{"id":4328,"date":"2018-07-22T17:10:34","date_gmt":"2018-07-22T15:10:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=4328"},"modified":"2018-07-22T18:12:05","modified_gmt":"2018-07-22T16:12:05","slug":"1930-das-aelteste-haus-der-stadt-gera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2018\/07\/22\/1930-das-aelteste-haus-der-stadt-gera\/","title":{"rendered":"1930: \u00dcBER DAS \u00c4LTESTE HAUS DER STADT GERA"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Schreibersche Haus ist das \u00e4lteste in Gera und beherbergt heute das Museum f\u00fcr Naturkunde. Die Heimatbl\u00e4tter ver\u00f6ffentlichten im Jahre 1930 folgende geschichtliche Abhandlung des damaligen Stadtarchivars Ernst Paul Kretschmer.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ein neuer Fund zur Ge\u017fchichte des \u00e4lte\u017ften Hau\u017fes der Stadt Gera.<\/strong><\/p>\n<p>Es war ein Schreckenstag gewe\u017fen \u2013 der 20. M\u00e4rz 1686!<br \/>\nZwei Drittel der oberen Stadt waren durch \u201eVerwahrlo\u017fung eines Brandes\u201c, der an der Ecke des Johannisplatzes zur Johannis\u017ftra\u00dfe ent\u017ftanden war, ein Opfer der Flammen geworden. Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig \u017fchnell erholte \u017fich die Vater\u017ftadt! Bereits 1688 i\u017ft die Mehrzahl der Brand\u017ft\u00e4tten wieder bebaut. Damals wurde auch auf der H\u00f6he des St. Niklasberges das alte Haus errichtet, das nach \u017feinem letzten b\u00fcrgerlichen Be\u017fitzer (1847) Schreiber\u017fches Haus genannt wurde, und als einziges Wohnhaus innerhalb der Ringmauer mit einigen Hintergeb\u00e4uden in der Weidai\u017fchen Ga\u017f\u017fe den Gro\u00dfen Stadtbrand vor 150 Jahren \u00fcberdauerte, der 784 H\u00e4u\u017fer innerhalb weniger Nachmittags\u017ftunden am Montag, den 18. September, vernichtete. Das Haus i\u017ft mit den \u00e4lte\u017ften teilen des Rathau\u017fes und der Stadtapotheke heute Geras \u00e4lte\u017ftes Wohngeb\u00e4ude. Vom Vorplatze des Hau\u017fes \u00fcber\u017fchaut man in fe\u017f\u017felndem Bilde die alte Lange Ga\u017f\u017fe (Gr. Kirch\u017ftra\u00dfe) und die we\u017ftlichen, unteren Stadtteile Geras. Und wer jemals im Monden\u017fcheine die alte Lange Ga\u017f\u017fe hinaufwanderte, der wird \u017fich mit einem gewi\u017f\u017fen Zauber Raumwirkungen hingeben k\u00f6nnen, wie \u017fie wohl nur in alten St\u00e4dtchen noch anzutreffen \u017find \u2013<\/p>\n<p>\u201eMond\u017fchein und Giebeld\u00e4cher in einer alten Stadt \u2013<br \/>\nIch wei\u00df nicht, warum der Anblick mich \u017ftets ergriffen hat!\u201c \u2013<\/p>\n<p>Man \u017fieht dann, wie die H\u00e4u\u017ferw\u00e4nde nach dem Nikolaiberge enger zu\u017fammenr\u00fccken, und vor dem Jahre 1896 wurde die\u017fer Eindruck noch ver\u017ft\u00e4rkt durch das Vorhanden\u017fein kleiner H\u00e4u\u017fer an der Stelle der jetzigen pomp\u00f6\u017fen, in den Einzelformen kleinlichen Freitreppe. Mit der zwi\u017fchen 1717\/20 errichteten Salvatorkirche, dem guten Bei\u017fpiel eines gem\u00e4\u00dfigten, echt b\u00fcrgerlichen Barocks, das und nach dem gro\u00dfen Brande Geras verdienter Ratsbaumei\u017fter Johann Gottfried Dicke treu zu bewahren wu\u00dfte, bildet das alte Schreiber\u017fche Haus, von den \u00e4lte\u017ften Geraern auch \u201eStadtgericht\u201c genannt, mit \u017feinen \u017fchiefergedeckten, ma\u017f\u017fig wirkenden, beider\u017feits tief herabgezogenen Schieferdach und den Kr\u00fcppelwalmen im We\u017ften und O\u017ften die notwendige Erg\u00e4nzung zum Bau der Kirche. Als altes Freihaus im Mittelalter errichtet und bis in die Zeiten des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges vom reu\u00dfi\u017fchen Lehnsadel bewohnt, wurde der weitl\u00e4ufige Bau also 1686 ein Raub der Flammen. Unter Verwendung alter Bauteile aus der Renai\u017f\u017fancezeit des 16. Jahrhunderts wurde damals das alte Haus, \u017fo wie es \u017fich uns heute noch zeigt, im Jahre 1688 durch den Kauf- und Handelsherrn Georg Perner errichtet. Der Bau mag Auf\u017fehen in der kleinen Stadt erregt haben. Die mit Stuck reichlich verzierten Innenw\u00e4nde \u2013 Spuren davon sind noch heute erhalten \u2013 