{"id":7064,"date":"2019-05-03T21:49:38","date_gmt":"2019-05-03T19:49:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.studiogera.de\/001\/?p=7064"},"modified":"2019-05-03T21:49:40","modified_gmt":"2019-05-03T19:49:40","slug":"musiktheater-premiere-der-kaiser-von-atlantis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.studiogera.de\/001\/2019\/05\/03\/musiktheater-premiere-der-kaiser-von-atlantis\/","title":{"rendered":"MUSIKTHEATER-PREMIERE \u201eDER KAISER VON ATLANTIS\u201d"},"content":{"rendered":"\n<p>Viktor Ullmann (1898-1944) komponierte das Spiel in einem Akt \u201eDer Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung\u201c 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Zum 75. Todesjahr des Komponisten wird das Werk bei Theater &amp; Philharmonie Th\u00fcringen in Zusammenarbeit der Sparten Musiktheater und Puppentheater nun von Kai Anne Schuhmacher (Titelbild) inszeniert und kommt am Samstag, 4. Mai 2019 um 19.30 Uhr auf der B\u00fchne am Park des Geraer Theaters zur Premiere. Die musikalische Leitung \u00fcbernimmt Takahiro Nagasaki. B\u00fchne und Puppen gestaltet Udo Schneewei\u00df, Hedda Ladwig entwirft die Kost\u00fcme dazu. Es singen Alejandro L\u00e1rraga Schleske (Kaiser), Johannes Beck (Lautsprecher), Ulrich Burdack (Tod), Florian Neubauer (Harlekin), Gustavo Mordente Eda (Soldat), Sujin Bae (Bubikopf) und Judith Christ (Trommler). Als Puppenspieler treten Sabine Schramm, Tobias Weishaupt und Leonti Usolzew auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kammeroper ist mehr als nur ein zeitgeschichtliches Dokument, weil sie zeitlose ethische, philosophische und religi\u00f6se Themen behandelt: Wie ist das Verh\u00e4ltnis des Individuums zur Mehrheit? Welche Strukturen bestimmen das Leben? Was ist der Sinn des Lebens? Und welche Rolle spielt dabei der Tod?<\/p>\n\n\n\n<p>Die holzschnittartige Anlage der Figuren und die parabelhaft offene Form pr\u00e4destinieren dieses Werk geradezu f\u00fcr eine Interaktion von Puppenspiel und Musiktheater.<br>\nZur Handlung: Der Tod ist in Lethargie verfallen und ergeht sich in nostalgischer Verkl\u00e4rung vergangener Kriege. Der Trommler, Werkzeug des Kaisers Overall, proklamiert den totalen Krieg. Der Kaiser wiederum setzt dabei die Mitwirkung des Todes voraus. Dieser jedoch f\u00fchlt sich gegen seinen Willen vereinnahmt und tritt in den Streik. \u00dcber den Lautsprecher erf\u00e4hrt Overall, dass die Menschen nicht mehr sterben k\u00f6nnen. Das Land versinkt im Chaos. Im Moment des Zusammenbruchs seiner Herrschaftsordnung begegnet der Kaiser dem Tod. Dieser schl\u00e4gt ihm einen Handel vor: Er sei bereit, sein Handwerk wieder auszu\u00fcben, wenn der Kaiser einwilligt, als Erster zu sterben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Produktion ist Teil der Reihe \u201eWider das Vergessen\u201c. Die Regisseurin Kai Anne Schuhmacher ist Stipendiatin der Theater-Stiftung Gera.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Auff\u00fchrungen in Gera gibt es am Samstag, den 11. Mai, 19.30 Uhr und Donnerstag, den 30. Mai, 18 Uhr, hier im Rahmen des Festivals 90 Jahre Puppentheater Gera.<\/p>\n\n\n\n<p>Eintrittskarten sind an der Theaterkasse erh\u00e4ltlich. Diese k\u00f6nnen telefonisch unter der Rufnummer 0365 8279105 bzw. 03447 585177 sowie \u00fcber www.tpthueringen.de reserviert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Regisseurin Kai Anne Schuhmacher sprach \u00fcber ihre neue Inszenierung \u201eDer Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung\u201c. Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Dramaturgin Jannike Schulte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>In dieser letzten Produktion des Stipendiatenprojekts der Theater-Stiftung Gera hast du dich einer sparten\u00fcbergreifenden Produktion gewidmet. Was ist in einer solchen Produktion, in der S\u00e4nger zu Puppenspielern werden und Puppenspieler im Musiktheater mitwirken, die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schuhmacher: \u201eJede Sparte hat ihre ganz eigene Art des Probenprozesses, der Vorbereitung und der Entwicklung von Szenen. Im Gegensatz zum Musiktheater, wo durch die Komposition der Rhythmus und das Timing der Sprache gesetzt ist, hat man im Puppentheater quasi unendlich viel Zeit eine Szene zu spielen oder den Text zu rhythmisierten und zu f\u00e4rben, \u00e4hnlich wie im Schauspiel. Die Arbeit, die dann in den Proben geschieht, ist demnach in beiden Sparten sehr unterschiedlich. Vor den Proben werden in Musiktheaterproduktionen die St\u00fccke bereits musikalisch einstudiert, der Text sitzt also meist perfekt. Die S\u00e4nger\/-innen m\u00f6chten in den darauffolgenden szenischen Proben dann effektiv an ihren Charakteren arbeiten und direkt beginnen, mit den Kollegen die Szenen zu gestalten. Im Puppentheater wird aber zuallererst einmal das Material untersucht, also die Puppen. Was \u201ek\u00f6nnen\u201c diese Mitspieler, welche Sprache gibt man ihnen. Zu wie vielen spielt man eine Puppe am besten? Wer f\u00fchrt den Kopf? Diese Arbeit erfordert viel Geschick, aber auch Geduld. Wir haben einmal eine gesamte Probe darauf verwendet, um eine Puppe wieder von der B\u00fchne abgehen zu lassen. Nichts hat uns zufrieden gestellt. Als S\u00e4nger\/-in in diesem Prozess geduldig zu bleiben war sicher eine Herausforderung, genau so wie die Bereitschaft der Puppenspieler\/-innen innerhalb sehr streng gesetzten Timings Szenen zu gestalten. Mir war es wichtig die Sparten nicht nach ihren Kompetenzen zu trennen, sondern sie zu durchmischen und ein gemeinsames Ensemble zu schaffen. Dadurch musste jede\/r etwas neues Erlernen, aber ich denke dieser Prozess hat aus den K\u00fcnstler\/-innen ein starkes Team aus musikalisch versierten Darstellern gemacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung im Zusammenhang mit dem St\u00fcck \u201eDer Kaiser von Atlantis\u201c?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schuhmacher: \u201eSich vom Hintergrund der Entstehungsgeschichte nicht v\u00f6llig l\u00e4hmen zu lassen. Viktor Ullmann und Peter Kien haben dieses St\u00fcck in einer f\u00fcr uns unvorstellbar schweren Zeit geschrieben. Unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen haben sie sich mit ihren Kollegen zusammen getan, um Kunst zu machen. Sie haben kein Trauerspiel geschrieben, sondern ein St\u00fcck das trotz der sehr klaren Kritik gegen\u00fcber dem herrschenden System voll von bissiger Ironie, schwarzem Humor und Skurrilit\u00e4t steckt. Es war ein St\u00fcck das mit einem zwinkernden Auge zu den Mitinsassen sagen sollte: Kopf hoch! Leider ist es in Theresienstadt nie zur Auff\u00fchrung gekommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Art des Puppentheaters ist zu erleben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schuhmacher: \u201eWir haben nicht gespart an Formen des Puppentheaters. Von lebensgro\u00dfen Puppen aus Vollholz, \u00fcber Marionetten bis hin zu Schattenfiguren ist alles vertreten. Atlantis, das sind die Allegorien und absurden Charaktere, die auftreten, die skurrilen Figuren, die durch Puppen so wunderbar darstellbar sind. Eine besondere Form des Figurentheaters wird in Form von Projektionen abgebildet, die durch Live-Videoaufnahmen entstehen. Dabei werden kleine Plastiksoldaten abgefilmt und das Kriegsgeschehen, das auf Makroebene passiert, \u00fcberdimensional auf eine Leinwand vergr\u00f6\u00dfert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was ist das Besondere an der Arbeit mit Puppen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schuhmacher: \u201ePuppen lassen sich, wie beispielsweise die Spielzeugsoldaten, in einen anderen Kontext setzen. Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen auf den Kopf gestellt werden. Puppen k\u00f6nnen im Gegensatz zu Menschen au\u00dferdem wunderbar fliegen oder sterben. Und sie haben eine ganz besondere Beziehung zum Publikum, denn obwohl sie keine Mimik haben, wie wir Menschen, projizieren wir als Zuschauer Emotionen, Intentionen oder sogar Charaktereigenschaften in sie hinein. Das Material schafft trotzdem eine Distanz, bei der wir uns pl\u00f6tzlich trauen, uns vollst\u00e4ndig auf dieses Wesen einzulassen und uns auf einmal sogar mit einem Diktator identifizieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie entscheidest du, welche Figur durch eine Puppe gespielt wird?