{"id":26496,"date":"2023-08-20T22:01:43","date_gmt":"2023-08-20T20:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=26496"},"modified":"2023-08-20T22:01:45","modified_gmt":"2023-08-20T20:01:45","slug":"der-backenzahn-eines-europaeischen-waldelefanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/08\/20\/der-backenzahn-eines-europaeischen-waldelefanten\/","title":{"rendered":"DER BACKENZAHN EINES EUROP\u00c4ISCHEN WALDELEFANTEN"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Europ\u00e4ische Waldelefanten existierten von vor 900&#8217;000 bis vor 33&#8217;000 Jahren. W\u00e4hrend einiger Warmphasen im Eiszeitalter drangen die Tiere bis weit n\u00f6rdlich der Alpen vor.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem es im Jahr 2022 gelungen war, einige 1874 in der Lindenthaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle gefundene Backenz\u00e4hne des Wollhaarmammuts aus der Sammlung des Museums f\u00fcr Naturkunde konservatorisch behandeln zu lassen, konnte nun ein noch gr\u00f6\u00dferer Zahn f\u00fcr die Zukunft gesichert werden. Mit 40 Zentimetern L\u00e4nge und 4,92 Kilogramm ist dieser noch l\u00e4nger und schwerer. Es handelt sich um einen gewaltigen Backenzahn des Europ\u00e4ischen Waldelefanten. Der niederl\u00e4ndische Mammutexperte Dick Mol war so hilfsbereit, das Fossil noch n\u00e4her zu identifizieren. Er erkannte, dass es sich um den dritten Backenzahn des rechten Unterkiefers handelt \u2013 dritter deshalb, weil das der dritte und letzte Backenzahn einer Abfolge ist, den ein Elefant im Laufe seines Lebens bekommt. Der Zahn stammt also von einem \u00e4lteren Tier.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Verein \u201eGeraer Mineralien- und Fossilienfreunde\u201c konnte auch f\u00fcr diesen Zahn eine professionelle und nachhaltige pr\u00e4parationstechnische Spezialbehandlung in der \u201ePalaeoWerkstatt Henssen\u201c in Goch erm\u00f6glicht werden. S\u00e4mtliche Fremdmaterialien wurden von der Pr\u00e4paratorin Susanne Klein behutsam und vollst\u00e4ndig entfernt. Dazu wurde der Backenzahn vorsichtig gewaschen und geb\u00fcrstet. Anschlie\u00dfend erfolgte die zw\u00f6lfst\u00fcndige Trocknung im W\u00e4rmeschrank. Dann lag der Zahn in sechs Einzelteilen vor, die mit einem sachgerechten Kleber zusammenzusetzten waren. Danach wurde der Zahn mit Silikonkautschuk ummantelt. Anschlie\u00dfend wurde der Zahn mittels einer \u00d6ffnung in der Silikonummantelung mit eingef\u00e4rbtem, fl\u00fcssigem Epoxidharz getr\u00e4nkt. Als Folge f\u00fcllten sich damit alle Risse, Spalten und Hohlr\u00e4ume mit dem Harz, was nach dessen Aush\u00e4rtung einen sehr festen Zusammenhalt des Zahns f\u00fcr einen sehr langen Zeitraum garantiert. Nach dem Entfernen der Silikonschicht musste dann die Oberfl\u00e4che der \u00e4u\u00dferlich sichtbaren Epoxidharzf\u00fcllungen mit Fr\u00e4sern bearbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Europ\u00e4ische Waldelefanten existierten etwa von vor 900&#8217;000 bis vor 33&#8217;000 Jahren. Sie besiedelten park\u00e4hnliche Landschaften und Laubw\u00e4lder s\u00fcdlich der Alpen. W\u00e4hrend einiger Warmphasen im Eiszeitalter drangen die Tiere jedoch bis weit n\u00f6rdlich der Alpen vor. Europ\u00e4ische Waldelefanten waren deutlich gr\u00f6\u00dfer als das Wollhaarmammut und auch gr\u00f6\u00dfer als der heutige Afrikanische Steppenelefant. Er geh\u00f6rt damit zu den gr\u00f6\u00dften R\u00fcsseltieren, die je auf der Erde gelebt haben. M\u00e4nnchen konnten eine Schulterh\u00f6he von bis zu 4,2 Meter und eine Masse von sechs bis maximal elf Tonnen erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gefunden wurde der Zahn um das Jahr 1900 in der Kiesgrube von Albert K\u00f6del im heutigen Wei\u00dfenfelser Ortsteil Uichteritz. Er war dort beim Abgraben des Kieses aus einer mit feinem Sand und graugr\u00fcnem Ton ausgef\u00fcllten Schicht herausgefallen. Professor Karl L\u00f6scher aus Gera konnte ihn f\u00fcr vier Mark erwerben \u2013 ein Preis, den er damals f\u00fcr g\u00fcnstig hielt. Karl Gustav L\u00f6scher wurde am 25. Januar 1861 in Wei\u00dfenfels geboren. Er studierte seit 1879 in Jena und Halle Mathematik und Naturwissenschaften. Zu Ostern 1891 wurde er im Alter von 30 Jahren an das F\u00fcrstliche Gymnasium in Gera berufen. Als Nachfolger von Hofrat Professor Dr. Karl-Theodor Liebe wurde er dort auch mit der Verwaltung der Geologischen Landessammlung betraut und auf Schloss Osterstein am 8. September 1908 von F\u00fcrst Heinrich XIV. Reu\u00df j. L. zum Professor ernannt. Aus diesem Grunde erwarb L\u00f6scher den Zahn nicht f\u00fcr private Zwecke, sondern f\u00fcr jene Geologische Landessammlung am F\u00fcrstlichen Gymnasium Rutheneum in Gera, die urspr\u00fcnglich 1858 durch F\u00fcrst Heinrich XIV. Reu\u00df j. L. in Gera gegr\u00fcndet wurde. Ziel war es, alle geologischen Besonderheiten des F\u00fcrstentums Reu\u00df j\u00fcngere Linie zusammenzutragen und vor allem f\u00fcr wissenschaftliche Forschung zur Verf\u00fcgung zu stellen. Dass L\u00f6scher einen Zahn mit einem Fundort au\u00dferhalb der Landesgrenzen erwarb, lag sicher an seinem ausgepr\u00e4gten pers\u00f6nlichen Interesse f\u00fcr das Eiszeitalter und die entsprechenden Tiere dieser Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1912 wurde der Zahn dann auch in einer Ver\u00f6ffentlichung des Pal\u00e4ontologen Wolfgang Soergel beschrieben und sogar abgebildet. Bereits auf dem Foto aus dem Jahr 1912 sind Sch\u00e4den und die entsprechenden Reparaturen am Zahn zu erkennen. In den nachfolgenden mehr als einhundert Jahren hatte sich der Zustand weiter verschlechtert. Der zwischenzeitlich aufgebrachte Knochenleim bl\u00e4tterte ab und Bruchstellen am Zahn, die mit einer wei\u00dfen, nicht weiter bestimmten Spachtelmasse verf\u00fcllt wurden, waren wiederum gebrochen, so dass der Zahn schon in Einzelteile zerbrochen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist der Zahn stabil und sieht wahrscheinlich besser aus als jemals zuvor nach seinem Fund vor mehr als 120 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Europ\u00e4ische Waldelefanten existierten von vor 900&#8217;000 bis vor 33&#8217;000 Jahren. W\u00e4hrend einiger Warmphasen im Eiszeitalter drangen die Tiere bis weit n\u00f6rdlich der Alpen vor. 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