m\u00f6gen damals die Augen aller auf den Bau gerichtet haben. Und \u017fo unternimmt es 1688 ein Alumnus un\u017ferer alten Landes\u017fchule, ein Sch\u00fcler des Gymna\u017fiums, den Bau in allen Einzelheiten im Stile der Zeit in einer wohlgemeinten Reimerei zu \u017fchildern. Heinrich Elias Hundertmarck aus Loben\u017ftein war dem in Leipzig reich beg\u00fcterten Kauf- und Handelsherrn Perner zu gro\u00dfem Danke verpflichtet. Vielleicht war der Z\u00f6gling Stipendiat der Familie. Der Hausherr lie\u00df, wohl f\u00fcr \u017feine Familie und die Ge\u017fch\u00e4ftsfreunde, das verfertigte Gedicht bei Wolffgang Adrian Werther 1688 drucken, und \u017fo kam die Nachricht davon auf un\u017fere Zeit. Die \u017fchw\u00fcl\u017ftige Widmungs\u00fcber\u017fchrift i\u017ft ge\u017fchmackvoll auf eine ganze Folio\u017feite verteilt. Ich gebe \u017fie hier im Zeilenverbande wieder! Man lie\u017ft da:<\/p>\n<p>Entwurf und Abbildung des von dem Edlen Gro\u00df-Achtbaren und Wohl-F\u00fcrnehmen Herrn, Herrn Gottfried Perner, ber\u00fchmten Handelsherrn in Leipzig und Gera neb\u017ft Seiner Jetztvertrauten Ehelieb\u017ften Frauen Annen gebornen Buttermannin in Gottes Nahmen mit gro\u00dfen Ko\u017ften wohl und zierlich aufgef\u00fchrten Baues auf dem St. Niclas Berg allhier in Gera aus \u017fchuldig\u017fter Obliegenheit und zum Zeichen einiger Dankbarkeit vor \u017fo vielf\u00e4ltig und nicht genug zu verdankende geno\u017f\u017fene Gutthaten mit fl\u00fcchtigen Kiel abgefa\u017f\u017fet und \u00fcberreichet von Heinrich Elias Hundertmarck von Loben\u017ftein<\/p>\n<p>p. t. illustr. Ruthenei Alumno. Gera, druckts Wolffgang Adrian Werther 1688<\/p>\n<p>Das Poem hat folgenden Wortlaut:<\/p>\n<p>Sowohl die Men\u017fchliche als G\u00f6ttliche Ge\u017fchichte<br \/>\nBerichten insge\u017famt mit hellem Wahrheits Lichte,<br \/>\nWie mancher \u017fch\u00f6ne Bau durch kluge K\u00fcn\u017fteley<br \/>\nAn dem und jenem Ort verfertigt worden \u017fey.<br \/>\nWie herrlich war der Bau, den Salomo auff\u00fchrte<br \/>\nVon theuren Cedern Holtz, den er \u017fo pr\u00e4chtig zierte<br \/>\nMit hellen Silber-Schmuck und Edler Steine Glantz,<br \/>\nMit blanker Goldes Pracht, umgeben gar und gantz!<br \/>\nDer kluge Beroald hat durch begr\u00fcntes Loben<br \/>\nEin, \u017feines Freundes Hau\u00df, bi\u00df an die Stern erhoben,<br \/>\nWie \u017folches an der Lu\u017ft  und Zier und Malerey<br \/>\nDen anderen \u017feiner Zeit weit vorgegangen \u017fey.<br \/>\nEs hat ein Pytheas mit \u017fanfften Pin\u017fels-Haaren<br \/>\nIn Achelaus Hau\u00df die Zimmer \u00fcberfahren.<br \/>\nMit \u017folchen lauten Ruhm, da\u00df mancher frembder Mann<br \/>\nDi\u00df \u017fch\u00f6ne Hau\u00df zu \u017feh&#8217;n bei \u017fich bald Luft gewann.<br \/>\nUnd, Lieber, r\u00fchmet nicht Frau Fama noch jetzunder<br \/>\nDie Trutze der Natur, die Welt geprei\u00dften Wunder!<br \/>\nWas wird doch gleich wie \u017fie wohl \u017ftehen jederzeit<br \/>\nGe\u017fchrieben in das Buch der grei\u017fen Ewigkeit.<br \/>\nNoch mancher \u017fch\u00f6ne Bau k\u00f6nnt zu Papiere kommen,<br \/>\nWenn \u017fich der \u017fchwache Kiel dergleichen f\u00fcrgenommen.<br \/>\nNur einen eintzigen von nicht geringen Schein<br \/>\nL\u00e4\u00dft er vor die\u017femahl \u017fich anbefohlen \u017fein.<br \/>\nEs wollen, Werth\u017fter Mann, Herr Perner! meine<br \/>\nSchrifften<br \/>\nIhm zur Un\u017fterblichkeit ein Denck- und Danck-Mahl \u017ftifften.<br \/>\nEr nehme g\u00fcn\u017ftig an, was meine Pflicht ablegt,<br \/>\nMir bleibt die Dankbarkeit auf ewig eingepr\u00e4gt;<br \/>\nSolt ich des Hau\u00dfes Lob, wie \u017fichs geziemet, prei\u00dfen,<br \/>\nSo m\u00fc\u00dfte meine Fau\u017ft von \u017ftarken Stahl und Ei\u017fen,<br \/>\nDer weiche Feder-Kiel von harten Demant Stein,<br \/>\nDas fl\u00fc\u00df&#8217;ge Dinten-Na\u00df die Hippocrene \u017feyn.<br \/>\nEr hat das \u017fch\u00f6ne Werk mit Klugheit aufgef\u00fchret<br \/>\nUnd auf das ko\u017ftbar\u017fte mit Sch\u00f6nheit ausgezieret.<br \/>\nAn welchen Ort man nur die hellen Augen kehrt,<br \/>\nF\u00e4llt nichts in ihren Schein, als was das Lob vermehrt.