16:56:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=23708"},"modified":"2023-03-15T17:56:40","modified_gmt":"2023-03-15T16:56:40","slug":"der-komponist-steffen-schleiermacher-ueber-sein-werk-umbra-vitae","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/03\/15\/der-komponist-steffen-schleiermacher-ueber-sein-werk-umbra-vitae\/","title":{"rendered":"DER KOMPONIST STEFFEN SCHLEIERMACHER \u00dcBER SEIN WERK \u201eUMBRA VITAE\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Im 6. Philharmonischen Konzert des Theaters Altenburg Gera steht die Urauff\u00fchrung \u201eUmbra Vitae\u201c f\u00fcr Bariton und Orchester von Steffen Schleiermacher auf dem Programm. \u00dcber die Entstehung der Komposition sprach Rebecca Anlauf mit dem Komponisten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Herr Schleiermacher, Sie haben bereits mehrere St\u00fccke komponiert, die sich mit expressionistischen Texten befassen. F\u00fcr Ihr neues Werk \u201eUmbra Vitae\u201c, das in Gera und Altenburg erklingen wird, haben Sie sich mit Gedichten von Georg Heym auseinandergesetzt. Was fasziniert und inspiriert Sie an der Epoche?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vieles. Zum einen die Aufbruchsstimmung dieser Zeit, der Bruch mit der Tradition und der Wunsch der K\u00fcnstler, sich selber auszudr\u00fccken und nicht Formmodellen zu folgen.<br>Ein zweiter Punkt ist der depressive Ton. Der Expressionismus ist eine Vorkriegskunst und eine Endzeitstimmung. Mein St\u00fcck ist ja lange vor dem Ukraine-Krieg komponiert worden, aber es passt irgendwie in diese Zeit \u2012 auf eine merkw\u00fcrdige Art und Weise.<br>Dann hat mich auch Georg Heym fasziniert. Ich lese seine Gedichte und das ist f\u00fcr mich bereits Musik. Ich muss dann nur noch die Musik, die da schon drin ist, drumherum schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie verlief die ldeenfindung zu Ihrem Werk?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich den Auftrag vom Theater Altenburg Gera bekam, ein St\u00fcck zu komponieren, war von Anfang an klar: Es soll ein St\u00fcck f\u00fcr Gesang und Orchester werden. Da stellt sich sofort f\u00fcr mich die Fachfrage: Welchen Text m\u00f6chte ich musikalisch zum Erklingen bringen? Ich komponiere nie zuerst und suche dann den Text aus. Also musste ich den Text suchen. Weil ich wusste, wer singt, habe ich kurz \u00fcberlegt, einen spanischen Text auszuw\u00e4hlen. Aber ich verstehe die Sprache selber nicht. Deshalb habe ich die Idee verworfen. Also habe ich wieder in mein B\u00fccherregal geschaut und blieb sinnend vor meiner expressionistischen Sammlung stehen. Da kam Georg Heym ins Spiel. Nachdem ich die Gedichte \u201eDie Stadt\u201c, \u201eDie Nacht\u201c, \u201eNacht\u201c und \u201eTr\u00e4umerei in Hellblau\u201c ausgew\u00e4hlt hatte, habe mit dem Komponieren angefangen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wonach haben Sie die Texte dann ausgesucht? Einfach nach Gef\u00fchl?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Es ging darum: Was spricht mich an? Welche Bilder sprechen mich an? Und welche Themen? Bei dem ersten Gedicht \u201eDie Stadt\u201c z.B. geht es um die Angst vor der Stadt, ein ganz gro\u00dfes Thema damals. Diese Einsamkeit in der Gro\u00dfstadt und die Bilder, die Heym daf\u00fcr gefunden hat, das hat mich irgendwie fasziniert. Die Wahl der Texte war aber ein langer Prozess. Am Anfang waren es sehr viele, dann flogen manche raus, dann flogen sie wieder rein usw.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Komposition selbst ist ja nun schon einige Jahre her, weil die urspr\u00fcnglich geplante Auff\u00fchrung genau in die Corona-Zeit fiel. Wie ist das f\u00fcr Sie, dass Sie das St\u00fcck erst nach drei Jahren zur Urauff\u00fchrung bringen k\u00f6nnen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n. Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet. Es ist immer interessant, mit einem gewissen Abstand auf eigene Partituren zu schauen. Weil man vergisst, was einem im Detail durch den Kopf gegangen ist. Deshalb ist das fast schon, wie ein St\u00fcck eines anderen Komponisten anzuh\u00f6ren, zu dem man zwar eine bestimmte Beziehung hat, aber das jetzt eben fertig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was w\u00fcrden Sie gerne Menschen mit auf den Weg geben, die das St\u00fcck zum ersten Mal h\u00f6ren?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das bleibt v\u00f6llig offen. Die Wertung muss jedem selbst \u00fcberlassen sein. Entweder das St\u00fcck entfaltet eine Wirkung \u2013 welche auch immer \u2013 oder auch nicht. Es gibt keine Absurdit\u00e4ten in dem St\u00fcck. Das ist ganz normales Zeug. F\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse sehr romantisch. Entscheidend ist: Das St\u00fcck setzt keine Spezialkenntnisse voraus. Wer Musik liebt, wird das auch lieben.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Die Urauff\u00fchrung von Steffen Schleiermachers Szenen f\u00fcr Bariton und Orchester \u201eUmbra Vitae\u201c ist im Rahmen des 6. Philharmonischen Konzert am 8. und 9. M\u00e4rz im Konzertsaal Gera sowie am 10. M\u00e4rz im Theaterzelt Altenburg zu h\u00f6ren. Es werden au\u00dferdem Robert Schumanns \u201eOuvert\u00fcre, Scherzo und Finale\u201c sowie Dmitri Schostakowitschs 5. Sinfonie erklingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Steffen Schleiermacher, geboren am 3. Mai 1960 in Halle an der Saale, ist ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent. Als Pianist spielte er zahlreiche CD zur Musik des 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhunderts ein.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: THEATER ALTENBURG GERA GGMBH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Im 6. 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