{"id":43342,"date":"2026-06-28T04:43:58","date_gmt":"2026-06-28T02:43:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=43342"},"modified":"2026-06-28T05:01:28","modified_gmt":"2026-06-28T03:01:28","slug":"wann-die-hitze-zur-normalitaet-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2026\/06\/28\/wann-die-hitze-zur-normalitaet-wird\/","title":{"rendered":"WANN DIE HITZE ZUR NORMALIT\u00c4T WIRD"},"content":{"rendered":"\n<p>Ganz Europa \u00e4chzt dieser Tage unter den hohen Temperaturen. In Deutschland wurden erneut mehr als 40 \u00b0C gemessen. Die Erw\u00e4rmung geht derzeit zu einen wesentlichen Anteil auf den Menschen zur\u00fcck. Weltweit zunehmende Fl\u00e4chenversiegelungen, Treibhausgasemissionen, Staubpartikel und R\u00fcckkopplungseffekte ver\u00e4ndern das Klima sp\u00fcrbar. Es wird unangenehm hei\u00df. Damit w\u00e4chst der Wunsch, die menschlichen Einflussfaktoren zu beseitigen, um das Klima wieder auf das \u201cnormale\u201c Niveau zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch hierbei gibt es ein Problem, \u00fcber das Klimawissenschaftler nur ungern sprechen: Was als normales nat\u00fcrliches Klima beschrieben wird, konkret die \u201evorindustrielle Zeit\u201c, ist erdgeschichtlich \u00fcberhaupt nicht die Normalit\u00e4t, sondern ein Ausnahmezustand. Das wird deutlich, sobald man nicht nur den kleinen Abschnitt in der Episode des Menschen betrachtet, sondern alle Klimaperioden innerhalb des Phanerozoikums. Die \u201evorindustrielle Zeit\u201c ist im Grunde ein Begriff f\u00fcr das Wunschklima des modernen Menschen, der letztendlich das Produkt eines ausklingenden Interglazials ist und die Temperaturen der Jahre 1850 bis 1900 als \u201cnormal\u201c ansieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von entscheidender Bedeutung sind aber die nat\u00fcrlichen Rhythmen, weil diese zu wesentlich st\u00e4rkeren Klimaver\u00e4nderungen f\u00fchren k\u00f6nnen \u2014 meistens sehr langsam \u00fcber tausende Jahre, mitunter aber auch recht schnell. Es ist nicht ganz sicher, ob der Mensch derzeit gegen einen nat\u00fcrlichen Trend arbeitet oder diesen beschleunigt, weil niemand die Ausgangssituation sicher bestimmen kann. Erwiesen ist nur, dass wir uns trotz der j\u00fcngsten Erw\u00e4rmung immer noch in einem relativ k\u00fchlen Zeitalter befinden, in der Pal\u00e4oklimatologie auch \u201eCoolhouse\u201c genannt, und solche nur eine \u00dcbergangsphase darstellen. Am gesamten Phanerozoikum haben Eiszeiten einen Anteil von 13 %; die k\u00fchlen Phasen wie unsere heutige nehmen auf dieser Zeitskala nur 18 % ein. Alle anderen wesentlich w\u00e4rmeren Phasen haben einen Anteil von 68 %.<\/p>\n\n\n\n<p>Klimaforscher sprechen derzeit von einem langfristigen, nat\u00fcrlichen Abk\u00fchlungstrend, den es ohne menschliche Einfl\u00fcsse geben w\u00fcrde \u2014 hin zur n\u00e4chsten gr\u00f6\u00dferen Vereisungsphase in sp\u00e4testens 11&#8217;000 Jahren. Diese k\u00f6nnte wegen des Menschen deutlich schw\u00e4cher ausfallen. Aber es gibt auch wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen, die ein nahes Ende des Eiszeitalters beschreiben. Befinden wir uns also bereits im Ausklang der vor 34 Millionen Jahren eingeleiteten K\u00e4nozoischen Eiszeit, wird es langfristig in jedem Fall w\u00e4rmer \u2014 ob mit oder ohne Menschen. Die bisher verbreitete Meinung, alles Leben auf der Erde werde bei einer weiteren Erw\u00e4rmung zerst\u00f6rt, ist nicht mehr haltbar. Diese Angst hatte in den vergangenen Jahren tausende Menschen mobilisiert. Der brennende Planet war das Symbol der Klimabewegung. Die Vergangenheit lehrt aber etwas v\u00f6llig anderes. Im Eoz\u00e4n, einer Hochtemperaturphase vor dem heutigen Eiszeitalter, gab es beispielsweise eine rasche und sprunghafte Weiterentwicklung der S\u00e4ugetiere. Das Klima w\u00fcrde sich einfach auf einem h\u00f6heren Niveau stabilisieren. Absolute Sommertemperaturen zwischen 35 \u00b0C bis 40 \u00b0C und eisfreie Polkappen w\u00e4ren dann der Normalzustand.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil zuletzt h\u00e4ufiger auf den Kontext der nat\u00fcrlichen Klimaperioden verwiesen wurde, wandelt sich langsam auch die Erz\u00e4hlung: Anfangs ging es in der \u00f6ffentlichen Debatte vorrangig um den Erhalt der Natur, nun um den Fortbestand der menschlichen Zivilisation. Das ist ein gro\u00dfer Unterschied, weil die Klimabewegung nicht von der Sorge um die Menschheit getragen wird, sondern sich eher den Tieren und deren Lebensr\u00e4umen verbunden f\u00fchlt. Die jedoch \u00e4ndern sich st\u00e4ndig, wie beispielsweise in der Alpengletscher-Simulation zu sehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/pro-physik.de\/nachrichten\/alpengletscher-im-zeitraffer\">https:\/\/pro-physik.de\/nachrichten\/alpengletscher-im-zeitraffer<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wer den Klimawandel verhindern will, muss deshalb entweder st\u00e4rker betonen, welchen er nicht meint, oder besser erkl\u00e4ren, wie schnell sich Durchschnittstemperaturen langfristig ver\u00e4ndern d\u00fcrfen, wenn nur die Geschwindigkeit das Problem ist. Sonst geht die Unterst\u00fctzung verloren. Zwischen Eiszeit und Hei\u00dfzeit sind viele Schwankungen m\u00f6glich, verst\u00e4rkende Effekte und abschw\u00e4chende. Ein genereller Stopp des Wandels w\u00fcrde jedenfalls schwerwiegende systemische Eingriffe erfordern, den gerade Naturliebhaber ablehnen k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ganz Europa \u00e4chzt dieser Tage unter den hohen Temperaturen. In Deutschland wurden erneut mehr als 40 \u00b0C gemessen. Die Erw\u00e4rmung geht derzeit zu einen wesentlichen Anteil auf den Menschen zur\u00fcck. 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