{"id":29170,"date":"2024-01-16T04:35:18","date_gmt":"2024-01-16T03:35:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=29170"},"modified":"2024-01-16T04:35:20","modified_gmt":"2024-01-16T03:35:20","slug":"was-die-demokratie-besonders-schwaecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2024\/01\/16\/was-die-demokratie-besonders-schwaecht\/","title":{"rendered":"WAS DIE DEMOKRATIE BESONDERS SCHW\u00c4CHT"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt Leute, die beklagen in Zeitungen, Radio und Fernsehen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die Demokratie. Sie selbst nehmen sich dabei immer als &#8222;die Guten&#8220; wahr, in der \u00dcberzeugung, keinen Anteil an der gegenw\u00e4rtigen Misere haben. Schuld ist aus ihrer Sicht der P\u00f6bel, welcher in einer komplizierten Zeit nach einfachen Antworten sucht und dabei andauernd auf Populisten hereinf\u00e4llt. Sie schreiben B\u00fccher, Kommentare, Kolumnen, die meistens eine reichliche Portion Verachtung f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsgruppen enthalten, von denen sie sich durch ihr Wissen um die gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge abgrenzen m\u00f6chten. Betroffen sind nur solche Leute, die im eigenen Weltbild st\u00f6ren. In ruhigen Zeiten werden sie ignoriert, in st\u00fcrmischen diffamiert. Die einfache Denkweise, welche sie anderen vorwerfen, legen sie dann selbst an den Tag, was daran erkennbar ist, dass die Kommentare nur so vor Abwertungen strotzen. Dass sie den ganzen Erosionsprozess damit beschleunigen, wollen sie \u00fcberhaupt nicht wahrhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist ein Artikel von Carolin Emcke in der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 12. Januar 2024. In ihrer Kolumne bezeichnet sie die in Schl\u00fcttsiel protestierenden Bauern als \u201eentgrenzten Mob\u201d, der die F\u00e4hre von Robert Habeck st\u00fcrmen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/carolin-emcke-demokratie-afd-dialektik-der-aufklaerung-kommentar-1.6331902\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/carolin-emcke-demokratie-afd-dialektik-der-aufklaerung-kommentar-1.6331902<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Einen St\u00fcrmungsversuch hat es zwar nach Polizeiangaben nicht gegeben, doch das scheint der Publizistin in diesem Falle nicht so wichtig zu sein. Sie ereifert sich \u00fcber Leute, die sich gegen \u201edie da oben\u201d, gegen \u201edie Elite\u201d, gegen \u201edie Globalisten\u201d wenden, merkt aber selbst nicht, wie sie in umgekehrter Weise genauso verf\u00e4hrt und sich im Prinzip nach unten hin abgrenzt, als g\u00e4be es dort irgendeine primitive Spezies, mit der man sich nicht weiter besch\u00e4ftigen muss. Demonstranten sind f\u00fcr sie \u201eder Mob auf der Stra\u00dfe\u201d, und das wohl auch nur, wenn das Anliegen bestimmten Narrativen zuwiderl\u00e4uft. Allein die \u00dcberschrift \u201eDas Werk der Zerst\u00f6rung\u201d zeigt, wie die Publizistin denkt, wenn gleich darunter ein Bild mit \u201ew\u00fctenden Bauern\u201d eingestellt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesellschaft soll n\u00e4mlich lernen, sich zu entwickeln, und der dumme Bauer gef\u00e4lligst die Klappe halten und sich f\u00fcgen. Das schreibt sie zwar nicht, springt aber zwischen den Zeilen hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche Einstellung hat die Schriftstellerin Karen Duve. Sie findet es eine Unversch\u00e4mtheit, dass zehntausende Bauern auf der Stra\u00dfe gegen die Streichung von Subventionen demonstrieren und meint: Die Bauern sind v\u00f6llig unsolidarisch. Sie arbeiten gegen die Konsumenten und alle anderen B\u00fcrger.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/unsolidarische-bauern-schriftstellerin-karen-duve-zum-protest-dlf-8b1a3cd6-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/unsolidarische-bauern-schriftstellerin-karen-duve-zum-protest-dlf-8b1a3cd6-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Alle m\u00fcssten Sparen und es g\u00e4be keinen Grund, die frechen Bauern, die ja nur ein Prozent der Bev\u00f6lkerung darstellen aber zu den Hauptverursachern des Klimawandels geh\u00f6ren, davon auszunehmen. Die Leute w\u00fcrden \u00fcberhaupt nicht merken, wie sie von den Bauern an der Nase herumgef\u00fchrt werden. Diese h\u00e4tten 2016\/2017 ganz gro\u00df die H\u00e4nde aufgehalten, 600 Millionen Euro bekommen und w\u00fcrden niemals f\u00fcr das geradestehen, was sie selbst verursachen. Immer m\u00fcsse die Allgemeinheit f\u00fcr sie zahlen. Und dann wollten sie noch obendrauf Geld erhalten. Wenn sie k\u00f6nnte, w\u00fcrde sie den Bauern nun alle Subventionen streichen, nachdem, was sie sich geleistet haben, sagte Duve im Programm Deutschlandfunk Kultur. Dabei r\u00fcckte sie die Bauern mit ihrem \u201eSchutzgeldverhalten\u201d sogar in die N\u00e4he Hells Angels, weil sie das Grundwasser vergiften und Geld daf\u00fcr erhalten w\u00fcrden, damit sie dies unterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das ist alles andere als ein Beitrag zur Beschwichtigung. Gleichzeitig wird anderen vorgeworfen, Stimmung zu verbreiten und die Gesellschaft zu spalten. Es muss gek\u00fcrzt, eingespart und transformiert werden, ist man \u00fcberzeugt. Wer deswegen auf die Stra\u00dfe geht, weil er dadurch in Schwierigkeiten kommt, w\u00e4hrend andere Bereiche von den Einsparungen \u00fcberhaupt nicht betroffen sind, dem wird die gesellschaftliche Relevanz aberkannt, in dem man von einer kleinen lauten Minderheit spricht und ahnungslos fragt, warum denn die gro\u00dfe Mehrheit so leise ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Es gibt Leute, die beklagen in Zeitungen, Radio und Fernsehen eine zunehmende Gefahr f\u00fcr die Demokratie. 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