{"id":6400,"date":"2019-03-04T22:14:40","date_gmt":"2019-03-04T21:14:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=6400"},"modified":"2019-03-04T22:14:42","modified_gmt":"2019-03-04T21:14:42","slug":"musik-als-indikator-fuer-zunehmende-aggression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/03\/04\/musik-als-indikator-fuer-zunehmende-aggression\/","title":{"rendered":"MUSIK ALS INDIKATOR F\u00dcR ZUNEHMENDE AGGRESSION"},"content":{"rendered":"\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Musik einer Studie zufolge deutlich ver\u00e4ndert. Melodien und Texte der erfolgreichsten Lieder sind laut dem &#8222;Journal of Popular Music Studies&#8220; heute deutlich aggressiver als vor 60 Jahren. Zu diesem Schluss kamen Forscher, nachdem sie die US-Top 100 der Jahre zwischen 1950 und 2016 ausgewertet hatten. In den 1950er Jahren seien zumeist positive Empfindungen wie Freude und Gl\u00fcck zum Ausdruck gebracht worden; aggressive Texte f\u00e4nden sich nur selten, n\u00e4hmen aber allm\u00e4hlich zu. Ein deutlicher Anstieg sei ab den 1990er Jahren zu verzeichnen, welcher im Jahre 2015 seinen H\u00f6hepunkt erreicht habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das \u00fcber die Gesellschaft aussagen kann, dar\u00fcber gibt es unterschiedliche Ansichten. Nachgewiesen ist eine wechselseitige Beziehung zwischen der Musik und dem H\u00f6rer, wobei dieser die geh\u00f6rten T\u00f6ne, die objektiv betrachtet neutral und ohne Aussagekraft sind, interpretiert und assoziiert. Einerseits kann das H\u00f6ren von Musik Emotionen hervorrufen und dabei helfen, sich in bestimmte Stimmungslagen zu versetzen. Andererseits kann Musik dazu verwendet werden, bereits vorhandene Emotionen zum Ausdruck zu bringen. In diesem Falle k\u00f6nnte die Musik auf eine zunehmende emotionale Belastung der Gesellschaft hinweisen, die Aggression zur Folge hat. Auf eine zunehmende Aggression k\u00f6nnte auch der sich \u00e4ndernde Wortgebrauch bei der Kommunikation in sozialen Netzwerken hinweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Psychologie wird Aggression als ein Verhalten mit Sch\u00e4digungsabsicht definiert. Zur Entstehung gibt es f\u00fcnf verschiedenen Theorien.<\/p>\n\n\n\n<p>Psychoanalytische Aggressionstheorie<br>Sigmund Freud entwickelte eine psychoanalytische Theorie zur Entstehung von Aggressionen. Aufgrund der Feststellung, dass es zu jeder Zeit auf der Welt Kriege gibt, nahm Freud an, dass alle Menschen einen Todestrieb besitzen. Dieser erzeuge fortlaufend Triebenergie, die, wenn sie nicht in kleinen Mengen auf sozial akzeptable Weise abgebaut werden k\u00f6nne, zu aggressivem Verhalten f\u00fchre. Ein wie von Freud beschriebener angeborener Aggressionstrieb konnte bislang nicht nachgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Psychohydraulische Aggressionstheorie<br>Konrad Lorenz modifizierte diese Theorie zu seinem &#8222;Psychohydraulischen Modell&#8220; \u2014 einer Triebtheorie: Aggressivit\u00e4t sei ein Instinkt zur Arterhaltung. Dieser Instinkt sei ein Trieb, der immer wieder entladen werden m\u00fcsse. Ausl\u00f6ser dieser Entladungen k\u00f6nnen Umweltprozesse sein. Man spricht hier auch von dem &#8222;Dampfkesselmodell&#8220;: Die Triebenergie erzeugt Druck, der entladen werden muss. Heizt die Umwelt dem Kessel ein, kommt es schneller zur Entladung. Positiv an dieser Theorie ist, dass die Bedeutung der Umwelt bei der Ausl\u00e4sung des aggressiven Verhaltens aufgezeigt wird. Einen Beweis f\u00fcr den angeborenen Aggressionstrieb und die fortlaufend erzeugte Triebenergie gibt es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Frustrations-Aggressionstheorie<br>John S. Dollard und Neal E. Miller entwickelten im Jahre 1939 die Frustrations-Aggressionstheorie. Sie besagt, dass bei Menschen, die an der Erreichung eines Zieles gehindert werden und Entt\u00e4uschung erfahren, Frustrationen entstehen. Frustration f\u00fchre immer zu einer Form der Aggression, und Aggression sei immer eine Folge von Frustration. Da sich diese Thesen nicht halten lie\u00dfen, wurden sie erweitert: Aggressives Verhalten kann gehemmt werden, und nicht jede Frustration ist stark genug, um Aggression auszul\u00f6sen. Hierzu muss gesagt werden, dass dies sicherlich oft zutrifft. Frustrationen l\u00f6sen tats\u00e4chlich oft Aggression aus &#8211; aber nicht immer. H\u00e4ufig k\u00f6nnen Frustrationen mit angemessenen Strategien verarbeitet werden. Gelingt dies nicht, k\u00f6nnen Frustrationen auch zu Resignation, zu R\u00fcckzug oder sogar zu depressiven St\u00f6rungen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Lerntheorethische Aggressionsmodelle<br>Sie gehen davon aus, dass aggressives Verhalten erlernt wird. Es kann abgeschaut werden (Modell-Lernen) oder durch eigene Erfahrungen (instrumentelles Lernen) erlernt werden, wenn sie &#8222;erfolgreich&#8220; waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Theorie des Werkzeugverlustes<br>Hier sind die &#8222;Werkzeuge&#8220; f\u00fcr gesellschaftlich akzeptable Ausdrucksweisen nicht mehr vorhanden. Das hei\u00dft, es fehlen die M\u00f6glichkeiten, sich verbal auszudr\u00fccken. Der Betroffene greift in diesem Falle auf fr\u00fcher erlernte, nonverbale Ausdrucksformen zur\u00fcck und wird beispielsweise handgreiflich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Musik einer Studie zufolge deutlich ver\u00e4ndert. Melodien und Texte der erfolgreichsten Lieder sind laut dem &#8222;Journal of Popular Music Studies&#8220; heute deutlich aggressiver als vor 60 Jahren. 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