{"id":5086,"date":"2018-10-24T20:31:55","date_gmt":"2018-10-24T18:31:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=5086"},"modified":"2018-11-02T11:06:28","modified_gmt":"2018-11-02T10:06:28","slug":"das-raetsel-um-die-alte-geraer-stadtburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2018\/10\/24\/das-raetsel-um-die-alte-geraer-stadtburg\/","title":{"rendered":"DAS R\u00c4TSEL UM DIE ALTE GERAER STADTBURG"},"content":{"rendered":"<p><em>Bis heute ist nicht bekannt, welche Beziehung die einstige Stadtburg und die Burg auf dem Osterstein zueinander hatten. Die Mittelalter-Spezialistin Dr. Christine M\u00fcller aus Lindenkreuz beleuchtete am 11. November 2012 im Stadtmuseum in ihrem Vortrag &#8222;Gera hus und stat&#8220; die beiden Bauten und ging der Frage nach, welche Burg in den historischen Quellen mit &#8222;Burg Gera&#8220; gemeint ist. Residierten die V\u00f6gte auf der alten Stadtburg, die im Bruderkrieg 1450 zerst\u00f6rt wurde, oder auf dem Hainberg, wo sich Schloss Osterstein erhob? Warum gab es zwei Burgen auf engstem Raum? <\/p>\n<p>Dr. Christine M\u00fcller stammt aus Brandenburg an der Havel. Sie studierte in Halle, promovierte in Jena und spezialisierte sich auf das Mittelalter. Ihre Dissertationsschrift handelte von landgr\u00e4flichen St\u00e4dten in Th\u00fcringen. Gera war zwar keine landgr\u00e4fliche Stadt, doch da Dr. Christine M\u00fcller nahe Gera wohnt, fiel ihr Blick auch auf diese Stadt.<\/em><\/p>\n<p>\u201eGera hus und stat\u201d, oder in der lateinischen Version \u201ecastrum oppidum\u201d, so wird in den urkundlichen Nachrichten seit dem sp\u00e4ten 13. Jahrhundert immer wieder die Besitzeinheit von Burg und Stadt Gera zum Ausdruck gebracht &ndash; vor allem bei Belehnungen und Verpf\u00e4ndungen. Wie es bei Territorialst\u00e4dten die Regel war, geh\u00f6rte zur Stadt Gera im sp\u00e4ten Mittelalter eine Burg ihrer Stadtherren.<\/p>\n<p>Obwohl das Gebiet um Gera seit 999 dem Stift Quedlinburg geh\u00f6rte, wurde die Stadtherrschaft vermutlich von Anfang an durch die V\u00f6gte bzw. Herren von Gera, aus der Familie der V\u00f6gte von Weida, ausge\u00fcbt. Sie waren zun\u00e4chst mit der Vogtei \u00fcber die Stiftsg\u00fcter und sp\u00e4ter mit der Burg und Stadt Gera belehnt. Auf der Geraer Burg wohnten und regierten sie. Hier hielten sie Hof und repr\u00e4sentierten ihre Macht. <\/p>\n<p>Die mittelalterliche Burg Gera ist in einer Vielzahl urkundlicher Zeugnisse ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert belegt. Dar\u00fcber hinaus gibt es mit einer Urkunde aus dem Jahre 1234 eine bemerkenswert aussagekr\u00e4ftige Quelle zur Burg Gera im Besitz der V\u00f6gte von Weida. Darin befreit der Naumburger Bischof als zust\u00e4ndiger Dioz\u00f6san die Kapelle in der Burg Vogt Heinrichs des \u00c4lteren vom \u00f6rtlichen Pfarrzwang. Das bedeutet im einzelnen, dass ein vom Burgherren, dem Vogt von Weida, als Stifter der Kapelle eingesetzter Priester dort f\u00fcr die Burginsassen Gottesdienst halten durfte, und dass diese nicht verpflichtet waren, sich auf dem Friedhof der Geraer Kirche beisetzen zu lassen, sondern ihren Begr\u00e4bnisort frei w\u00e4hlen konnten. Allerdings ist die Burgkapelle damit nicht, wie in der \u00e4lteren Literatur gelegentlich zu lesen, eine selbst\u00e4ndige Pfarrkirche geworden. Sie wurde lediglich in Bezug auf einzelne Rechte von der Ortspfarrei eximiert. In der Urkunde werden unter anderem Burgmannen erw\u00e4hnt, die sowohl innerhalb der Burg als auch in der n\u00e4heren Umgebung wohnten. <\/p>\n<p>Trotz dieser recht ausf\u00fchrlichen Angaben besteht weder bei der Urkunde von 1234 noch bei den zahlreichen sp\u00e4tmittelalterlichen Burgmeldungen Gewissheit \u00fcber die Frage, welche Burg damit eigentlich gemeint ist. Denn im Stadtgebiet von Gera gibt es zwei mittelalterliche Burgst\u00e4lle, die daf\u00fcr in Betracht kommen &ndash; zum einen den Standort des nach dem Zweiten Weltkrieges beseitigten Schlosses Osterstein auf einem Bergsporn \u00fcber dem westlichen Elsterufer, und zum anderen das sogenannte alte Schloss in der S\u00fcdwestecke der Stadt, an der ehemaligen Stadtmauer, \u00f6stlich der Elster. Beide Areale wurden nach Abrissen in den 1960er und 1970er Jahren gro\u00dffl\u00e4chig ber\u00e4umt und neubebaut, wobei die M\u00f6glichkeit einer arch\u00e4ologischen Untersuchung dieses Problemes leider nicht wahrgenommen wurde.<\/p>\n<p>Die \u00e4ltere stadtgeschichtliche Forschung ist mit Bertold Schmidt, dem Nestor der der Vogtl\u00e4ndischen Geschichte, und Ernst Paul Kretschmer, dem Stadthistoriker von Gera, zumeist davon ausgegangen, dass es sich bei der Burg Gera in den oben genannten Urkunden um das, nat\u00fcrlich schon damals verschwundene, alte Schloss in der Stadt handelte. Dieses sei vor Gr\u00fcndung der Stadt rechts der Elster angelegt worden und habe die \u00e4ltere H\u00f6henburg auf der anderen Talseite abgel\u00f6st. Berthold Schmidt folgerte seine Annahme, dass Vogtschloss sei das alte Schloss gewesen, aus einer recht gewagten These, nach welcher sich der Quedlinburger Besitz auf das Gebiet rechts der Elster beschr\u00e4nkte und alle Besitzrechte der Weidaer links der Elster angeblich seit 1193 von den Th\u00fcringer Landgrafen bzw. s\u00e4chsischen Pfalzgrafen zu Lehen gingen. Dabei ist schon das Jahr 1193 als Beginn der Lehensabh\u00e4ngigkeit v\u00f6llig aus der Luft gegriffen. Schmidt bezieht sich damit augenscheinlich auf die nicht erhaltene Stiftungsurkunde des Klosters Mildenfurth aus diesem Jahr, deren Inhalt er aus Gr\u00fcndungsgeschichte des Arnold von Quedlinburg erschlossen hatte. Nach dieser sei der Grund und Boden dieses Klosters landgr\u00e4fliches Lehen Heinrichs des Reichen gewesen.