{"id":2515,"date":"2017-12-18T02:34:40","date_gmt":"2017-12-18T01:34:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=2515"},"modified":"2017-12-18T03:51:58","modified_gmt":"2017-12-18T02:51:58","slug":"das-ferbersche-haus-vor-dem-verkauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2017\/12\/18\/das-ferbersche-haus-vor-dem-verkauf\/","title":{"rendered":"DAS FERBERSCHE HAUS VOR DEM VERKAUF"},"content":{"rendered":"<p><em>Mit den Ferberschen Haus in der Greizer Stra\u00dfe 37\/39 befasste sich der Stadtrat in seiner Sitzung vom 7. Dezember 2017. Seit bekannt ist, dass die GWB Elstertal das Geb\u00e4ude ver\u00e4u\u00dfern wird, sehen mehrere B\u00fcrger den Fortbestand des darin befindlichen Museums f\u00fcr angewandte Kunst gef\u00e4hrdet. Per Einwohnerantrag wurde erwirkt, dass sich der Stadtrat der Sache annimmt. Die Initiatoren hatten gehofft, dass er entscheidet, die Stadt habe  ihr Vorkaufsrecht wahrzunehmen. Dieses besteht aufgrund ihrer verbliebenen Gesch\u00e4ftsanteile an der GWB Elstertal. Doch der Stadtrat stimmte dagegen. Unterdessen haben sich zwei weitere Interessenten gemeldet. Sie beabsichtigen den Kauf des Hauses und die Gr\u00fcndung einer Museumsstiftung.<\/em><\/p>\n<p>Im Oktober 2017 war bekannt geworden, dass die GWB Elstertal das denkmalgesch\u00fctzte Ferbersche Haus und das angrenzende Parkhaus verkaufen will. Bereits im Juli 2017 sei hierzu ein Kaufvertrag unterzeichnet worden, hie\u00df es. Er sei aber noch nicht wirksam. \u00dcber den K\u00e4ufer wird nichts bekanntgegeben. Dem Vernehmen nach soll es sich um einen irakischen oder iranischen Investor handeln. Er sei einmal durch das Haus gegangen und habe abschlie\u00dfend gesagt: &#8222;Wir kaufen das!&#8220;<br \/>\nEs wird vermutet, der Investor wolle mit dem Haus spekulieren, nichts mehr daran tun, die Miete anheben und warten, bis die Stadt nicht mehr bereit ist, diese zu zahlen. <\/p>\n<p>Die GWB aber habe laut OB Dr. Hahn einen Investor gesucht, mit dem das Museum f\u00fcr angewandte Kunst im Ferberschen Haus gesichert ist und mit dem potentiellen K\u00e4ufer einen solchen Investor gefunden.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr den Verkauf ist die neue Ausrichtung der GWB Elstertal auf die Bereitstellung von Wohnraum als Kerngesch\u00e4ft.<br \/>\nDas Ferbersche Haus war im Januar 1998 in den Besitz der GWB Elstertal \u00fcbergegangen und zuvor Eigentum der Stadt. Diese hatte es verkauft, da sie finanziell nicht mehr in der Lage war, die notwendigen Sanierungsarbeiten durchzuf\u00fchren.<br \/>\nSp\u00e4ter, Jahre 2002, \u00fcbertrug die Stadt Gera mit Zustimmung des Stadtrates ihre Anteile an der GWB Elstertal (74,9 %) der Stadtwerke Gera AG. Das Paket beinhaltete 10 215 Wohn- und Gewerbeeinheiten.<\/p>\n<p>Die insolvente Stadtwerke AG musste die Anteile an der GWB Elstertal (74,9 %) im Jahre 2016 auf Gehei\u00df des Insolvenzverwalters nach einer EU-weiten Ausschreibung der britischen Immobiliengesellschaft Benson Elliot ver\u00e4u\u00dfern. \u00dcber den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. Die \u00fcbrigen Gesch\u00e4ftsanteile an der GWB Elstertal (25,1 %) verbleiben weiterhin unver\u00e4ndert bei der Stadt Gera, worauf das erw\u00e4hnte Vorkaufrecht gr\u00fcndet. Urspr\u00fcnglich wollte die Stadt Gera selbst die zuvor genannten Gesch\u00e4ftsanteile (74,9 %) \u00fcbernehmen. Mit dem monet\u00e4ren Gegenwert sollte die Insolvenz der Stadtwerke abgewendet werden. Aufgrund ihrer eigenen hohen Verschuldung h\u00e4tte es allerdings eines Kredites in H\u00f6he von 30,5 Millionen Euro bedurft. Das Landesverwaltungsamt genehmigte diesen nicht.