{"id":4585,"date":"2018-08-30T00:34:11","date_gmt":"2018-08-29T22:34:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=4585"},"modified":"2018-08-30T00:34:11","modified_gmt":"2018-08-29T22:34:11","slug":"chemnitz-nach-den-ereignissen-der-vergangenen-tage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2018\/08\/30\/chemnitz-nach-den-ereignissen-der-vergangenen-tage\/","title":{"rendered":"CHEMNITZ NACH DEN EREIGNISSEN DER VERGANGENEN TAGE"},"content":{"rendered":"<p>Inzwischen ist es auf den Stra\u00dfen von Chemnitz wieder ruhig. Am Sonntag und Montag waren hunderte bzw. mehrere tausend Menschen durch die Stadt gezogen, um zun\u00e4chst Trauer und Unmut zum Ausdruck zu bringen. Anlass  waren der gewaltsame Tod eines 35-J\u00e4hrigen und die sich verschlimmernden Zust\u00e4nde in Teilen der Stadt. Die Proteste richteten sich sowohl gegen die Regierung als auch gegen eine als unvollst\u00e4ndig und suggestiv empfundene Berichterstattung.<\/p>\n<p>\u00dcber das Internet benachrichtigt, kamen gewaltbereite Personenkreise verschiedener Lager hinzu und sorgten an mehreren Stellen f\u00fcr eine Zuspitzung der Situation und be\u00e4ngstigenden Szenen. Die Polizei war mit einem gro\u00dfen Aufgebot vor Ort. F\u00fcr die kommenden Tage sind weitere \u00f6ffentliche Versammlungen angek\u00fcndigt. Der Rundfunk meldet die Hinzuziehung der Bundespolizei sowie weiterer Kr\u00e4fte aus anderen Landespolizeistellen.<\/p>\n<p>Die Ereignisse waren auch am Mittwoch das alles beherrschende Thema in der Stadt und man ist sich weitgehend einig: \u201eDie Demonstranten haben im Grunde Recht, aber es h\u00e4tte nicht eskalieren d\u00fcrfen.\u201c Das Problem sei weniger die Zuwanderung an sich, sondern das Klientel der Zugewanderten und deren Gr\u00f6\u00dfe, hei\u00dft es u. a. in einem Gespr\u00e4ch vor Ort. Das habe \u201eeigentlich nichts mit der Hautfarbe oder dem Aussehen zu tun\u201c. Es seien \u201ev\u00f6llig wilde und primitive Menschen\u201c gekommen, \u201eohne irgendwelche Normen\u201c. Diese machten sich zunehmend in der \u00d6ffentlichkeit breit und man k\u00f6nne nichts dagegen sagen.<\/p>\n<p>Berichtet wird von angstausl\u00f6senden Begegnungen mit \u201eMacho-Typen\u201c, die Konflikte provozieren \u201eund sich immer mehr herausnehmen\u201c. Den Medien wird vorgeworfen, die Relevanz von Gewalttaten je nach Personenkreis unterschiedlich zu beurteilen und unterschiedlich zu berichten. Wer die Probleme mit diesen Leuten anspreche, werde entweder blo\u00dfgestellt oder \u201emit brauner Farbe markiert\u201c.<\/p>\n<p>Der Frust \u00fcber \u201edie da oben\u201c habe sich \u00fcber viele Jahre angesammelt und die Ursache liege eigentlich ganz woanders, wird uns erkl\u00e4rt. In allen Bereichen, Schule, Arbeit, Vorsorge, Rente, drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe, merke man, wie langsam alles entgleise und \u201edass der gro\u00dfe Knall nicht mehr weit\u201c sei.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/ARTIKEL_034.jpg\" alt=\"Zeitungsschau\" \/><\/p>\n<p>Erneut wenden sich viele Zeitungen dem Thema gleich auf der Titelseite zu. Die S\u00e4chsische Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, den 29. August 2018, nach den Ausschreitungen in Chemnitz will Sachsens Regierung den Kampf gegen Rechtsextremismus weiter intensivieren. Zu lesen ist die Stellungnahme des Ministerpr\u00e4sidenten, welcher sagte, der Tod des 35-J\u00e4hrigen sei politisch instrumentalisiert worden und \u00fcberhaupt kein Grund f\u00fcr eine Generalverd\u00e4chtigung aller ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger. Die Mobilisierung im Internet beruhe auf ausl\u00e4nderfeindlichen Kommentaren, auf Falschinformationen und auf Verschw\u00f6rungstheorien gegen den Staat und seine Institutionen. Dies sei zum Teil ein Angriff auf unsere Wahrheitssysteme. Jene, die sich aus Empathie oder auf Grundlage falscher Fakten an den Demonstrationen beteiligt haben, sollen sich genau anscheuen, wessen Geistes Kind die Initiatoren sind.<\/p>\n<p>Die Zeitung \u201eDresdner Neueste Nachrichten\u201c titelt \u201eDie bittere Bilanz von Chemnitz: 20 Verletzte, Hitler-Gru\u00df, zu wenig Polizei\u201c. Die \u201eDemonstranten des B\u00fcndnisses Chemnitz nazifrei und der rechtspopulistischen W\u00e4hlervereinigung Pro Chemnitz\u201c standen sich am Montag unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Auf Seite II wird \u00fcber \u201eSachsen und der schwierige Umgang mit den Rechten\u201c berichtet. Auf Seite III erz\u00e4hlt ein Augenzeuge von schwarz vermummten Personen, welche Steine geworfen haben und zieht den Vergleich, es sei wie Krieg gewesen. In demselben Artikel wird ein Augenzeuge des Streits mit t\u00f6dlichem Ausgang zitiert. Dieser schildert, es sei um nicht beglichene Drogenschulden gegangen. Innenminister Martin Dulig erkl\u00e4rt sich die Eskalationen so, dass viele Menschen sich einen Kanal f\u00fcr ihr Misstrauen gegen\u00fcber dem Staat suchen. Zu diesem Misstrauen sei seit 2015 bei einigen gro\u00dfe Wut hinzugekommen. Wenn in einer verk\u00fcrzten Debatte immer mehr Fronten aufgebaut werden, sinke die Hemmschwelle, bei den \u201eechten Neonazis mitzulaufen\u201c.<\/p>\n<p>In der Zeitung \u201eBild\u201c des Verlagshauses Axel Springer ist auf der Seite zwei ein Bild zusehen, welches Demonstranten vor dem Karl-Marx-Monument zeigt. Sie halten ein Transparent mit der Aufschrift \u201eWir sind bunt bis das Blut spritzt\u201c, wobei einer die Hand zum Hitlergru\u00df ausstreckt. Die Zeitung schreibt von einer aufgeheizten Stimmung im Land, die urpl\u00f6tzlich kippen kann, und fragt: \u201eWer will garantieren, dass die Mehrheit ewig immun bleibt gegen diese abscheuliche Wut?\u201c Zudem wei\u00df die Zeitung nicht, wie lange Politik und Staat die B\u00fcrger noch entt\u00e4uschen k\u00f6nnen, bevor deren Entt\u00e4uschung st\u00e4rker wird als ihre Scham, sich der Wut hinzugeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Inzwischen ist es auf den Stra\u00dfen von Chemnitz wieder ruhig. Am Sonntag und Montag waren hunderte bzw. mehrere tausend Menschen durch die Stadt gezogen, um zun\u00e4chst Trauer und Unmut zum Ausdruck zu bringen. 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