<\/p>\n<p>Wenngleich man diese Quelle ernst nimmt &ndash; obwohl sie durchaus zweifelhaft ist und eine gr\u00fcndliche quellenkritische Untersuchung der Texte Arnolds von Quedlinburg noch aussteht &ndash; und davon ausgeht, dass Arnolds Text eine echte Urkunde zugrunde liegt, handelt es sich dabei aber offensichtlich nur um die Auflassung \u00e4lteren Lehensbesitzes. Das Gebiet w\u00e4re demnach nicht erst seit diesem Akt der Klostergr\u00fcndung 1193, sondern bereits vorher landgr\u00e4fliches Lehen gewesen. Auflassung bedeutet, dass beim Verkauf eines Lehengutes dieses erst dem Lehnsherrn aufgelassen werden musste, damit dieser den neuen Lehnsmann mit dem Gut belehnen konnte.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen geht es in der Urkunde von 1193 allein um das Mildenfurter Gebiet, dem der Raum westlich von Gera schwerlich zuzusprechen ist. Schmidts Annahme, die V\u00f6gte h\u00e4tten das Stadtschloss \u201eim beabsichtigten Gegensatz zum Elster- oder Bergschloss erbaut\u201d, gemeint ist der Osterstein, \u201eweil sie dort bei den losen Lehensverh\u00e4ltnissen der \u00c4btissin von Quedlinburg jedenfalls weit unabh\u00e4ngiger wohnten als im Hoheitsgebiet der m\u00e4chtigen Landgrafen von Th\u00fcringen\u201d, l\u00e4sst sich aus heutiger Sicht ebenso wenig aufrecht erhalten wie die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen bez\u00fcglich beider Burgen.<\/p>\n<p>Schmidts stark rechtshistorisch orientierte, aber kaum quellenfundierte Thesen, wurden mit der kritiklosen \u00dcbernahme durch den Geraer Stadtarchivar und Stadthistoriker Ernst Paul Kretschmer gleichsam kanonisiert und bis in die j\u00fcngste Zeit beibehalten. So hat sich etwa bei Lothar Kranach, der sich 1966 im Rahmen seiner Dissertation erneut mit der Fr\u00fchgeschichte Stadt auseinandersetzte, die \u00dcberzeugung, die Residenz der V\u00f6gte k\u00f6nne nur das alte Schloss gewesen sein, soweit durchgesetzt, dass er den urkundlichen Burgbeleg von 1234 als Beweis f\u00fcr die Existenz des Stadtschlosses ansah, und gar nicht in Betracht zog, dass damit auch der Osterstein gemeint sein k\u00f6nnte. Aber auch einschl\u00e4gige Publikationen der letzten Jahre, wie das Verzeichnis der Stra\u00dfennamen von Sigfried Mues oder die Th\u00fcringer Denkmaltopografie, weisen die Stadtburg als Residenz der V\u00f6gte bis 1450 aus.<\/p>\n<p>Gerhard Willich hat sich allerdings schon vor rund zehn Jahren gegen die von Schmidt postulierte Rolle der Elster als Grenze gewandt. Er leitete jedoch aus der Unrichtigkeit von Schmidts Argumentation ohne Weiteres die Richtigkeit ihrer Negation ab, dass n\u00e4mlich die 1234 genannte Burg an der Stelle des Ostersteines gelegen haben muss. So eindeutig ist die Lage allerdings nicht. Wenn man die gesammte urkundliche \u00dcberlieferung auf die Osterstein-Burg bezieht, muss man sich notwendigerweise der Frage zuwenden, welche Bedeutung das nachweislich seit mittelalterlicher Zeit bestehende alte Schloss hatte, und warum es in den Urkunden nicht erscheint. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es denkbar, dass die Burg auf dem Osterstein im Mittelalter einen anderen Namen als Gera trug, und deshalb in den Quellen nur von einer Burg Namens Gera die Rede ist.<\/p>\n<p>Der Name Osterstein gilt zwar fr\u00fchneuzeitliche Neusch\u00f6pfung und erscheint erst in einem Druck aus dem Jahre 1580 erstmals, war damals aber schon weithin bekannt. Denn es ist kein Geraer, der dar\u00fcber schreibt, sondern ein s\u00e4chsischer Autor, der eigentlich \u00fcber den Bergbau schreibt und ganz beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt, dass es Namen in Mitteldeutschland gibt, die auf, so meint er, das Osterland als Region verweisen. Und hier nennt er auch ganz selbstverst\u00e4ndlich den Osterstein bei Gera. Der Name k\u00f6nnte demnach also auch deutlich \u00e4lter sein. Wenn die Burg allerdings tats\u00e4chlich seit dem Mittelalter nur Osterstein genannt worden w\u00e4re, und nicht Burg Gera, w\u00fcrde das bedeuten, dass tats\u00e4chlich alle urkundlichen Nennungen einer Burg Gera auf die Stadtburg zu beziehen w\u00e4ren, und die Osterstein-Burg kein einziges mal erw\u00e4hnt ist. Denn wie erw\u00e4hnt ist der Name Osterstein in den mittelalterlichen Quellen nicht zu finden.<\/p>\n<p>Die nachweisbaren Spuren der offenbar bedeutenden Burganlage auf dem Osterstein lassen das allerdings wenig glaubhaft erscheinen &ndash; zumal da die Quellenlage, zumindest f\u00fcr das sp\u00e4tere Mittelalter, gar nicht so schlecht ist. Nur ein einziges mal werden Burgen in Gera in der Mehrzahl, also vermutlich zwei, genannt &ndash; n\u00e4mlich im Jahre 1358 in einer Urkunde, die eine Verlehnung \u201evon der stadt und den husen zu gera\u201d durch das Stift Quedlinburg an den Markgrafen von Mei\u00dfen ank\u00fcndigt. Dies steht im Zusammenhang mit dem sogenannten vogtl\u00e4ndischen Krieg Mitte des 14. Jahrhunderts. Hier zwangen die m\u00e4chtigen Marktgrafen die V\u00f6gte weitgehend unter ihre Lehenshoheit &#8211; unter anderem auch mit ihrem quedlinburgischen Besitz in Gera. Mit dem \u201ehusen zu gera\u201d d\u00fcrften hier tats\u00e4chlich die Burg in der Stadt und die auf dem Berg gemeint gewesen sein. Schon wenige Wochen nach dieser Ank\u00fcndigung ist in der Urkunde \u00fcber die tats\u00e4chliche Belehnung wiederum nur von einer Burg die Rede &ndash; die Belehnung mit dem \u201ehuse und stad zu gera\u201d. Dar\u00fcber hinaus fehlt bei dieser Belehnungsurkunde, aber auch der in der erstgenannten Urkunde, der Hinweis auf die Vogtei und ein weiteres Lehngut. Es gibt also hier einen inhaltlichen Unterschied zwischen der anf\u00e4nglich gelobten und der tats\u00e4chlichen Belehnung. Diese k\u00f6nnte also offensichtlich auch die zweite Burg aus der ersten Urkunde betreffen, ohne dass eindeutig ist, welche die verliehene und welche die nicht verliehene Burg ist, geschweige denn, welchen besitzrechtlichen Status die nicht verliehene Burg hatte. Immerhin deutet die Urkunde an, dass beide Burgen unter der Lehenshoheit Quedlinburgs standen. Jedoch erkl\u00e4rt auch diese Quelle nicht das Fehlen der zweiten Burg in allen anderen Urkunden.