{"id":262,"date":"2016-03-22T10:00:40","date_gmt":"2016-03-22T09:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=262"},"modified":"2017-12-20T01:27:58","modified_gmt":"2017-12-20T00:27:58","slug":"1925-ueber-dokumente-aus-der-turmkugel-des-rathauses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2016\/03\/22\/1925-ueber-dokumente-aus-der-turmkugel-des-rathauses\/","title":{"rendered":"1925: \u00dcBER DOKUMENTE AUS DER TURMKUGEL DES RATHAUSES"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Turmkugel des Geraer Rathauses musste in ihrer Geschichte oftmals erneuert werden. \u00dcber die darin aufbewahrten Nachrichten aus der Zeit vor 1780 schreiben die Heimatbl\u00e4tter im Jahre 1925.<\/em><\/p>\n<p>Die auch noch zur Jetztzeit ge\u00fcbte Gewohnheit, in den Grund\u017fteinen \u00f6ffentlicher Geb\u00e4ude, oder in den Kn\u00f6pfen der T\u00fcrme Nachrichten niederzulegen, um \u017fie auf die\u017fe Wei\u017fe kommenden Ge\u017fchlechtern zu \u00fcbermitteln, d\u00fcrfte in ihrem Ur\u017fprunge auf die Sitte des \u017fogenannten Bauopfers zur\u00fcckzuf\u00fchren \u017fein, die bis in die \u00e4lte\u017ften Zeiten der Entwicklung un\u017feres Volkstums hinaufreicht. Leider aber \u017find \u017fehr h\u00e4ufig \u017fo aufbewahrte Nachrichten den gefr\u00e4\u00dfigen Flammen zum Opfer gefallen, die die Ort\u017fchaften un\u017feres Gebietes oft zum gr\u00f6\u00dften Teile hinweggerafft haben. Da infolge \u017folcher Ungl\u00fccksf\u00e4lle aber nicht blo\u00df die\u017fes Material zur Ortsge\u017fchichte vernichtet worden i\u017ft, \u017fondern durch \u017fie auch in die \u017fonst noch vorhanden gewe\u017fenen urkundlichen Be\u017ft\u00e4nde tiefe L\u00fccken geri\u017f\u017fen wurden, \u017fo bekommen die wenigen erhaltenen Nachrichten, auch wenn \u017fie nur in Ab\u017fchrift erhalten \u017find, An\u017fpruch auf einen gewi\u017f\u017fen urkundlichen Wert. In meinem Be\u017fitze befindet \u017fich eine Nieder\u017fchrift von 12 Blatt Folio: \u201eSchriftliche Nachrichten, \u017fo von Zeit zu Zeit in dem Thurm-Knopfe des Gerai\u017fchen Rathau\u00dfthurms aufbewaret worden.\u201d Sie enth\u00e4lt nicht das ge\u017famte urkundliche Material, das dort im Laufe der Zeiten niedergelegt worden i\u017ft. Das Fehlende wird deshalb in die\u017fem Abdruck nach der hand\u017fchriftlichen \u201eReu\u00dfi\u017fchen Geraui\u017fchen Stadt- und Land-Chronica\u201d von Harni\u017fch erg\u00e4nzt. Eben\u017fo werden, abge\u017fehen von orthographischen Abweichungen, \u017folche des Textes angegeben werden.<\/p>\n<p>Folgende Schriften \u017find in dem Knopfe des Rathhau\u00dfthurms vor dem ungl\u00fccklichen Brande, \u017fo Anno 1780 den 18. Septemb. erfolgte, befindlich gewe\u017fen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">I.