{"id":25247,"date":"2023-06-12T12:53:49","date_gmt":"2023-06-12T10:53:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=25247"},"modified":"2023-06-12T12:55:11","modified_gmt":"2023-06-12T10:55:11","slug":"was-man-im-oerr-normalerweise-nicht-zu-sagen-wagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/06\/12\/was-man-im-oerr-normalerweise-nicht-zu-sagen-wagt\/","title":{"rendered":"WAS MAN IM \u00d6RR NORMALERWEISE NICHT ZU SAGEN WAGT"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim Kabarett werden in heiterer Stimmung bekannterma\u00dfen gern auch Dinge ausgesprochen, die man sonst lieber f\u00fcr sich beh\u00e4lt. Ein kritischer Blick auf die Politik und gesellschaftliche Ph\u00e4nomene, Polemik und Satire geh\u00f6ren also zum Programm. Was allerdings am 24. Mai 2023 um 21.55 Uhr im Deutschlandfunk gesendet wurde, gibt R\u00e4tsel auf. Wurde hier zum Rundumschlag ausgeholt, einfach nur auf Kuriosit\u00e4ten und Widerspr\u00fcchlichkeiten unserer Zeit aufmerksam gemacht, oder handelt es sich um Spitzen in eine ganz bestimmte Richtung, die aber nur hochintellektuelle als solche erkennen k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sendung \u201eQuerk\u00f6pfe\u201c brachte der Deutschlandfunk einen Mitschnitt von der Kabarettpreistr\u00e4gerveranstaltung \u201eSalzburger Stier 2023\u201c aus dem Linzer Posthof. Dort war am 6. Mai 2023 Mathias Tretter als deutscher Preistr\u00e4ger aufgetreten. Auch in anderen \u00d6RR-Programmen wie dem WDR waren Ausz\u00fcge zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Tretter sieht immer mehr Menschen auf einem Glaubensweg, obwohl sie gar nicht gl\u00e4ubig sind. Der K\u00fcnstler fragt sich, was passiert w\u00e4re, wenn das Corona-Virus in seiner Kindheit zugeschlagen h\u00e4tte \u2014 unter Bundeskanzler Helmut Schmidt. Und er vermutet:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIch glaube, wir h\u00e4tten nie davon erfahren. Der Feld\u00f6konom und Wehrmachtsveteran h\u00e4tte doch niemals Deutschlands Wirtschaft gef\u00e4hrdet \u2014 wegen einer banalen Mikrobe, an der weniger Menschen sterben als am Rauchen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Tretter parodiert den fr\u00fcheren Bundeskanzler, wie er zu der Feststellung gelangt, dass ein Lockdown \u00fcberfl\u00fcssig ist, und zieht Vergleiche mit China: W\u00e4hrend die Kommunisten dort den Neoliberalismus befeuern und keinen einzigen Gedanken an das Proletariat verschwenden, ist die SPD in Deutschland immer noch auf der Suche nach der Arbeiterklasse \u2014 in der Hoffnung, sie nicht zu finden. \u201eDie wissen \u00fcberhaupt nicht mehr, wen sie noch vertreten\u201c, so der Kabarettist. Es reiche nicht, kein Angebot zu haben. Man m\u00fcsse auch unf\u00e4hig sein, es zu verkaufen \u2014 und zwar an eine Kundschaft, die es nicht mehr gibt. Das w\u00fcrde der Schriftsteller und Satiriker Karl Kraus heute sagen, wie Tretter meint und entsetzt nachschiebt: Und ausgerechnet diese SPD stellt dann mit nichteinmal 26 % den Bundeskanzler. Die damalige Kundschaft, stellt er fest, ist heute die Unterschicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem teilt er gegen die Generation der postadoleszenten 20 bis 30-J\u00e4hrigen aus, weil die sich offenbar immer mehr als Sittenw\u00e4chter bet\u00e4tigt: Moral-Apostel war einmal ein Schimpfwort; mittlerweile ist es eine Auszeichnung. Vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis es Mindestanforderung ist und ein Moral-Nachweis verlangt wird, wenn man sich irgendwo bewirbt. Bei den drei\u00dfigern sieht Tretter inzwischen ein Furor wie in den drei\u00dfigern lodern, zumal da sich immerhin 40 % der Millennials f\u00fcr eine Einschr\u00e4nkung der Redefreiheit zu Gunsten von Minderheiten aussprechen. Wer eine Minderheit ist, legen nat\u00fcrlich auch sie fest. Und wenn jemand twittert \u201eder muss weg\u201c, fragt sich Tretter, wo dieses \u201eweg\u201c eigentlich ist. Fr\u00fcher ging es nur um die Gesetzestreue, und heute ist die Moral wichtig, stellt er fest und meint, dass auch hier immer mehr Leute davon tr\u00e4umen, die Moral zu \u00fcberwachen, zum Beispiel mit einem Punktesystem wie in China, das er mit dem Smarthome und den vielen Vernetzungen sowieso kommen sieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Will sich der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk einfach nur vielf\u00e4ltig, ausgewogen und zugleich kritisch zeigen? Vielleicht hat er seinem Publikum \u00fcber das Kabarett auch unbewusst mitgeteilt, was derzeit unter den Gl\u00e4ubigen in den Studios vor sich geht, wenn sie langsam zu zweifeln beginnen und merken, dass vieles abseits der B\u00fchne ebenfalls reine Satire ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Beim Kabarett werden in heiterer Stimmung bekannterma\u00dfen gern auch Dinge ausgesprochen, die man sonst lieber f\u00fcr sich beh\u00e4lt. Ein kritischer Blick auf die Politik und gesellschaftliche Ph\u00e4nomene, Polemik und Satire geh\u00f6ren also zum Programm. 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