{"id":4231,"date":"2018-07-08T12:13:40","date_gmt":"2018-07-08T10:13:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=4231"},"modified":"2018-07-08T12:26:26","modified_gmt":"2018-07-08T10:26:26","slug":"demokratie-wofuer-entscheidet-sich-die-mehrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2018\/07\/08\/demokratie-wofuer-entscheidet-sich-die-mehrheit\/","title":{"rendered":"DEMOKRATIE \u2013 WOF\u00dcR ENTSCHEIDET SICH DIE MEHRHEIT?"},"content":{"rendered":"<p>Die Demokratie gilt als die beste Staatsform, steht aber aus Sicht warnender Beobachter vor einer gro\u00dfen Belastungsprobe. Ausgehend von den politischen R\u00e4ndern gebe es eine neue Entwicklung, bei der die gro\u00dfen Parteien langsam aber stetig an Einfluss verlieren. Ursache sei der zunehmende Vertrauensverlust. Doch was folgt danach? Werden wir Zeugen einer Wiederholung der Geschichte, aus der die Menschen nichts gelernt haben?<\/p>\n<p>Dar\u00fcber wird derzeit h\u00e4ufig nachgedacht und so mancher kommt dabei zu dem Schluss, die Staatsform wechselt \u00fcber einen langen Zeitraum betrachtet systematisch von einer Auspr\u00e4gung in die n\u00e4chste, und jede hat nur eine bestimmte Bestandsdauer. Die Bed\u00fcrfnisse der Menschen und deren S\u00e4ttigung entscheiden letzten Endes, was wann zum Tragen kommt. Die Demokratie sei eine Staatsform, die in der Regel nach einer schwierigen Epoche, einer Zeit der Entbehrungen oder Unterdr\u00fcckung, favorisiert wird. Sie erlebe ihren H\u00f6hepunkt, wenn die Grundbed\u00fcrfnisse befriedigt sind, man Sicherheit f\u00fcr die eigene Zukunft empfindet und keine schnellen Entscheidungen treffen muss. Voraussetzung f\u00fcr das Fortbestehen der gegenw\u00e4rtigen Epoche sei also ein gewisser Wohlstand, in dem man es sich leiste, mehrere Entscheidungsebenen aufzubauen und viele Menschen in die Prozesse einzubinden. Solange der Wohlstand gehalten werden kann, die Probleme marginal bleiben und die positiven Aussichten \u00fcberwiegen, werde diese Staatsform Bestand haben und kaum angezweifelt.<\/p>\n<p>Doch verschlechtert sich auch nur der Ausblick, \u00e4ndert sich auch die Haltung der Menschen \u2013 beginnend in den unteren sozialen Schichten. Das beh\u00e4bige System der vielen parlamentarischen Entscheider wird angezweifelt. Je weiter die Probleme in ihrer Entwicklung den Entscheidungen voraus sind, je l\u00e4nger die l\u00e4nger die Entscheidungen auf sich warten lassen, desto heftiger die Kritik. Nun kommt es zu einer &#8222;unerwarteten&#8220; Wendung in der \u00dcberzeugung. Die einen fordern Volksabstimmungen und die Reduzierung der Parlamente, die anderen ein autokratisches System, in dem nur eine Person das Sagen hat und die Entscheidungswege deshalb sehr viel k\u00fcrzer sind. In schwierigen Zeiten k\u00f6nne so viel schneller reagiert werden, lautet das Argument an den Stammtischen.<\/p>\n<p>Die Demokratie habe sich sowieso langsam zu einer Plutokratie entwickelt, wird zunehmend behauptet. Als die Probleme noch nicht so bedrohlich nah waren, habe kaum einer von der schleichenden Wandlung Notiz genommen. Doch nun, da sich wichtige Entscheidungen nicht mehr lange aufschieben lassen und getroffen werden m\u00fcssen, merken die Menschen, dass sie kaum noch etwas bewegen k\u00f6nnen und andere es sind, die den Weg vorgeben, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Welche Dynamik k\u00f6nnte sich hieraus entwickeln? Blicken wir sehr weit zur\u00fcck auf die Anf\u00e4nge. Schon vor langer Zeit setzte man sich mit dem Staat und seinem Werdegang auseinander. In den oberen Schichten galt die Demokratie urspr\u00fcnglich nicht als erstrebenswert. Als sie dann doch eingef\u00fchrt wurde, schloss man bestimmte Personengruppen von der Mitbestimmung aus, und zwar jene niederen Ranges. Der ber\u00fchmte Denker des Abendlandes, Platon, ordnete die Demokratie den schlechten Staatsformen zu. Als gut erachtete er die Herrschaft der Gebildeten und definierte hier verschiedene Varianten und eine Idealform. Die Demokratie wurde f\u00fcr schlecht befunden, weil hier die Mehrheit entscheidet. Jene sei mehrheitlich ungebildet, kaum sittlich moralisch fundiert und w\u00fcrde sich den Staat zur Beute machen. Die Stimme des P\u00f6bels bek\u00e4me mehr Gewicht als die der Gebildeten, glaubte Platon. Und dieser P\u00f6bel w\u00fcrde f\u00fcr die Demagogen stimmen. Jene gelangen an die Macht, weil sie die meisten Leute mit niedrigen Instinkten mobilisieren k\u00f6nnen. Sie werden immer einflussreicher und geraten in Konflikt mit den Aristokraten, mit den Gebildeten und moralisch fundierten. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit der Folge, dass sich ein Mob bildet, der seine Stimme einer radikaleren Leitfigur schenkt \u2013 dem Tyrannen, der dann eine neue Staatsform einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Bef\u00fcrchtungen gibt es auch heute, weshalb man auf h\u00f6herer Ebene der gegenw\u00e4rtigen Entwicklung bange entgegensieht. Und doch scheint es ein Muster zu geben, dem wir unwissentlich folgen, weil wir die verschiedenen Perioden nicht aus eigener Perspektive \u00fcberblicken k\u00f6nnen. G\u00e4be es diese M\u00f6glichkeit, w\u00fcrde man den Staat vielleicht als eine Art lebenden Organismus betrachten, der sich, je nachdem wie die Bedingungen sind, \u00e4ndert, umorganisiert und bei gutem Auskommen auch schwerf\u00e4llig werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Die Demokratie gilt als die beste Staatsform, steht aber aus Sicht warnender Beobachter vor einer gro\u00dfen Belastungsprobe. 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