{"id":36961,"date":"2025-04-24T23:14:12","date_gmt":"2025-04-24T21:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=36961"},"modified":"2025-04-24T23:14:13","modified_gmt":"2025-04-24T21:14:13","slug":"die-zwei-getrennten-kiefernhaelften-einer-hoehlenhyaene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2025\/04\/24\/die-zwei-getrennten-kiefernhaelften-einer-hoehlenhyaene\/","title":{"rendered":"DIE ZWEI GETRENNTEN KIEFERNH\u00c4LFTEN EINER H\u00d6HLENHY\u00c4NE"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Museum f\u00fcr Naturkunde wurde die Zusammengeh\u00f6rigkeit zweier Unterkieferb\u00f6gen einer H\u00f6hlenhy\u00e4ne festgestellt. Nach Jahrtausenden fanden sie erst im Jahr 2024 wieder zueinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Entdeckt wurden die Fossilien 1874 in der Lindenthaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle im Kreuzungsbereich der heutigen Robert-Blum-Stra\u00dfe und Pfortener Stra\u00dfe in Pforten. Gefunden wurde die H\u00f6hle zuf\u00e4llig bei gr\u00f6\u00dferen Bauma\u00dfnahmen zum Abtrag von Boden und Gestein. Urspr\u00fcnglich bestand sie aus zwei miteinander verbundenen Felsspalten, die durch Verwitterung entstanden waren. Der Name \u201eLindenthaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle\u201c wurde durch die N\u00e4he der H\u00f6hle zur ehemaligen Gastwirtschaft \u201eLindenthal\u201c und durch die zahlreichen darin geborgenen Hy\u00e4nenfossilien vergeben. Die zwei Unterkieferb\u00f6gen einer schon recht alten Hy\u00e4ne waren 1874 auch Teil der Funde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie geh\u00f6ren zu 197 einzelnen Fossilien der H\u00f6hlenhy\u00e4ne aus der Lindenthaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle, die derzeit im Museum f\u00fcr Naturkunde aufbewahrt werden. Z\u00e4hlt man die ersten Molare (hintere Backenz\u00e4hne) der Unterkiefer im heute noch erhaltenen Sammlungsmaterial, so geh\u00f6ren die Fossilien zu mindestens 15 erwachsenen Individuen der H\u00f6hlenhy\u00e4ne. Vor dem Verlust vieler Fossilien durch die Zerst\u00f6rungen des Zweiten Weltkrieges konnten die Hy\u00e4nenfossilien sogar \u00fcber 30 verschiedenen erwachsenen Tieren zugeordnet werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fossilien der H\u00f6hlenhy\u00e4ne beschr\u00e4nken sich vor allem auf lose Z\u00e4hne und Kieferfragmente, dabei mehrheitlich vom Unterkiefer. Dar\u00fcber hinaus sind nur sehr wenige Knochen vorhanden. Die Zusammensetzung und Beschaffenheit dieser Fossilien erkl\u00e4rt sich dadurch, dass die H\u00f6hlenhy\u00e4nen \u201edie Leichen ihrer Anverwandten im eigenen Magen bestatteten\u201c. Insbesondere Jungtiere und alte Tiere wurden nach dem Tod von ihren Artgenossen aufgefressen, auch die Mehrzahl ihrer Knochen. Meist blieben dabei nur die besonders stark verkn\u00f6cherten Unterkiefer \u00fcbrig. Das Tier, zu dem die beiden B\u00f6gen des auseinandergefallenen Unterkiefers geh\u00f6ren, war schon recht alt, denn die Z\u00e4hne waren beim Tod schon sehr abgenutzt. Die Hy\u00e4ne konnte nur noch eingeschr\u00e4nkt fressen und starb so eventuell den Tod durch Verhungern. Vermutlich zerbrach der Unterkiefer im Kinnbereich schon beim Zerlegen des Kadavers durch die Artgenossen in seine zwei H\u00e4lften \u2013 den linken und rechten Unterkieferbogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bergung und das Aufsammeln der Fossilien in und vor der Lindenthaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle erfolgte im Wesentlichen durch den Geraer Lederfabrikanten Gustav Albin Korn (1826 \u2013 1887) und den Theologen sowie Botaniker Dr. Robert Schmidt (1826 \u2013 1890). So wurden die Knochen vorerst privat vereinnahmt und von Korn und Schmidt zu Hause aufbewahrt. Vieles deutet darauf hin, dass jeweils einer der zwei Unterkieferb\u00f6gen getrennt von der anderen H\u00e4lfte aufbewahrt wurde. Auch als die Fossilien nach und nach in die Geologische Landessammlung und in das St\u00e4dtische Museum Gera gelangten, bemerkte niemand, dass die Knochen zusammengeh\u00f6ren. Bis zum Jahresbeginn 2024 waren die Fossilien der Lindenthaler Hy\u00e4nenh\u00f6hle teilweise in der Sammlung des Museums f\u00fcr Naturkunde und in der Sammlung des Stadtmuseums untergebracht. Erst als die Fossilien im Museum f\u00fcr Naturkunde vollst\u00e4ndig zusammengef\u00fchrt wurden, fiel auf, dass beide Unterkieferb\u00f6gen zu einem Unterkiefer einer alten H\u00f6hlenhy\u00e4ne geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der rechte Teil des Kiefers ist bis Ende August 2025 in der Sonderausstellung \u201eGiganten der letzten Eiszeit\u201c im Museum f\u00fcr Naturkunde zu sehen. Im Anschluss ist es ein w\u00fcnschenswertes Ziel, beide Kieferh\u00e4lften sach- und fachgerecht von einem auf Fossilien spezialisierten Pr\u00e4parator zu einem Unterkiefer zusammensetzen zu lassen. Das Ergebnis w\u00e4re sicher ein beeindruckendes Exponat!<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: STADTVERWALTUNG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Im Museum f\u00fcr Naturkunde wurde die Zusammengeh\u00f6rigkeit zweier Unterkieferb\u00f6gen einer H\u00f6hlenhy\u00e4ne festgestellt. Nach Jahrtausenden fanden sie erst im Jahr 2024 wieder zueinander. 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