{"id":27614,"date":"2023-10-18T12:31:01","date_gmt":"2023-10-18T10:31:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=27614"},"modified":"2023-10-18T12:31:03","modified_gmt":"2023-10-18T10:31:03","slug":"horst-sakulowski-das-telegramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2023\/10\/18\/horst-sakulowski-das-telegramm\/","title":{"rendered":"HORST SAKULOWSKI \u201eDAS TELEGRAMM\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Was ist los mit dieser Jugend? Diese Frage dr\u00e4ngt sich unweigerlich beim Betrachten des Bildes von Horst Sakulowski \u201eDas Telegramm\u201c auf. Ein junger Mann in Soldatenuniform sitzt in einem fast unm\u00f6blierten Raum vor einer kahlen Wand. Au\u00dfer dem Dokument, welches links neben ihm auf dem Tisch liegt und dessen angeschnittene \u00dcberschrift \u201eJeder Zeit Gefechtsbereit\u2026\u201c lautet, lenkt nichts von dem Dargestellten ab. Der ganze Kosmos der Erz\u00e4hlung entfaltet sich zwischen dem jungen Mann und dem in seiner Hand befindlichen aufgerissenen Brief, auf dessen oberen Rand das Wort \u201eTelegramm\u201c zu entziffern ist. Der Protagonist ist nicht beim Lesen der Zeilen portr\u00e4tiert sondern beim \u00dcberdenken der Mitteilung. Versunken in seine innere Welt blickt er nachdenklich in die Ferne. Sein ernster, in sich gekehrter Gesichtsausdruck verweist auf die Tragweite der Mitteilung. Der Betrachter bleibt \u00fcber den Inhalt der Botschaft im Ungewissen. Lediglich eine Vermutung keimt auf. Deutlich sp\u00fcrbar ist der Widerspruch zwischen seiner soldatisch eingefrorenen Existenz und einer situationsbedingten Lebensdynamik. Die daraus resultierende innere Anspannung bestimmt die Figur.<\/p>\n\n\n\n<p>Das 1977 entstandene Gem\u00e4lde wurzelt tief in der eigenen Betroffenheit des K\u00fcnstlers, f\u00fcr den die Armeezeit ein pr\u00e4gendes Erlebnis war. Seit 1962 galt in der DDR f\u00fcr alle M\u00e4nner zwischen 18 und 26 Jahren die allgemeine Wehrpflicht. Dieser allgemeine Grundwehrdienst umfasste 18 Monate. Einen zivilen Wehrersatzdienst gab es nicht; die einzige Alternative war als \u201eBausoldat\u201c den Dienst ohne Waffe abzuleisten. Horst Sakulowski, geboren 1943, absolvierte seinen Grundwehrdienst von 1969 bis 1971. Der einstige Schie\u00dfbefehlsverweigerer reflektierte in einer ganzen Werkgruppe \u00fcber die psychische Bedr\u00e4ngnis des Soldatenlebens. Bis Mitte der 1980er Jahre verarbeitete der K\u00fcnstler in mehreren Gem\u00e4lden diese Thematik. Auf der VIII. Kunstausstellung der DDR in Dresden war neben dem bekannten Werk \u201ePortr\u00e4t nach Dienst\u201c auch \u201eDas Telegramm\u201c pr\u00e4sent, beide l\u00f6sten heftige Diskussionen aus. Diese Sicht auf die Realit\u00e4t war nur schwer mit den vorgegebenen Leitbildern zu vereinbaren. Gro\u00dfartig in Szene gesetzt, k\u00fcndet die Figur des jungen Soldaten von seiner inneren Verletzlichkeit, zieht den Betrachter in seinen Bann und nimmt ihn f\u00fcr sich ein. Sakulowskis meisterliche Beherrschung der k\u00fcnstlerischen Mittel, sein Umgang mit einer formpr\u00e4zisen Dinggenauigkeit lassen seine Bildsprache unverkennbar werden. Die Grundthemen des menschlichen Daseins stehen dabei im Mittelpunkt seines Interesses.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist Horst Sakolowski, dessen Werk von einer gro\u00dfen Ernsthaftigkeit und Eindringlichkeit gepr\u00e4gt ist, einer der wichtigsten Th\u00fcringer K\u00fcnstler. Das Gem\u00e4lde geh\u00f6rt zum Bestand der Kunstsammlung Gera und wird in der Ausstellung \u201eHorst Sakulowki. Retrospektiv\u201c vom 22. Oktober 2023 bis 14. Januar 2024 in der Orangerie gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Was ist los mit dieser Jugend? 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