{"id":481,"date":"2017-04-10T22:00:04","date_gmt":"2017-04-10T20:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=481"},"modified":"2017-05-07T23:12:42","modified_gmt":"2017-05-07T21:12:42","slug":"keine-verbesserungen-in-den-pflegeheimen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2017\/04\/10\/keine-verbesserungen-in-den-pflegeheimen\/","title":{"rendered":"Keine Verbesserungen in den Pflegeheimen"},"content":{"rendered":"<p>Gera hat bekannterma\u00dfen einen hohen Altenanteil und auch mehrere gro\u00dfe Wohn- und Pflegeheime f\u00fcr diese Generation. Wie die Pflege mit weniger Personal geleistet werden soll, ist dort oft Gespr\u00e4chsthema. Mit der Pflegereform erhofften sich die hiesigen Angestellten Verbesserungen, doch die Situation scheint unver\u00e4ndert. Einige Fachkr\u00e4fte der Altenpflege und Pflegehelfer erz\u00e4hlten uns in der vergangenen Woche von ihrer Arbeit in den Geraer Altenwohnheimen und Pflegeeinrichtungen.<\/p>\n<p>Mehr Personal, so wie es in Aussicht gestellt wurde, k\u00f6nne man bislang nicht feststellen, berichten alle \u00fcbereinstimmend. Die Unzufriedenheit in den H\u00e4usern sei nach wie vor sehr hoch. Oftmals w\u00fcrden die pflegerischen Leistungen nunmehr mit besonders wenigen Fachkr\u00e4ften und Helfern erbracht. Bei Ausf\u00e4llen aufgrund Arbeitsunf\u00e4higkeit m\u00fcssen die verbliebenen Dienste das doppelte Aufgabenpensum bew\u00e4ltigen. Ersatzpersonal gebe es nur selten. Manchesmal m\u00fcssen die wenigen verbliebenen Kr\u00e4fte deshalb sieben Tage nacheinander oder mehr arbeiten. Freie Tage w\u00fcrden den entkr\u00e4fteten Pflegern obendrein noch abgerungen, weil ausgerechnet dann beispielsweise gar niemand im Stationsflur t\u00e4tig w\u00e4re. Doch das ist nicht alles, berichtet man uns. Die Schichtpl\u00e4ne weisen keinerlei Regelm\u00e4\u00dfigkeit auf und zerm\u00fcrben das Personal zus\u00e4tzlich. So ist es nicht ungew\u00f6hlich, dass man in einer Arbeitswoche zun\u00e4chst einen sogenannten Teildienst leistet, also morgens vier Stunden und abends vier Stunden erscheint, tags drauf im Sp\u00e4tdienst arbeitet, dann wieder im Fr\u00fchdienst.<\/p>\n<p>Weil kaum mehr alles zu schaffen ist, leite das Fachpersonal eigene Aufgaben oft auch an die Pflegehelfer weiter, ohne dass diese hierf\u00fcr bef\u00e4higt sind. Als Beispiele werden das Verabreichen von Arznei und das Anschlie\u00dfen von Magensonden genannt. Der Besch\u00e4ftigungstherapeut bewirtschaftet die K\u00fcchen und reicht das Essen und die Getr\u00e4nke dar, der Praktikant muss allein und ohne Einarbeitung die Pflege \u00fcbernehmen, \u201eum den v\u00f6lligen Zusammenbruch der Versorgung zu verhindern\u201d. Da k\u00f6nne es schonmal vorkommen, dass Bettlieger l\u00e4ngere Zeit in ihren Ausscheidungen auf Hilfe warten m\u00fcssen. Eine Helferin, die anonym bleiben m\u00f6chte, berichtet: \u201eDas Problem wird immer so an uns herangetragen, dass wir die unzul\u00e4ssigen Dinge schlie\u00dflich freiwillig tun \u2013 ganz gleich ob es um die \u00dcberschreitung der Arbeitszeiten oder die Aufgaben der Fachkraft geht.\u201c Zeitraubend sei nach wie vor die Dokumentation, \u00e4rgert sich die examinierte Fachschwester. Dadurch erh\u00f6he sich die Arbeitsbelastung zus\u00e4tzlich. Manche Kollegin nehme die Schreibarbeiten sogar schon mit nach Hause.<\/p>\n<p>Aufgrund der schwierigen Situation ist das Betriebsklima in vielen Einrichtungen schlecht, wie beispielsweise nahe dem Rathaus oder unweit der Villa Bardzki. Es wird geschimpft, beleidigt, geschrien, wodurch somancher nach der Arbeit weinend oder innerlich aufgebracht den Heimweg antritt und sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsieht. \u201eEs gibt einen st\u00e4ndigen Wechsel; die Leute kommen und gehen\u201c, beschreibt die Fachschwester die Folgen.<\/p>\n<p>Dass sich die Situation bessert, glaubt sie nicht, und f\u00fchrt gleich mehrere Gr\u00fcnde an. Zwar werde durch die Reform die Demenz besser ber\u00fccksichtigt, doch andere pflegerische Bereiche daf\u00fcr weniger, sodass bei der Bewertung der Hilfebedarf im Ergebnis geringer ausfallen kann als anf\u00e4nglich erwartet. Das habe nat\u00fcrlich auch finanzielle und personelle Konsequenzen in den H\u00e4usern. Zudem w\u00fcrden viele Pflegebetriebe wie ein privatrechtliches Unternehmen gef\u00fchrt \u2013 mit dem Ziel, Gewinne zu erwirtschaften. Die Knappheit werde deshalb ein st\u00e4ndiger Begleiter sein. In einigen Jahren, wenn die Hilfebed\u00fcrftigen mehr geworden, aber finanziell schlechter bedacht sind, k\u00f6nne es zu deutlichen Ver\u00e4nderungen bei der Versorgung kommen, vermutet unsere Gespr\u00e4chspartnerin und f\u00fcgt an: \u201eVielleicht ist aber genau das die Kunst der heutigen Experten, Konzepte und Reformen zu entwickeln, die den Anschein erwecken, um in der Realit\u00e4t etwas v\u00f6llig gegenteiliges zu bewirken.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Gera hat bekannterma\u00dfen einen hohen Altenanteil und auch mehrere gro\u00dfe Wohn- und Pflegeheime f\u00fcr diese Generation. Wie die Pflege mit weniger Personal geleistet werden soll, ist dort oft Gespr\u00e4chsthema. 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