{"id":25053,"date":"2023-05-31T11:18:49","date_gmt":"2023-05-31T09:18:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=25053"},"modified":"2023-05-31T11:19:59","modified_gmt":"2023-05-31T09:19:59","slug":"gera-zehn-jahre-nach-dem-hochwasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/05\/31\/gera-zehn-jahre-nach-dem-hochwasser\/","title":{"rendered":"GERA ZEHN JAHRE NACH DEM HOCHWASSER"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In den kommenden Jahren sollen weitere Hochwasserschutzbauten errichtet und \u00dcberschwemmungsfl\u00e4chen geschaffen werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heute vor fast genau zehn Jahren glichen Teile Geras einem einzigen gro\u00dfen See. Das Hochwasser der Wei\u00dfen Elster, das nach tagelang anhaltenden Regenf\u00e4llen zum kritischsten Zeitpunkt bei 4,58 Meter statt der \u00fcblichen rund 50 Zentimeter stand, hatte 2013 zirka 812 Hektar des Stadtgebietes \u00fcberschwemmt. Mehrere Stadt- und Ortsteile waren zeitweise nur noch per Boot zu erreichen. Der Schaden, den die Hochwasserkatastrophe in Gera anrichtete, belief sich nach damaligen Sch\u00e4tzungen auf 58,4 Millionen Euro. Betroffen waren nicht nur etwa 15&#8217;000 Geraer in rund 8000 Haushalten, auch die kommunale Infrastruktur wurde stark besch\u00e4digt und teilweise zerst\u00f6rt. Stra\u00dfen, Br\u00fccken, Sportst\u00e4tten, Schulen, Museen, Theater, Musikschule und andere Geb\u00e4ude wurden ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie das Strom-, das Gas- und das Fernw\u00e4rmenetz sowie die Wasser- und Abwasseranlagen. Oberb\u00fcrgermeister Julian Vonarb sagte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWas vor zehn Jahren in Gera passiert ist, kannten viele Menschen bis dahin nur aus dem Fernsehen. Die sonst recht friedliche Wei\u00dfe Elster war binnen weniger Tage zu einem rei\u00dfenden Strom gewachsen, der sich seinen Weg in Stra\u00dfen, H\u00e4user und Gr\u00fcnanlagen bahnte. Pl\u00f6tzlich stand das Wasser meterhoch im eigenen Keller oder schwappte bedrohlich an der T\u00fcrschwelle. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass es Gera so schlimm erwischt wie beim Hochwasser von 1954. Umso gr\u00f6\u00dfer war die Ersch\u00fctterung und die Angst der Menschen. F\u00fcr viele Geraerinnen und Geraer waren diese Tage ein pr\u00e4gendes Ereignis, dass man nicht vergisst.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In Erinnerung geblieben sei neben der teils gespenstischen Stille, die in Teilen der Stadt herrschte, w\u00e4hrend man beobachtete, ob der Pegel weiter stieg, aber auch die gro\u00dfe Welle an Solidarit\u00e4t. \u201eNeben Feuerwehrleuten, Bundeswehrsoldaten oder auch Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks und von Hilfsorganisationen engagierten sich hunderte freiwillige Helfer, um nicht nur das eigene Hab und Gut zu retten, sondern auch v\u00f6llig Fremden durch diese schweren Tage zu helfen. Das konnte ich selbst miterleben\u201c, sagte Vonarb und schilderte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIch habe den ganzen Nachmittag und Abend des 3. Juni mitgeholfen, Sands\u00e4cke zu bef\u00fcllen und dabei viele Mitstreiter getroffen, die ebenfalls gekommen waren, obwohl sie selbst nicht betroffen waren. Zu wissen, dass es einen solchen Zusammenhalt in unserer Stadt gibt, ist eine gute Basis f\u00fcr die Zukunft. Denn in Zeiten, in denen Starkregenf\u00e4lle immer h\u00e4ufiger auftreten, kann es jederzeit wieder dazu kommen, dass die Elster \u00fcbertritt.