{"id":25149,"date":"2023-06-07T01:46:40","date_gmt":"2023-06-06T23:46:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=25149"},"modified":"2023-06-07T01:46:42","modified_gmt":"2023-06-06T23:46:42","slug":"zunehmender-linksextremismus-und-erklaerungsversuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/06\/07\/zunehmender-linksextremismus-und-erklaerungsversuche\/","title":{"rendered":"ZUNEHMENDER LINKSEXTREMISMUS UND ERKL\u00c4RUNGSVERSUCHE"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit mehreren Jahren ist in Deutschland ein Anstieg der extremistischen Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t zu verzeichnen. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 35&#8217;452 Straftaten mit extremistischem Hintergrund registriert, davon 20&#8217;967 aus dem rechten und 3847 Straftaten aus dem linken politischen Spektrum.<\/p>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Jahren konzentrierte man sich bei der Bek\u00e4mpfung von Extremismus \u00fcberwiegend auf die politische Rechte. Die Entwicklungen auf der linken Seite wurden dabei jedoch kaum beachtet. Nachdem das Oberlandesgericht Dresden die Studentin Lina E. am Mittwoch, den 31. Juni 2023, wegen mehrerer brutaler Angriffe auf Rechtsextremisten zu f\u00fcnf Jahren und drei Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt hatte und es daraufhin in Leipzig zu Ausschreitungen gekommen war, warnen Experten vor einem Abrutschen der Linksextremisten in den Terrorismus. Auch Thomas Haldenwang, Pr\u00e4sident des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, sprach vom Weg in den Linksterrorismus. Der Extremismus- und Terrorismusexperte Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung ordnet den Linksextremismus in Deutschland als wachsende Bedrohung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie l\u00e4sst sich diese Entwicklung erkl\u00e4ren? Typisch f\u00fcr die linke Szene sind Denkmuster nach einem Freund-Feind-Schema. Dazu geh\u00f6rt die Vorstellung von \u201eden Rechten\u201c und \u201eden Linken\u201c und das Bed\u00fcrfnis, andere Menschen entsprechend kategorisieren zu m\u00fcssen. Vertreter von Positionen, die nicht in das eigene Weltbild oder die Ideologie passen, werden h\u00e4ufig als \u201eNazis\u201c tituliert, wobei man sich legitimiert sieht, Gewalt gegen diese auszu\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Gemeinsamkeit politisch linker Str\u00f6mungen ist, dass sie von einer Gleichheit der Menschen ausgehen, w\u00e4hrend die politische Rechte von einer Ungleichheit ausgeht, zum Beispiel mit Blick auf die Intelligenz, Auffassungsgabe, Leistungsbereitschaft bis hin zu \u00e4u\u00dferlichen Merkmalen. Beide kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. W\u00e4hrend die politische Rechte gesellschaftliche Hierarchien als unausweichlich ansieht oder sogar bef\u00fcrwortet, werden diese im linken Spektrum, wo ein Ausgleich angestrebt wird, abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eigene Weltbild wird dabei in den extremistischen Teilen beider Anschauungen als unfehlbar angesehen. Zwangsl\u00e4ufig kommt es zu Konfrontationen und einer Gewaltspirale. Sowohl der Rechts- als auch der Linksextremismus werden dann hochgef\u00e4hrlich. In der \u00dcberzeugung, der Staat unternehme zu wenig gegen Rechtsextremisten, neigt der linke Teil schlie\u00dflich zur Selbstjustiz. Sich selbst als \u201eAntifaschisten\u201c wahrnehmend, sieht man sich dem Kampf gegen \u201eFaschisten\u201c verpflichtet. Einige Experten halten hier einen baldigen Strategiewechsel f\u00fcr m\u00f6glich: Anstatt gegen Institutionen k\u00f6nnte sich die Gewalt zunehmend gegen konkrete Personen richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Au\u00dfenstehenden werden Erscheinungen wie die \u201eAntifaschistische Aktion\u201c h\u00e4ufig als aggressiver Mob wahrgenommen, der zur Durchsetzung seiner Vorstellungen auch vor lebensgef\u00e4hrlicher Gewalt nicht zur\u00fcckschreckt. Die Teilnehmer sind vermummt und treten bei Demonstrationen als sogenannter schwarzer Block auf. In Leipzig wurden am 3. Juni 2023 insgesamt 1500 Demonstranten gez\u00e4hlt; 300 von ihnen konnte die Polizei einkesseln.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u00fcbergeordneten Betrachtung k\u00f6nnen Extremismus und Terrorismus als Folge eines schnell ablaufenden Wandlungsprozesses auf mehreren Ebenen angesehen werden \u2014 wirtschaftlich, gesellschaftlich und sozial. Das fr\u00fchere, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stabile Gef\u00fcge l\u00f6st sich auf, und es kommt zu einer Konglomeratisierung, durch die immer mehr Menschen immer weniger Halt finden. Bisherige Positionen und Wertevorstellungen werden zunehmend infrage gestellt; es herrschen Unsicherheit und Zukunfts\u00e4ngste. Damit einhergehend w\u00e4chst das Bed\u00fcrfnis nach Ver\u00e4nderungen. Es treffen kontr\u00e4re Lebensvorstellungen aufeinander, die sich nicht mehr zusammenf\u00fchren lassen. Jeder will das bek\u00e4mpfen, was er in seiner Lebenswelt als Bedrohung wahrnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Regel bewirken pl\u00f6tzliche Ver\u00e4nderungen, etwa personen- oder systembezogene, dass Betroffene das auf sie zukommende zun\u00e4chst nur als fremdartig empfinden und schlie\u00dflich als Bedrohung einstufen, wenn sie keine Einflussm\u00f6glichkeiten sehen und die Folgen nicht absch\u00e4tzen k\u00f6nnen oder f\u00fcr sich als nachteilig erachten. Je gr\u00f6\u00dfer die Bedrohung dabei erscheint, desto st\u00e4rker werden die radikalen Tendenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zunehmende Radikalisierung in Deutschland ist wegen der genannten Vorbedingungen sehr wahrscheinlich, wobei davon ausgegangen werden kann, dass es durch die gesellschaftliche Fragmentierung neben Rechts- und Linksextremismus zu weiteren Auspr\u00e4gungsformen kommt, wobei die jeweils abgelehnten Lebensvorstellungen und Systeme immer h\u00e4rter bek\u00e4mpft werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Seit mehreren Jahren ist in Deutschland ein Anstieg der extremistischen Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t zu verzeichnen. 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