{"id":38017,"date":"2025-06-29T12:02:27","date_gmt":"2025-06-29T10:02:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=38017"},"modified":"2025-06-30T05:53:28","modified_gmt":"2025-06-30T03:53:28","slug":"friedrich-nietzsche-holzschnitt-auf-velin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2025\/06\/29\/friedrich-nietzsche-holzschnitt-auf-velin\/","title":{"rendered":"FRIEDRICH NIETZSCHE \u2014 HOLZSCHNITT AUF VELIN"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Holzschnitt geh\u00f6rt zu einer losen Folge von &#8222;K\u00f6pfen&#8220;, die der Maler und Graphiker Reinhard Hilker w\u00e4hrend seiner Studienzeit am Bauhaus Weimar ab dem Jahr 1919 schuf.<\/p>\n\n\n\n<p>In wenigen, expressiven, geometrisch-geradlinigen Schnitten gelingt es ihm, die wesentlichen Z\u00fcge des Portr\u00e4tierten Friedrich Nietzsche (1844-1900) herauszuarbeiten. Die druckenden Stege zeigen die inneren Konturen der Gesichtsz\u00fcge des Dargestellten fast schematisch und verst\u00e4rken damit den Ausdruck. Er behauptete selbst, die Arbeit \u201eauf dem Wege des abstrakten Expressionismus hergestellt u. eigenh\u00e4ndig in nur 10 Exemplaren gedruckt\u201d zu haben. Nachdem der Holzschnitt von den K\u00fcnstlern der \u201eBr\u00fccke\u201d und des \u201eBlauen Reiter\u201d zu Beginn des Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, geh\u00f6rte die Technik nun an der Druckwerkstatt des Bauhauses zu den Lehrinhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00fcnstler stammte aus Hagen, wo er bereits von 1914-18 die St\u00e4dtische Gewerbliche Fortbildungsschule (Hagener Malerschule) besucht hatte. F\u00f6rderung erfuhr er vom Hagener M\u00e4zen und Museumsgr\u00fcnder Karl-Ernst Osthaus (1974-1921) und von dem Maler Christian Rohlfs (1849-1938), dessen Atelier sich im Museum Folkwang in Hagen befand.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilker sah in der Werkstatt des Bildhauers Will Lammert (1892-1957) in Hagen das Bauhaus-Manifest mit dem ber\u00fchmten Feininger-Holzschnitt der Kathedrale und konnte mit der Unterst\u00fctzung von Osthaus und der Empfehlung von Rohlfs das Studium am noch jungen Bauhaus in Weimar aufnehmen. In seiner Bewerbung hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIch habe den Wunsch Karikaturenzeichner zu werden und glaube durch Prof. Feininger den erw\u00fcnschten Unterricht zu bekommen.\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Er besuchte den Vorkurs bei Johannes Itten (1888-1967) und lie\u00df sich bei Lyonel Feininger (1871-1956) in der Druckwerkstatt des Bauhauses ausbilden. Am 9. Februar 1920 schrieb er an Elisabeth F\u00f6rster-Nietzsche (1846-1935), der Schwester und Nachlassverwalterin des Philosophen einen Brief mit der Bitte, ihr die Arbeit vorzulegen. Daraus kann geschlossen werden, dass es sich eindeutig um das Blatt \u201eKopf Nietzsche\u201d handelt. Das geschah wohl auch, um weitere Unterst\u00fctzung einzuwerben, denn nach einem Jahr verlie\u00df Hilker Weimar, weil er das Studium nicht weiter finanzieren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Folge der K\u00f6pfe geh\u00f6ren weiterhin Bl\u00e4tter wie Christus, Krieger, Javanerin, Rohlfs, ein Selbstbildnis und weitere Arbeiten. Sie sind Zeugnis f\u00fcr die Kreativit\u00e4t freisetzende Atmosph\u00e4re am Bauhaus in der Zeit der fr\u00fchen Weimarer Republik. Nach Hagen zur\u00fcckgekommen, h\u00e4lt er sich mit dem Zeichnen von Karikaturen und heimatlicher Druckgraphik \u00fcber Wasser, erreicht aber nie wieder die H\u00f6he seines Schaffens in der Jugendzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Blatt kam zusammen mit der Erwerbung eines Konvoluts von Arbeiten Theodor Boglers (1897-1968) und Gerhard Marcks (1889-1981) mit der Unterst\u00fctzung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Th\u00fcringen in unser Haus. Es stammt aus dem Nachlass von Bogler, einem Kommilitonen Hilkers am Weimarer Bauhaus. Sie besuchten gemeinsam den Unterricht bei Itten und Feiniger.<\/p>\n\n\n\n<p>1994 wurde in Gera in der Ausstellung \u201eBl\u00e4tter aus Dornburg\u201d die T\u00e4tigkeit von Marcks und Bogler an der Keramikwerkstatt des Bauhauses in Dornburg\/Saale thematisiert. Hier war dieses Blatt zuletzt unter dem schlichten Titel \u201eGesicht\u201d zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>TEXT: DIRK HOFFMANN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Der Holzschnitt geh\u00f6rt zu einer losen Folge von &#8222;K\u00f6pfen&#8220;, die der Maler und Graphiker Reinhard Hilker w\u00e4hrend seiner Studienzeit am Bauhaus Weimar ab dem Jahr 1919 schuf. 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