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In den vergangenen zehn Jahren wurde daher vieles getan, um die Schutzma\u00dfnahmen weiter zu verbessern und m\u00f6glichen neuen Unwetterkatastrophen anders zu begegnen. Geras Stadtoberhaupt ist sich sicher:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir haben aus dem Hochwasser von 2013 gelernt. Wir sind organisatorisch und strukturell heute besser aufgestellt, um die Menschen und unsere Stadt im Falle eines neuen Jahrhunderthochwassers durch zahlreiche Ma\u00dfnahmen sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Fort- und Weiterbildungen f\u00fcr den Katastrophenschutzstab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu den ersten wichtigen Schritten z\u00e4hlte dabei die Erarbeitung eines \u00dcbungskonzepts im Jahr 2014, das gezielt die Frage verfolgte, wie der Katastrophenschutzstab weiter aus- und fortgebildet werden kann. Zudem fand als Fachkonferenz f\u00fcr Hochwasser- und Katastrophenschutz die Protect Gera im Jahr 2014 erstmalig statt, mit dem Ziel die Ereignisse aus dem Jahr zuvor aufzuarbeiten und zu analysieren. Kurt Dannenberg, Leiter des Katastrophenschutzstabs der Stadt Gera, f\u00fchrt aus:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eEs war erstmal wichtig, dass wir uns neu aufgestellt haben, um die richtigen Weichen f\u00fcr die Zukunft zu stellen. Ein Res\u00fcmee der Konferenz war, dass wir mehr \u00fcben m\u00fcssen, um besser auf solche Ereignisse vorbereitet zu sein. So wurden die Strukturen im Katastrophenschutzstab seither deutlich verbessert. Des Weiteren konnte der Katastrophenschutzstab in den vergangenen Jahren verst\u00e4rkt anhand verschiedener Szenarien be\u00fcbt und trainiert werden. Zum anderen haben wir gelernt, dass vor allem die Anwohner und Ortsteilb\u00fcrgermeister viel st\u00e4rker mit einbezogen werden m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>M\u00f6glich sei dies zum Beispiel \u00fcber eine Wasserwehr, f\u00fcr die damals der Grundstein gelegt wurde. Offiziell gegr\u00fcndet wurde diese schlie\u00dflich im Dezember 2020. Momentan besteht die Wasserwehr aus 76 ehrenamtlichen Helfern, die bei der Abwehr von Wassergefahren wie \u00dcberschwemmungen, Hochwasser oder Eisgang unterst\u00fctzen. Zu den konkreten Aufgaben einer Wasserwehr geh\u00f6ren unter anderem die Deich- und Br\u00fcckenkontrolle, die Anleitung freiwilliger Helfer im Bef\u00fcllen und Aufschichten von Sands\u00e4cken, Sicherungsma\u00dfnahmen zur Gefahrenabwehr und die Weiterleitung wichtiger Informationen zum Katastrophenschutzstab.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der st\u00e4rkeren Einbindung der Menschen vor Ort wurden auch bessere Voraussetzungen f\u00fcr den technischen Einsatz geschaffen, wie Kurt Dannenberg erkl\u00e4rte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir haben Fortschritte in der Fahrzeugbeschaffung und bei der pers\u00f6nlichen Schutzausr\u00fcstung gemacht. So verf\u00fcgen wir heute nicht nur \u00fcber eine mobile Netzersatzanlage, sondern werden bei Hochwasser z. B. auch Sandsackf\u00fcllanlagen oder Abrollbeh\u00e4lter f\u00fcr Logistikzwecke einsetzen k\u00f6nnen. Mit Drohnen sind wir zudem in der Lage, die Wei\u00dfe Elster aus der Luft zu \u00fcberwachen, um Einsatzkr\u00e4fte zielgerichteter zu koordinieren. Wir haben uns technisch verbessert, um k\u00fcnftig zeitgem\u00e4\u00df reagieren zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Weiter sagte Kurt Dannenberg:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIch glaube, dass die Stadt Gera derzeit \u00fcber einen der leistungsf\u00e4higsten Katastrophenschutzst\u00e4be verf\u00fcgt, die es in Kommunen und Kreisen gibt. Dennoch m\u00fcssen wir weiter \u00fcben. Denn wer glaubt gut zu