<\/p>\n<p>Nachdem in die\u017fem 1734\u017ften Jahre ge\u017fchehen, da\u00df durch ent\u017ftandenen heftigen Sturmwind, die Helm\u017ftange, in welcher der Knopf und die Fahne auf dem hie\u017figen Seiger- und Raths-Thurm befe\u017ftiget, ganz krumm gebogen worden, derge\u017ftalt, da\u00df man von Seiten des Raths \u017fich gem\u00fc\u017figet ge\u017fehen, \u017felbige ab\u017fchneiden, und die Fahne, und den Knopf herunter bringen zu la\u00dfen, \u017fo i\u017ft \u017folches am 16ten Julij ai. c. erfolget. Weil \u017fich nun zugleich in dem Knopf zwey kupferne Schachteln befunden, als \u017find \u017folche ge\u00f6fnet worden, und hat man in der einen einige in vorigen Zeiten aufge\u017fetzte Nachricht, in der andern aber einige, theils kupferne, theils \u017filberne M\u00fcnzen angetrofen, wie \u017folche zu der Zeit, da erw\u00e4hnter Knopf \u017fchon einmahl, durch einen ent\u017ftandenen Sturm Schaden gelitten, und herrunter gelangt werden m\u00fc\u00dfen, g\u00e4nge und gebe gewe\u017fen \u017feyn m\u00f6gen. Nachdem der Knopf und die Fahne wiederum repariret worden, hat der Rath die\u017fe alten Nachrichten wiederum hinein legen la\u00dfen, und damit auch k\u00fcnftig hin die Posterit\u00e4t hiervon einige Nachricht haben m\u00f6ge, so i\u017ft auf Hochgr\u00e4fliche gn\u00e4dige Erlaubnis hinwiederum etwas aufge\u017fetzet worden, und auch einige M\u00fcnzen von dem jetzt roullierenden Gelde colligiret worden, die man dem Knopfe al\u017fo wiederum, als der Schieferdecker den\u017felben aufge\u017fetzet, einverleibet, \u017folche aber neb\u017ft denen vorigen Nachrichten, insge\u017fammt in ein Fascicul eingetragen. So ge\u017fchehen Montags den 26. Julij als an welchem Tage der Knopf wiederum aufge\u017fetzet worden im Jahr 1734. Den 13. Julij wurde der Knopf abgenommen, und folgendes darinnen gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">II.<\/p>\n<p>Erste Knopf Auf\u017fetzung nach Erbauung des neuen Rathhau\u017fes den 14. Oct. 1575.<\/p>\n<p>Im Namen Un\u017feres Herrn und Erl\u00f6\u017fers Je\u017fu Chri\u017fti. Amen.<br \/>\nNach der\u017felben, un\u017fers lieb\u017ften Herrn Seeligmachers Geburth, als man z\u00e4hlet F\u00fcnfzehnhundert Drey und \u017fiebenzig, bei Herr\u017fchung und Regierung des allerdurchlauchtig\u017ften F\u00fcr\u017ften und Herren, Herren Maximliani, die\u017fes Namens des Andern, R\u00f6mi\u017fchen Kay\u017fers, Un\u017fers allergn\u00e4dig\u017ften Herrns, auch des Wohlgebohrnen und Edeln Herrn Herrn Heinrichen Reu\u00dfen Herrn von Plauen, des J\u00fcngern, Herrn zu Graitz, Cranichfeld, Gera, Schlaitz und Loben\u017ftein, Un\u017fers gn\u00e4digen Herrn chri\u017ftl\u00f6blichen Ged\u00e4chtni\u00df, unm\u00fcndig nachgela\u00dfenen Sohnes, Un\u017fers auch Gn\u00e4digen Herrn Vormunden, die\u017fer Herr\u017fchaft von Gott gegebenen Obrigkeit, i\u017ft am Tage Fabiani und Sebastiani der Zeit Michael Stimmel, regierenden B\u00fcrgermei\u017fters, die\u017fer Rathhau\u00df und Thurmbau aus dem Grunde aufzubauen angefangen worden, folgende zwey Jahre, nehmlich 1574 und 75 durch die andern zwey