{"id":39231,"date":"2025-09-27T14:36:43","date_gmt":"2025-09-27T12:36:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=39231"},"modified":"2025-09-28T15:34:23","modified_gmt":"2025-09-28T13:34:23","slug":"ein-stummer-zeuge-des-seegefechts-von-eckernfoerde-1849","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2025\/09\/27\/ein-stummer-zeuge-des-seegefechts-von-eckernfoerde-1849\/","title":{"rendered":"EIN STUMMER ZEUGE DES SEEGEFECHTS VON ECKERNF\u00d6RDE 1849"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Sonderausstellung \u201eDas bedeutet Krieg! Stadt und Menschen in bewaffneten Konflikten\u201c endet am 19. Oktober 2025.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schwer und von unregelm\u00e4\u00dfigen Kanten durchzogen \u2013 das Fragment einer Kanonenkugel wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch tats\u00e4chlich erz\u00e4hlt es von Feuer, Rauch und Donner auf der Ostsee: Es stammt vom d\u00e4nischen Linienschiff \u201eChristian VIII.\u201c, das im Schleswig-Holsteinischen Krieg unterging. In diesem Relikt verdichten sich die Spuren einer Zeit, in der m\u00e4chtige Schiffe und donnernde Gesch\u00fctze den Ausgang von Schlachten bestimmten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen 1848 und 1851 kam es in Schleswig und Holstein zu den ersten milit\u00e4rischen Konflikten, die sp\u00e4ter als Schleswig-Holsteinischer Krieg in die Geschichte eingingen. Zwar standen sowohl Schleswig als auch Holstein unter der Herrschaft der d\u00e4nischen Krone, doch deutsche Nationalisten erhoben sich gegen D\u00e4nemark und verlangten, Schleswig in den Deutschen Bund einzugliedern. Unterst\u00fctzung erhielten sie von Preu\u00dfen und weiteren deutschen Staaten \u2013 unter ihnen auch das F\u00fcrstentum Reu\u00df j\u00fcngerer Linie. Erste Erfolge lie\u00dfen nicht lange auf sich warten, etwa in der Schlacht bei Eckernf\u00f6rde, von der das Fragment der Kanonenkugel noch heute still erz\u00e4hlt. Neben diesem Zeugnis der K\u00e4mpfe bewahrt das Stadtmuseum auch Briefe von Ernst Voigt, der in der reu\u00dfischen Armee diente. In seinen Notizen schilderte er die Schlacht eindrucksvoll. Er schrieb:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Am sechsten Tag zogen wir weiter Richtung Osten, bis nach Eckernf\u00f6rde. [\u2026] Nach drei Tagen h\u00f6rten wir pl\u00f6tzlich Kanonensch\u00fcsse \u2013 der Feind war im Anmarsch! Wir eilten nach Eckernf\u00f6rde und sahen dort sieben d\u00e4nische Kriegsschiffe vor Anker liegen. In dieser Nacht schliefen wir im Freien, und am n\u00e4chsten Morgen begann die Schlacht. Es donnerte und krachte von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags. Doch am Ende siegten wir! Die D\u00e4nen flohen, und eines ihrer gr\u00f6\u00dften Schiffe, die \u201eChristian VIII.\u201c, explodierte am Abend mit etwa 200 Mann an Bord. Ein weiteres Schiff die \u201eGefion\u201c, ergab sich, und wir nahmen 900 Gefangene.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auch eine Lithographie der Vernichtung des Linienschiffes \u201eChristian VIII.\u201c am 5. April 1849 geh\u00f6rt zur Sammlung des Stadtmuseums. Im Vordergrund zeigt sie die gewaltige Explosion, die das Schiff auseinanderrei\u00dft; im Hintergrund ist ein weiteres Segelschiff zu erkennen, bei dem es sich vermutlich \u2013 wie von Ernst Voigt erw\u00e4hnt \u2013 um die \u201eGefion\u201c handelt. Die Lithographie vermittelt eindrucksvoll, wie das dramatische Ereignis im 19. Jahrhundert wahrgenommen und visuell festgehalten wurde. Daneben steht das Fragment der Kanonenkugel als materielles Zeugnis des historischen Geschehens.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>1851 mussten die Schleswig-Holsteiner auf internationalen Druck ihre Waffen niederlegen, D\u00e4nemark behielt die Herzogt\u00fcmer \u2013 doch der Konflikt blieb ungel\u00f6st. Als D\u00e4nemark Schleswig mit der Novemberverfassung von 1863 enger an sich binden wollte, reagierten Preu\u00dfen und \u00d6sterreich mit einer Kriegserkl\u00e4rung. Diesmal waren die deutschen Truppen moderner ausger\u00fcstet: Nach der Eroberung der Insel Alsen durch die Preu\u00dfen und des gesamten j\u00fctl\u00e4ndischen Festlands durch \u00d6sterreich musste D\u00e4nemark seine Niederlage eingestehen. Im Wiener Frieden vom 30. Oktober 1864 wurden Schleswig und Holstein schlie\u00dflich abgetreten und gemeinschaftlich von Preu\u00dfen und \u00d6sterreich verwaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch bis zum 19. Oktober 2025 ist das Fragment in der Sonderausstellung \u201eDas bedeutet Krieg! Stadt und Menschen in bewaffneten Konflikten\u201c zu sehen, ehe es in die Dauerausstellung des Stadtmuseums zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>TEXT: TABEA HASAN, STADTMUSEUM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die Sonderausstellung \u201eDas bedeutet Krieg! Stadt und Menschen in bewaffneten Konflikten\u201c endet am 19. Oktober 2025. Schwer und von unregelm\u00e4\u00dfigen Kanten durchzogen \u2013 das Fragment einer Kanonenkugel wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. 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