<br \/>\nEs i\u017ft der tief\u017fte Grund von Steinen fe\u017ftgeleget,<br \/>\nDer die\u017fen ganzen Bau auf breiten Schuldern tr\u00e4get.<br \/>\nDie W\u00e4nde \u017ftehen da in ihrer steiffen Krafft<br \/>\nVon fe\u017ften Steinen, Kalck und \u017fchrofen Sand bewafft.<br \/>\nDrei Stockwerk finden \u017fich in die\u017fes Hau\u00dfes Raume,<br \/>\nWohin die Schnecke f\u00fchrt aus einem Eichnen Baume,<br \/>\nSo an den hohen For\u017ft des breiten Daches langt<br \/>\nUnd gleich\u017fam mit der H\u00f6h am hohen Gipfel bangt.<br \/>\nEs zeigt der er\u017fte Stock zusammt der Wohnung-<br \/>\nStuben,<br \/>\nDie \u00fcbern H\u00f6hler \u017fchwebt und tie\u017fen Kellers Gruben,<br \/>\nDen Saal, das Vorhau\u00df und der K\u00fcchen ihr Revier<br \/>\nZu\u017fambt den Kauff Gew\u00f6lb in wei\u00dfer Gypfer Zier.<br \/>\nDer Andre \u017ftellet dar drey Stuben voller Zierde,<br \/>\nSo da Herr Zilliger mit gro\u00dfer Kun\u017ft einf\u00fchrte<br \/>\nIn die\u017fes Lu\u017ft Gezelt, der Kun\u017ft-beliebte Mann,<br \/>\nDer mit dem zarten Gyps \u017fo k\u00fcn\u017ftlich \u017fpielen kann.<br \/>\nIn die\u017fer \u017fiehet man mit \u00fcbergro\u00dfen Freuden,<br \/>\nWie Kinder ihre Lu\u017ft in Palmen-Zweigen weiden,<br \/>\nUmzingelt \u00fcberall mit \u017f\u00fc\u00dfer Garten Frucht,<br \/>\nDie nur ein Sterblicher \u017fich zu vergn\u00fcgen \u017fucht.<br \/>\nIn jene \u017fiehet man die Wahren h\u00e4uffig tragen,<br \/>\nWo \u017felb\u017ft der Maria Sohn \u017fein Zelt hat aufge\u017fchlagen,<br \/>\nWorbei in offner Lufft der blanke Lu\u017ft Altan<br \/>\n\u017fich \u017fchon von au\u00dfen zeigt der frohe Sommer Plan.<br \/>\nWas \u017foll ich jetzt von dir du dritte Stube \u017fagen,<br \/>\nDie du mir allerdings mit Nutzen kann\u017ft behagen!<br \/>\nMir, der ich mich gesellt zu der Medu\u017fer Chor!<br \/>\nIch heb \u017fich Lu\u017ftig\u017fte mit \u017fondern Lob empor!<br \/>\nNunmehr mu\u00df un\u017fer Fu\u00df die Schnecke aufw\u00e4rts \u017fteigen,<br \/>\nWenn \u017fich der dritte Stock \u017foll un\u017fern Augen zeigen,<br \/>\nWo\u017felb\u017ften man an Zier nicht wen&#8217;gen Mangel \u017fp\u00fcrt \u2013<br \/>\nBe\u017fonders findet, was nur lieblich gl\u00e4nzt und ziert.<br \/>\nZwei Stuben la\u017f\u017fen \u017fich allda gezieret \u017fehen,<br \/>\nVon dannen das Ge\u017ficht kann in die Felder gehen<br \/>\nUnd weit und nahe \u017fehen, erh\u00f6het in der Lufft,<br \/>\nVon dannen man erblickt die Tiefe in der Grufft.<br \/>\nAppelles \u017follte wohl mit \u017feinen Mahler-Schilden<br \/>\nDen ausgeputzten Saal in \u017feiner Form abbilden.<br \/>\nMein Kiel i\u017ft hier zu \u017fchwach, er \u017ftehet ganz vernicht,<br \/>\nWeil \u017feiner \u017fchwachen Krafft die Mahler-Kunst gebricht.<br \/>\nEs \u017ftehet die\u017fer Saal, von Titans-Saal be\u017ftrahlet<br \/>\nUnd von der Ph\u00f6ben-Burg mit Glantze \u017fch\u00f6n bemahlet,<br \/>\nDer helle Phosphorus wirfft seine Strahlen drein \u2013<br \/>\nSie geben die\u017fen Saal mit Gold vermengten Schein.<br \/>\nDie hohe Decke i\u017ft mit Fr\u00fcchten \u00fcberzogen,<br \/>\nDa\u00df in Verwunderung man davon wird gezogen.<br \/>\nBald \u017ftehet hier, bald dort ein l\u00e4chelnd Engels-Haupt<br \/>\nMit Chloris-Scharlach-Haar und Baum-Smaragd belaubt.<br \/>\nZwey w\u00e4rmende Camin \u017fieht man auf einer Seiten,<br \/>\nDie von dem zweiten Saal den Wind aus Norden \u017fcheiden.<br \/>\nEin jeder wird von drey Bru\u017ft Bildern ausgezieret,<br \/>\nDie er in langer Reyh auf \u017feinem Haupte f\u00fchrt.<br \/>\nNoch \u00fcber die\u017fe Zier bezieren auch die W\u00e4nde<br \/>\nEin Dutzend an der Zahl gego\u017f\u017f&#8217;ne Leuchter-<br \/>\nH\u00e4nde.<br \/>\nUnd was auch \u00fcber die\u00df noch mehr zu \u017fehen \u017fteht,<br \/>\nDas keinem andern Ding an Zierlichkeit nachgeht:<br \/>\nEs i\u017ft der Ober For\u017ft (Fir\u017ft) mit Schiefer-Stein<br \/>\nbeleget,<br \/>\nWorauf das Uege\u017ft\u00fcm die Wolken Thr\u00e4nen \u017fchl\u00e4get.<br \/>\nDie Schantze f\u00fcr den Wind i\u017ft in die Lufft erh\u00f6ht,<br \/>\nDa\u00df hei\u00dfer Wetter-Grimm da\u017felbst ver\u00fcbergeht.