{"id":23793,"date":"2023-03-20T21:22:08","date_gmt":"2023-03-20T20:22:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=23793"},"modified":"2023-03-20T21:22:10","modified_gmt":"2023-03-20T20:22:10","slug":"der-meteoriten-detektivfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/03\/20\/der-meteoriten-detektivfall\/","title":{"rendered":"DER METEORITEN-DETEKTIVFALL"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Objekt des Monats M\u00e4rz 2023 aus dem Museum f\u00fcr Naturkunde in Gera ist ein Meteoritenteilst\u00fcck. Meteoriten sind mehr oder weniger kleine Festk\u00f6rper aus dem Weltall, die die Erdatmosph\u00e4re durchquert und den Erdboden erreicht haben. Ihr Alter ist extrem hoch. Die meisten Meteoriten, die auf der Erde landen, sind Bruchst\u00fccke von Asteroiden aus dem Asteroideng\u00fcrtel zwischen Mars und Jupiter. Dieses nur 4 mal 3,3 mal 1,7 Zentimeter kleine Bruchst\u00fcck war Jahrzehnte unbeachtet. Erst im Rahmen einer Ausstellung im Jahr 2019 zum 200-j\u00e4hrigen Falljubil\u00e4um des Pohlitzer Meteoriten wurde es zusammen mit den wenigen anderen Meteoritenteilst\u00fccken in der Sammlung des Museums neu inventarisiert und dabei genau \u00fcberpr\u00fcft. Anfangs sorgte es f\u00fcr Kopfzerbrechen und nur mit Aufwand konnten die wesentlichen Fragen dazu gekl\u00e4rt werden. Unter dem kleinen Bruchst\u00fcck eines Metallmeteoriten lag ein Fundortetikett mit der Aufschrift \u201eM\u00e4hren\u201c. Au\u00dferdem klebte an dem Meteoritenst\u00fcck ein zerfetzter handschriftlicher Zettelrest mit der Aufschrift \u201eKalm St.1622\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst wurde damit begonnen, eine sinnvolle \u00dcbereinstimmung der Nummer in verschiedenen alten Sammlungskatalogen zu ermitteln. Tats\u00e4chlich lieferte der urspr\u00fcnglich 1846 angelegte, neuere Katalog der sogenannten \u201eAlten Mineraliensammlung Rutheneum\u201c einen Treffer. Diese alte Sammlung wurde seit dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert im damaligen F\u00fcrstlichen Gymnasium in Gera angelegt. Durch die Eintr\u00e4ge im alten Katalog wurde klar, was das \u201eKalm St.\u201c bedeuten sollte, denn es war \u201eKalm\u00fcckensteppe\u201c als Fundort zu lesen. Die Kalm\u00fcckensteppe bzw. Kalm\u00fcckien ist eine Region im S\u00fcdwesten Russlands. Das Fundortetikett am Boden der Schachtel mit der Aufschrift \u201eM\u00e4hren\u201c, was eine historische Region der Tschechischen Republik ist, geh\u00f6rte also nicht zu dem St\u00fcck und war sicher durch eine sp\u00e4tere Verwechslung dazugekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Recherche mittels umfangreicher Online-Meteoriten-Datenbanken stellte sich im Rahmen der unpr\u00e4zisen Angabe \u201eKalm\u00fcckensteppe\u201c der Meteoriten-Fundort Sarepta im russischen Oblast Wolgograd als sehr wahrscheinlich heraus. Dort fiel 1854 ein Meteorit mit einer Gesamtmasse von 14 Kilogramm. Eine anschlie\u00dfend von Dr. Alexander Gehler vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Georg-August-Universit\u00e4t G\u00f6ttingen durchgef\u00fchrte RFA-Analyse (R\u00f6ntgenfluoreszenzanalyse) ergab genaue Werte zur Zusammensetzung des Meteoritenteilst\u00fccks mit 89,5 % Eisen, 8,1 % Nickel und 0,6 % Kobalt. Die spezifische Zusammensetzung untermauerte die vorher vermutete Fundortzuordnung. Au\u00dferdem wurde dadurch prinzipiell klar, dass es sich wirklich um ein echtes Teilst\u00fcck eines Metallmeteoriten handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittels der genauen Recherche anhand der Originalkataloge und vor allem der Einbeziehung moderner Analyseverfahren und Datenbanken konnte die Herkunft dieses Meteoritenst\u00fccks exakt und zweifelsfrei gekl\u00e4rt werden, wodurch nun auch die genaue Ansprache als Eisen-Nickel-Meteorit \u201eOktaedrit IAB-MG Sarepta\u201c m\u00f6glich ist. Unklar ist, wie das St\u00fcck einst in die Sammlung des F\u00fcrstlichen Gymnasiums gelangte. Dazu steht nur vermerkt \u201edie durch Tausch erworbenen Mineralien\u201c. Es gibt sehr vage Hinweise darauf, dass das Meteoritenst\u00fcckchen in Zusammenhang mit einem Mitglied der Familie Glitsch steht. Die Glitschs waren fromme Einwanderer aus dem osts\u00e4chsischen Herrnhut, die sich im 18. Jahrhundert im heutigen Wolgograd niederlie\u00dfen und dort gesch\u00e4ftst\u00fcchtig die erste Senfproduktion Russlands aufbauten.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Objekt des Monats M\u00e4rz 2023 aus dem Museum f\u00fcr Naturkunde in Gera ist ein Meteoritenteilst\u00fcck. 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