{"id":38602,"date":"2025-08-20T13:13:06","date_gmt":"2025-08-20T11:13:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=38602"},"modified":"2025-08-20T13:13:07","modified_gmt":"2025-08-20T11:13:07","slug":"ein-mineral-aus-der-todesdruse-von-beerwalde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2025\/08\/20\/ein-mineral-aus-der-todesdruse-von-beerwalde\/","title":{"rendered":"EIN MINERAL AUS DER \u201eTODESDRUSE\u201c VON BEERWALDE"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Objekt des Monats August 2025 aus dem Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Exemplar des Minerals Baryt aus Ostth\u00fcringen mit einer tragischen Begleitgeschichte. Es kann in der st\u00e4ndigen Ausstellung des Museums stets besichtigt werden und mancher Besucher hat sich sicher schon beim Lesen der Objektbeschriftung gefragt, was wohl die Fundortangabe \u201eTodesdruse\u201c bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sehr attraktiven, tafeligen und gelb-braunen Baryt-Kristalle, die mit diesem Fundetikett versehen sind, wurden 1983 im Bereich der 360-Meter-Sohle des Bergbaubetriebes Beerwalde der Uranlagerst\u00e4tte Ronneburg gefunden. Sie befanden sich in einer zirka anderthalb Meter breiten, anderthalb Meter tiefen und zwei Meter hohen Druse. Dieser nat\u00fcrliche Hohlraum, der mit den bis zu 15 Zentimeter gro\u00dfen Kristallen \u201eausgekleidet\u201c war, hatte f\u00fcr die Uranerzlagerst\u00e4tte Ronneburg eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Gr\u00f6\u00dfe. Der Anblick der ger\u00e4umigen Kristalldruse war sicher \u00fcberw\u00e4ltigend und wirkte in der sonst dunklen und schwarzen Umgebung des Arbeitsalltags untertage geradezu m\u00e4rchenhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb der folgenden 24 Stunden nach der Entdeckung der Druse muss der Steiger Tilo P., der eigentlich im Bereich der 270-Meter-Sohle besch\u00e4ftigt war, von dem aufsehenerregenden Fund geh\u00f6rt haben. Entweder von der Neugier gepackt, oder um sich vor dem Zugriff anderer noch Kristalle aus dieser Druse zu sichern, ist er in die Druse hineingetreten. Dort ist er dann aber von herabfallenden Gesteinsbrocken getroffen worden. Erst Stunden sp\u00e4ter am Ende der Schicht wurde der nicht ausgefahrene Bergmann vermisst und nach der Suche schwerverletzt gefunden. An den Folgen dieses Unfalls verstarb er kurz darauf im Krankenhaus. Seitdem tr\u00e4gt dieser spektakul\u00e4re Kristall-Hohlraum unter Mineraliensammlern die Bezeichnung \u201eTodesdruse\u201c, so wie durch andere Umst\u00e4nde im Erzgebirge z. B. die \u201eErdbeerdruse\u201c und die \u201eWasserdruse\u201c bekannt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Generaldirektion der SDAG Wismut im damaligen \u201eKarl-Marx-Stadt\u201c wurde informiert und verf\u00fcgte offiziell die Bergung von Mineralstufen. Jedoch ist wegen des schrecklichen Ungl\u00fccks die Kristalldruse zeitnah mit Spritzbeton verf\u00fcllt worden. Bevor das geschah, m\u00fcssen offensichtlich auch viele Personen illegal die begehrten Kostbarkeiten geborgen haben. Zum Teil nach dem sie noch Wochen untertage deponiert wurden, kamen die Fundst\u00fccke erst ans Tageslicht, als etwas \u201eGras \u00fcber die Sache gewachsen war\u201c. Trotzdem wurden auch Wismut-Besch\u00e4ftigte beim illegalen Abtransport von Mineralstufen aus dieser Druse ertappt und ihre Baryt-Kristalle beschlagnahmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Erworben wurde dieses beeindruckende Exemplar eines \u201eTodesdrusen-Baryts\u201c vom Museum f\u00fcr Naturkunde im Jahr 1992. Wie es 1983 aus dem Bergbaubetrieb Beerwalde herausgeschleust wurde, ist nicht bekannt. In der DDR-Zeit gelangten wegen des Sammelverbots fast gar keine Mineralien der Uranlagerst\u00e4tte Ronneburg in die Sammlung des Museums. Bergleute, die dennoch untertage Mineralien sammelten und mit nach Hause nahmen, setzten sich einem gewissen Risiko aus und sammelten eher zur\u00fcckgezogen ohne gro\u00dfes Aufsehen. Selbst gef\u00e4lschte Fundortzettel wurden f\u00fcr den Fall einer Haus- bzw. Wohnungsdurchsuchung geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands konnte das Museum f\u00fcr Naturkunde Gera eine umfangreiche Sammlung Ronneburger Mineralien anlegen. Etwa 750 Objekte umfasst aktuell die Kollektion. Der Baryt aus der \u201eTodesdruse\u201c ist sicherlich ein Glanzst\u00fcck darin und mittlerweile verf\u00fcgt das Museum sogar insgesamt \u00fcber f\u00fcnf Exemplare dieser Art. Sie werden als bedeutendes naturkundliches Erbe aus Ostth\u00fcringen f\u00fcr die kommenden Generationen sach- und fachgerecht aufbewahrt und dar\u00fcber hinaus nat\u00fcrlich auch teilweise ausgestellt. Die Sch\u00f6nheit der Kristalle l\u00e4sst die schrecklichen Umst\u00e4nde ihrer Entdeckung fast vergessen machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Objekt des Monats August 2025 aus dem Museum f\u00fcr Naturkunde ist ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Exemplar des Minerals Baryt aus Ostth\u00fcringen mit einer tragischen Begleitgeschichte. Es kann in der st\u00e4ndigen Ausstellung des Museums stets besichtigt werden <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2025\/08\/20\/ein-mineral-aus-der-todesdruse-von-beerwalde\/\" title=\"EIN MINERAL AUS DER \u201eTODESDRUSE\u201c VON BEERWALDE\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":2,"featured_media":38603,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":{"0":"post-38602","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-regionalkunde"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38602"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38602\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38604,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38602\/revisions\/38604"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media\/38603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}