{"id":38292,"date":"2025-07-23T16:58:10","date_gmt":"2025-07-23T14:58:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=38292"},"modified":"2025-07-23T16:58:10","modified_gmt":"2025-07-23T14:58:10","slug":"wie-soll-deutschland-auf-die-zu-niedrige-geburtenzahl-reagieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2025\/07\/23\/wie-soll-deutschland-auf-die-zu-niedrige-geburtenzahl-reagieren\/","title":{"rendered":"WIE SOLL DEUTSCHLAND AUF DIE ZU NIEDRIGE GEBURTENZAHL REAGIEREN?"},"content":{"rendered":"\n<p>Erneut hat das Statistische Bundesamt eine Geburtenzahl festgestellt, die weit unterhalb der sogenannten Bestanderhaltungsrate von 2,1 Kindern pro Frau liegt. Zwar hat sich der R\u00fcckgang in den letzten Jahren verlangsamt, doch eine Trendwende ist nicht in Sicht. Im vergangenen Jahr lag die Geburtenzahl bei nur noch 1,35 Kindern je Frau. Bei Frauen mit deutscher Staatsangeh\u00f6rigkeit ist so niedrig wie zuletzt vor 30 Jahren, schreibt die Beh\u00f6rde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus den Daten geht hervor, dass die auf 83,6 Millionen Menschen gestiegene Einwohnerzahl einzig auf die Zuwanderung und die anfangs hohe Geburtenzahl in dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe zur\u00fcckgeht. Ungleichheit, Armut, Perspektivlosigkeit und Verfolgung in anderen L\u00e4ndern scheinen gewisserma\u00dfen lebensnotwendige Voraussetzungen f\u00fcr Deutschland zu sein. Denn ohne die negativen Ausgangsbedingungen f\u00e4nde die Migration nicht statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit zunehmender Aufenthaltsdauer und in den folgenden Generationen sinkt die Geburtenrate von Menschen mit Migrationshintergrund jedoch sehr deutlich auf das niedrige deutsche Niveau. Der demografische Vorteil der Zuwanderung ist demnach kein dauerhafter, sondern ein einmaliger Effekt pro &#8222;Welle&#8220; von Zuwanderung. Es w\u00e4re ein st\u00e4ndiger Zustrom neuer, junger Menschen aus unterentwickelten Regionen n\u00f6tig, um die Bev\u00f6lkerungspyramide zu stabilisieren, mit der Folge immer weiter steigender Einwohnerzahlen. Denn Deutschland produziert gewisserma\u00dfen eine auf dem Kopf stehende Alterspyramide, die sich nicht umkehrt, sondern immer weiter w\u00e4chst. Aus eigener Kraft kann sich die Bev\u00f6lkerung, einschlie\u00dflich der noch hinzukommenden Menschen, an diesem Standort nicht selbst erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sinkende Geburtenzahlen sind auch in den meisten anderen h\u00f6her entwickelten L\u00e4ndern zu beobachten. Sogar Russland k\u00e4mpft gegen den Einwohnerschwund, was darauf hindeutet, dass die Ursachen auf einer Ebene mit vielen \u00dcbereinstimmungen zu finden sind, und nicht allein der Politik zugeschrieben werden k\u00f6nnen. Weltweit sind immer mehr L\u00e4nder betroffen; das Wachstum der Weltbev\u00f6lkerung verlangsamt sich. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche globale Geburtenrate bei etwa 2,2 Kindern pro Frau. F\u00fcr 2025 wird mit etwa 1,9 Kindern pro Frau gerechnet, f\u00fcr 2100 mit 1,7 Kindern. Bis 2025 werden \u00fcber drei Viertel aller L\u00e4nder eine Geburtenrate unterhalb der Bestanderhaltungsrate haben. Im Jahr 2100 wird das voraussichtlich 198 von 204 L\u00e4ndern betreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Regionen mit niedrigem Einkommen, insbesondere in Afrika s\u00fcdlich der Sahara, bleibt die Geburtenrate weiterhin hoch. Prognosen zufolge werden dort bis zum Jahr 2100 mehr als die H\u00e4lfte aller Geburten weltweit stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regierungen reagieren sehr unterschiedlich. Einige versuchen, hohe oder niedrige Geburtenraten mit politischen Ma\u00dfnahmen zu steuern. Der Erfolg ist allerdings begrenzt. Russland, das sich in einer demografischen Krise befindet, will die Geburtenrate durch staatliches Gegensteuern erh\u00f6hen. Es f\u00f6rdert traditionell-patriarchale Familienmodelle, meist verbunden mit einer Ablehnung westlicher Geschlechterpolitik und LGBTQ-Modellen. Dieser Weg wird in Deutschland allerdings als r\u00fcckschrittlich und gef\u00e4hrlich angesehen. Laut Prognosen werden in Russland bis 2030 rund elf Millionen Arbeitskr\u00e4fte fehlen. Doch trotz der bereits laufenden Ma\u00dfnahmen steigt die Fertilit\u00e4tsrate dort nicht \u00fcber das Bestandserhaltungsniveau.