{"id":2735,"date":"2018-01-19T21:14:15","date_gmt":"2018-01-19T20:14:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=2735"},"modified":"2018-01-19T21:14:15","modified_gmt":"2018-01-19T20:14:15","slug":"stadt-gera-kauft-dix-gemaelde-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2018\/01\/19\/stadt-gera-kauft-dix-gemaelde-an\/","title":{"rendered":"STADT GERA KAUFT DIX-GEM\u00c4LDE AN"},"content":{"rendered":"<p>Die Kunstsammlung Gera hat mit \u201eDie Schwester Toni am Fenster\u201c ein fr\u00fches Dix-Gem\u00e4lde zur Erweiterung der Geraer Otto-Dix-Sammlung erworben. Es stammt aus dem Jahre 1908, ist in Gera (Untermhaus) entstanden und geh\u00f6rt zum Jugendwerk des K\u00fcnstlers. Das Bild hat eine eindeutige Provenienz und stammt aus dem famili\u00e4ren Besitz, der Tochter von Toni Dix und Nichte von Otto Dix, die vor zwei Jahren verstarb.<\/p>\n<p>Dem bisherigen Eigent\u00fcmer war daran gelegen, dass das Gem\u00e4lde in die Museumssammlung der Geburtsstadt von Dix aufgenommen und somit auch zuk\u00fcnftig am Ort der Herkunft des Bildes bewahrt wird. Oberb\u00fcrgermeisterin Dr. Viola Hahn hatte noch vor Weihnachten den Kaufvertrag unterzeichnet. \u201eMit dem Ankauf bekr\u00e4ftigt die Stadt Gera ihr Bekenntnis zu Otto Dix und zur Pflege seines Werkes  in seiner Geburtsstadt. Hilfreiche Unterst\u00fctzung bei der Vermittlung des Bildankaufs leistete die Otto-Dix-Stiftung Vaduz, insbesondere deren Pr\u00e4sident Rainer Pfefferkorn, der dem Eigent\u00fcmer in seiner Entscheidung best\u00e4rkte, dass das Bild sehr gut in die Geraer Sammlung passen w\u00fcrde.<br \/>\nEbenso danke ich der Th\u00fcringer Staatskanzlei, mit deren erheblicher finanzieller Unterst\u00fctzung das Bild dauerhaft f\u00fcr die Geraer Otto-Dix-Sammlung gesichert werden konnte\u201c, betont Oberb\u00fcrgermeisterin Dr. Hahn.<\/p>\n<p>Das Gem\u00e4lde wurde bereits in dem 1981 von Fritz L\u00f6ffler herausgegebenen Werkverzeichnis der Gem\u00e4lde von Otto Dix aufgef\u00fchrt und ist dort unter der Werkverzeichnisnummer 1908\/1 aufgef\u00fchrt. Das Gem\u00e4lde wurde oft in thematische Ausstellungen \u00fcber das Schaffen von Otto Dix einbezogen und konnte bereits mehrfach als Leihgabe aus Privatbesitz in Sonderausstellungen der Kunstsammlung Gera pr\u00e4sentiert werden. Im Katalog zu der im Jahre 2000\/2001 in der Kunstsammlung Gera pr\u00e4sentierten Ausstellung \u201eDix avant Dix\u201c, die vor allem dem Jugend- und Fr\u00fchwerk des K\u00fcnstlers gewidmet war, wurde es mit publiziert. <\/p>\n<p>Das Bild zeigt des K\u00fcnstlers zwei Jahre j\u00fcngere Schwester Toni Dix (23.10.1893 &#8211; 17.09.1984). Der junge Otto Dix erfasst seine Schwester vor dem Fenster im Gegenlicht, in einer malerisch anspruchsvollen Situation aus ged\u00e4mpftem Innenraum und lichtem Au\u00dfenraum. Toni schneidet mit der Schere vermutlich in ein St\u00fcck Stoff und ist ganz auf ihre handwerkliche T\u00e4tigkeit konzentriert. Die etwas zerzausten und ungebundenen Haare, der hochgeschlossene und dunkle Kittel vermitteln im Detail ein intimes Bild aus dem famili\u00e4ren Alltag der Familie. <\/p>\n<p>Nach mehrfachen Wohnungsumz\u00fcgen in den Jahren vor 1900, bei