<br \/>\nDi\u00df i\u017ft das \u017fch\u00f6ne Hau\u00df, das herrliche Geb\u00e4ude,<br \/>\nWoran Herr Perner hat Vergn\u00fcgen, Lu\u017ft und Freude,<br \/>\nNach \u017feines Hertzens Wun\u017fch vergn\u00fcgt anfangen kann.<br \/>\nZu die\u017fem kommen noch viel andere Geb\u00e4ude,<br \/>\nSo die\u017fes gro\u00dfe Hau\u00df bey \u017fich f\u00fchrt an der Seite,<br \/>\nWodurch die Ko\u017ftbarkeit an ihm wird mehr beehrt<br \/>\nUnd \u017feine Nutzbarkeit nicht weniger vermehrt:<br \/>\nEs nutzen die\u017fem Haus die wohlger\u00e4umten St\u00e4lle,<br \/>\nDaraus vergn\u00fcglich man auf alle Zeit und F\u00e4lle<br \/>\nDas Schlacht-Vieh f\u00fchren kann und einen munteren Gaul<br \/>\nZum angenehmen Ritt und Ackerbau nicht faul.<br \/>\nEs n\u00fctzet die\u017fem Haus, da man \u017fieht fr\u00f6hlich irren<br \/>\nUmb ihre H\u00f6ler her mit einem \u017f\u00fc\u00dfen Kirren \u2013<br \/>\nDes Chaons-Vogel-Heer, den \u017ftolzen H\u00fchner-Mann,<br \/>\nDer \u017feine Weiber Schaar zu Ne\u017fte treiben kann.<br \/>\nEs nutzet die\u017fem Hau\u00df das nette F\u00e4rber-We\u017fen,<br \/>\nAllwo die Waare wird in Ke\u017f\u017fel eingele\u017fen \u2013<br \/>\nZu hundertfacher Art in \u017feltnen Farben-Safft \u2013<br \/>\nVon dannen nach dem We\u017ft und Norden hinge\u017fchafft.<br \/>\nEs n\u00fctzet die\u017fem Hau\u00df, wenn es mit Feuer-Funcken<br \/>\nUnd Glut, den Ceres Safft, \u017fo nachmals wird getrunken<br \/>\nSo nach Notd\u00fcrfftigkeit ge\u017fchickt zu rechte bringt,<br \/>\nWoran die Nahrungskrafft in alle Glieder \u017finckt.<\/p>\n<p>Der hier be\u017fungene Bau zwingt uns auch heute noch Bewunderung ab, und \u00fcber die dickfellige, in Gera l\u00e4ng\u017ft \u017fprichw\u00f6rtlich gewordene Borniertheit alter Spie\u00dfer, die im Schreiber\u017fchen Hau\u017fe einen alten Steinka\u017ften erblickten, der nach ihren Forderungen (im Gemeinderat erhoben) niedergelegt werden m\u00fc\u017f\u017fe \u2013 etwa wie man in die\u017fen Tagen die \u017feit 1884 \u017forglich aufgehobenen Re\u017fte un\u017feres alten Badertores zer\u017fchrotten will \u2013 \u017find wir heute vielleicht hinausgekommen. Man vergleiche nur einmal das beigegebene Bild, das vom Bube\u017fchen Hau\u017fe aus aufgenommen wurde (Vermittlung durch das Stadtbauamt)! Der Bau zwingt uns in der Tat Bewunderung ab, als ein Mei\u017fterst\u00fcck alten, auf Wohl\u017ftand begr\u00fcndeten Handwerks. Ohne Gefall\u017fucht i\u017ft es in den Jahren 1686\/88 auf unteren alten Bauteilen der Sp\u00e4trenai\u017f\u017fance errichtet worden. Kr\u00e4ftig und naturw\u00fcch\u017fig haben es die Handwerksleute als einen Typ des bewu\u017f\u017ften, kraftvollen, uns heute so kl\u00e4glich anmutenden B\u00fcrgertums hinzu\u017ftellen gewu\u00dft. Von den Grundmauern bis zu den beiden Schorn\u017fteinen im Fir\u017ft des Hau\u017fes wirkt das Geb\u00e4ude einheitlich und ge\u017fchlo\u017f\u017fen, und es darf uns in der heutigen n\u00fcchternen Zeit nicht wundern, da\u00df Frau Sage der Jugend gar geheimnisvolle Dinge \u00fcber den alten Bau zuzuraunen wei\u00df.<\/p>\n<p>Zigeuner, die vom alten Schreiber, den Be\u017fitzer des Hau\u017fes, ein\u017ft freundlich aufgenommen wurden, hatten, wie Ei\u017fel im Sagenbuch des Voigtlandes (Gera 1871) Seite 232 zu berichten wei\u00df, das Haus gegen Feuersgefahr gefeit; \u017fie hatten dem Be\u017fitzer ein St\u00e4bchen oder P\u00e4ckchen beh\u00e4ndigt und damit das Haus gegen Brand \u201efe\u017ftgemacht\u201c. Nach einer anderen Le\u017fart \u017follen die \u201eTatern\u201c, wie man die Zigeuner fr\u00fcher vielfach nante, \u201eetwas in die drei Linden vorm Hause praktiziert\u201c haben. Die\u017fe drei Linden \u017find n\u00e4mlich 1780 gleichfalls \u2013 der Wind \u00e4nderte \u017fich und trieb die Flammen vom Hau\u017fe weg \u2013 vom Feuer ver\u017fchont geblieben. Das Haus durfte nach der Volksmeinung, wie ich in meiner Jugend gar oft erz\u00e4hlen h\u00f6rte, nie im Innern gewei\u00dft werden. Der \u017fch\u00fctzende Feuer\u017fegen h\u00e4tte \u017fon\u017ft nicht in Kraft bleiben k\u00f6nnen. Noch vor f\u00fcnfzig Jahren wurde auf dem oberen Boden des Schreiber\u017fchen Hau\u017fes ein P\u00e4ckchen als jenes Feuer\u017fchutzmittel ange\u017fehen und mit \u00e4ng\u017ftlicher Scheu gemieden.