B\u00fcrgermei\u017fter, Johann Bieger und Hanns Manteln continuiret, und als in Endigung des 75. Jahres vorbemeldeter B\u00fcrgermei\u017fter, Michael Stimmel, beneben Hann\u00df Fr\u00f6hlich, Han\u00df Eckhard, Mathe\u017fen Zetz\u017fchen, Chri\u017ftoph Gr\u00fcnlern und Jacob Arnold, Raths Freunden, wieder an die Regierung geordnet, i\u017ft den 14. Oct., als dem Freitag nach Dyonisii (welchem Tag Nickel Voitsberger von Loben\u017ftein, wegen etlicher begangener Morden auf der Stra\u00dfen \u017fein Recht erlitten, indem selbiger alhier mit gl\u00fchenden Zangen zerri\u00dfen und aufs Rad geflochten worden) die\u017fer Knopf aufge\u017fetzet. Gott der Allm\u00e4chtige, in des Hand der K\u00f6nige und aller Regenten Herzen \u017ftehn, wolle hier in die\u017fes Rathhau\u00df klugen und wei\u017fen Rath zu jeder Zeit gehen, die\u017fe ganze Herr\u017fchaft und Stadt vor allen Schaden und Fahr gn\u00e4diglich bewahren.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">III.<\/p>\n<p>Auf\u017fetzung der neuen Fahne und des neuvergoldeten Knopfes Anno 1605 v. 2ten Aug.<br \/>\nIm Namen der Heiligen unzertrennlichen Dreyfaltigkeit.<br \/>\nAmen. Nach Je\u017fu Chri\u017fti, Un\u017fers einigen Erl\u00f6\u017fers und Seeligmachers Geburth, Ein Tau\u017fend Sechshundert und F\u00fcnften Jahre bey Herr\u017fchung und Regierung des Allerdurchlauchtig\u017ften, grosm\u00e4chtig\u017ften, un\u00fcberwindlichen F\u00fcr\u017ften und Herren, Herrn Rudolphi II. die\u017fes Namens erw\u00e4hlten R\u00f6mi\u017fchen Kay\u017fers, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Hungarn, Boheimb, Dalmatien, Croatien K\u00f6nigs, Erzherzogen zu Oe\u017fterreich, un\u017fern allerg\u00e4dig\u017ften Herrn, und der Herr\u017fchaft Gera regierenden Erb- und Landes Herrn, des Wohlgebornen Edeln gn\u00e4digen Herren, Herrn Heinrichen des J\u00fcngern Reu\u00dfen von Plauen, Herrn zu Graitz, Cranichfeld, Gera, Schlaitz und Loben\u017ftein, un\u017feres gn\u00e4digen Herrn, welcher ein l\u00f6blicher Herr, wei\u017fe und ver\u017ft\u00e4ndig regieret, dazu auch in allen Ritter\u017fpielen ge\u00fcbet al\u017fo, da\u00df er deswegen bey hohen Potentaten hochgeehret und gehalten. Seine jetzige Gemahlin i\u017ft Frau Magdalena eine gebohrne Gr\u00e4fin von Schwarzburg aus dem Hau\u017fe Rudol\u017ftadt, hat ihme durch Gottes Seegen gebohren Drey Fr\u00e4ulein und Drey junge Herrn, die noch am Leben.<br \/>\nFreytag nach Vinculi Petri, war der andere Monatstag Augu\u017fti, hat der damals regierende Rath, als nemlich Nickel Graul, B\u00fcrgermei\u017fter, des Herrn B\u00fcrgermei\u017fters Johann B\u00fcrgers \u017feel. Eydam, Simon Reisle, Stadt-Richter, Raths-C\u00e4mmerer und Ka\u017ften Vor\u017fteher, Hanns Mantel, Herrn Han\u00df Mantels, B\u00fcrgermei\u017fters Sohn, beyde Rathsbaumei\u017fter, Paul Maurer, \u017fonst des Hospitals St. Wolfgang und Chri\u017ftoph Hilbert, des Armen Ka\u017ften Vor\u017ftehers, beyde