der die Wohnungsgr\u00f6\u00dfe allm\u00e4hlich der bis auf sechs Personen anwachsenden Familiengr\u00f6\u00dfe angepasst wurde, konnte die Familie Dix 1908 endlich in das eigene von den Familien Dix erbaute Mehrfamilienhaus in der Uferstra\u00dfe 4 einziehen. <\/p>\n<p>Im Fensterausblick des Gem\u00e4ldes lassen sich unter dem Himmelsausschnitt der Fluss und die H\u00e4user vom gegen\u00fcberliegenden Elsterufer erahnen, was die Vermutung nahelegt, dass das Bild in der neuen Wohnung entstanden ist. Dix verwendet hier noch einen spontanen und impressiv erscheinenden Pinselduktus, mit dem er seinem Motiv ein atmosph\u00e4risches Licht verleiht und der f\u00fcr diese malerische Anfangsphase noch typisch ist. <\/p>\n<p>Toni Dix (1893-1984) hatte im Modegesch\u00e4ft Sonntag, das sich auf der Geraer Hauptgesch\u00e4ftsstra\u00dfe \u201eSorge\u201c befand, den Beruf einer Putzmacherin erlernt. Eine Putzmacherin war zur damaligen Zeit ein angesehener Handwerksberuf, der haupts\u00e4chlich von Frauen ausge\u00fcbt wurde. Man fertigte im Grunde Kopfbedeckungen f\u00fcr Damen (Kopfputz) und oft noch allerlei Mode- und Galanteriearbeiten f\u00fcr Frauenzimmer. Sp\u00e4ter wurde daf\u00fcr meist die Berufsbezeichnung Modistin verwendet. (Putzmacherin ist das weibliche Pendant zum Hutmacher, der ausnahmslos Herrenh\u00fcte herstellte.) <\/p>\n<p>Noch vor 1920 ging Toni Dix als Modistin nach Straubing, wo sie ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann Franz Imblom kennenlernte und mit ihm sp\u00e4ter ein Hutgesch\u00e4ft er\u00f6ffnete. Ende der 1920er Jahre kehrte sie nach Gera zur\u00fcck. Nach dem Tode des Vaters 1942 k\u00fcmmerte sie sich um die Pflege der Mutter und \u00fcbernahm die Hausverwaltung des elterlichen Hauses in der Untermh\u00e4user Uferstra\u00dfe 4. <\/p>\n<p>Das Bild hat einen starken biografischen Bezug zu Otto Dix sowie zu Gera und stellt eine wesentliche Erg\u00e4nzung der Geraer Sammlung dar, zu deren Besonderheiten ein charakteristischer Bestand an Jugend- und Fr\u00fchwerken des K\u00fcnstlers z\u00e4hlt. Das Gem\u00e4lde geh\u00f6rt zu den ersten Portr\u00e4tbildern im malerischen Werk von Otto Dix und wurde \u00fcber die Jahre in famili\u00e4ren Besitz von Toni Dix sorgsam bewahrt.  <\/p>\n<p>Im Bestand der Kunstsammlung Gera befinden sich fr\u00fche Skizzenb\u00fccher von Otto Dix, die verdeutlichen, dass sich der junge Otto Dix in der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung schon seit 1903 in kleinen Studien, Skizzen und Tuschzeichnungen immer wieder mit Situationen und Personen seines famili\u00e4ren Umfeldes besch\u00e4ftigt hat: der Vater oder die Mutter mit Brille beim Lesen, Gegenst\u00e4nde auf dem K\u00fcchentisch (Tasse, Zeitung, Rauchzeug und Aschenbecher), die Silhouette der Mutter am Fenster im Gegenlicht und die ersten zeichnerischen Portr\u00e4tstudien von den Schwestern Toni und Hedwig. <\/p>\n<p>BILD UND TEXT: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die Kunstsammlung Gera hat mit \u201eDie Schwester Toni am Fenster\u201c ein fr\u00fches Dix-Gem\u00e4lde zur Erweiterung der Geraer Otto-Dix-Sammlung erworben. 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