<\/p>\n<p>Abgesehen von den unbewiesenen Thesen der \u00f6rtlichen Stadtgeschichtsschreibung gibt es keine Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die Geraer V\u00f6gte jemals die Stadtburg bewohnt haben, und ebenso wenig f\u00fcr die Aufgabe der Nutzung des alten Schlosses nach der Eroberung der Stadt im s\u00e4chsischen Bruderkrieg 1450. Dass die Stadt und damit wohl auch das Stadtschloss im Oktober des Jahres 1450 belagert und zerst\u00f6rt wurde, steht au\u00dfer Zweifel. Dies beweist aber nicht, dass das alte Schloss die damalige Residenz der Herren von Gera war. <\/p>\n<p>Gerade die recht umfangreichen Quellen zu jenen Vorg\u00e4ngen liefern Indizien, die auf eine damalige Nutzung der H\u00f6henburg hindeuten. Zu diesen z\u00e4hlt eine b\u00f6hmische Chronik. Ein b\u00f6hmisches Heer unterst\u00fctzte den Herzog Wilhelm im Krieg gegen seinen Bruder, daher ist die tschechische \u00dcberlieferung als Zuverl\u00e4ssig anzusehen. \u00dcbersetzt steht dort geschrieben: \u201eHierbei kamen sie dann zu einer Stadt Gera, und \u00fcber der Stadt zu einer festen Burg gezogen.\u201d<\/p>\n<p>Die Beschreibung der Lage \u00fcber der Stadt ist f\u00fcr das alte Schloss keineswegs zutreffend, denn dass alte Schloss liegt nicht oberhalb der Stadt, sondern niedriger als der gr\u00f6\u00dfte Teil des Stadtgebietes. Herzog Wilhelm, der ebengenannte, bat im August 1450, einige Wochen vor der Einnahme der Stadt, die B\u00fcrger von Jena als seine Untertanen um Hilfe bei der Vorbereitung einer Belagerung Geras. Den Brief, den er dar\u00fcber ausstellte, enth\u00e4lt die Zeile \u201ejene im felde ober gera hinter dem sl\u00f4ze\u201d. Dies wird schwerlich, wie die \u00e4ltere Forschung annahm, auf das alte Schloss zu beziehen sein. Denn wenn Willhelms Heer oberhalb der Stadt gelegen h\u00e4tte, w\u00e4re dies nicht hinter dem Schlosse sondern hinter der Stadt, und zwar auf der dem alten Schloss entgegengesetzten Seite der Stadt gewesen. Das Heerlager d\u00fcrfte sich also eher auf dem Hainberg, s\u00fcdlich des Ostersteines und gegen\u00fcber der Stadt befunden haben. Das angegebene Schloss w\u00e4re demnach die Burg auf dem Osterstein. M\u00f6glicherweise geht die \u00dcberlieferung zur Zerst\u00f6rung des Stadtschlosses auf Cyriacus Spangenbergs \u201eMansfeldische Chronica\u201d zur\u00fcck, nach der das Schloss mit der Stadt angesteckt und verbrannt wurde. Da diese Chronik aber erst einhundert Jahre sp\u00e4ter verfasst wurde und im Jahre 1572 erschien, kommt ihr ungleich weniger Gewicht zu als den zeitgen\u00f6ssischen Quellen. Eine andere, j\u00fcngere und recht ausf\u00fchrliche Quelle best\u00e4tigt hingegen die Belagerung der Osterstein-Burg und gibt an, dass diese, im Unterschied zur Stadt, der Belagerung standhielt. <\/p>\n<p>Paulus Iovius schrieb 1622 in seiner \u201eGenealogie oder Stammbaum des uralten, wohladlichen Geschlechts derer von Selmenitz, so innerhalb von vierthalb Hundert Jahren und dr\u00fcber gelebet\u201d: \u201eAls anno 1450 die Stadt Gera von Herzog Wilhelm zu Sachsen und den B\u00f6hmen belagert, erobert, gepl\u00fcndert und in Brand gesteckt worden, da hat dieser Hans mit seinen S\u00f6hnen auf dem Schloss Gera au\u00dfer der Stadt auf einem Berge gelegen, zur Erhaltung desselben dem Feind derma\u00dfen Widerstand getan, dass er daf\u00fcr abziehen m\u00fcssen und also das Haus Gera damals ist erhalten worden.\u201d Mit Hans ist hier Hans von S\u00f6llmnitz gemeint.<\/p>\n<p>Zu Unrecht hat Kretschmer diese Nachricht als Sage abgetan &ndash; wohl nicht zuletzt, weil er irrt\u00fcmlich Georg Christoph Kreinlich, der den Text 1755, also \u00fcber einhundert Jahre sp\u00e4ter, ver\u00f6ffentlichte, f\u00fcr den Verfasser hielt. Paulus Iovius, der sich vor allem mit seiner Chronik der Schwarzburger einen Namen als gewissenhafter fr\u00fcher geschichtlicher Schreiber gemacht hat, verwendete viele sp\u00e4ter verloren gegangene handschriftliche und archivalische Quellen und kann insofern durchaus als vertrauensw\u00fcrdig gelten. Immerhin schrieb er vor dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg. Viele handschriftliche originale Quellen, die durch den Krieg verloren gingen, kannte er noch.<\/p>\n<p>Kretschmers Behauptung, die Burg auf dem Osterstein werde vom 13. bis 15. Jahrhundert niemals genannt, stimmt nur dann, wenn man, wie Kretschmer es tut, alle Bel\u00e4ge dieser Zeit von vornherein ausschlie\u00dflich auf das Stadtschloss bezieht. Die hier vorgestellten Quellen zur Belagerung Geras im Jahre 1450 lassen sich ganz eindeutig dem Osterstein zuordnen. Die Aussage, die dortige Burg wurde bis ins 15. Jahrhundert nie erw\u00e4hnt, ist also falsch. Den eben zitierten Hinweisen auf die Burg Gera als H\u00f6henburg ist eine Urkunde aus dem Jahre 1315 zur Seite zu stellen, in der ein Geraer Burgmann &#8222;Henricus de gera castellanus ibidem castro residens sub eodem&#8220; also &#8222;unter selbiger Burg residierend&#8220; genannt wird. Kretschmers Versuch, diesen Burgmannssitz einer von ihm postulierten Oberburg, wie er sie nennt, im Bereich der ehemaligen Stra\u00dfe H\u00e4selburg einzuordnen, geht vollkommen fehl.