{"id":30810,"date":"2024-04-15T15:21:22","date_gmt":"2024-04-15T13:21:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=30810"},"modified":"2024-04-15T15:21:24","modified_gmt":"2024-04-15T13:21:24","slug":"der-tropfen-aus-dem-gluehenden-glasregen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2024\/04\/15\/der-tropfen-aus-dem-gluehenden-glasregen\/","title":{"rendered":"DER TROPFEN AUS DEM GL\u00dcHENDEN GLASREGEN"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Objekt des Monats der Geraer Museen ist ein 5,3 mal 4,6 Zentimeter gro\u00dfes, rundliches, schwarz-gl\u00e4nzendes und 91,5 Gramm schweres Gebilde im Museum f\u00fcr Naturkunde. Seine Oberfl\u00e4che ist nicht glatt, sondern mit zahlreichen kleineren und gr\u00f6\u00dferen Strukturen \u00fcberzogen. Am auff\u00e4lligsten sind die kleinen rundlichen Vertiefungen, die aussehen wie kleine Krater. Was so merkw\u00fcrdig und wie von Menschenhand gestaltet anmutet, ist jedoch ohne menschliches Zutun entstanden, denn es handelt sich um einen echten Tektit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung r\u00fchrt vom griechischen tektos her, was in etwa \u201egeschmolzen\u201c bedeutet. In der Tat sind Tektite bei geradezu apokalyptischen Ereignissen unter Einwirkung extremer Hitze entstanden. Am Anfang ihrer Entstehung stand immer ein Einschlag eines gro\u00dfen Meteoriten auf der Erdoberfl\u00e4che. War er gro\u00df genug, entstanden beim Aufprall auf unseren Planeten so ungeheure Kr\u00e4fte, dass Gestein der Erde in kleinsten Momenten fl\u00fcssig aufgeschmolzen und regelrecht \u201eweggespritzt\u201c wurde. Diese fl\u00fcssigen und gl\u00fchenden Gebilde flogen dann mit hoher Geschwindigkeit zum Teil weite Strecken durch die Atmosph\u00e4re und landeten erstarrt zu Glas in einem sogenannten Streufeld. Die Narben und Vertiefungen auf der Oberfl\u00e4che des Tektits entstanden erst anschlie\u00dfend durch Korrosion des Glases durch die chemischen Einfl\u00fcsse des umgebenden Bodens.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenige Tektitstreufelder sind heute auf der Erde bekannt. Dieser Tektit stammt aus dem gr\u00f6\u00dften bekannten Streufeld, dem sogenannten australasiatischen Streufeld, das etwa 10 % der Erdoberfl\u00e4che bedeckt. Es erstreckt sich im Wesentlichen \u00fcber Teile S\u00fcdostasiens und Australiens. Form und Oberfl\u00e4chenstruktur verraten, dass dieser Tektit h\u00f6chstwahrscheinlich in Thailand, Vietnam oder in den chinesischen Provinzen Guangdong und Hainan gefunden wurde. Exakter ist der Fundort leider nicht bekannt. Zu jedem Tektitstreufeld der Erde geh\u00f6rt ein verursachender Impaktkrater. Den Einschlagkrater, der f\u00fcr die Entstehung dieses Tektits und der Millionen anderer australasiatischer Tektite verantwortlich ist, hat man \u00fcber viele Jahre gesucht. Derzeit geht man davon aus, dass er sich auf dem Gebiet des heutigen Laos befindet. Der Mega-Einschlag, der damals viel Leben in einem weiten Umkreis ausl\u00f6schte und in dessen Folge es auf 10 % der Erde Glas \u201eregnete\u201c, ereignete sich vor rund 790&#8217;000 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser sch\u00f6ne Tektit ist das erste Exemplar dieser Art in der Sammlung des Museums f\u00fcr Naturkunde Gera. Erst im Februar 2024 gelangte er als Spende nach Gera, als die Erfurter Mineralienfreunde die mineralogischen Sonderausstellungen des Museums besuchten und den Tektit als \u201eGastgeschenk\u201c \u00fcbergaben. Eingeordnet wurde er in die sogenannte \u201epetrografische Lehrsammlung\u201c des Museums. Das ist eine Sammlung mit typischen Musterexemplaren von magmatischen und metamorphen Gesteinen, sowie Sedimentgesteinen. Sie dient dem Unterricht rund um den Gesteinskreislauf im Museum, den z. B. allj\u00e4hrlich die zuk\u00fcnftigen Geografielehrer und -lehrerinnen in Anspruch nehmen. Tektite geh\u00f6ren durch ihre Entstehung tats\u00e4chlich zu den Gesteinen, genauer gesagt zur gro\u00dfen Gruppe der magmatischen Gesteine wie Granit und Basalt. Im Gegensatz zu diesen sind Tektite allerdings ausgesprochen exotisch und au\u00dfergew\u00f6hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 26. April 2024 findet um 18 Uhr im Museum f\u00fcr Naturkunde der Fachvortrag \u201eTektite \u2013 nat\u00fcrliche Gl\u00e4ser: Entstehung, Eigenschaften und Sammeln\u201c statt. Referent Dr.-Ing. Andreas Krauss aus Chemnitz kann bereits eine ganze Reihe von Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber Tektite aufweisen und ist auch routinierter Tektit-Sammler, denn auch in Deutschland kann man an wenigen Stellen Tektite finden, die jedoch bei einem anderen Impaktereignis entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Objekt des Monats der Geraer Museen ist ein 5,3 mal 4,6 Zentimeter gro\u00dfes, rundliches, schwarz-gl\u00e4nzendes und 91,5 Gramm schweres Gebilde im Museum f\u00fcr Naturkunde. 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