sein, hat aufgeh\u00f6rt, besser zu werden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Zahlreiche Schutzmauern in kritischen Bereichen gebaut<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu den weiteren Schutzma\u00dfnahmen, die nach 2013 eingeleitet wurden, z\u00e4hlt vor allem der Bau neuer Schutzmauern: 2015 wurden entsprechende Anlagen an der \u00f6stlichen Seite der Wei\u00dfen Elster zwischen der Ochsenbr\u00fccke und der Zw\u00f6tzener Br\u00fccke errichtet, 2016 im Bereich des Faulenzerwegs, 2018 im Bereich der Tschaikowskistra\u00dfe und 2019 an der \u00f6stlichen Seite zwischen Cubabr\u00fccke und Untermh\u00e4user Br\u00fccke. Die Hochwasserschutzmauer an der westlichen Uferseite dieses Bereiches wurde 2021 fertiggestellt. Grundlage f\u00fcr die Planungs- und Bauma\u00dfnahmen seit 2015 bildet das vom Th\u00fcringer Landesamt f\u00fcr Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) in den Jahren 2012\/2013 entwickelte Hochwasserschutzkonzept f\u00fcr die Wei\u00dfe Elster. Dieses wurde nach den Erfahrungen des Hochwassers von 2013 im Jahr 2015 \u00fcberarbeitet. Demnach sind auch im Stadtteil Debschwitz der Bau einer Hochwasserschutzwand entlang der westlichen B\u00f6schungsoberkante der Wei\u00dfen Elster und die Stabilisierung des Deiches im Bereich Spielwiese geplant. Die vom Freistaat Th\u00fcringen dazu beauftragten Untersuchungen und Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Zur Verbesserung des Hochwasserschutzes sollen in den n\u00e4chsten Jahren dar\u00fcber hinaus in Liebschwitz, Zw\u00f6tzen, Untermhaus, Milbitz, Thieschitz und Stublach zus\u00e4tzliche Deiche hergestellt werden. Oberb\u00fcrgermeister Julian Vonarb erkl\u00e4rte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir haben in den letzten Jahren viel geschafft, es gibt aber auch noch viel zu tun. Der Bau der Schutzmauern ist eine Ma\u00dfnahme des Freistaats Th\u00fcringen. Sowohl die Planung als auch die Finanzierung und Durchf\u00fchrung wird vom Land koordiniert. Doch die Aufgabe, die Schutzmechanismen unserer Stadt weiter zu verbessern, liegt auch in unseren eigenen H\u00e4nden und wird uns auch in Zukunft weiter begleiten. Ein Hochwasser ist eine Naturgewalt, die jederzeit eintreten kann. Einen v\u00f6lligen Schutz gibt es nicht. Daher k\u00f6nnen wir uns nur so gut wie m\u00f6glich vorbereiten und hoffen, dass sich die Bilder von 2013 nicht wiederholen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Neben dem technischen Hochwasserschutz, der in erster Linie der Verbesserung des Wasserr\u00fcckhalts dient, spielt auch die gezielte Reaktivierung oder Schaffung von \u00dcberschwemmungsfl\u00e4chen \u2014 sogenannte Retentionsr\u00e4ume \u2014 eine gro\u00dfe Rolle, um das Risiko von \u00dcberschwemmungen bewohnter Gebiete zu verringern. Damit sind tieferliegende Wiesen oder Aufl\u00e4chen am Ufer der Wei\u00dfen Elster gemeint, die im Falle eines Hochwassers ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den \u00fcberflutet werden k\u00f6nnen. Die bekannteste dieser Fl\u00e4chen ist der Hofwiesenpark. Mit der weiteren Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes sollen in den n\u00e4chsten Jahren erhebliche Fl\u00e4chen links und rechts der Elster in Zw\u00f6tzen, Untermhaus, Milbitz\/Thieschitz und n\u00f6rdlich der Bundesautobahn 4 hinzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>In den kommenden Jahren sollen weitere Hochwasserschutzbauten errichtet und \u00dcberschwemmungsfl\u00e4chen geschaffen werden. Heute vor fast genau zehn Jahren glichen Teile Geras einem einzigen gro\u00dfen See. 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