{"id":33731,"date":"2024-10-06T11:30:56","date_gmt":"2024-10-06T09:30:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=33731"},"modified":"2024-10-06T16:41:47","modified_gmt":"2024-10-06T14:41:47","slug":"pflegenotstand-und-unbefriedigende-rekrutierungszahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2024\/10\/06\/pflegenotstand-und-unbefriedigende-rekrutierungszahlen\/","title":{"rendered":"PFLEGENOTSTAND UND UNBEFRIEDIGENDE REKRUTIERUNGSZAHLEN"},"content":{"rendered":"\n<p>Trotz starker Zuwanderung kann Deutschland seinen Bedarf an Fachkr\u00e4ften nicht decken. Das hat mehrere Ursachen. Jahrzehntelang wurde das Studium als wichtigster Bildungsweg angesehen, w\u00e4hrend die normale Ausbildung einen niederen Stellenwert hatte. In die H\u00f6rs\u00e4le gelangten so vielfach Menschen, die f\u00fcr ein Studium \u00fcberhaupt nicht geeignet sind. Diese fehlen nun dort, wo der Bedarf zunimmt. Zudem verursachen Renteneintritte immer gr\u00f6\u00dfer werdende L\u00fccken, die auch durch eine millionenfache Migration nicht mehr geschlossen werden k\u00f6nnen. Der Anteil der arbeitenden Zuwanderer ist zu gering. Bei einem nicht unwesentlichen Teil gibt Motivations-, Qualifikations-, Sprach- und Anerkennungsprobleme.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders in der Pflege spitzt sich die Situation immer weiter zu. Das Personal f\u00fchlt sich dort zunehmend &#8222;verheizt&#8220;. Die Bundesregierung hat die Entwicklung zu sp\u00e4t erkannt und wirbt nun in verschiedenen L\u00e4ndern um Fachkr\u00e4fte, und zwar auf den Philippinen, in Vietnam, Indien, Indonesien, Brasilien, Mexiko, Serbien, Kosovo, Bosnien, Herzegowina, Jordanien und Tunesien. Der Fokus bei der Rekrutierung ausl\u00e4ndischer Pflegekr\u00e4fte liegt in Asien, Latein- und S\u00fcdamerika sowie europ\u00e4ischen Staaten, die nicht der EU angeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts von rund 30&#8217;000 offenen Stellen in der Pflege werden die Ergebnisse der staatlichen Programme jedoch als &#8222;v\u00f6llig unbefriedigend&#8220; kritisiert. Sie leisten bisher nur einen kleinen Beitrag zur Deckung des Fachkr\u00e4ftebedarfs. \u00dcber das staatliche Programm &#8222;Triple Win&#8220; wurden im Jahr 2022 nur 463 Pflegefachkr\u00e4fte und 91 Auszubildende vermittelt. In den sechs Jahren von 2013 bis 2018 konnten insgesamt etwa 2500 Pflegekr\u00e4fte aus Nicht-EU-Staaten durch staatliche Programme angeworben werden. Bei genauerer Betrachtung f\u00e4llt die Bilanz der einzelnen Programme sehr unterschiedlich aus. W\u00e4hrend aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Tunesien und den Philippinen zusammen 2385 Kr\u00e4fte kamen, waren es aus China nur 39, und aus Mexiko 85 Menschen. Erfolgreicher sind Anwerbungen \u00fcber private Vermittlungsagenturen und Arbeitgeber. Ihr Anteil wird auf 80 % bis 90 % gesch\u00e4tzt. Insgesamt hat sich die Zahl der angeworbenen ausl\u00e4ndischen Pflegekr\u00e4fte seit 2016 zwar verdreifacht, doch der Bedarf ist weitaus h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht wenige ausl\u00e4ndische Kr\u00e4fte nehmen von der Pflegearbeit in deutschen Seniorenheimen nach ersten Erfahrungen wieder Abstand. H\u00e4ufig sind die Probleme gr\u00f6\u00dfer als zun\u00e4chst vermutet. Beispiel Brasilien: Dort belegt Deutschland als Auswanderungsland f\u00fcr Brasilianer inzwischen Platz 3 hinter den USA und Gro\u00dfbritannien. Viele brasilianische Pflegekr\u00e4fte sehen hier die M\u00f6glichkeit einer sicheren Besch\u00e4ftigung mit guter Bezahlung. Einige hoffen auch auf bessere Bildungsm\u00f6glichkeiten und mehr Sicherheit f\u00fcr ihre Kinder in Deutschland. Doch die sprachlichen H\u00fcrden sind gro\u00df. Obwohl die Pflegekr\u00e4fte Deutschkurse absolvieren, reicht das Sprachniveau B 1 oft nicht f\u00fcr den Arbeitsalltag aus. Brasilianische Pflegekr\u00e4fte sind zudem h\u00e4ufig h\u00f6her qualifiziert und f\u00fcr mehr Aufgaben ausgebildet als in Deutschland \u00fcblich. Dies f\u00fchrt zu Frustrationen, insbesondere wenn der medizinische Teil bei Einsatz in Seniorenheimen aufgrund der Arbeitssituation dann als zus\u00e4tzliche Nebenaufgabe behandelt wird, und trotz h\u00f6herer Qualifikation die einfachen Arbeiten am Pflegeempf\u00e4nger im Vordergrund stehen. Zudem gestaltet sich die Anerkennung der brasilianischen Abschl\u00fcsse oft schwierig und langwierig. Manche brasilianische Pflegekr\u00e4fte berichten von Problemen bei der Integration am Arbeitsplatz und im Alltag. Die urspr\u00fcnglich geplante Anwerbung von bis zu 700 brasilianischen Pflegekr\u00e4ften pro Jahr wurde vorerst ausgesetzt. Die brasilianische Regierung \u00e4u\u00dferte Bedenken bez\u00fcglich eines m\u00f6glichen Fachkr\u00e4ftemangels im eigenen Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun versucht die Bundesregierung gleiches in Tunesien. Einige Pflegekr\u00e4fte von dort arbeiten bereits in Deutschland, jedoch vorwiegend in Krankenh\u00e4usern. Altenheime gehen zumeist leer aus. Tunesische Pflegekr\u00e4fte verf\u00fcgen in der Regel \u00fcber einen Bachelorabschluss in Pflegewissenschaften, wodurch sie besonders f\u00fcr Krankenh\u00e4user geeignet sind. Vor der Einreise nach Deutschland erhalten die Kandidaten Sprachkurse und werden auf das Leben in Deutschland vorbereitet. Die meisten Bewerber erreichen mindestens das Sprachniveau B 1, einige sogar B 2. Auch hier zeichnet sich mittlerweile ab, dass die Zahl der Rekrutierten unter den Erwartungen bleibt und die Seniorenheime von den Anwerbungen kaum profitieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Trotz starker Zuwanderung kann Deutschland seinen Bedarf an Fachkr\u00e4ften nicht decken. Das hat mehrere Ursachen. Jahrzehntelang wurde das Studium als wichtigster Bildungsweg angesehen, w\u00e4hrend die normale Ausbildung einen niederen Stellenwert hatte. 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