<\/p>\n<p>Kretschmers Ansatz bez\u00fcglich der H\u00e4selburg ist offenbar allein seiner Pr\u00e4misse geschuldet, alle Burgbel\u00e4ge bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts auf die Stadtburg zu beziehen. Es gibt keinerlei Hinweise auf eine mittelalterliche Befestigung im Bereich der H\u00e4selburg. Und deren Lage am flach ansteigenden Hang in der heutigen Florian-Geyer-Stra\u00dfe w\u00e4re f\u00fcr eine Burg ung\u00fcnstiger als sie sie schon f\u00fcr das untenliegende alte Schlosse ist. Den einzigen Anhaltspunkt f\u00fcr Kretschmers These liefert offenbar der Stra\u00dfenname H\u00e4selburg. Das ist als Annahme f\u00fcr einer dritten Burg im Stadtgebiet einfach zu wenig.<\/p>\n<p>Der ungew\u00f6hnliche abgeknickte Verlauf der heute verschwundenen Gasse l\u00e4sst vermuten, dass dies urspr\u00fcnglich eine vom alten Schloss ausgehende Sackgasse war, und das gro\u00dfe Eckgrundst\u00fcck, dass sp\u00e4ter vom Kornmarkt her erschlossen wurde, ihren Abschluss bildete. Derartige sackgassenf\u00f6rmige Siedlungsbereiche im Umfeld einer siedlungsnahen Burg treten auch in anderen Orten Mitteldeutschlands auf. Und es gibt gewisse Hinweise daf\u00fcr, dass es sich dabei um ehemalige Burgsiedlungen handelt.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine solche Deutung spricht in Gera der Umstand, dass von den ratslehnbaren B\u00fcrgerh\u00e4usern der Stadt, die in gro\u00dfer Zahl im \u00e4ltesten Geraer Stadtbuch aus dem 16. Jahrhundert verzeichnet sind, kein einziges in dem Bereich H\u00e4selburg, an der alten Schlossgasse oder beim Klotztor zu finden ist. Das zeigt, dass es dort einen gewissen rechtlichen Sonderbereich innerhalb der Stadt gab, der nicht der Lehnsherrschaft des Stadtrates unterstand. Wenn es also beim alten Schloss \u00fcberhaupt Burgmannensitze gab, dann allenfalls oberhalb der Burg im besagten Bereich, aber sicher nicht \u201esub eodem&#8220; wie es in der Urkunde hei\u00dft. Denn unterhalb des Schlossen flie\u00dft dort lediglich der M\u00fchlgraben.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist die Formulierung \u201ecatro sub eodem\u201d als erster Hinweis auf die sp\u00e4tere Siedlung Untermhaus anzusehen. \u201eUnterm Haus\u201d hei\u00dft nichts anderes als \u201eunter der Burg\u201d. \u201eHus\u201d oder \u201eHaus\u201d ist die sp\u00e4tmittelalterliche Bezeichnung f\u00fcr Burg &ndash; und zwar nicht nur f\u00fcr ein einzelnes Geb\u00e4ude sondern die ganze Burg. Die Benennung jener Siedlung nach dem sp\u00e4tmittelalterlichen Wort f\u00fcr Burg, n\u00e4mlich \u201eHus\u201d und nicht \u201eBurg\u201d, wie man sie bis ins 13. Jahrhundert genannt h\u00e4tte, und auch nicht \u201esl\u00f4z\u201d, wie man solche Bauten ab dem 15. Jahrhundert nennt, k\u00f6nnte f\u00fcr eine suburbium-artige Besiedlung ab dem 14. Jahrhundert oder davor sprechen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt bezeugen auch die Ergebnisse der arch\u00e4ologischen Grabungen auf dem Osterstein eine Nutzung dieses Areals sowie Baut\u00e4tigkeit im 13. und 14. Jahrhundert. Leider fanden diese Untersuchungen nur im n\u00f6rdlichen Bereich des Bergspornes statt, der wohl als Vorburg anzusprechen ist, sodass die Bauzeit und Nutzungsdauer der Hauptburg um den noch erhaltenen Bergfried weiter unbekannt ist. Der einzig erhaltene Bergfried, der mit rund zehn Metern Durchmesser und einer Mauerst\u00e4rke von 3,8 Metern von nicht unbedeutender Gr\u00f6\u00dfe ist, konnte jedoch neuerdings genauer ins mittlere 13. Jahrhundert datiert werden &ndash; mithin einer Zeit, f\u00fcr die Kretschmer der Burg jegliche Bedeutung absprach. Man findet zwar in der Literatur die Angabe 12. Jahrhundert, doch dieser liegen keine genaueren Untersuchungen zugrunde. Der Bergfried ist in seinen Ausma\u00dfen mit anderen mitteldeutschen Bergfrieden des 13. Jahrhunderts gut vergleichbar.<\/p>\n<p>Reinhard Schmidt, ein ausgewiesener Kenner der mitteldeutschen Burgenlandschaft, schreibt in einem Aufsatz: \u201eIn der Zeit um 1200 bis um 1230 kommen sehr h\u00e4ufig Durchmesser von etwa zehn Metern und Mauerst\u00e4rken um drei bis f\u00fcnf Meter vor. Der Rundbogen des Hofeinganges verweist den Bau eindeutig in romanische Zeit.\u201d<\/p>\n<p>Bemerkenswerterweise ist er aber die einzige bauzeitliche \u00d6ffnung. Es gibt nichteinmal einen Abort oder Kamin. Dieser v\u00f6llige Verzicht auf Grundfunktionen ist wohl als Hinweis auf eine relativ sp\u00e4te Bauzeit innerhalb der romanischen Periode zu werten. Denn der Burgenforscher Yves Hoffmann weist in seinem Aufsatz &#8222;Zur Datierung von Wohnt\u00fcrmen und Bergfrieden des 11. bis 13. Jahrhunderts auf s\u00e4chsischen Burgen&#8220; u. a. auf immer kleiner werdende Innendurchmesser der Rundt\u00fcrme als Datierungskriterium hin. Mit unter drei Metern auf der gesamten H\u00f6he des Turmes ist der Innendurchmesser des Ostersteinbergfriedes sehr gering. Auch die Form des Kreuzgew\u00f6lbes, das urspr\u00fcnglich das hochgelegene Eingangsgeschoss trug, passt in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Aufschlussreich ist schlie\u00dflich der \u00fcberlieferte Grundriss der Kapelle, die in den neuzeitlichen Bau des Schlosses Osterstein einbezogen wurde. Die Kapelle wurde, wie fast alle anderen Hallen des Schlosses, in den 1960er Jahren vollst\u00e4ndig abgetragen. \u00dcbrig blieben der Bergfried und einige Bauten der Vorburg. Der Grundriss der Kapelle zeigt aber nicht nur, dass dieser Bau \u00e4lter ist als der daran anschlie\u00dfende, im Kern vielleicht noch sp\u00e4tmittelalterliche, Nordfl\u00fcgel.<\/p>\n<p>Die Achsen beider Geb\u00e4ude sind leicht gegeneinander versetzt &ndash; erkennbar an den Knick in der Wand, der beide Bauteile miteinander verbindet. Als einfache Saalkirche mit halbrunder Apsis und, entweder einer Westempore oder einem anderen nicht erhaltenen westlichen Abschluss, ist sie sicher auch nicht wie in der aktuellen Denkmaltopografie angegeben, im Kern sp\u00e4tgotisch, sondern offensichtlich romanischen Ursprungs.