<\/p>\n<p>Schon das Aeu\u00dfere des Hau\u017fes l\u00e4\u017f\u017ft den Be\u017fitz als den eines Kauf- und Handelsherrn erkennen. In kriegeri\u017fcher Aus\u017ftattung gr\u00fc\u00dft uns noch heute \u00fcber dem Portal mit den toskani\u017fchen Pfeilern Merkur, der Gott des Handels, und neben ihm die heitere G\u00f6ttin des Flei\u00dfes.<\/p>\n<p>Die Be\u017fitzer des Hau\u017fes kann ich heute bis in die Lutherzeit zur\u00fcckverfolgen! 1540, am dornstag nach Inocavit, erh\u00e4lt Heinrich von Wolffersdorf, Ambtmann zu Gera, Be\u017fitzer der Ritterg\u00fcter End\u017fch\u00fctz und Falka, das \u201eHaus zue Gera auff dem Niclasperge gelegen &#8230; mit dem Raumbefreyung (Steuerfreiheit) vnd gerechtigkeit (mit Vorrechten)\u201c vom Landesherrn als Lehen \u00fcbertragen. Der von Wolffersdorf be\u017fa\u00df um die gleiche Zeit ein benachbartes Hausgrund\u017ft\u00fcck!<\/p>\n<p>1555 ver\u017fchreibt Heinrich von Ende, der Aeltere zu Gera, \u201edas haus off Sanct Niclas perge \u017foweit es ombgriffen &#8230; auch den wein pergk am Trebnitzer wege\u201c (obere Laa\u017fener Stra\u00dfe) \u017feiner Frau Anna von Ende zum Leibgeding (Wittwenteil). Aber Ge\u017fchlechter kommen und gehen!<\/p>\n<p>1606, September 9., belehnt Heinrich Po\u017fthumus (1572\u20131635) Abraham von Ein\u017fiedel auf dem Gnaden\u017ftein bei Altenburg mit dem \u201eFreyhaus uffn Nicla\u00dfberg, \u017foweit da\u017f\u017felbe in \u017feinen gebeuden, weitung vnd mauern bezirket vnd die auswendige T\u00e4cher vnd deren Trauffen reichen &#8230;,vom f\u00f6rdern Thor gegen der alten Kirchen zue, ahn, bis in die ga\u017f\u017fe vors Leimnitzer Stadtthor (Steinweg) hinter der \u017fchwarzfarbe (Tuchf\u00e4rberhaus) hin &#8230;  ohne einige be\u017fchwehr, abrichtung vnd \u017fteuer, au\u00dfer T\u00fcrken- vnd Reichs\u017fteuer\u201c. Der Kauf des Hau\u017fes war am 3. April 1605 vollzogen worden. Eingehende Nachrichten und zahlreiche Lehnsbriefe bewahrt das Stadtarchiv, \u017find auch in meiner Stadtge\u017fchichte von Gera genau verarbeitet worden.<\/p>\n<p>Die beg\u00fcterten von Ein\u017fiedel \u2013 \u017fie \u017fitzen ununterbrochen \u017feit 1384 bis zum heutigen Tage auf Burg Gnand\u017ftein \u2013 waren Gl\u00e4ubiger der ver\u017fchuldeten von Ende,  und das alte Burggut auf dem Niklasberg war dabei Pfandobjekt. Die mei\u017ften Adligen der Umgegend hatten Winterbehau\u017fungen in der Stadt, \u017fogenannte Freih\u00e4u\u017fer und Burgg\u00fcter. In Gera \u017find acht bis neun \u017folcher H\u00e4user urkundlich nachweisbar. Sie waren \u017feit dem fr\u00fchen Mittelalter \u017fteuerfrei (Freih\u00e4user), da den Insa\u017f\u017fen der H\u00e4u\u017fer anf\u00e4nglich die Burg- und \u017fp\u00e4ter die Stadtverteidigung oblag. Die von Ein\u017fiedel \u017fuchten das Haus bald zu ver\u00e4u\u00dfern. Meinhardt von Etzdorf auf Gro\u00dfaga \u017fucht das Haus bereits 1606 zu erwerben, Der Landesherr fertigt aber aus unbekannten Gr\u00fcnden den Lehnsbrief nicht aus. Er\u017ft 1616 \u017find die von Etzdorf in unzweifelhaftem Be\u017fitze des alten Geb\u00e4udes; denn 1616, April 8., verkauft Meinhardt von Etzdorf dem Otto von Pflugk das Freihaus und bittet Heinrich Po\u017fthumus um de\u017f\u017fen Belehnung. Der von Pflugk, aus Coburg nach Gera gekommen, \u017ftand offenbar in reu\u00dfi\u017fchen Dien\u017ften. Drei Jahre \u017fp\u00e4ter (1619, April 21.) erh\u00e4lt der Stallmei\u017fter des Heinrich Po\u017fthumus, Friedrich von Gr\u00fcnberg, das Haus. Nach \u017feinem Tode ver\u00e4u\u00dfert 1638 \u017fein Bruder und Lehensnachfolger, Hartmann von Gr\u00fcnberg, das Haus an Georg von Wolframsdorf zu K\u00f6\u017ftritz und D\u00fcrrenberg. Schon 1608 i\u017ft die\u017fe Familie in unmittelbarer N\u00e4he des Hau\u017fes beg\u00fctert. Sie Be\u017fitzen damals ein heute ver\u017fchwundenes Freihaus, das quer \u00fcber den heutigen Stra\u00dfenzug des Nikolaiberges gebaut war, und \u017fp\u00e4ter (\u017feit 1676) Richter\u017fches Haus hie\u00df. Es brannte 1686 ab, und wurde nicht wieder aufgebaut; \u017feine letzten Ueberre\u017fte be\u017feitigte man er\u017ft 1837. Die\u017fes Haus hie\u00df 1606, April 2., das \u201eRothe Hau\u00df vfn Nicla\u00df Berge\u201c. Vor 1606 be\u017fa\u00dfen es die von Winkler auf Kretz\u017fchwitz.