{"id":32804,"date":"2024-08-20T11:05:46","date_gmt":"2024-08-20T09:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=32804"},"modified":"2024-08-20T11:05:47","modified_gmt":"2024-08-20T09:05:47","slug":"beeinflussung-der-denkweise-durch-negative-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2024\/08\/20\/beeinflussung-der-denkweise-durch-negative-sprache\/","title":{"rendered":"BEEINFLUSSUNG DER DENKWEISE DURCH NEGATIVE SPRACHE"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Eine neue, negative Sprache soll die Denkweise so ver\u00e4ndern, dass eine bedrohliche Situation empfunden wird, die nach politischen und technologischen L\u00f6sungen verlangt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn permanent mit dramatischen Worten vor Krisen gewarnt wird, das Horrorszenario aber ausbleibt, verlieren die Begriffe langsam ihre Wirkung. Der sogenannte Gew\u00f6hnungseffekt macht sich bemerkbar. Das ist auch beim \u201eKlimawandel\u201d zu beobachten. Selbst die \u201eKlimakrise\u201d versetzt kaum noch jemanden in Angst und Schrecken. Auch fortlaufende Eilmeldungen bei hochsommerlichen Temperaturen, wie sie das Magazin \u201eFocus\u201d gern herausgibt, fruchten nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Neurolinguistiker B\u00e1lint Forg\u00e1cs besch\u00e4ftigt sich deshalb mit der Anwendung neuer Formulierungen, um die Denkweise der Menschen zu ver\u00e4ndern. Dar\u00fcber berichtet die Berliner Zeitung, nachdem die Freie Universit\u00e4t Berlin \u00fcber die \u201eStudie A medical language for climate discourse\u201c des Wissenschaftlers geschrieben hatte, welche im Fachjournal \u201eFrontieres in Climate\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/zukunft-technologie\/klimawandel-sprache-balint-forgacs-interview-li.2240905\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/zukunft-technologie\/klimawandel-sprache-balint-forgacs-interview-li.2240905<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Globale \u00dcberhitzung, Hochofeneffekt, Klimazerst\u00f6rung \u2014 aktive, klare, negative Ausdr\u00fccke wie diese sollen den Handlungsdruck erh\u00f6hen. Gesucht werden weitere Begriffe, die m\u00f6glichst nicht verharmlost oder verf\u00e4lscht werden k\u00f6nnen. Die neue Terminologie soll dazu f\u00fchren, dass die Situation um das Klima wie eine Diagnose betrachtet wird, eine schwere Krankheit, die nach einer Therapie verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/presse\/informationen\/fup\/2024\/fup_24_152-klimakommunikation-medizinische-terminologie\/index.html\">https:\/\/www.fu-berlin.de\/presse\/informationen\/fup\/2024\/fup_24_152-klimakommunikation-medizinische-terminologie\/index.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der TV-Sender \u201eWelt\u201d schien am 17. August 2024 schon ein wenig vorzubauen. Ein Beitrag um 14.37 Uhr war mit der \u00dcberschrift \u201eWirres Wetter weltweit\u201d versehen. Es wurden Waldbr\u00e4nde gezeigt, als seien diese durch spontane Selbstentz\u00fcndung entstanden, weil es zu hei\u00df ist. Dabei sind die allermeisten auf Brandstiftung zur\u00fcckzuf\u00fchren, was bei der Berichterstattung aber nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Auch in Deutschland spiele das Wetter verr\u00fcckt, hie\u00df es weiter, um jedes Unwetter als Beleg daf\u00fcr heranziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Forscher ist jedenfalls davon \u00fcberzeugt, dass es in den n\u00e4chsten drei\u00dfig Jahren st\u00e4ndig zu Katastrophen, unberechenbarem Wetter, t\u00f6dlichen Hitzewellen und einem Anstieg des Meeresspiegels kommen wird. M\u00f6glicherweise werde sich die Erde sogar schon in wenigen Jahren in ein Treibhaus mit Dschungeln an den Polen verwandeln, und zwar pl\u00f6tzlich, ohne klare Anzeichen im Voraus. Die meisten der heute verwendeten Begriffe sind positiv, passiv und euphemistisch, kritisiert Forg\u00e1cs. Die \u201eaktuelle Mode, professionell, diplomatisch und vern\u00fcnftig zu klingen\u201d, h\u00e4lt er f\u00fcr nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Er skizziert eine Bedrohungslage f\u00fcr die technologische Zivilisation und organisierte Staaten. Die Anwendung einer medizinischen Sprache soll bewirken, dass die Erde als ein behandlungsbed\u00fcrftiger Patient angesehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf die verwendeten Formulierungen f\u00e4llt auch ein Beitrag des Deutschlandfunks vom 19. August 2024 auf. Dort ist das Wort \u201eKlimaleugner\u201d besonders oft zu h\u00f6ren \u2014 als ginge es darum, ebendieses zu etablieren. Man unterscheidet sogar die \u201eindividuelle Leugnung\u201d (20:46) von der \u201eorganisierten Leugnung\u201d. Die bisherige Anwendung des Wortes \u201eLeugner\u201d beschr\u00e4nkte sich weitgehend auf \u201eHolocaust-Leugner\u201d. Die neue Zusammensetzung soll offenbar bewirken, dass auch \u201eZweifler\u201d, die zusammen mit den \u201eLeugnern\u201d in einem Atemzug genannt werden, wie Straft\u00e4ter angesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/die-klimaschutzverhinderer-mit-leugnern-auf-stimmenfang-dlf-3e99f9fe-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/die-klimaschutzverhinderer-mit-leugnern-auf-stimmenfang-dlf-3e99f9fe-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Beitrag wirkt dadurch eher wie eine Kampfansage an Kritiker der Klimapolitik und insbesondere jene, die dagegen arbeiten, zumal da auch von einer \u201eorganisierten Klimawandelleugner-Szene\u201d die Rede ist. Wie von selbst entstehen dabei Assoziationen, und zwar mit der organisierten Kriminalit\u00e4t, was offenbar gew\u00fcnscht ist. Was passiert eigentlich, wenn auf der anderen Seite zum fanatischen Fundamentalismus und Radikalismus neigende Menschen dieser Insinuation folgen und dann, angesichts des drohenden Untergangs, in vorauseilender Weise handeln wollen, fest davon \u00fcberzeugt, etwas gutes zu tun? Nur ganz nebenbei wird erkl\u00e4rt, dass die Leute, \u00fcber die man spricht, den Klimawandel streng genommen nicht leugnen. Bezeichnet werden diese als \u201eclimate obstructionists\u201d, sogenannte Klimaschutzverhinderer. Dass die Geldgeber im Hintergrund, die Finanzierungswege sowie Konzerninteressen genau beleuchtet werden, ist zwar richtig, w\u00e4re aber auch in vielen anderen F\u00e4llen w\u00fcnschenswert. Weiterhin f\u00e4llt auf, dass die Aussagen anderer kritisch \u00fcberpr\u00fcft werden, w\u00e4hrend man es mit den eigenen Formulierungen weniger genau nimmt. Da hei\u00dft es beispielsweise (25:02), seit Anfang der 1990er Jahre sei klar, CO\u2082 l\u00f6se den Klimawandel aus, weshalb Emissionen verhindert werden m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist also von den neuen Formulierungen zu halten? Eine negative Sprache, die ein permanentes Bedrohungsszenario zeichnet, mit einer schwer erkrankten Erde, welche dringend medizinisch therapiert werden muss, die Zweiflern eine fast kriminelle Konnotation verleiht, kann nicht zu einer positiven Denkweise und damit zu positivem Handeln f\u00fchren. Viel eher wird der psychische Stress zunehmen, die Gewalt einerseits, und die Flucht in Scheinwelten andererseits. Der Versuch, die Klimavorgaben irgendwie zu umgehen, was bei Auswirkungen auf den Lebensstandard sehr wahrscheinlich ist, f\u00fchrt dann sicherlich zu immer st\u00e4rkeren Gegenma\u00dfnahmen des Staates. Eine neue Form des Fanatismus w\u00fcrde das Leben zus\u00e4tzlich erschweren. Die klimaneutrale Welt k\u00f6nnte sich so letztendlich als eine Dystopie erweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Eine neue, negative Sprache soll die Denkweise so ver\u00e4ndern, dass eine bedrohliche Situation empfunden wird, die nach politischen und technologischen L\u00f6sungen verlangt. 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