des Raths Weinmei\u017fter, die\u017fe neue Fahne, weil die vorige vom Sturmwinde zer\u017fchlagen worden, mit der alten Jahrzahl 1575 verzieret, wieder aufrichten, und den Knopf von neuem vergolden la\u00dfen. Gott der Allm\u00e4chtige, welcher Weisheit giebet, und aus de\u00dfen Munde Erkenntnis und Ver\u017ftand kommt, verleihe die\u017fer Stadt Obrigkeit hohes und niedriges Standes, was K\u00f6nig Salomo gebeten, nehmlich ein gehor\u017fam Herz, da\u00df \u017fie ein Volk m\u00f6gen richten, und ver\u017ftehen, was gut und b\u00f6\u017fe i\u017ft. Der\u017felbe Allm\u00e4chtig und \u017ftarke Gott bewahre auch die ganze Stadt und Herr\u017fchaft vor allem Schaden und Ungl\u00fcck, damit jetzige Einwohner mit allen Nachkommen darinnen bey Ruh und guten Frieden bis ans Ende der Welt zur ewigen Seeligkeit erhalten, mit allen Auserw\u00e4hlten in die himmli\u017fche unzer\u017ft\u00f6hrte Stadt Jeru\u017falem transferiret, und zu B\u00fcrgern auf und angenommen werden m\u00f6ge. Amen. Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">IV.<\/p>\n<p>Des jungen Johannis Fr\u00f6lichs eines Knaben von 10 Jahren, des damaligen Stadt\u017fchreibers Herrn Nicolai Fr\u00f6hlichs S\u00f6hnlein, \u017felb\u017ft verfertigte Reime auf den gro\u00dfen Sturm, durch welchen Anno 1627 den 17. Julij die Fahne des Rathsthurmes herunter geri\u00dfen wurden.<\/p>\n<p>Johannes Froelich, Nicolai filius X annorum ad parentis nutum manupropria transsumtum, subscripsit.<br \/>\nAls man z\u00e4hlte Eintau\u017fend Sechshundert Jahr<br \/>\nUnd Sieben und zwanzig die kleine Zahl war,<br \/>\nDen Siebenzehenden Julii,<br \/>\nEin gro\u017fer Sturmwind \u017fich erhob alhie,<br \/>\nBei Herr\u017fchung F\u00fcr\u017ften Ferdinands,<br \/>\nKay\u017fers des werthen teut\u017fchen Lands,<br \/>\nSo K\u00f6nig der beyden K\u00f6nigreich,<br \/>\nVon Hungarn und B\u00f6hmen war zugleich,<br \/>\nAuch Regierung des Landes Herrn,<br \/>\nHerrn Heinrichen Reu\u00df des J\u00fcngern<br \/>\nUnd Aelte\u017ften Herrn \u017fehr wohl bekannt,<br \/>\nIn nahen und in fernen Land<br \/>\nWegen Jugend und Ritter\u017fpiel<br \/>\nTurniren, Aufz\u00fcgen und \u017fehr viel<br \/>\nAndere dergleichen Heroi\u017fchen Thaten,<br \/>\nWelche ihm allezeit r\u00fchmlich gerathen<br \/>\nBey Kay\u017fer, K\u00f6nig, F\u00fcr\u017ften und Herrn,<br \/>\nSein Name \u017ftund allezeit hoch in Ehren,<br \/>\nDarum er auch oft vertreten h\u00e4t<br \/>\nDer Kay\u017ferlichen Maje\u017ft\u00e4t<br \/>\nStell und Praesenz, th\u00e4t proponiren,<br \/>\nzu J\u00fcterbock, wie abzuf\u00fchren,<br \/>\nDer blutge Mars aus dem R\u00f6mi\u017fchen Land.<br \/>\nSo aus B\u00f6hmen hat \u017feine Hand,<br \/>\nDar\u00fcber ausgerecket \u017ftark,<br \/>\nmit blo\u017fen Schwert, da\u00df es war arg.