<\/p>\n<p>F\u00fcr das im Jahre 1984 im Ferberschen Haus eingerichtete Museum engagiert sich seit 25 Jahren der F\u00f6rderverein \u201eFreunde des Ferberschen Hauses\u201c. Der Verein besitzt bereits ein eigenes Konzept zum Betrieb des Museums und w\u00fcrde unter bestimmten Voraussetzungen die Tr\u00e4gerschaft \u00fcbernehmen. Zwei engagierte B\u00fcrger stehen den Verein zur Seite, stellten den Einwohnerantrag \u201eAnwendung Vorkaufsrecht Ferbersches Haus durch die Stadt Gera\u201c und sammelten 616 Unterschriften. Das waren deutlich mehr als die geforderten 300. Der Beschluss des Stadtrates zur Zulassung des Einwohnerantrages viel \u00fcbrigens einstimmig.<\/p>\n<p>Antragsteller Ernst-Dietrich F\u00e4rber, der den Verkauf an den Investor verhindern will, hob im Sitzungssaal die kulturhistorische Bedeutung des Hauses hervor und sagte, es bestehe ein generelles Vorkaufsrecht, ein zus\u00e4tzliches Vorkaufsrecht gem\u00e4\u00df Denkmalschutzgesetz und ein exklusives Vorkaufsrecht, welches im Grundbuch verbrieft ist. Ferner legte er dar, beinhalte das Haushaltssicherungskonzept nach wie vor das Ende des Museums als st\u00e4dtische Einrichtung.<\/p>\n<p>Oberb\u00fcrgermeister Dr. Hahn trat den Bef\u00fcrchtungen einer Schlie\u00dfung entgegen. Ma\u00dfgabe sei es, das Museum bestm\u00f6glich zu betreiben. Im Stadtratsausschuss f\u00fcr Bildung, Kultur- und Sport sei vereinbart worden, dass die Verwaltung Anfang des Jahres 2018 einen Zeitstrahl f\u00fcr die Erarbeitung eines neuen Konzeptes f\u00fcr alle st\u00e4dtischen Museen vorlegt. Grundlage werde die Museumsperspektive 2025 des Freistaates sein, die gegenw\u00e4rtig als Diskussionspapier verf\u00fcgbar sei. Der Museumsverband wolle die Stadt dabei unterst\u00fctzen. Im Sitzungssaal des Rates erkl\u00e4rte Hahn:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Sollte die Aus\u00fcbung des Vorkaufsrechtes nach Th\u00fcringer Denkmalschutz heute beschlossen werden, so w\u00fcrde die Stadt mit allen Rechten und Pflichten in den notariellen Kaufvertrag eintreten. Dann m\u00fcssten auch die Bedingungen hinsichtlich der F\u00e4lligkeit des Kaufpreises erf\u00fcllt werden. Dies setzt jedoch voraus, dass die Stadt das Geld haushalterisch eingestellt hat, was nicht der Fall ist. Wer heute also f\u00fcr das Vorkaufsrecht stimmen will, muss nachweisen, woher das Geld genommen wird, und vor allem, wo wir es wegnehmen wollen. Und da geht es nicht nur um die Kaufsumme.<br \/>\nSollte die Stadt das Vorkaufsrecht aus\u00fcben, ohne das Geld auch einstellen zu k\u00f6nnen, macht sie sich gegen\u00fcber der GWB Elstertal sowie dem potentiellen K\u00e4ufer Schadensersatzpflichtig.