{"id":29969,"date":"2024-02-27T10:26:22","date_gmt":"2024-02-27T09:26:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=29969"},"modified":"2024-02-27T10:26:23","modified_gmt":"2024-02-27T09:26:23","slug":"gmd-ruben-gazarian-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2024\/02\/27\/gmd-ruben-gazarian-im-gespraech\/","title":{"rendered":"GMD RUBEN GAZARIAN IM GESPR\u00c4CH"},"content":{"rendered":"\n<p>Armenien \u2013 ein unbekanntes Land jenseits der schneebedeckten kaukasischen Riesen, zerkl\u00fcftet, steinig und uralt. Es ist das Geburtsland von Generalmusikdirektor Ruben Gazarian, der jetzt im Rahmen des 6. Philharmonischen Konzerts unter dem Titel \u201eBlick nach Armenien\u201c am Theater Altenburg Gera Werke armenischer Komponisten pr\u00e4sentiert. Susanne Streicher vom Theater Altenburg Gera hat mit dem geb\u00fcrtigen Armenier und Dirigenten gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Herr Gazarian, Sie sind in Armenien aufgewachsen, wie geht es dem Land?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schon seit mehr als vier Jahren geht Armenien durch eine au\u00dferordentlich schwere Zeit: Wegen unterschiedlichster Interessen mehrerer Gro\u00dfm\u00e4chte ist die geopolitische Lage um das Land herum ohnehin extrem angespannt und die Lage hochexplosiv. Au\u00dferdem machen sich zwei der Nachbarl\u00e4nder diese beispiellose Gemengelage zunutze, um zu versuchen, auch dieses letzte verbleibende kleine St\u00fcck der armenischen Staatlichkeit von der Landkarte zu tilgen. Und besonders tragisch ist die Tatsache, dass ein Teil dieser existenziellen Schwierigkeiten hausgemacht ist, was das Ganze umso d\u00fcsterer macht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bereits im Alter von 19 Jahren kamen Sie nach Deutschland. Spielt die Kultur Armeniens nach wie vor eine wichtige Rolle in Ihrem Leben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da denke ich, neben der Musik, beispielsweise an die Sprache: Armenisch ist \u00fcberaus reich, tiefsinnig und melodi\u00f6s, mit eigenem Alphabet und einem gigantischem Wortschatz. Gerade in j\u00fcngster Vergangenheit entdecke ich meine eigene Muttersprache immer wieder neu und staune \u00fcber deren Sch\u00f6nheit. Das Lesen armenischer B\u00fccher \u2013 es gibt da einen riesigen Literaturschatz \u2013 bereitet mir immer wieder pure Freude.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Man kann nicht behaupten, dass armenische Komponisten in Deutschland sehr bekannt sind. Sind die Werke, die im 6. Philharmonischen Konzert erklingen werden, f\u00fcr armenische Ohren Klassiker?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest die Musik von Aram Khatschaturjan \u2013 des sicherlich bekanntesten und popul\u00e4rsten armenischen Komponisten in der Welt \u2013 ist es auf jeden Fall: Wenn man in Armenien geboren und aufgewachsen ist, dann hat man diese Melodien und die Musiksprache quasi eingeatmet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn Sie mitteleurop\u00e4isch geschulten Ohren die Charakteristik armenischer Musik beschreiben w\u00fcrden, welche Attribute w\u00fcrden Sie benutzen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Spontan kommt mir sofort die Harmonik in den Sinn, denn die f\u00fcr armenische Musik typischen Gef\u00fchle der Wehmut, Melancholie und des Bitters\u00fc\u00dfen, werden zu gro\u00dfen Teilen durch die harmonischen Strukturen geformt. Dabei ist nat\u00fcrlich der melodisch-thematische Aspekt von gro\u00dfer Bedeutung und da kommt auch das Volkslied ins Spiel: Viele der armenischen Komponisten \u2013 sowohl in der Sowjetperiode als auch in den Jahrzehnten danach \u2013 speisen sich aus dieser genuinen Quelle. Dieses \u201eAnzapfen\u201c der jahrhundertealten Volksmusik-Tradition w\u00e4re ohne die Arbeit von Komitas, dessen Namen ich sp\u00e4testens an dieser Stelle nennen muss, undenkbar: Neben Mesrop Mashtotz, dem Sch\u00f6pfer des armenischen Alphabets, geh\u00f6rt dieser geniale Komponist zu den kulturellen Heiligt\u00fcmern und identit\u00e4tsstiftenden Figuren f\u00fcr alle Armenier weltweit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im 6. Philharmonischen Konzert wird au\u00dferdem das armenische Nationalinstrument, ein Duduk, erklingen. Um was f\u00fcr eine Art Instrument handelt es sich dabei? Was macht seinen Klang aus?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade sprach ich von Wehmut und Melancholie: Kaum ein anderes Instrument vermag diese emotionalen Zust\u00e4nde und Stimmungen besser auszudr\u00fccken als das Duduk. Die Farbe des Duduk-Klangs, die ich so sehr liebe, ist unverwechselbar und geht direkt zum Herzen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ruben Gazarian ist seit der Spielzeit 2020\/2021 Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg Gera. Au\u00dferdem ist er seit M\u00e4rz 2023 Gastdirigent des Nationalen Armenischen Kammerorchesters. Das sechste Philharmonische Konzert \u201eBlick nach Armenien\u201c wird aufgef\u00fchrt am 28. und 29. Februar 2024 jeweils mit Beginn um 19.30 Uhr im Konzertsaal Gera, sowie am 1. M\u00e4rz 2024 um 19.30 Uhr im Theaterzelt Altenburg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eintrittskarten sind an den Theaterkassen sowie \u00fcber die Webseite des Theaters erh\u00e4ltlich. Diese sind unter der Rufnummer 0365 8279105 bzw. 03447 585160 sowie \u00fcber \u201ehttps:\/\/theater-altenburg-gera.de\/\u201d erreichbar.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: THEATER ALTENBURG GERA GGMBH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Armenien \u2013 ein unbekanntes Land jenseits der schneebedeckten kaukasischen Riesen, zerkl\u00fcftet, steinig und uralt. Es ist das Geburtsland von Generalmusikdirektor Ruben Gazarian, der jetzt im Rahmen des 6. 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