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis liefert ein bedeutendes Argument daf\u00fcr, die Osterstein-Burg zumindest mit der 1234 genannten Burg zu identifizieren. Denn die damals genannte Burgkapelle muss eine romanische gewesen sein. F\u00fcr das alte Schloss ist hingegen keine Kapelle sicher belegt. Ferdinand Hahn hielt zwar einen gew\u00f6lbten Raum in dem seinerzeit noch stehenden Turm des alten Schlosses f\u00fcr eine Kapelle. Nachvollziehbar ist diese Deutung aber nicht. Wahrscheinlich leitete er dies nur aus dem Gew\u00f6lbe her. Der beschriebene Bauteil reicht mit Sicherheit nicht bis in das 13. Jahrhundert zur\u00fcck. \u00dcbrigens legt der Gegenstand der Urkunde von 1234 selbst den Bezug auf die H\u00f6henburg nahe.<\/p>\n<p>Die Extension der Burgkapelle von der Ortspfarrei, die sicher in der ehemaligen Johanniskirche in der Stadt zu lokalisieren ist, mit der Abhaltung eigener Gottesdienste und Begr\u00e4bnisse, erscheint f\u00fcr den in einiger Entfernung von Stadt gelegenen Osterstein allemal sinnvoller als f\u00fcr das alte Schloss in unmittelbarer Nachbarschaft zur einstigen Pfarrkirche.<\/p>\n<p>Andererseits liefern die baulichen und arch\u00e4ologischen Zeugnisse auf dem Osterstein keine Best\u00e4tigung f\u00fcr die von Bertold Schmidt aufgestellte und heute weiter verbreitete Vermutung, die dortige Burg sei vor der Mitte des zw\u00f6lften Jahrhunderts von der Familie der sogenannten Edelfreien von Gera errichtet worden. Denn eine intensive Nutzung und Bebauung ist erst ab dem sp\u00e4ten zw\u00f6lften und 13. Jahrhundert erkennbar.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist keineswegs sicher, dass es jemals ein Adelsgeschlecht von Gera gab. In der Literatur wird im Allgemeinen angegeben, dass Vertreter einer Familie von Gera zwischen 1125 und 1204 bezeugt sind. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass innerhalb dieser rund 80 Jahre, und damit auch zugleich f\u00fcr die gesamte Zeitspanne vor dem Auftreten der Weidaer V\u00f6gte in Gera, gerade drei Personen mit einer Zubenennung &#8222;von Gera&#8220; in der urkundlichen \u00dcberlieferung genannt werden. Sie erscheinen in recht gro\u00dfem zeitlichen Abstand voneinander und lassen keinerlei R\u00fcckschl\u00fcsse auf verwandschaftliche Beziehungen untereinander zu. Im Jahre 1125 ist es Luph, 1148 Sibert, und wohl Anfang des 13. Jahrhunderts Tuto von Gera. Das genaue Jahr ist nicht bekannt.<\/p>\n<p>Luph bezeugte im Jahre 1125 eine Urkunde des Mainzer Erzbischofs f\u00fcr Saalfeld, und stand damit, soweit erkennbar, in keiner Verbindung zum Ort Gera &ndash; au\u00dfer in seiner Zubenennung. M\u00f6glicherweise ist er identisch mit einem zwischen 1118 und 1122 insgesamt dreimal bezeugten edlen Luph oder Lupho aus dem Umfeld des Naumburger Bischofs, der aber dort keine Zubenennung tr\u00e4gt, und vielleicht auch mit Luph von Camburg, der im zweiten Viertel des zw\u00f6lften Jahrhunderts wiederholt als Zeuge ebenfalls wieder in Naumburger Urkunden auftritt &ndash; also im Umfeld des Naumburger Bischofs. Die einzige Erw\u00e4hnung dieses Luph von Gera liegt also zwischen den beiden, den unbenannten Luph und dem Luph von Camburg. Es w\u00e4re somit m\u00f6glich, dass er kurzzeitig die Zubenennung \u201evon Gera\u201d trug und Gera demnach sein zeitweiliger Wohnsitz gewesen war. M\u00f6glicherweise versah er dort Aufgaben im Dienste des Naumburger Bistums, denn die Naumburger Bisch\u00f6fe waren aus geistlicher Sicht f\u00fcr diese Region zust\u00e4ndig und hatten in dem sogenannten Gau Gera auch Besitzrechte und Eink\u00fcnfte.<\/p>\n<p>23 Jahre sp\u00e4ter bezeugt ein Sibert von Gera eine Quedlinburger Urkunde. Somit d\u00fcrfte er mit dem Quedlinburger Besitz in Gera in Verbindung zu bringen sein. Er k\u00f6nnte aber zu der besser bezeugten Familie von Roben geh\u00f6ren, da er nur zwei Jahre zuvor, im Jahre 1146, einem Sigibert von Robin begegnet. Aus Quedlinburger Perspektive mag das nahe an Gera gelegene Roben durchaus unter der Herkunftsbezeichnung Gera im weiteren Sinne gefasst worden sein, zumal da in Quedlinburg der Name Gera sehr gut bekannt war, der Name Roben wohl kaum.<\/p>\n<p>Ob der \u00fcber ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter auftretende Tuto von Gera und seine Frau Radzsche (Hadwiga, Hedwig) vor ihrer \u00dcbersiedlung ins Altenburger Bergkloster, das mit dieser Urkunde bezeugt wird, in Gera ans\u00e4ssig waren bzw. welche Stellung sie dort inne hatten, ist nicht zu ermitteln. Eine Beziehung zum Stift Quedlinburg ist nicht nachweisbar. Eine andere Urkunde \u00fcber den besagten Vorgang, in der Tuto als elder Ritter bezeichnet wird, stellte sich als F\u00e4lschung heraus. Weitere Informationen \u00fcber diesen Tuto gibt es derzeit nicht.<\/p>\n<p>Sicherlich standen die drei Personen in einem Zusammenhang mit dem vogtl\u00e4ndischen Gera und zumindest Sibert wohl auch mit Quedlinburg. Der Versuch, sie alle einer sonst nicht belegten Familie &#8222;Herren von Gera&#8220; zuzuweisen zu wollen, ist jedoch ausgesprochen weit hergeholt. Er entspringt offenbar Bertold Neigung zur Genealogisierung. Auch verschiedene Ministerialen von Gera, die im 13. Jahrhundert Urkunden der V\u00f6gte bezeugen, versucht er einer gemeinsamen Familie zuzuweisen, obwohl sie doch ganz offensichtlich nur einer gemeinsamen Burgmannschaft angeh\u00f6ren &ndash; n\u00e4mlich der von Gera.