<br \/>\nDas Haus wird damals als \u201euffn Niclas Berg zwi\u017fchen der Kirchen (Niklaskapelle) vnnd des Erbarn vnd Vhesten vnsers lieben getrewen Abraham von Ein\u017fiedel haus (Schreiber\u017fches Haus) an der Stadt mauren innen gelegen\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Das Schreiber\u017fche Haus ging nun mit allen Vorrechten in b\u00fcrgerlichen Be\u017fitz \u00fcber. Der aus Leipzig \u017ftammende Kauf- und Handelsherr Wolf Georg Krau\u00dfe erwirbt das alte \u017fch\u00f6ne Haus, erbaut hier eine Sch\u00f6nf\u00e4rberei und vermittelt von hier aus als Verleger den Export Geraer Zeuge nach Naumburg, Frankfurt an der Oder, Leipzig, L\u00fcbeck und Breslau. Als er das Zeitliche \u017fegnet (1684), belehnen die Landesherren (Heinrich I., III., IV., VIII. und X.) an Stelle des unm\u00fcndigen Sohnes Wolf Friedrich Krau\u00dfe und der Mutter Anna Krau\u00dfe geb. Buttermann den Curator und Lehnstr\u00e4ger, den Geraer Ratsk\u00e4mmerer Chri\u017ftian Eichmann (1685, April 8.) mit dem Be\u017fitze.<\/p>\n<p>Am 28. Mai 1689 erwirbt Anna verw. Krau\u00dfe, verehelichte Perner, das 1688 neuerbaute Grund\u017ft\u00fcck von ihrem Sohne voriger Ehe, den eben genannten Wolf Friedrich Krau\u00dfe. Unterm 30. Juli 1689 wird der neue Lehenbrief von der Kanzlei dem neuen Be\u017fitzer ausgefertigt. Das Lehen an Gottfried Perner und \u017fein Weib er\u017ftreckt \u017fich auf das \u201eFreyhau\u00df uffn Niclasberge, \u017foweit da\u017f\u017felbe in \u017feinen Geb\u00e4uden, Weitung und Mauern bezirkt und die au\u00dfwendigen D\u00e4cher und Trauffen reichen, \u017famt de\u017f\u017fen Eingeb\u00e4uden vom f\u00f6rdern Thor gegen der alten Kirche zu an bis in die Ga\u017f\u017fe vor das Leubnizer Stadt Thor und anitzo mit dreyen Thoren verwahret i\u017ft, mit einem freyen R\u00f6hrwa\u017f\u017fer und allen andern de\u017f\u017fen W\u00fcrden, Freyheiten, Gerechtigkeiten, Herrlichkeiten (Herrenrechten!), Gebr\u00e4uchen, Bequemlichkeiten zu bauen, Nutzungen, be\u017fucht und unbe\u017fucht, ohne einige Be\u017fchwer, Abrichtung oder Folge (Kriegsdien\u017ft!) und Steuer, \u017fo Wir zu Un\u017ferm Nutzen anlegten und in Summa, von aller Bel\u00e4\u017ftigung, wie die Nahmen haben mag, au\u017fer der T\u00fcrken- und anderer Reichs-Steuern, \u017fo Er und \u017feine Nachkommen, doch nicht eher geben \u017follen, al\u00df wenn Un\u017fere Ritter\u017fchaft k\u00fcnfftig der R\u00f6m. Kay\u017f. Maj., Un\u017ferm allergn\u00e4dig\u017ften Herrn, oder dem Reich zum be\u017ften von Uns damit beleget werden m\u00f6chten etc. etc.\u201c \u2013 Gottfried Perner \u017fchlo\u00df 1716 die Augen zum letzten Schlummer. Seine Tochter und deren Mann, der Kauf- und Handelsherr Johann Georg Schreiber aus Erfurt, kommen in Be\u017fitz des Hau\u017fes, und die alte Familie ver\u00e4u\u00dfert er\u017ft nach 131 Jahren das Freihaus an die Stadt Gera. Am 16. Augu\u017ft 1847 ging das Geb\u00e4ude mit kleinem Hof und dem oberen Teile des \u017fogenannten Schreiber\u017fchen Gartens (hier erhebt \u017fich heute die Mittel\u017fchule) f\u00fcr 10 000 Thlr. an die Stadtgemeinde \u00fcber. Ur\u017fpr\u00fcnglich war nur an den Erwerb des Gartens gedacht worden, da man eine Erweiterung der Salvatorkirche plante. Johann Augu\u017ft Schreiber, der letzte b\u00fcrgerliche Be\u017fitzer des Hau\u017fes, ging aber auf einen Teilkauf nicht ein. Schon 1831 (Augu\u017ft 11.) war vom Anwe\u017fen der untere Teil, der \u017fp\u00e4tere R\u00f6del\u017fche Hof, heute (seit 1897) Geithes Pa\u017f\u017fage genannt, abgetrennt worden. Hier befanden \u017fich die Wirt\u017fchaftsgeb\u00e4ude, das Farb- und Brauhaus des alten ehemaligen Burggutes. Unter dem Nachfolger des M\u00e4lzers R\u00f6del, dem Oekonom Focke, hatte die Stadt Gera recht unerquickliche Streitigkeiten betreffs des \u00f6ffentlichen Durchgangsrechtes auszufechten. Das Haus wurde nun, da 1848 