<br \/>\nF\u00fcrnehmlich war un\u017fer Erbherr<br \/>\nZugethan der gefunden Lehr<br \/>\nDes heiligen Evangelii,<br \/>\nDarum ver\u017fchafft mit gro\u00dfer M\u00fch,<br \/>\nDa\u00df der Stadt Tempel wurd renovirt<br \/>\nUnd mit der Kanzel da\u017felb\u017ft geziert,<br \/>\nLie\u00df die Kirch w\u00f6lben und \u017fetzen drein<br \/>\nNoch ein kleines Orgelwercklein.<br \/>\nDer Rath lie\u00df bauen der Herr\u017fchaft Stand,<br \/>\nGeziert mit lieblichen Spr\u00fcchen bekannt,<br \/>\nN\u00e4ch\u017ft Gottes Wort billig und \u017fch\u00f6n<br \/>\nH\u00f6rt man der Mu\u017fik Get\u00f6n<br \/>\nWie auch zur heiligen Dreyfaltigkeit,<br \/>\nWann \u017fich ergebe die\u017fe Zeit,<br \/>\nDa\u00df das Fe\u017ft man celebrieren th\u00e4t,<br \/>\nDa man die Kirch bauet an die\u017fe St\u00e4tt.<br \/>\nEr lie\u00df auch bauen und fundiren \u017fch\u00f6n<br \/>\ndas weitber\u00fchmte Gymnasien.<br \/>\nWenn man darinn ward musicirt,<br \/>\nUnd auf 3, 4 Chor intonirt,<br \/>\nHat mancher Lu\u017ft, den Himmelsklang<br \/>\nGern zu h\u00f6ren, weil die Zeit war bang,<br \/>\nDen Leuten wegen ihren S\u00fcnden,<br \/>\nDenn alles Ungl\u00fcck lie\u00df \u017fich finden.<br \/>\nGott \u017ftraft mit leichten Kupfergeld,<br \/>\nKippern und Wippern ging fa\u017ft durch die Welt,<br \/>\nEs ward betrogen manch frommer Mann,<br \/>\nVor Silber er Kupfer mu\u00df nehmen an<br \/>\nDer Reichsthaler Drey\u017fig Gulden galt,<br \/>\nDer gei\u017ftliche Mann darauf \u017fehr \u017fchalt<br \/>\nDarzu kam Hunger und Kriegsnoth,<br \/>\nUnd endlich vollends gar der Tod,<br \/>\nDurch Pe\u017ftilenz \u017fich hier ein\u017fchlich,<br \/>\nUnd vergangenen Jahr viel nahm mit \u017fich.<br \/>\nUm die Zeiten zu be\u017fchreiben all<br \/>\nI\u017ft jetzt meines Thuns nicht, zumal<br \/>\nWeil k\u00fcnftig \u017fchreiben und reden werden<br \/>\nGut treue Leut auf die\u017fer Erden.<br \/>\nAls nun man z\u00e4hlet obiges Jahr<br \/>\nUnd obber\u00fchrte Jahrzahl war,<br \/>\nhat Aeolus des Windes Herr,<br \/>\nDa es zu Abend ohngefehr<br \/>\nUm Glocken\u017fchlag Sechs mochte \u017feyn<br \/>\nAusgela\u00dfen \u017feiner Winde ein&#8217;n<br \/>\nUnd ihn auf des Rathhau\u00df\u017fpitz<br \/>\nNicht \u017fonder Donner und \u017fchlechten Blitz<br \/>\nSchnur\u017ftracks gericht mit \u017folcher St\u00e4rk,<br \/>\nDa\u00df er \u017fo viel gericht zu Werk,<br \/>\nUnd die\u017fer Fahne Spindel fe\u017ft<br \/>\nGleich als w\u00e4r es ein Rei\u00df gewe\u017ft<br \/>\nGanz krumm gebogen, und \u017fo gemacht,<br \/>\nDa\u00df man hat m\u00fc\u00dfen \u017feyn bedacht<br \/>\nDie\u017felbe fertigen zu la\u00dfen von nauen,<br \/>\nUnd was n\u00f6tig, wieder auszubauen,<br \/>\nMaa\u017fen dann der F\u00fcnfundzwanzig\u017fte war,<br \/>\nDes Augu\u017fti in die\u017fem Jahr,<br \/>\nAls Churf\u00fcr\u017ft Johann Georg aus Sach\u017fen noch<br \/>\nMit \u017feiner Gemahlin vergangene Woch<br \/>\nNeb\u017ft den jungen Herren und Fr\u00e4ulein all<br \/>\nEinkehrten auf den hie\u017figen Schlo\u00df und ihr Mahl<br \/>\nEinnahmen zu Nacht und auch das