{"id":38502,"date":"2025-08-11T10:57:49","date_gmt":"2025-08-11T08:57:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=38502"},"modified":"2025-08-11T10:57:50","modified_gmt":"2025-08-11T08:57:50","slug":"ein-harter-kerl-im-doppelpack","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2025\/08\/11\/ein-harter-kerl-im-doppelpack\/","title":{"rendered":"EIN HARTER KERL IM DOPPELPACK"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein finsterer Bursche scheint das zu sein mit seinem kantigen, vorgeschobenen Kinn und dem stechend scharfen, bedrohlich wirkenden Blick unter wulstig-gew\u00f6lbten Brauen. Eine Zigarette l\u00e4ssig zwischen den Lippen schaukelnd, das Haar glatt zur\u00fcck gegelt, im geschniegelten Anzug mit schmalem Binder erinnert er an amerikanische Gangsterbosse der Prohibitionszeit in den 1920er und 1930er Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dargestellte auf diesem steckbriefartigen Blatt ist niemand anderes als Otto Dix, der sich in seiner Radierung von 1922 als harter Kerl inszeniert. Er sagte von sich: \u201eEntweder werde ich ber\u00fcchtigt oder ber\u00fchmt\u201c \u2014 am Ende ist er beides geworden. Als Arbeiterkind, dem seine Karriere nicht in die Wiege gelegt war, versuchte er den Spagat zwischen dem Stolz auf seine Herkunft aus einem Proletarierhaushalt und der Anpassung an das gro\u00dfb\u00fcrgerliche Milieu, in das er eingeheiratet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinen Werken der 1920er Jahre entwickelte Dix eine ganz eigene, unverwechselbare Handschrift mit fest umrissenen, plastischen Formen von harter Pr\u00e4zision. Dabei steigerte er den Ausdruck zu Gunsten einer pr\u00e4zisen und \u00fcberscharfen Erfassung der Details. Mit unbestechlichem Auge erfasste er die Schw\u00e4chen und Unzul\u00e4nglichkeiten seiner Modelle. Es galt ihm, das Wesen des Portr\u00e4tierten darzustellen, indem er die charakteristischen Z\u00fcge seines Modells transformierte bzw. gar deformierte. Diese \u00dcberh\u00f6hungen wirken in ihrer Dominanz wie die verzerrende Vergr\u00f6\u00dferung einer Lupe: das Wesentliche wird herausgehoben, das Nebens\u00e4chliche vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Foto zeigt Otto Dix\u2018 Selbstbildnis gewisserma\u00dfen im Doppelpack: rechts sieht man die Druckplatte \u2013 eine Zinktafel, in die Dix mit einer Radiernadel die Konturen hineingeritzt hat. Diese Radierplatte wird eingef\u00e4rbt und die \u00fcbersch\u00fcssige Farbe auf der Oberfl\u00e4che mit einem Lappen abgewischt, so dass die Farbe nur in den Vertiefungen haften bleibt. Anschlie\u00dfend wird ein angefeuchtetes Papier auf die Druckplatte gepresst, wodurch die Farbe aus den Vertiefungen herausgesaugt wird und so seitenverkehrt auf dem Abzug erscheint, der hier links zu sehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese und weitere Werke sind noch bis zum 14. September 2025 in der Sonderausstellung \u201eDie neue Sachlichkeit, das habe ich erfunden\u201c \u2014 Otto Dix und Zeitgenossen im Otto-Dix-Haus Gera zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>TEXT: CLAUDIA SCH\u00d6NJAHN, WISSENSCHAFTLICHE MITARBEITERIN IN DER KUNSTSAMMLUNG GER<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ein finsterer Bursche scheint das zu sein mit seinem kantigen, vorgeschobenen Kinn und dem stechend scharfen, bedrohlich wirkenden Blick unter wulstig-gew\u00f6lbten Brauen. 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