die Ju\u017ftiz von der Stadtverwaltung getrennt wurde, zum \u201eStadtgericht\u201c be\u017ftimmt. Der Geraer B\u00fcrgermei\u017fter Ern\u017ft Senf war hier der er\u017fte und zugleich der letzte Chef die\u017fer Beh\u00f6rde. Am 1. April 1855 ging das \u201eStadtgericht\u201c \u2013 daher der gleiche Name f\u00fcr das Haus \u2013 an den Staat \u00fcber (lt. Ge\u017fetz \u00fcber die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit 1852, Dezember 4.). F\u00fcr 1000 Thlr. ging nun 1858 das Haus mit einer 18 Ellen breiten Tera\u017f\u017fe (z. T. Schulhof der Mittel\u017fchule), ohne den Garten, an den Staat \u00fcber. Er\u017ft am 20. Augu\u017ft 1864 gelang \u017feine R\u00fcckerwerbung. Die Stadt zahlte damals 9000 Thlr. an den Fiskus. Nun diente der alte Bau privaten Zwecken, und damit begann die Ver\u017fchandelung des Hau\u017fes im Innern, die Entfernung des wertvollen Stucks und die Einbauten von Zwi\u017fchenmauern. Die Lithographi\u017fche An\u017ftalt von Rudolph, die uns zahlreiche Bilder un\u017ferer Stadt be\u017fcherte und mehrere B\u00e4nde Geraer Mundart verlegte, war vor\u00fcbergehend hier untergebracht.<br \/>\n\u2013 Der Bau wurde \u017fp\u00e4ter M\u00e4dchen\u017fchule, dann Heim eines Teiles der 1. B\u00fcrger\u017fchule (Mittel\u017fchule). Heute i\u017ft nach vorausgegangenem Anbau eines \u017fteinernem Treppenhau\u017fes (1904) die Pe\u017ftalozzi-Schule hier untergebracht. Ein \u00e4u\u00dferlich wenig \u017fch\u00f6ner Anbau hat den alten Bau in die\u017fem Jahre (1929\/30) weiter verun\u017ftaltet. \u2013 wie \u017fch\u00f6n man dagegen in dem kleinen Weida die Schule an mittelalterliche Bauten anzupa\u017f\u017fen wu\u00dfte! \u2013<\/p>\n<p>Wer wei\u00df heute noch etwas von dem alten mittelalterlichen Freihaus! So wech\u017felte im Laufe von vier Jahrhunderten die Be\u017ftimmung des alten Geb\u00e4udes. Ritter und Herren ritten im Zeitalter der Reformation und des \u201eGro\u00dfen Krieges\u201c in ihren Pu\u017f\u017fen- und Schlitz\u00e4rmeln \u017fporenklirrend hinauf zur H\u00f6he des alten Nikolaiberges; dann \u017fa\u00dfen w\u00fcrdige Kauf- und Handelsherren, \u00fcber ihre B\u00fccher geb\u00e4ugt, in den unteren gew\u00f6lbten R\u00e4umen. Fracht- und La\u017ftwagen rollten \u017fchwer bepackt von hier aus durchs Leumnitzer und Badertor, und heute geht die Jugend \u017forglos dort oben ein und aus.<\/p>\n<p>Das vorn im Wortlaut mitgeteilte Gedicht nennt uns den Namen des Innenarchitekten und Stukkateurs: Zillinger. Ob er aus Leipzig \u017ftammte? Von da kam wenige Jahre \u017fp\u00e4ter ja der Leipziger Rats- und Landbaumei\u017fter David Schatz, um nach Hofmanns Pl\u00e4nen, die aus Venedig \u017ftammten, den Bau der Salvatorkirche im Auftrage Heinrichs XVIII. zu \u00fcberwachen. Nur Weniges i\u017ft aus der Bauzeit von 1686\/88 in un\u017fere Zeit her\u00fcbergerettet worden. Die pr\u00e4chtigen Stuckdecken mit den dicken Lorbeerbl\u00e4tterw\u00fcl\u017ften erinnern an gleiche Arbeiten im Ei\u017fenberger Schlo\u00df und der dortigen Schlo\u00dfkirche. Sie geh\u00f6ren dem Barock an und \u017find noch heute in vielen Einzelheiten an der Hand des Wortlautes des vorn mitgeteilten Gereimes zu erkennen. Dicke Schichten von Oel- und Leimfarben haben leider zahlreiche Details der Arbeit von 1688 zum Schwinden gebracht. Schade, da\u00df \u017fich un\u017fere alten Stadtbaumei\u017fter \u017fo wenig um die Erhaltung der alten Decken, T\u00fcreinfa\u017f\u017fungen und Kamine des Hau\u017fes k\u00fcmmerten!<\/p>\n<p>Der bauliche Befund i\u017ft heute kurz folgender: Im Flur \u017find noch Kreuzgew\u00f6lbe erhalten, die der Lutherzeit zugez\u00e4hlt werden m\u00fc\u017f\u017fen. In die\u017fe Bauperiode der Renai\u017f\u017fance geh\u00f6rt auch der rechts vom Eingang gelegene gew\u00f6lbte Raum, der ur\u017fpr\u00fcnglich \u2013 \u017fo nach der Be\u017fchreibung des Poeten vom Jahre 1688 \u2013 K\u00fcche oder Kaufgew\u00f6lbe gewe\u017fen \u017fein d\u00fcrfte. Der Raum gegen\u00fcber (jetzt Zimmer Nr. 13) zeigt pr\u00e4chtigen Decken\u017ftuck in zwei rechteckigen Feldern. Hier befindet \u017fich in einer Mauerni\u017fche noch ein alter Wand\u017fchrank. Wir