{"id":44109,"date":"2026-09-20T23:56:53","date_gmt":"2026-09-20T21:56:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=44109"},"modified":"2026-09-21T00:08:14","modified_gmt":"2026-09-20T22:08:14","slug":"kapellen-im-mittelalterlichen-gera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2026\/09\/20\/kapellen-im-mittelalterlichen-gera\/","title":{"rendered":"KAPELLEN IM MITTELALTERLICHEN GERA"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelalter waren Kapellen h\u00e4ufig aufgesuchte Orte. Es handelte sich um kleine sakrale Bauten ohne feste Gemeinde. W\u00e4hrend Kirchen das religi\u00f6se Zentrum einer festen Kirchengemeinde waren, standen mit den Kapellen kleine Bet- und Andachtsr\u00e4ume zur Verf\u00fcgung. Je nach Standort und Funktion unterschied man zwischen Hofkapellen, Friedhofskapellen, Wegkapellen, Burgkapellen und Nebenkapellen in gro\u00dfen Kathedralen. Bis zur Reformation gab es auch in Gera mehrere Kapellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der S\u00fcdseite des heutigen Johannisplatz befand sich bereits vor dem Jahre 1200 eine Pfarrkirche. Sie war Johannes dem T\u00e4ufer geweiht. M\u00f6glicherweise gab es auch einen Vorg\u00e4ngerbau. Im Jahre 1323 wird die Johanniskirche als neu erbaut erw\u00e4hnt. Es handelte sich wohl eher um eine Erweiterung. Die zuvor neben der Kirche stehende St. Jacobskapelle wurde in diesen neuen Bau einbezogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St. Niclaskapelle befand sich auf dem heutigen Nicolaiberg und war dem Heiligen Nikolaus geweiht. Errichtet wurde sie vermutlich im Jahre 1193 auf dem zuvor dort geschaffenen Plateau. Sie hatte auf der \u00f6stlichen Seite ein T\u00fcrmchen mit Spitzhelm. Als die Niclaskapelle beim Stadtbrand im Jahre 1686 abbrannte, war sie schon lange Zeit nicht mehr in Benutzung. Die \u00dcberreste, darunter das T\u00fcrmchen mit Glocke, wurden 1717 abgerissen, um die Kirche St. Salvator errichten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unmittelbar neben der heutigen Kirche St. Trinitatis, an der Stelle des Glockenturmes, befand sich eine sp\u00e4tmittelalterliche, 1333 erw\u00e4hnte Heilig-Kreuz-Kapelle. Die Flurh\u00f6he lag damals unterhalb des heutigen Niveaus. Im Jahre 1556 wurde der Friedhof vom Johanniskirchhof hinter diese Kapelle verlegt. Es folgte 1611 ein Umbau zur Begr\u00e4bniskirche mit einschiffigem Saalbau, 1868\/1869 eine neogotische \u00dcberformung, und 1897 bis 1899 der Anbau des Glockenturmes. An der Stelle des Glockenturmes befand sich bis 1841 eine Kapelle, die bereits in den Jahren 1170 und 1186 erbaut worden sein soll. Laut Ferdinand Hahn war sie vorrangig dem Heiligen Wolfgang geweiht, im Weiteren dem Heiligen Laurentius, dem Heiligen Kilian mit den dazugeh\u00f6rigen Heiligen M\u00e4rtyrern, der B\u00fc\u00dferin Maria Magdalena und den heiligen Jungfrauen Walpurgis und Dorothea. Das auf alten Gem\u00e4lden abgebildete Hospital, welches sich bis 1872 in der Einm\u00fcndung zur heutigen Talstra\u00dfe befand, entstand sp\u00e4ter und wurde erstmals im Jahre 1482 erw\u00e4hnt. Die Kapelle wurde nach der Reformation im Jahre 1533 kaum mehr genutzt. Nur deren Glocke war noch zu h\u00f6ren, wenn ein Leichnam zum Friedhof gebracht wurde. Genau 56 Jahre nach dem Abriss wurde an dieser Stelle der Glockenturm von St. Trinitatis errichtet, wobei zwei Dinge bis heute erhalten geblieben sind: Die sp\u00e4tgotische Skulptur des Heiligen Wolfgang in die alte Kanzel k\u00f6nnen heute in bzw. an der Kirche besichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hospital \u201eBeatae Mariae Virginis\u201c, im Volksmund Marienhospital genannt, befand sich auf dem Grundst\u00fcck des heutigen Stadtmuseums. Die kirchliche Einrichtung wurde 1450 gegr\u00fcndet und besa\u00df eine Kapelle, die vermutlich davor errichtet worden war und einen Vorg\u00e4ngerbau gehabt haben k\u00f6nnte. Zeitgenossen nannten sie \u201eUnser lieben Frawen Kapell\u201c. Bekannt ist sie auch als Liebfrauenkapelle, Hospitalkapelle oder Dreik\u00f6nigskapelle. Eine Besonderheit waren die drei Alt\u00e4re, geweiht \u201eUnseren Lieben Frauen\u201c, den Heiligen Drei K\u00f6nigen und dem \u201eHeiligen Antonius\u201c. Das Marienhospital und die Kapelle wurden durch den gro\u00dfen Brand im April 1639 zerst\u00f6rt. Das Feuer hatten durchziehende und pl\u00fcndernde schwedische Truppen im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg gelegt. Das Hospitalgeb\u00e4ude wurde anschlie\u00dfend notd\u00fcrftig wieder hergerichtet und im Jahre 1724 mitsamt Kapelle wegen des zu errichtenden neuen Zucht- und Waisenhauses abgebrochen. Ab 1738 befand sich das Marienhospital neben dem Hospital St. Wolfgang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lage der im Jahre 1533 erw\u00e4hnten St. Lorenzkapelle ist nicht bekannt. Wesentlich mehr ist \u00fcber die Schlosskapelle auf dem Osterstein dokumentiert. Es handelte sich um ein zweigeschossiges Bauwerk mit einfachem Saal und halbrunder Apsis, zwischen dem Nord- und Ostfl\u00fcgel gelegen. Sie besa\u00df im letzten Bauzustand eine dreiseitig umlaufende Empore und eine kassettierte Holzbalkendecke. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war sie \u00e4lter als der im Kern sp\u00e4tmittelalterliche Nordfl\u00fcgel und urspr\u00fcnglich in romanischer Bauweise ausgef\u00fchrt, welche die europ\u00e4ische Architektur etwa von 950 bis 1250 pr\u00e4gte. In den 1960er Jahren wurde die Schlosskapelle zusammen mit den anderen Ruinen abgetragen. Heute befindet sich an dieser Stelle der hintere Teil des Terrassencaf\u00e9s. Die sogenannte Stadtburg besa\u00df mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Kapelle; es handelte sich bei dem burgen\u00e4hnlich ummauerten Anwesen im den Sitz des Schulthei\u00dfen. Die Bezeichnungen \u201eStadtburg\u201c und \u201eAltes Schloss\u201c enstanden erst sp\u00e4ter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Im Mittelalter waren Kapellen h\u00e4ufig aufgesuchte Orte. Es handelte sich um kleine sakrale Bauten ohne feste Gemeinde. 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