Fr\u00fch\u017ft\u00fcck,<br \/>\nHatt die hie\u017fige Stadt das Gl\u00fcck<br \/>\nDa\u00df die Spindel wieder wurd eingepa\u00dft<br \/>\nUnd die Fahne und Knopf mit La\u017ft<br \/>\nVon Schieferdecker darauf gericht,<br \/>\nZuvor aber von Golde dicht<br \/>\nUeberguldt von neuem und drein gelegt<br \/>\nDie\u017fe Schachtel, auf da\u00df, wenn \u017fichs zutr\u00e4g<br \/>\nMan Nachricht bey der Stadt hier hab,<br \/>\nWie er zuletzt \u017fey kommen herab.<br \/>\nHelff nun die heilige Dreifaltigkeit<br \/>\nDa\u00df in die\u017fem Haus Gerechtigkeit<br \/>\nM\u00f6cht wiederfahren jedermann,<br \/>\nDa\u00df \u017fich keiner zu be\u017fchweren m\u00f6cht han.<br \/>\nAuch mit bequemen Oberherrn,<br \/>\nZu jeder Zeit ver\u017fehen m\u00f6cht werden.<br \/>\nHilf Gott, da\u00df in der Stadt und Land<br \/>\nDer werthe\u017fte Schatz, das theuer\u017fte Pfand<br \/>\nDie Luther\u017fche Lehr erhalten werd,<br \/>\nAuch die Ju\u017ftiz mit ihren Schwerd,<br \/>\nSolch einen treuen Bey\u017ftand geben<br \/>\nUnd Fried und Freud darinnen \u017fchweben,<br \/>\nHilf Gott, da\u00df auch nach die\u017fer Zeit<br \/>\nUns werd die ewige Seligkeit.<\/p>\n<p>Der damals regierte Rath i\u017ft von folgenden Per\u017fonen be\u017fetzt gewe\u017fen:<br \/>\nCaspar Habermann, B\u00fcrgermei\u017fter, ein Sohn Caspar Habermanns, welcher 1601 wieder ver\u017fchieden und in die 40 Jahr wohlbe\u017ftallter Amtmann auf dem Schlo\u017f\u017fe Gera gewe\u017fen;<br \/>\nJoh. Gottfried Kohlwald, die\u017fer Zeit K\u00e4mmerer und Ga\u017ftwirth zur Sonne am Markte;<br \/>\nJacob F\u00fclle, der Zeit Stadtrichter und Ziegelh\u00fctten Verwalter;<br \/>\nJohann H\u00f6rel und Johann Hofmann, der Zeit Baumei\u017ftere, letzterer Reu\u00dfplaui\u017fchen Raths und Canzlers zu Gera \u017feel. Sohn, welcher Anno 1609 alier in Gott \u017feel. ent\u017fchlafen, nachdem er \u017fein Canzler Amt mit Lob 22 Jahre verwaltet;<br \/>\nHanz Eberhardt, die\u017fer Zeit Wein- und Gemein Mei\u017fter auch Vor\u017fteher des Hospitals B. Virg. Mariae;<br \/>\nSimon Korn, zu der Zeit Wein- und Gemein Mei\u017fter.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">V.<\/p>\n<p>Relatu dignum dis \u2013 pristinus ordo Senatus e sessu Cessit,<br \/>\nnil nisi biga Super atque satis constet, quae Biga poligraphus una Consul et Arnoldus altera pars fuerat.<br \/>\nJULius ut qVJntus bis SeXtus ab arCe CorrVscat<br \/>\nturr Js Laesa fuit L v M Jne Ventus erat<br \/>\nLVXJit ut aVgVstus qVJntus VJCesimus aVLa<br \/>\nCae Leste aVratus sJt ab artJFJce<br \/>\nsit licet aut turris vel curia corat isthaec Allumen<br \/>\nin Christum spemque fidemque ponam<br \/>\nNam mihi per mortem Coelestia Regna paravit, ut mihi<br \/>\npost mortem mansio firma fiet.