haben hier das Zimmer vor uns, das im Gedicht als \u201eWohnung-Stuben, die \u00fcbern H\u00f6hler \u017fchwebt und tie\u017fen Kellers Gruben\u201c bezeichnet wird. Im Werkraum gegen\u00fcber, eben\u017fo im Hausflur, \u017find noch \u00fcberarbeitete Deckenre\u017fte in Form dicker kreisf\u00f6rmiger W\u00fcl\u017fte fe\u017ftzu\u017ftellen.. Im er\u017ften Stock i\u017ft nichts mehr von Belang aus der Zeit der Erbauung des Hau\u017fes erhalten; dagegen haben \u017fich im zweiten Oberge\u017fcho\u00df in f\u00fcnf R\u00e4umen noch Stukkaturen aus der Bauzeit von 1688 erhalten, die aber, den ver\u017fchiedenen Zwecken des Hau\u017fes ent\u017fprechend, oft und dick bis zur Unkenntlichkeit in all ihreren feinen Formen \u00fcber\u017ftrichen worden \u017find. Der S\u00fcdteil des Korridors bildete den Mittelteil des be\u017fungenen pr\u00e4chtigen Saales. Er zeigt die flachbogige T\u00fcr, eingefa\u00dft von toskani\u017fchen Pila\u017ftern mit reicher Rankenf\u00fcllung der Schafte. Die Decke die\u017fes Korridorraumes zeigt ein jetzt leeres, damals offenbar bemaltes Mittelfeld, das von einem Fruchtkranz eingefa\u00dft i\u017ft. Zum Saal geh\u00f6rten die beid\u017feits die\u017fes Raumes belegenen Kla\u017f\u017fenr\u00e4ume \u2013 die Zimmer Nr. 1 und 2. Der gro\u00dfe Ge\u017fell\u017fchaftsraum hatte f\u00fcnf Fen\u017fter nach S\u00fcden und je zwei nach O\u017ften und We\u017ften. Auch hier \u017find zur Belebung der Wandfl\u00e4chen, romanti\u017fchen Li\u017fenen (Putz\u017fteifen) vergleichbar, Wandpila\u017fter mit F\u00fcllungen und Kapit\u00e4len zwi\u017fchen den Fen\u017ftern angebracht. Die Nordwand zeigt beider\u017feits der jetzigen Korridort\u00fcr noch m\u00e4chtige Kamine, deren volutierte und ge\u017fchwei\u017fte Auf\u017f\u00e4tze mit je drei antiki\u017fierenden B\u00fc\u017ften dicht an die Decke reichen. Die Decken beider Zimmer (o\u017ft- und We\u017ftteil des Saales) \u017find verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig zu reich verziert. In der Mitte \u017fchaut man ein rundes, von der Frucht- und Lorbeerkr\u00e4nzen umrahmtes Feld, an den den Seiten l\u00e4nglichrunde Felder in Cartouchen, mit dem mittleren durch Spangen-Ornamente verbunden. An den Ecken gewahrt man Engelsk\u00f6pfe, Ranken und F\u00fcllh\u00f6rner. An den Saal \u017fchlie\u00dfen \u017fich die zwei Zimmer, von denen es im Gedichte hei\u00dft:<br \/>\n\u201eZwei Stuben la\u017f\u017fen \u017fich allda gezieret \u017fehen,<br \/>\nVon dannen das Ge\u017ficht kann in die Felder gehen\u201c etc.<\/p>\n<p>Das eine Zimmer (Nr. 5 O\u017ft\u017feite) zeigt, eben\u017fo wie das gegen\u00fcberliegende nach We\u017ften (links und rechts vom Korridor), ma\u017f\u017fig wirkenden Stuck an den Decken. Die f\u00fcr die Zeit charakteri\u017fti\u017fchen Lorbeergewinde \u017find auch hier verwandt worden. Das O\u017ftzimmer zeigt als Motiv runde aneinandero\u00dfende, durch Kranz-Umrahmung der Zahl 8 vergleichbare Deckenw\u00fcl\u017fte, die An\u017fchluss an ein ellipti\u017fches Mittelfeld gewinnen. Ob nicht un\u017fer jetziges Stadtbauamt, das doch wahrlich viel in un\u017ferem \u017fo n\u00fcchternen Gera zu be\u017f\u017fern wu\u00dfte, nicht einmal hier Hand anlegen und be\u017f\u017fernd eingreifen k\u00f6nnte! Der Saal g\u00e4be eine pr\u00e4chtige Aula bezw. einen wundervollen Vortragsraum ab, wenn der kleine Korridorraum wieder einbezogen und die zwei kleinen W\u00e4nde entfernt w\u00fcrden. Die ent\u017fetzlichen Farbkru\u017ften m\u00fc\u00dften, zum wenig\u017ften bei einer Renovation des Hau\u017fes, abgel\u00f6\u017ft werden, damit Zillingers Werk uns im 20. Jahrhundert Kunde zu geben vermag von dem kraftvollen, \u017felb\u017ftbewu\u00dften B\u00fcrgertume von ein\u017ft. \u201eWohl dem, der \u017feiner V\u00e4ter gern gedenkt!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das Schreibersche Haus ist das \u00e4lteste in Gera und beherbergt heute das Museum f\u00fcr Naturkunde. Die Heimatbl\u00e4tter ver\u00f6ffentlichten im Jahre 1930 folgende geschichtliche Abhandlung des damaligen Stadtarchivars Ernst Paul Kretschmer. 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