<\/p>\n<p>Wir als Stadt haben trotzdem starke Rechte. Sowohl der Anspruch auf Aus\u00fcbung des Vorkaufsrechtes f\u00fcr alle Verkaufsf\u00e4lle, sowie die Nutzung des Geb\u00e4udes, zirka 1500 Quadratmeter als Museum, ist dinglich im Grundbuch gesichert. Diese dinglichen Rechte bleiben unabh\u00e4ngig von der Ver\u00e4u\u00dferung des Grundst\u00fcckes bestehen und wirken gegen den jeweiligen Eigent\u00fcmer. Ohne Zustimmung des Stadtrates &#8211; hier handelt es sich nicht um ein Gesch\u00e4ft der laufenden Verwaltung &#8211; k\u00f6nnen diese Rechte zu Gunsten der Stadt nicht gel\u00f6scht werden. Und schlie\u00dflich, vom Fachdienst Bauvorhaben wurde heute dem notariellen Kaufvertrag zwischen der GWB Elstertal und dem K\u00e4ufer, die erforderliche sanierungsrechtliche Genehmigung versagt. Mit dieser Entscheidung besteht kein Handlungsbedarf, dem Einwohnerantrag zuzustimmen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die sanierungsrechtliche Genehmigung der Stadtverwaltung ist notwendig, weil sich das Ferbersche Haus in einem als Sanierungsgebietausgewiesenen Bereich befindet. Erteilt die zust\u00e4ndige Kommune diese nicht, ist der Verkauf mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Bei der Abstimmung gab es 17 Gegenstimmen (5 CDU, 7 Linke, 3 B\u00fcrgerschaft, 1 fraktionslos, OB Hahn), f\u00fcnf F\u00fcrstimmen (2 SPD, 1 Linke, 1 CDU, 1 B\u00fcrgerschaft) und 19 Enthaltungen (12 Linke, 2 SPD, 2 B\u00fcrgerschaft, 1 NPD, 1 Gr\u00fcne, 1 Liberale Allianz). Die Stadtverwaltung muss ihr Vorkaufsrecht damit nicht wahrnehmen.<\/p>\n<p>Unl\u00e4ngst meldeten sich zwei weitere Interessenten &#8211; diesmal aus Gera. Sie wollen das Haus kaufen und eine Museumsstiftung gr\u00fcnden. Der F\u00f6rderverein &#8222;Freunde des Ferberschen Hauses&#8220; bef\u00fcrwortet dies. Bei den Interessenten handelt es sich um zwei Eheleute, die im Immobiliengesch\u00e4ft bzw. einer Kulturstiftung t\u00e4tig sind und sich \u00fcberdies kulturell engagieren.<\/p>\n<p>Das Anwesen Greizer Stra\u00dfe 37\/39, errichtet um das Jahr 1760, brannte beim Stadtbrand im Jahre 1780 aus und wurde sp\u00e4ter wieder hergestellt. Es tr\u00e4gt den Namen des Kommerzienrates Moritz Rudolf Ferber (1805-1875), zugleich Fabrikant und Mineraloge. Dieser hatte die beiden H\u00e4user in der damaligen Weidaischen Gasse im Jahre 1842 erworben. Nach seinem Tode blieb das Anwesen im Familienbesitz, jedoch wurden die Erben im Jahre 1945 enteignet und siedelten in den Westen Deutschlands \u00fcber. Die Greizer Stra\u00dfe 37\/39 wurde nach 1945 als Kinderheim genutzt. Im Oktober 1984 er\u00f6ffnete die Stadt dort das &#8222;Museum f\u00fcr Kunsthandwerk&#8220;. Nach 1990 kauften die enteigneten Erben ihr Anwesen zur\u00fcck und \u00fcbergaben es sp\u00e4ter wieder der Stadt Gera, mit der Auflage, es als Museum zum Wohle der Allgemeinheit zu erhalten. Im Zuge einer Neuausrichtung wurde das Museum im Sommer 1991 umbenannt in &#8222;Museum f\u00fcr angewandte Kunst&#8220;.<\/p>\n<p>\u00c4ltere Meldungen unseres Dienstes zu den Museen der Stadt Gera finden Sie in unserem Archiv.<\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_DATEI\/ARCHIV_205.htm\">\u201eEntwicklungskonzept der Museen der Stadt Gera 2009 bis 2013\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Mit den Ferberschen Haus in der Greizer Stra\u00dfe 37\/39 befasste sich der Stadtrat in seiner Sitzung vom 7. Dezember 2017. 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