{"id":23864,"date":"2023-03-24T11:02:21","date_gmt":"2023-03-24T10:02:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=23864"},"modified":"2023-03-24T11:24:37","modified_gmt":"2023-03-24T10:24:37","slug":"robert-habeck-und-der-zerstoerte-deutsche-wald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/03\/24\/robert-habeck-und-der-zerstoerte-deutsche-wald\/","title":{"rendered":"ROBERT HABECK UND DER ZERST\u00d6RTE DEUTSCHE WALD"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eF\u00fcr uns ist es sehr spannend zu verstehen, wie ihr im Wald leben k\u00f6nnt und den Wald sch\u00fctzen k\u00f6nnt, weil in Deutschland vor tausend Jahren die Deutschen alle B\u00e4ume gef\u00e4llt haben.\u201c So zitiert die Zeitung \u201eWelt\u201c den Bundesminister f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck. Gesagt haben soll er das im M\u00e4rz 2023 vor den Bewohnern eines Dorfes im brasilianischen Regenwald, die er gemeinsam mit Cem \u00d6zdemir, den Bundesminister f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft, besucht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Minister wurde f\u00fcr seinen Sprachstil gegen\u00fcber diesen Menschen heftig kritisiert. Auch inhaltlich werden die \u00c4u\u00dferungen vielfach als unzutreffend zur\u00fcckgewiesen. Haben die Deutschen vor eintausend Jahren wirklich alle B\u00e4ume gef\u00e4llt, oder zumindest einen Gro\u00dfteil des damaligen Waldes? M\u00f6glicherweise handelt es sich um eine bewusste Zuspitzung. Doch was geschah wirklich?<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidende Frage ist, wie weit man in die Vergangenheit zur\u00fcckschauen m\u00f6chte. Gesteinsaufschl\u00fcsse zeigen, dass der Kontinent Europa eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Es gab W\u00fcsten, Meere, W\u00e4lder, Eis- und Graslandschaften. In jeder Epoche unterschied sich die Landschaft grundlegend von der vorherigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dffl\u00e4chige W\u00e4lder, die sich v\u00f6llig unbeeinflusst vom damals noch nicht vorhandenen Menschen entwickeln konnten, gab es in Mitteleuropa zuletzt im Zeitalter des Plioz\u00e4n. Doch diese wurden durch den nat\u00fcrlichen Klimawandel zerst\u00f6rt. Die Temperaturen sanken vor 3,2 Millionen Jahren allm\u00e4hlich, und gro\u00dfe Eismassen arbeiteten sich nach S\u00fcden vor. Nachdem sich in Mitteleuropa die eiszeitlichen Gletscher zur\u00fcckgezogen hatten, entstand zun\u00e4chst eine steppenartige Landschaft, in der auch Menschen siedelten, jagten und sammelten. Der Wald kam erst langsam wieder zur\u00fcck und wurde, je mehr er sich ausbreitete, immer st\u00e4rker genutzt. Eine h\u00e4ufige anzutreffende Baumart d\u00fcrfte die Eiche gewesen sein. Die Kiefer wanderte nach der Eiszeit von Osten kommend in Mitteleuropa ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits sehr fr\u00fch wurden mittels Brandrodung neue Vegetationsfl\u00e4chen geschaffen. Ab der Bronzezeit vor 4000 Jahren ben\u00f6tigte man Holz f\u00fcr Schmelz\u00f6fen und die Metallverarbeitung. Zu dieser Zeit war aufgrund klimatischer Voraussetzungen die Eiche weit verbreitet, ab der Eisenzeit die Buche. Mit Beginn der Eisenzeit stieg der Holzbedarf stark an. In den Jahren 600 bis 800 kam es zu einer gr\u00f6\u00dferen Landnahme. \u00dcbrig blieb ein stark zersiedelter Wald, der zugleich recht intensiv bewirtschaftet wurde. \u00dcblich war beispielsweise die Beweidung im Wald. Das Laub wurde aus den W\u00e4ldern herausgeholt, um es als Einstreu zu nutzen; mit dem Reisig heizten die Menschen ihre H\u00e4user. Die B\u00f6den in den W\u00e4ldern waren demzufolge erheblich devastiert. Eine gr\u00f6\u00dfere Rodungswelle in den Jahren 1000 bis 1300 f\u00fchrte schlie\u00dflich dazu, dass nur noch 17 % der Fl\u00e4che Deutschlands mit Wald bedeckt waren. Man ben\u00f6tigte viel Holz f\u00fcr den Schiffsbau, aber auch f\u00fcr die wachsenden St\u00e4dte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der heutige Wald ist in einem deutlich besseren Zustand als jener des Mittelalters, weil die Ressourcengewinnung zu einem beachtlichen Teil in andere L\u00e4nder verlagert wurde. Der Fl\u00e4chenanteil betr\u00e4gt inzwischen 29,8 %. Doch seit einigen Jahren sind gravierende Ver\u00e4nderungen zu beobachten \u2014 ein gr\u00f6\u00dferes Baumsterben hat begonnen. Betroffen sind \u00fcberwiegend Baumarten, die in den jeweiligen Bereichen nicht zur urspr\u00fcnglichen nat\u00fcrlichen Vegetation geh\u00f6rten. Nadelb\u00e4ume wurden h\u00e4ufig zur Holzgewinnung angepflanzt und stehen heute dort, wo es sie urspr\u00fcnglich nicht gab. St\u00fcrme und Trockenheit hinterlassen nun riesige &#8222;L\u00f6cher&#8220; in den W\u00e4ldern. Vor Ort kann man aber beobachten, dass sich der Wald schnell wieder regeneriert. Der freigewordene Platz wird h\u00e4ufig von Laubb\u00e4umen eingenommen. Am schnellsten scheint sich die Natur dort zu erholen, wo der Mensch \u00fcberhaupt nicht eingreift.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun jedoch drohen dem Wald wieder schwerwiegende Eingriffe. Ein gut gemeinter Umbau mit fremden Arten, die klimaresistenter sein sollen, k\u00f6nnte sich als folgenschwerer Fehler erweisen. Denn es ist damit zu rechnen, dass diese B\u00e4ume mit den hiesigen Mikroorganismen, Pilzen, sowie der Flora und Fauna nicht zurechtkommen und schlie\u00dflich absterben werden. Sie passen nicht in das vorhandene \u00d6konetzwerk, in dem mehrere Arten auf unterschiedlichen Ebenen miteinander interagieren, hinein. In der Kritik steht zudem das Windrad. Immer mehr davon werden in den W\u00e4ldern aufgestellt, was zu einer Beeintr\u00e4chtigung der dortigen Lebenswelten f\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>\u201eF\u00fcr uns ist es sehr spannend zu verstehen, wie ihr im Wald leben k\u00f6nnt und den Wald sch\u00fctzen k\u00f6nnt, weil in Deutschland vor tausend Jahren die Deutschen alle B\u00e4ume gef\u00e4llt haben.\u201c So zitiert die Zeitung <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/03\/24\/robert-habeck-und-der-zerstoerte-deutsche-wald\/\" title=\"ROBERT HABECK UND DER ZERST\u00d6RTE DEUTSCHE WALD\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":2,"featured_media":23865,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":{"0":"post-23864","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vermischtes"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23864","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23864"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23864\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23868,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23864\/revisions\/23868"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}