<\/p>\n<p>Jn memoriam posteritatis componebat manuque propria scribebat Henricus Glaser, Esaiae Kr\u00fcgeri, superintendentis Rutheneo Gerani nepos, Friederici Glaseri, superintendentis generalis et consistorii Directoris filius et M. Henrici Amelungii subsequentis Superintendentis ad finis Nicolaique Froelichii quondam hic Syndici et quaestoris Saalburgensis nunc Consulis gener, tunc temporis reipublicae patriae Geranae Actuarius.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">VI.<\/p>\n<p>Folgende Schriften \u017find 1734 in den Knopf des Raths Thurms gelegt worden.<\/p>\n<p>Der Herr, \u017fo \u017feinen Stuhl im Himmel hat erh\u00f6ht, Und de\u00dfen gro\u017fer Macht und h\u00f6ch\u017fter Maie\u017ft\u00e4t Erd, Feuer, Luft und Meer, wenn nur \u017fein Wink ergeht, Als Bothen \u017feiner Macht zum \u017fteten Dien\u017fte \u017fteht, Bewies auch un\u017ferer Stadt die Gr\u00f6\u00dfe \u017feiner Macht, Indem in die\u017fem Jahr, eh jemand es gedacht, Er einen \u017folchen Sturm in hoher Luft erregte, Der auch den \u017ft\u00e4rk\u017ften Stamm er\u017fch\u00fcttert und bewegte, Ja, viele ganz und gar aus ihren Wurtzeln ri\u00df, und \u017fie mit Unge\u017ft\u00fcm zur Erde nieder\u017fchmi\u00df, So da\u00df der Anblick nun, da\u00df Auge \u017ftarrend machte, hingegen das Gem\u00fcth in ein Er\u017ftaunen brachte. Bey die\u017fem Winde nun, und ungemeinen Sturm begegnete dem Knopf auf die\u017fem hohen Thurm, Was vor geraumer Zeit, und mehr denn 100 Jahren das Alterthum vor Uns auf gleiche Art erfahren. Die Fahne neb\u017ft dem Knopf, \u017fo auf der Spitze steht, davon die er\u017fte \u017fich in \u017ftarker Spindel dreht, Wird durch den \u017ftarken Wind recht hin und her gewogen, Ja, endlich ganz und gar wie \u017fchlankes Reis gebogen. Das Raths Collegium bey die\u017fer werthen Stadt So gegenw\u00e4rtiges Blatt \u017felb\u017ft unter\u017fchrieben hat, Fand \u017fich gem\u00fc\u017figet, den Schlu\u00df bey \u017fich zu fa\u00dfen, Die Fahne neb\u017ft den Knopf herunter thun zu la\u00dfen. Er wurde reparirt, und wieder drauf gebracht. Doch weil das Alterthum \u017fchon ehemals gedacht, die Nachricht ihrer Zeit in die\u017fen Knopf zu wei\u017fen Und der Verge\u00dfenheit die\u017felbe zu entrei\u017fen, So hat man ebenfalls vor n\u00fctzlich ange\u017fehn, da\u00df es bey die\u017fem Fall auch wiederum ge\u017fchehen, Bey der Gelegenheit nun auch zu continuieren Und un\u017fre jetzige Zeit k\u00fcrtzlich zu ber\u00fchren. Doch weil man alles nicht in Reime zwingen kann, So \u017fieh den End\u017fchlu\u00df nur, mein k\u00fcnftger Le\u017fer an, Der wird mit mehreren, das wenige dir zeigen, Wovon hier die\u017fes Blatt und \u017feine Reime \u017fchweigen. Die wahre Quint E\u017f\u017fenz, des Landes h\u00f6ch\u017fte Zier, Sein einzig Augenmerk, das finde\u017ft du alhier, Das h\u00f6ch\u017fte Oberhaupt, \u017fo un\u017fer Land regieret, So \u00fcber 30 Jahr den Regiments Staab f\u00fchret, Das i\u017ft der Heinerich, von dem der Ruhm erth\u00f6nt, Wie \u017fehr der H\u00f6ch\u017fte ihn mit Weisheit hat bekr\u00f6nt Der ja mit Recht Trajan und Salomo gehei\u017fen, der