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schuhmacher: \u201eWarum Puppen die B\u00fchne betreten, besonders wenn sie gemeinsam mit \u201emenschlichen\u201c Darstellern agieren, ist eine sehr wichtige Frage. F\u00fcr mich war die Aufteilung so, dass die Welt des Kaisers, d.h. der Kaiser und seine Handlanger, der Lautsprecher und der Trommler, als Puppen dargestellt werden. Alle drei Charaktere haben etwas Maschinelles, Entfremdetes. Auch Dinge, die in Distanz geschehen, wie beispielsweise die Kriegsszenen oder die Erinnerungen des Todes, werden durch Figuren im Schattenspiel oder Livevideo dargestellt. Sp\u00e4ter in der Konzeptarbeit haben auch die beiden Menschen, Soldat und Bubikopf, ihre Entsprechung in Form von zwei Marionetten bekommen, die an ihren F\u00e4den Spielb\u00e4lle des Schicksals sind. Deshalb muss man wohl eher fragen, welche Figuren nicht durch Puppen dargestellt werden. Das sind ganz klar Tod und Harlekin. Der Harlekin wird bereits im Libretto als \u201edas Leben\u201c vorgestellt und hat in meiner Vorstellung auch gemeinsam mit seinem Zirkustross die Rolle des Schicksals. Die beiden \u201eg\u00f6ttlichen\u201c Allegorien Tod und Leben sind deswegen Ausnahmeerscheinungen, die keine Entsprechung im Material bekommen haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Figur des Kaisers ist gleich in drei Formen zu sehen \u2014 warum?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schuhmacher: \u201eDurch die Weigerung des Todes die Menschen sterben zu lassen bricht auf der Welt absolutes Chaos aus. Der Wahnsinn regiert. Die Bedrohlichkeit des Kaisers w\u00e4chst. Ein verr\u00fcckter Herrscher ist an der Macht und niemand, nicht einmal der Tod kann oder will ihm mehr Einhalt gebieten. Mit dem Chaos w\u00e4chst auch die Figur des Kaisers, er wird gr\u00f6\u00dfer und \u00fcberm\u00e4chtiger. Erst als der Tod seine Arbeit wiederaufnimmt, wird die Puppe wieder zum Menschen (Achtung Spoiler-Alarm!!!). Es geht im St\u00fcck um Vergebung und Schuld. Man sagt nicht umsonst: \u201eIrren ist menschlich, vergeben ist g\u00f6ttlich\u201c. Der Kaiser gibt schlie\u00dflich seinen Puppenk\u00f6rper auf, denn nur als Mensch kann er um Vergebung bitten und sterben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was macht die Oper heute noch aktuell?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schuhmacher: \u201eGanz zu schweigen von der Notwendigkeit die schrecklichen Geschehnisse des 2. Weltkrieges nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, stellt die Oper hochaktuelle Themen zur Diskussion. Wir sind alle immer noch den Herrschenden ausgeliefert. Das m\u00f6gen in unseren Breitengraden keine Diktatoren sein, aber Medienmogule, gro\u00dfe Firmen und Pharmakonzerne, die unser Essen vergiften, das geh\u00f6rt alles zu unserer Realit\u00e4t hier in Europa. Kaiser Overall will die Menschen bestrafen. Er sagt: \u201eDie Menschen verdienen es nicht (Erl\u00f6sung im Tod zu finden)\u201c. Er sagt: \u201eEs f\u00e4llt, wo du nicht bist, der Schnee. Es str\u00f6mt, wo du nicht bist, der Sommerregen aus. Wo du nicht bist, ist viel!\u201c Mit \u201edu\u201c, damit meint er den Menschen an sich. Die Erde k\u00f6nnte ohne das Menschengeschlecht sehr gut \u00fcberleben. Mit dieser Textstelle trifft die Oper eine ganz gro\u00dfe Frage unserer Zeit: Ob die Erde ohne unsere Kriege, unsere Umweltverschmutzung und unseren Egoismus nicht vielleicht besser dran w\u00e4re.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>QUELLE: THEATER ALTENBURG-GERA GGMBH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Viktor Ullmann (1898-1944) komponierte das Spiel in einem Akt \u201eDer Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung\u201c 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Zum 75. 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