<\/p>\n<p>\u00dcber die arch\u00e4ologischen Befunde auf dem Osterstein hinaus ist schlie\u00dflich darauf hinzuweisen, dass die topografische Lage auf dem langgestreckten steilen Bergsporn f\u00fcr eine herrschaftliche Burg die beste im ganzen weiteren Stadtgebiet ist. Sie bietet einen weiten Blick \u00fcber das Elstertal &ndash; von Langenberg bis Pforten sowie \u00fcber das gesamte Stadtgebiet in der Talerweiterung. Man blickte auch auf den alten Markt an der Dornaer Stra\u00dfe und konnte ebenso die tief eingeschnittene Hohle und die mit ihr verbundene Elsterquerung in Bereich der heutigen Untermh\u00e4user Br\u00fccke \u00fcberwachen. Sie war auf dem H\u00f6henweg in Richtung Westen vermutlich eher von \u00fcber\u00f6rtlicher Bedeutung als die sp\u00e4tere Heinrichsbr\u00fccke bei der Stadt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus besitzt der Burgplatz eine hervorragende Schutzlage und ausreichend Raum f\u00fcr Vorbefestigung, Versorgungseinrichtungen und Unterbringung von Burgleuten und anderem Personal. Die Burganlage wurde dementsprechend auch seit vorgeschichtlicher, kontinuierlich seit slawischer Zeit, genutzt. Ernst Paul Kretschmer verkannte diese Lagevorteile im Zuge seines Pl\u00e4doyers f\u00fcr das alte Schloss als Burg der V\u00f6gte. \u201eMan sieht eigentlich heute nicht mehr recht ein, warum man gerade hier, abseits der Stra\u00dfen, eine Feste anlegte\u201d, kommentierte er kopfsch\u00fcttelnd die Existenz einer Burg, die nicht in sein Deutungsschema paste.<\/p>\n<p>Wenngleich wenn dieser, ungeachtet Kretschmers gegenteiliger Behauptung sehr g\u00fcnstige Bauplatz sicher im gesamten Mittelalter mehr oder weniger stark genutzt wurde, lie\u00dfe sich doch eine Baut\u00e4tigkeit ab dem sp\u00e4ten zw\u00f6lften Jahrhundert recht gut mit dem Beginn der Aktivit\u00e4ten der Weidaer in Gera in Verbindung bringen. So werden ab 1209 Zeugen von Gera in den Urkunden der V\u00f6gte von Weida genannt, die wohl als Burgmannen anzusprechen sind. Im Jahre 1234 lie\u00df Heinrich von Gera die Kapelle seiner Burg, die m\u00f6glicherweise gerade erst neu erbaut worden war, von der Ortspfarrei exemieren. Und schlie\u00dflich wurde Gera zur Stadt erhoben, zwar unter der Oberherrschaft des Stifts Quedlinburg, aber sicher unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung, vielleicht sogar auf Initiative der V\u00f6gte von Weida, im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fcnde scheinen daf\u00fcr zu sprechen, die Burg der V\u00f6gte als Geraer Stadtherren in der H\u00f6henburg auf dem linken Elsterufer zu suchen. Dabei bleibt aber die Frage, welche Funktion in diesem Falle die alte Anlage in der Stadt hatte, offen. Bereits im fr\u00fchen 16. Jahrhundert als &#8222;altes Schloss&#8220; bezeichnet, ist dies der einzige historisch \u00fcberlieferte Name f\u00fcr die Stadtburg. Dass es sich bei diesem Bau um eine mittelalterliche Befestigung handelte, die der Bezeichnung Burg gerecht wurde, ist nicht zu bezweifeln. Sie war zwar in die Stadtumgebung integriert, wie noch auf einem Plan des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts zu erkennen ist, von dieser aber doch deutlich abgegrenzt &ndash; urspr\u00fcnglich wohl sogar mit einem Wassergraben. Ferdinand Hahn berichtet Mitte des 19. Jahrhunderts, dass auf den hohen St\u00fccken \u00f6stlich des alten Schlosses bei Erdarbeiten eine f\u00fcnf Ellen tiefe Schicht Schlamm gefunden worden sei, sowie starke Pf\u00e4hle und Zaunflechtungen, welche augenscheinlich der Befestigung und Stabilisierung dienten. Das alte Schloss besa\u00df starkes Mauerwerk, wie die Ende des 19. Jahrhunderts noch erhaltene Bausubstanz erkennen l\u00e4sst, und mindestens zwei Mauert\u00fcrme.<\/p>\n<p>Auf der Zeichnung von 1537 (siehe Titelbild) ist ein Turm zu sehen, der von der Lage her nur innerhalb des alten Schlosses zu lokalisieren ist &#8211; n\u00e4mlich zwischen dem linken Turm, der das Klotztor markiert, und der damals noch bestehenden Johanniskirche. Der dort abgebildete Turm ist allerdings eindeutig eckig, w\u00e4hrend die im folgenden zitierte, fast zeitgleiche Schriftquelle von schebeligten, also runden T\u00fcrmen spricht. Der sogenannte pirnaische M\u00f6nch beschreibt ihr Erscheinungsbild am Ende des Mittelalters, um 1530: \u201e&#8230;in der Stat ein Schlo\u00df, als wie es noch st\u00fcck mauer und zubrochene schebeligte torme hinter der Pfarr vorhanden.\u201d Er ist \u00fcbrigens der erste, der deutlich zwischen beiden Burgen unterscheidet und den Osterstein als den damaligen Wohnsitz der Stadtherren ausweist. Es hei\u00dft bei ihm: \u201e&#8230;welche Herrn halten zum Teil ihr Hofgelege auf einer furstlichen Burg gegen der Stat \u00fcber der Elster an einem Berge.\u201d<br \/>\nZugleich belegt seine Nachricht, dass das alte Schloss sp\u00e4testens im 15. Jahrhundert mit gro\u00dfer Sicherheit bestanden hat, und es um 1530 bereits verfallen war. Es gibt dar\u00fcber hinaus auch eine schriftliche Erw\u00e4hnung aus dem letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts, in der auch von einem alten Schloss die Rede ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.studiogera.de\/001_BILD\/ARTIKEL_036.jpg\" alt=\"Dieser Plan aus dem Stadtarchiv zeigt den Grundriss der Altstadt um das Jahr 1820.\" \/><br \/>\n<em>Dieser Plan aus dem Stadtarchiv zeigt den Grundriss der Altstadt um das Jahr 1820.<\/em><\/p>\n<p>Welche Funktion hatte diese Stadtburg? Es ist n\u00f6tig, in diesem Zusammenhang die Topografie und Entstehungsgeschichte der Stadt genauer ins Auge zu fassen. Auch hier weist die \u00f6rtliche Stadtgeschichtsschreibung noch gro\u00dfe Defizite auf. Zun\u00e4chst ist die Lage des alten Schlosses nicht ganz so charakteristisch f\u00fcr eine Stadtburg, wie dies auf dem ersten Blick im Grundriss erscheinen mag. Zwar liegt sie in typischer Weise in einer Ecke der etwa viereckigen Stadtbefestigung, jedoch keineswegs an der daf\u00fcr geeignetsten Stelle. Diese befand sich eindeutig an der diagonal entgegengesetzten nord\u00f6stlichen Stadtmauer-Ecke. Dort wurde n\u00e4mlich mit dem Nicolaiberg ein Bergsporn noch eben in die Stadt einbezogen, der unmittelbar oberhalb der wichtigsten Stra\u00dfenkreuzung im Stadtgebiet liegt, deutlich erh\u00f6ht und damit geradezu pr\u00e4destiniert ist, eine Stadtburg zu tragen.