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der sinkenden Geburtenrate gehen auch dann dann weitreichende gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen einher, wenn die L\u00f6sung in einer hohen Zuwanderung gesehen wird. Der schnelle ethnische und kulturelle Wandel spaltet die Bev\u00f6lkerung, f\u00fchrt zu einer Fragmentierung der Gesellschaft in einzelne Gruppen und steigert den Frust unter den Neuank\u00f6mmlingen insbesondere dann, wenn das Zielland weder verbindende Ziele noch Perspektiven bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Wahrnehmung vieler M\u00e4nner mit Migrationshintergrund, die aus L\u00e4ndern mit hohen Geburtenraten kommen, liegt die Ursache f\u00fcr ihre Zur\u00fcckhaltung darin, dass bei einer Scheidung \u201edie Frau alles bekommt\u201c und das System Frauen beg\u00fcnstigt. Das Risiko \u201ealles zu verlieren\u201c wolle man in Staaten, die keine hohen H\u00fcrden f\u00fcr Scheidungen haben, nicht eingehen. Als weitere wesentliche Faktoren werden die ver\u00e4nderten sozialen Rollen, die hohe Erwerbst\u00e4tigkeit von Frauen und die Entscheidungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein autonomes Leben genannt. Der Mann sieht sich benachteiligt, wenn die Frau eine Trennung erwirkt und sie die Kinder mitnimmt. In den meisten Industriestaaten ist der Elternteil, bei dem das Kind nicht \u00fcberwiegend lebt, gesetzlich zur Zahlung von Kindesunterhalt verpflichtet. In traditionell gepr\u00e4gten oder muslimisch dominierten Regionen gibt es derartige Regelungen nicht und es herrschen andere Vorstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland soll die Geburtenrate durch Ma\u00dfnahmen erh\u00f6ht werden, die zu den herrschenden Wertevorstellungen passen. Dazu geh\u00f6rt die finanzielle Unterst\u00fctzung, eine verbesserte Kinderbetreuung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Aufwendungen daf\u00fcr sind allerdings hoch und k\u00f6nnten infrage gestellt werden, wenn sich die finanziellen Priorit\u00e4ten ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Einzelne Stimmen bef\u00fcrworten sogar die gezielte politische Steuerung einer geordneten Bev\u00f6lkerungsschrumpfung. Einen solchen Prozess system- und gesellschaftsvertr\u00e4glich zu gestalten, ist jedoch eine noch gr\u00f6\u00dfere Herausforderung. N\u00f6tig w\u00e4ren gezielte, koordinierte Strategien, die \u00fcber reines Wachstum hinausdenken und eine umfassende Integration sozialer, \u00f6konomischer und r\u00e4umlicher Faktoren anstreben. Die Politik m\u00fcsste eine vorausschauende Planung beginnen, die sowohl die M\u00f6glichkeiten der Schrumpfung nutzt als auch Anpassungen an ver\u00e4nderte demografische Strukturen erm\u00f6glicht. Eine sinkende Bev\u00f6lkerungszahl wirkt sich unter anderem auf die Versorgung mit Infrastruktur und Dienstleistungen aus. Vieles m\u00fcsste reduziert werden, was in der Wirtschaft keinen Zuspruch finden wird. Denn diese basiert auf traditionellen Wachstumsmodellen, die bei r\u00fcckl\u00e4ufigen Verbraucherzahlen zusammenbrechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Erneut hat das Statistische Bundesamt eine Geburtenzahl festgestellt, die weit unterhalb der sogenannten Bestanderhaltungsrate von 2,1 Kindern pro Frau liegt. 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