{"id":6853,"date":"2019-04-09T17:22:47","date_gmt":"2019-04-09T15:22:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=6853"},"modified":"2019-04-09T17:22:49","modified_gmt":"2019-04-09T15:22:49","slug":"die-organspende-als-neue-moralische-norm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/04\/09\/die-organspende-als-neue-moralische-norm\/","title":{"rendered":"DIE ORGANSPENDE ALS NEUE MORALISCHE NORM"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach dem Tode soll jeder als Organspender zur Verf\u00fcgung stehen, wenn kein Widerspruch vorliegt. Daf\u00fcr setzt sich Bundesgesundheitsminister Spahn ein, ebenso der SPD-Politiker Lauterbach und weitere Abgeordnete des Parlaments. Der Entwurf sieht ein Register vor, in dem der Widerspruch eingetragen werden muss. Dieser Eintrag k\u00f6nne jederzeit ge\u00e4ndert werden. Mit der sogenannten Widerspruchsl\u00f6sung soll die Verf\u00fcgbarkeit von Organen erh\u00f6ht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Gesellschaft l\u00f6st das Thema kontroverse Diskussionen aus \u2014 beginnend bei den verwendeten Begriffen \u201eTod\u201d und \u201eSpende\u201d. Denn aus Sicht einiger Kritiker sind diese so gew\u00e4hlt, dass sie die Wahrnehmung der Tatsachen ver\u00e4ndern und unterschwellig eine neue moralische Norm implementieren. Ohne diese Suggestion w\u00fcrde der Vorschlag allerdings anders lauten und Fragen aufwerfen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNach einem unumkehrbaren Ausfall der Hirnt\u00e4tigkeit steht jeder der Explantation zur Verf\u00fcgung, sofern kein Widerspruch vorliegt.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Handelt es sich ohne die W\u00f6rter \u201eTod\u201d und \u201eSpende\u201d um Sterbende, die in dem Zustand gehalten werden, um sie ausweiden zu k\u00f6nnen? Durch die verwendeten Begriffe wird jedenfalls das Gef\u00fchl vermittelt, etwas gutes getan zu haben. Sie verbessern die Zustimmung und sorgen daf\u00fcr, dass die Entnahme nicht n\u00e4her betachtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Tot ist man, wenn alle K\u00f6rpersysteme zum Erliegen gekommen sind und kein Stoffaustausch mehr stattfindet. Dann aber sind die Organe nicht mehr verwendbar. Andererseits ist der Tod das Kriterium f\u00fcr die Organentnahme. Wenn aber nun bereits der unumkehrbare Ausfall der Hirnt\u00e4tigkeit als Kriterium f\u00fcr den Tod verwandt wird, macht das die betroffenen Menschen zu einem Objekt f\u00fcr die Explantation.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Dokumentation \u201eDer Streit um den Hirntod\u201d, ausgestrahlt am 24. M\u00e4rz 2018 im Programm \u201eArte\u201d sagt Professor Robert Troug von der Harvard-Universit\u00e4t:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDer Hirntod wird gegen\u00fcber der Gesellschaft oft als ein glasklares Konzept dargestellt \u2014 als w\u00e4re die Linie zwischen Tod und Leben dabei klar definiert. Aber das stimmt nicht. Der Hirntod ist kein wissenschaftlicher Fakt; er ist keine medizinische Diagnose. Er ist eine soziale \u00dcbereinkunft. Es ist wichtig zu wissen, was man meint, wenn man sagt, jemand sei tot. Wenn man damit jemanden meint, der kalt ist, und dessen K\u00f6rper steif ist, und der beerdigt werden kann, dann sind Hirntote nicht tot. Sie k\u00f6nnen in diesem Zustand noch Jahre weiterleben. Was einige Menschen meinen, wenn sie von Hirntoten als Tote sprechen, dann, dass diese Personen f\u00fcr immer im Koma sein und nicht mehr aufwachen werden. Und in diesem Sinne ist das auch richtig. Ich glaube aber nicht, dass dies der Zustand ist, den die meisten Menschen als Tod bezeichnen w\u00fcrden. Die \u00d6ffentlichkeit wird in diesem Punkt nicht klar informiert.\u201d<\/p><cite>Dokumentation \u201eDer Streit um den Hirntod\u201d, Minute 27:40<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wenn die Organtransplantation dank fortschreitender Technik nur noch ein Routineeingriff ist und die M\u00f6glichkeiten der Medizin gr\u00f6\u00dfer werden, w\u00e4chst zwangsl\u00e4ufig auch der Bedarf. Damit stellt sich mit Blick in die Zukunft auch die Frage, welche unabsehbare Entwicklung mit der sogenannten Widerspruchsl\u00f6sung eingel\u00e4utet wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Nach dem Tode soll jeder als Organspender zur Verf\u00fcgung stehen, wenn kein Widerspruch vorliegt. Daf\u00fcr setzt sich Bundesgesundheitsminister Spahn ein, ebenso der SPD-Politiker Lauterbach und weitere Abgeordnete des Parlaments. 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