<\/p>\n<p>Au\u00dfer der namensgebenden Nicolaikapelle, die nach dem Stadtbrand 1686 nicht wieder aufgebaut wurde, und \u00fcber die wenig bekannt ist, befanden sich in dieser bevorzugten Lagen in der fr\u00fchen Neuzeit lediglich zwei Freih\u00f6fe &ndash; das sp\u00e4ter sogenannte Schreibersche und das nicht erhaltene Richtersche Haus. Vielleicht handelte es sich um ehemalige Burgg\u00fcter. Das alte Schloss hingegen stand auf der viel tiefer gelegenen Westseite der Stadt &ndash; ohne Schutzlage. Zudem war es weit von den wichtigen Durchgangsstra\u00dfen wie dem Steinweg oder der Weidaer Stra\u00dfe, entfernt. Die Br\u00fccke \u00fcber den M\u00fchlgraben, der am alten Schloss vorbei floss, befand sich weiter im Norden. Und das nahe dem Schloss gelegene Klotztor war wohl das unbedeutendste der ganzen Stadt. Es erschloss lediglich den Bereich der davorgelegenen Klotzm\u00fchle. Es scheint nahezu ausgeschlossen, dass das alte Schloss in dieser Lage als Stadtburg im Zuge einer planm\u00e4\u00dfigen Stadtgr\u00fcndung angelegt wurde. Es muss deshalb entweder deutlich j\u00fcnger oder aber \u00e4lter als die Stadtanlage gewesen sein. Die M\u00f6glichkeit, dass die Burg erst nachtr\u00e4glich in die Stadt gebaut wurde, als g\u00fcnstigere Baupl\u00e4tze bereits besetzt waren, ist nicht g\u00e4nzlich von der Hand zu weisen. Es gibt daf\u00fcr Beispiele, z. B. in Eisenach. In diesem Falle w\u00e4re die Urkunde von 1234 eindeutig auf die Osterstein-Burg zu beziehen, alle sp\u00e4teren Belege hingegen auf die Stadtburg. Die Osterstein-Burg h\u00e4tte dann m\u00f6glicherweise vor\u00fcbergehend ihre Funktion an die Stadtburg abgegeben. Diese M\u00f6glichkeit bleibt als eine Variante stehen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Anhaltspunkte f\u00fcr ein h\u00f6heres Alter der Stadtburg. Sie resultieren aus der vorst\u00e4dtischen Besiedlung des Stadtgebietes. Wichtig ist dabei vor allem die Lage der nach dem Stadtbrand 1780 aufgegebenen Pfarrkirche St. Johannis. Sie befand sich am heutigen Johannisplatz, rund 150 Meter n\u00f6rdlich des alten Schlosses. Sie ist bereits in den 1230er Jahren gut bezeugt &ndash; nicht nur im Zusammenhang mit der bereits erw\u00e4hnten Exemtion der Burgkapelle, sondern auch durch eine Besitz\u00fcbertragung an die Kirche im Jahre 1238, bei der bereits das Johannis-Patrozinium erw\u00e4hnt ist. Sie war bis ins 18. Jahrhundert die einzige Pfarrkirche &ndash; nicht nur f\u00fcr die Stadt, sondern auch f\u00fcr mehrere umliegende D\u00f6rfer. Beim Stadtbrand im Jahre 1780 wurde sie stark besch\u00e4digt und im 19. Jahrhundert abgetragen. Arch\u00e4ologische Untersuchungen haben ergeben, dass die gotische Kirche mindestens einen romanischen Vorg\u00e4ngerbau vor Mitte des 13. Jahrhunderts hatte. Allerdings w\u00e4ren weder die Kirche noch ihre periphere Lage in der Stadt, abseits des zentralen Marktplatzes, zwingende Gr\u00fcnde, ihren Ursprung vor der Stadtgr\u00fcndung zu suchen &ndash; wohl aber die urkundliche Nennung eines Geraer Dorfpfarrers namens Konrad in der Zeit um 1200.<\/p>\n<p>Eine alte Dorflage, die den Ortsnamen an die neue Stadt abgegeben hat, ist in oder bei Gera, anders als bei vielen anderen Gr\u00fcndungsst\u00e4tten, nicht bekannt. Ein als Flurname \u00fcberlieferter Alter Markt lag in einiger Entfernung n\u00f6rdlich der Stadt, und zwar an der Dornaer Stra\u00dfe. Er besa\u00df aber offensichtlich keine eigene Pfarrkirche. Wenn es in Gera nur eine Ortspfarrei gab, muss diese zugleich die vorst\u00e4dtische Landpfarrei gewesen sein. Und diese ist somit ebenfalls in der Johanniskirche zu lokalisieren. Die Kirche muss also \u00e4lter sein als die Stadt und urspr\u00fcnglich zu einem Dorf Gera geh\u00f6rt haben, das demnach, zumindest teilweise, im sp\u00e4teren Stadtgebiet lag. Tats\u00e4chlich ist bei genauerer Betrachtung des Stadtgrundrisses &ndash; wiederum im Kontrast zum Bild der \u00e4lteren Forschung &ndash; zu konstatieren, dass diese durchaus nicht durchg\u00e4ngig eine unzweifelhaft regelm\u00e4\u00dfige Anlage zeigt, wie Kretschmer es so sagt.<\/p>\n<p>Die detaillierten Pl\u00e4ne des 19. Jahrhunderts und Luftbilder vor den Fl\u00e4chenabrissen in der Innenstadt lassen erkennen, dass nur einzelne Bereiche den Kriterien der Planm\u00e4\u00dfigkeit entsprechen &ndash; und zwar vor allem um die regelm\u00e4\u00dfigen Platzanlagen Markt und Kornmakt sowie n\u00f6rdlich davon. Andere Teile lassen Geradlinigkeit und Rechtwinkligkeit des Stra\u00dfensystems v\u00f6llig vermissen. Besonders unregelm\u00e4\u00dfig sind die Gassen rings um das alte Schloss. Die Alte Schlossgasse, die H\u00e4selburg, die Siedelhofgasse aber auch die heutige Burgstra\u00dfe wurden nicht als eine Stra\u00dfenachse angelegt, sondern aus mehreren Stra\u00dfenabschnitten zusammengesetzt. Die heutige Burgstra\u00dfe entstand aus den Abschnitten Alte Schlossgasse, Kirchhof, Hinter der alten Kirche und Klotzgasse. Die Achse Kirchgasse&ndash;Lange Gasse vermittelt ebenso den Eindruck, als handele es sich um eine durchgehend geplante und angelegte Strecke. Doch auch hier ist das Gegenteil der Fall.<\/p>\n<p>Die zuvor beschriebene, von Nord nach S\u00fcd verlaufende Stra\u00dfe, heute Burgstra\u00dfe, ist immerhin zumindest topografisch im Stadtbild eine der Hauptachsen der Stadt. Doch ist sie anscheinend nicht einheitlich mit dem regelm\u00e4\u00dfigen Stra\u00dfenbett angelegt worden, sondern beschreibt einen leichten Bogen. Das ist sowohl im Grundriss als auf dem Luftbild gut zu erkennen. Dieser Bogen entspricht recht genau dem H\u00f6henlinienverlauf. W\u00fcrde man auf dem Stadtplan die H\u00f6henlinien darstellen, k\u00f6nnte man die Einbettung der Stra\u00dfe in den Bogen gut erkennen. Allerdings ist das Gef\u00e4lle in diesem Bereich keineswegs so gro\u00df, dass man die Stra\u00dfe nicht h\u00e4tte gerade anlegen k\u00f6nnen, wenn der Wille im Rahmen eines Stadtplanungsvorganges vorhanden gewesen w\u00e4re. Offensichtlich handelt es sich um eine Stra\u00dfe, die sich, entsprechend dem Gel\u00e4nde vor der planm\u00e4\u00dfigen Stadtanlage, so herausgebildet hat. Da an dieser besagten Stra\u00dfe die Johanniskirche mit ihrem Kirchhof lag, war die Stra\u00dfe wohl ebenfalls \u00e4lter als die planm\u00e4\u00dfige Stadtanlage. Und an ihr lag auch das alte Schloss.