Hochgebohrne Graf Achtzehende der Reu\u00dfen. Er i\u017fts der vor \u017fein Volk bey Tage und bey Nacht Mit unerm\u00fcdeten \u017forg\u017famen Augen wacht, Und alle insge\u017famt recht huldreich liebt und heget, Ja, \u017fie nach Vaters Art, in \u017feinem Herzen tr\u00e4get. Dies alles und noch mehr, i\u017ft wahrlich viel zu \u017fchlecht, das theure Oberhaupt, den Landes Vater recht, Und wie es de\u00dfen Huld verdienet, raus zu \u017ftreichen, Hier mu\u00df \u017fo Mund als Kiel, der be\u017fte Richter \u017fchweigen. Was un\u017fer werther Ort noch merkw\u00fcrdiges hat, Das i\u017ft, wie \u017fchon gedacht, auf beygef\u00fcgtem Blatt. Jetzt \u017foll nur noch ein Wun\u017fch dies Blatt und Reime \u017fchlie\u00dfen, Den legt die Andacht \u017felbst dem gro\u017fen Gott zu F\u00fc\u00dfen: Herr! de\u00dfen Nam&#8216; und Ruhm in aller Welt bekannt, Setz das Erlauchte Haupt von un\u017ferm Reu\u00dfenland, Zum unaus\u017fprechlichem Gedeyen, Heil und Seegen, Und fahre fort, auf ihn, Dein Heil und Schmuck zu legen, Nimm Dich auch fernerhin, wie Du bisher gethan, Des Hoch und Niedern Raths in allen Gnaden an. Gieb Weisheit, Kraft und Muth, Gei\u017ft, Leben, Licht und St\u00e4rke, Und \u017feegne immerfort, Rath, An\u017fchlag, Wort und Werke, Ja, cr\u00f6n das ganze Land, forthin mit Deinem Guth, Und la\u00df Und nimmermehr aus Deiner Vater Huth; La\u00df Krieg, Brand, Hunger, Pe\u017ft in Gnaden uns ver\u017fchonen, Dagegen allezeit Uns nur in Frieden wohnen. Kurz, Gera geh es wohl, das w\u00fcn\u017fchet in der That, Der unter\u017fchriebene und jetzige Magi\u017ftrat. Chrysostomus Schubarth, Consul. Chri\u017ftian Martin M\u00fcller, Conrad Arnold, C\u00e4mmerer. Johann Heinrich Z\u017fchaak, Ober Baumei\u017fter, Johann Jacob Siltemann, Unter Baumei\u017fter, Johann Siegmund Widder, Wein- und Gemein-Mei\u017fter, Chri\u017ftian Friedrich Rei\u00dfcke, C\u00e4mmerey Einnehmer. &#8230; (Auszug)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die Turmkugel des Geraer Rathauses musste in ihrer Geschichte oftmals erneuert werden. \u00dcber die darin aufbewahrten Nachrichten aus der Zeit vor 1780 schreiben die Heimatbl\u00e4tter im Jahre 1925. Die auch noch zur Jetztzeit ge\u00fcbte Gewohnheit, <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2016\/03\/22\/1925-ueber-dokumente-aus-der-turmkugel-des-rathauses\/\" title=\"1925: \u00dcBER DOKUMENTE AUS DER TURMKUGEL DES RATHAUSES\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":263,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":{"0":"post-262","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-regionalkunde"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=262"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2540,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262\/revisions\/2540"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media\/263"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}