{"id":24847,"date":"2023-05-20T23:21:03","date_gmt":"2023-05-20T21:21:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=24847"},"modified":"2023-05-20T23:21:04","modified_gmt":"2023-05-20T21:21:04","slug":"heinrichsgruen-die-erste-gartenstadt-thueringens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/05\/20\/heinrichsgruen-die-erste-gartenstadt-thueringens\/","title":{"rendered":"HEINRICHSGR\u00dcN \u2014 DIE ERSTE GARTENSTADT TH\u00dcRINGENS"},"content":{"rendered":"\n<p>Heinrichsgr\u00fcn, eine idyllisch am Stadtwald angrenzende Siedlung, wurde als erste Gartenstadt Th\u00fcringens errichtet und sollte vor allem die Wohn- und Lebensverh\u00e4ltnisse von Arbeitern und ihren Familien verbessern. Die Initiative hierf\u00fcr ging von Dr. Clemens Weisker, der sich 1888 als Arzt in Gera niederlie\u00df, aus. Dieser sah sich t\u00e4glich mit den Folgen, die Industrialisierung und Urbanisierung auf das Leben der Menschen hatten, konfrontiert. Unterern\u00e4hrung, Fehlbildungen, Haltungssch\u00e4den und Erkrankungen der Atemwege, wie beispielsweise Tuberkulose, waren nur einige der Probleme, mit denen die Patienten von Dr. Weisker zu k\u00e4mpfen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Industrialisierung kam es auch in Gera zur raschen Entwicklung der Einwohnerzahlen. Dringend ben\u00f6tigter Wohnraum entstand unter anderem in der Ostvorstadt, Zw\u00f6tzen und Debschwitz. Doch die Wohnverh\u00e4ltnisse in den sehr engen und schmalen H\u00e4usern waren alles andere als gesundheitsf\u00f6rdernd. Dadurch reifte auch in Gera die Idee, eine Gartenstadt zu errichten. Urspr\u00fcnglich stammt diese aber von dem Engl\u00e4nder Ebenezer Howard. Er entwarf 1898 ein Modell f\u00fcr die Stadtentwicklung unter dem Motto \u201eJedem sein Haus, Licht, Luft und Land\u201c, um den schlechten Wohn- und Lebensverh\u00e4ltnissen entgegenzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Um sein Vorhabend umzusetzen, gr\u00fcndete Dr. Clemens Weisker am 11. Juli 1911 den \u201aGemeinn\u00fctzigen Bauverein f\u00fcr Reu\u00df j.L. AG\u2018, wobei die notarielle Gr\u00fcndung erst am 22. Dezember 1911 stattfand. Neben Weisker waren auch Justizrat Dr. Alfred Schlotter, Weberei-Fabrikant Werner Bruhm und Oberlehrer Dr. August Uhl Gr\u00fcnder des Vereins. Dieser verstand, dass sich die schlechten Lebensverh\u00e4ltnisse der Arbeiter negativ auf ihre Leistungskraft auswirkten und dadurch auch die Gewinne der Unternehmer geschm\u00e4lert wurden. Die Ziele des Vereins wurden in der Geraer Zeitung vom 13. Juli 1911 wie folgt beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs soll vor allem denen, die die Zahlreichsten und zugleich Schw\u00e4chsten und Hilflosesten sind, gegen eine geringe Anzahlung die M\u00f6glichkeit verschafft werden<br>1) in einem eigenen H\u00e4uschen, im eigenen Garten, gesund zu wohnen;<br>2) f\u00fcr eine Aufwendung die nicht gr\u00f6\u00dfer sein darf, als die orts\u00fcbliche Miete;<br>3) bei voller Freiz\u00fcgigkeit;<br>4) nur unter der Beschr\u00e4nkung, da\u00df bei Wegzug und Verkauf das H\u00e4uschen seinem Zwecke wie bisher weiter dienen mu\u00df,\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Clemens Weisker versuchte besonders die Geraer Fabrikanten f\u00fcr seinen Ideen zu gewinnen, vor allem um an Kapital f\u00fcr sein Bauvorhaben zu kommen, aber auch um kosteng\u00fcnstig Bauland zu erwerben. Gerade um eventuelle Kritiker von den Vorhaben des Bauvereins zu \u00fcberzeugen, zeigte dieser im Oktober 1911 seine Ziele und Ideen in einer Ausstellung im Rutheneum auf. Begonnen wurde mit dem Bau der Siedlung schlie\u00dflich am 1. April 1912. Dieser kam aber mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 zun\u00e4chst ins Stocken und sp\u00e4ter ganz zum Erliegen. Erst 1919 wurde das Projekt wieder aufgenommen. In diesem Jahr wurde der Name \u201aHeinrichsgr\u00fcn\u2018 das erste Mal verwendet und zwar in einer Sitzung am 24. Juni 1919. Wie genau es zur Namensgebung kam, l\u00e4sst sich leider nicht mehr ermitteln. Namensgeber ist aber sicher einer der reu\u00dfischen F\u00fcrsten. Bis 1930 entstanden so 186 Eigenheime mit 250 bis 650 Quadratmeter gro\u00dfen G\u00e4rten, die zur Selbstversorgung genutzt werden sollten. Die H\u00e4user wurden als Einzel-, Gruppen- oder Reihenh\u00e4user mit schmalen Wohnstra\u00dfen erbaut, die sich abseits der Hauptverkehrsstra\u00dfen befinden, aber dennoch in unmittelbarer N\u00e4he zu den einstigen Fabrikanlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch andere Baustellen in der Stadt wurden vom Bauverein in Angriff genommen, so beispielsweise in Tinz am Maienplatz. Den Bauverein gab es bis zum 3. Juni 1950, als er sich schlie\u00dflich aufl\u00f6ste.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Heinrichsgr\u00fcn, eine idyllisch am Stadtwald angrenzende Siedlung, wurde als erste Gartenstadt Th\u00fcringens errichtet und sollte vor allem die Wohn- und Lebensverh\u00e4ltnisse von Arbeitern und ihren Familien verbessern. 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