<\/p>\n<p>Entlang der westlichen Stadtmauer, befand sich mit dem Gel\u00e4nde der Reu\u00dfischen Regierungsgeb\u00e4ude und mehreren seit dem 16. Jahrhundert fassbaren Freih\u00f6fen ein gro\u00dfer herrschaftlicher Sonderrechtsbereich innerhalb der Stadt, welcher sich n\u00f6rdlich vor dem Schlosstor mit einem weiteren Freihaus fortsetzte. Zum sogenannten Volkmarschen Freihof oder Siedelhof, der zwischen dem altem Schloss und der Kirche lag, geh\u00f6rte unter anderem ein Garten auf der anderen Seite der Stadtmauer. Dieser Besitz erstreckte sich also \u00fcber die mittelalterliche Stadtgrenze hinaus. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des M\u00fchlgrabens, au\u00dferhalb der Stadt, schloss sich daran das sogenannte Schlicksche Erbgericht, auch Limmers Garten genannt, an. Es war ebenfalls ein mit eigener Gerichtsbarkeit und Freiheit von st\u00e4dtischen Abgaben versehenes gro\u00dfes Grundst\u00fcck. Auch ein gro\u00dfer dreieckiger Platz, der durch die heutige Bebauung auch kaum noch als solcher wahrnehmbar ist und bis ins fr\u00fche 19. Jahrhundert Anger, sp\u00e4ter Ro\u00dfplatz hie\u00df, schloss daran an.<\/p>\n<p>An einem Bereich n\u00f6rdlich davon, nahe dem heutigen Stadtmuseum, haftete der altert\u00fcmliche Name Br\u00fchl, der ebenfalls ein Hinweis auf eine vorst\u00e4dtische Siedlung sein k\u00f6nnte. M\u00f6glicherweise wird hier beiderseits des M\u00fchlgrabens, zwischen Angerm\u00fchle und Klotzm\u00fchle, eine vorst\u00e4dtische Siedlung fassbar, die von herrschaftlichen Besitzverh\u00e4ltnissen gepr\u00e4gt war, und daher wohl am ehesten mit dem zu vermutenden Quedlinburgischen Fronhof, dem um 1200 und nochmals 1306 genannten Allodium, in Verbindung zu bringen ist. Zu dieser Siedlung k\u00f6nnte dann auch, vielleicht als grundherrlicher, d. h. Quedlinburgischer Amtssitz, das alte Schloss bzw. dessen Vorg\u00e4ngerbau geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>Da das Stift Quedlinburg erst 1306 alle seine Besitz- und Herrschaftsrechte an die V\u00f6gte abtrat, nahm es diese Rechte vorher zumindest teilweise noch selbst wahr. So blieb 1237 in der ber\u00fchmten Ersterw\u00e4hnungsurkunde Geras als Stadt, in der Einigung zwischen dem Stift und den V\u00f6gten \u00fcber die Gerichtsrechte in Gera, die niedere Gerichtsbarkeit \u00fcber die Stadtb\u00fcrger den Quedlinburgischen Schulthei\u00dfen vorbehalten, die hier noch unabh\u00e4ngig von den V\u00f6gten ans\u00e4ssig waren. Das Schulthei\u00dfenamt wurde erst im Jahre 1306 abgegeben. Auch die Allodien, wahrscheinlich Fronh\u00f6fe, wurden offenbar bis zu diesem Zeitpunkt noch von Quedlinburg bzw. seinen Amtsleuten, aber nicht von den V\u00f6gten, verwaltet. Ein Quedlinburgischer Amtssitz k\u00f6nnte also, ebenso wie die Kirche, bei der Gr\u00fcndung der Stadt in diese mit einbezogen worden sein, und durchaus noch l\u00e4ngere Zeit bestanden haben. Nach 1306 m\u00f6gen Beamte der V\u00f6gte dort die Gesch\u00e4fte ihrer Quedlinburgischen Vorg\u00e4nger weitergef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Rolle des alten Schlosses als Sitz des Stadtgerichts spricht die nachweisliche Nutzung als Gef\u00e4ngnis. Sie ist seit dem 17. bis ins 19. Jahrhundert belegt. Als herrschaftlicher Verwaltungssitz innerhalb eines unbefestigten Dorfes d\u00fcrfte das alte Schloss schon in vorst\u00e4dtischer Zeit eine eigene Befestigung besessen und diese nach der Einbeziehung in die Stadtanlage lediglich beibehalten haben. Das die im 19. Jahrhundert noch vorhandenen baulichen Reste in vorst\u00e4dtische Zeit zur\u00fcckreichen, ist allerdings unwahrscheinlich.  Die Anlage k\u00f6nnte in sp\u00e4terer Zeit zu Gunsten der Wehrhaftigkeit der Stadt, eben in der Stadtmauerecke, erneuert worden sein. Die H\u00e4selburg war unter diesen Umst\u00e4nden vielleicht eine H\u00f6hensiedlung. Das bleibt aber sehr spekulativ.<\/p>\n<p>Da das alte Schloss als Amtssitz aber nicht, wie andere Stadtburgen, zumindest zeitweilig als herrschaftlicher Wohnsitz fungierte, sondern nur administrative Aufgaben genutzt wurde, k\u00f6nnte es f\u00fcr die jeweiligen Ortsherren als Urkundenaussteller weniger als Burg denn vielmehr als integraler Bestandteil der Stadt Bedeutung gehabt haben &ndash; vor allem nach dem R\u00fcckzug Quedlinburgs aus dem \u00f6rtlichen Recht. Vielleicht war dies der Grund, dass es neben der Stadt selbst nicht ausdr\u00fccklich in den Geraer Urkunden genannt wurde. Zumindest w\u00fcrde eine derartige Siedlungsentwicklung erkl\u00e4ren, warum das alte Schloss an einer in Bezug auf die Stadtanlage strategisch so unvorteilhaften Stelle lag &ndash; n\u00e4mlich, indem es urspr\u00fcnglich gar nicht auf die Stadt oder dem Verkehrsweg auf der h\u00f6heren Uferterrasse bezogen war, sondern auf eine agrarische Siedlung im Tal, von der die g\u00fcnstigere Position auf dem Nicolaiberg einfach zu weit entfernt war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Bis heute ist nicht bekannt, welche Beziehung die einstige Stadtburg und die Burg auf dem Osterstein zueinander hatten. Die Mittelalter-Spezialistin Dr. Christine M\u00fcller aus Lindenkreuz beleuchtete am 11. 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